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nicht gerade ganz nach der Welt und dem Fleische, aber auch nicht ganz nach Christo und nach dem Geiste. Erwägt es doch recht, meine Brüder, das heißt nicht in Christi Tod getauft sein. Sind wir ausgezogen in den Streit, so laßt uns auch nicht umkehren; haben wir angefangen, den Thurm zu bauen, so laßt uns auch nicht inmitten des Werkes aufhören. Sterben muß der alte Mensch in uns, sterben, und nichts Geringeres, wenn wir zum Leben eingeben wollen, gleichwie Christus gestorben und zu seiner Herrlichkeit eingegangen ist.

Ihr werdet aber fragen: Wie soll uns das möglich werden? wo ist die Kraft, durch welche wir überwinden sollen? wo ist das Leben, welches den Tod in uns verschlingen soll? Dieselbe Taufe, durch welche unser alter Mensch zum Tode gepflanzt wird, pflanzt in uns durch den heiligen Geist und durch die Wiedergeburt das neue Leben. Durch das Leben aus Gott, das uns gegeben ist, sollen wir den alten Menschen in uns kreuzigen, durch den Geist sollen wir des Fleisches Geschäfte tödten.

Wir sind in Christi Tob getauft. Der Tod Christi war nicht ein Sterben allein, sondern er war auch der Weg zur fiegreichen Auferstehung. Daher sagt unsre Epistel: „Wir sind mit Christo durch die Taufe begraben in den Tod, auf daß, gleich wie Christus ist auferwecket von den Todten durch die Herrlichkeit des, Vaters, also follen auch wir in einem neuen Leben wandeln. So wir aber sammt ihm gepflanzet werden zu gleichem Tod'e, so werden wir auch der Auferstehung gleich sein; dieweil wir wissen, daß unser alter Mensch sammt ihm gekreuzigt ist, auf das der sündliche Leib aufhöre, daß wir hinfort der Sünde nicht dienen." Sebet da, nicht bloß ein Bad des Todes ist die heilige Taufe für den alten Menschen in uns, sondern auch ein Bad des Lebens für den neuen Menschen in uns, ein Bad'der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes. Davon steht geschrieben (Eph. 2, 5–6): Da wir todt waren durch Uebertretung und Sünden, hat er uns sammt Christo lebendig gemacht, und hat uns fammt ihm auferweckt, und sammt ihm in das himmlische Wesen verseßt in Christo Jesu." Er redet nicht von dem himmlischen Wesen dort in der Ewigkeit, sondern hier auf Erden schon hat Christus ein himmlisches Wesen angerichtet in seinen Gläubigen. Davon steht geschrieben: „Unser Wandel ist im Himmel;" und in

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unsrer Epistel: Wir sollen in einem neuen Leben wandeln, wir werden seiner Auferstehung gleich sein. So geht nun in der Heiligen Taufe der alte Mensch in dem Tode Christi unter, und der neue Mensch geht aus dem Tode Christi hervor, „gleichwie Christus von den Todten auferstanden ist durch die Herrlichkeit des Vaters." Wir sind Gottes Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken" (Eph. 2, 10). Was aber dort in der Heiligen Taufe durch Gottes Gnade gepflanzt und gegründet ist, das sollen wir in unserm ganzen Leben wahr machen, daß es vollendet werde zur Ehre Gottes. Wir sollen mit Christo täglich auferstehen, wir follen in einem neuen Leben wandeln. 'Fasset den Gnadenruf und das Gnadenwerk Gottes recht fest in eure Herzen! ich rede als zu denen, die an den Herrn Jesum aufrichtig glauben. Wir sind gerechtfertigt von der Sünde. Unsre Epistel sagt: „Wer gestorben ist, der ist gerechtfertigt von der Sünde." Stellet euch vor, ein Mensch bätte durch eine Mifsethat den Tod verdient, das Gesetz fordert seinen Tod, er wird hingerichtet, dann ist dem Gefeße sein Genüge geschehen, es hat nichts mehr von ihm zu fordern. Wir haben mit unsern Sünden den ewigen Tod verdient, Christus hat unsre Schmerzen getragen an seinem Kreuze, unser alter Mensch wird mit ihm gekreuzigt und dem Tode übergeben, daß er in Ewigkeit nicht wieder lebendig werde. So ist dem Gefeße Gottes sein Genüge geschehen. Die Gnade Gottes aber, welche, da die Sünde verdammt werden muß, uns Sünder erretten will, schafft ein neues Leben, einen neuen Menschen in uns, welcher keinen Theil hat an der Sünde, und zum ewigen Leben geschickt ist. So muß nun an uns Alles, was dem alten Menschen angehört, untergehn durch den Fluch der Sünde, der neue Mensch aber muß ewig leben durch die Gnade Gottes in Christo Jesu. Auch dieser Leib von Erde, den wir an uns tragen, muß untergehn durch den Fluch, weil er dem alten Menschen in den Sünden gedient hat, und zum Theil noch dienet; er muß aber auch in einem neuen, werklärten Wesen wieder auferstehen durch Gottes Allmacht und Gnade, weil er dem neuen Menschen in uns dient in der Gerechtigkeit, weil Gottes Geist in uns wohnet. Das ist die herrliche Sieges- und Gnadenbahn, die Jesus uns gebrochen hat, da er unser Bruder geworden ist, und unsern Tod bezwungen hat durch sein Leiden und Auferstehn. Auf diese Sieges- und Gnadenbahn bist du geseßt, o Christ, denn du bist in den Tod Jesu Christi getauft. Darum sagt unsre Epistel: „Sind wir aber mit Christo gestorben, so glauben wir auch, daß wir mit ihm leben werden; und wissen, daß Christus von den Todten erweckt, hinfort nicht stirbt; der Tod wird bin fort nicht über ihn herrfchen. Denn das er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben zu einem Mal, das er aber lebet, das lebet er Gott."

- Dwelch ein Reichthum der Gnade und Weisheit Gottes, der da verderben und erretten kann, der allein Recht behält in allen seinen Wegen, und rein bleibt, wenn er gerichtet wird!

Endlich ruft uns nun der heilige Geist zu: „Also auch ihr, haltet euch dafür, daß ihr der Sünde gestorben seid, und lebet Gott in Christo Jesu, unserm Herr n.“ Ja, meine Liebsten, uns ist nun die Wahl gestellt zum Leben oder zum Tode. Gott hat uns zum Leben berufen, und will, daß uns geholfen werde, und wir zur Erkenntniß der Wahrheit fommen. Ër bat unsern Tod bezwungen und das Leben in uns gepflanzt, da er uns in den Tod Jesu Christi begraben ließ. Wollet ihr nun Gottes Werk in euch hindern und zerstören, wollet ihr lieber nach dem Fleische let so fahret fort in euren Sünden und Uebertretungen, sammelt euch Schäße auf Erden, wälzet euch in den Wohllüsten des Lebens, lüget und trüget, neidet und basset, schlafet und schlummert, verachtet Gottes Wort und Sakrament, seid eine Weile fröhlich bei den Narrentheidingen der verkehrten und gottlosen Welt; wer böse ist, der sei immerhin böse; aber wisset, daß der Herr spricht: „Siehe, ich komme bald, und mein Lohn mit mir, zu geben einem

Jeglichen, wie seine Werke sein werden;" wiffet, daß des Herrn Wort verkündigt: „Ich habe euch zuvor gesagt, und fage noch zuvor, daß sie solches thun, werden das Reich Gottes nicht ererben.“ – Wollet ihr aber durch Gottes Gnade dem Zorn entfliehen und zum Leben eingehn, so tödtet eure Glieder, die auf Erden sind, tödtet den alten Menschen in euch, tödtet durch den Geist des Fleisches Geschäfte, und wandelt im Geist, daß ihr die Lüste des Fleisches nicht vollbringet. Haltet euch dafür, daß ihr der Sünde gestorben seid, und lebet Gott in Christo Jesu, unferm Herrn. Höret und bewahret Ggttes Wort, seid wacker allezeit und betet, widerstehet dem Teufel, und haltet mit dem Herzen, mit den Worten und mit dem Wandel fest an Christo, dem Siegesfürsten, welcher alle seine treuen Nachfolger nach sich ziehen und mit sich führen wird zu seinem himmlischen Reiche.

Dem sei Ehre, Preis und Anbetung in Ewigkeit! Amen!

So lehre Du uns denn, Herr unser Gott, wie wir würdiglich wandeln dem Berufe, dadurch wir berufen find; hilf uns, daß wir in Deinem Reide unter Dir leben und Dir dienen in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit. Ach Herr, das Fleisch gelüstet noch immerdar wider den Geist, und die Sünde nimmt Ursadje an uns, uns zu verführen; wir haben keine Rraft von uns selber, die Lüfte und Begierden in uns zu freuzigen. Darum laß den

Segen unserer Taufe in uns kräftig bleiben; laß uns in täglicher Reue und Buße den alten Adam in uns ersäufen, daß er sterbe mit allen bösen Lüsten, und täglid wiederum herauskomme und auferstehe der neue Mensch, der vor Dir lebe in Christo Jesu, Deinem Sohne, bis wir, aus dem Kampfe dieses Lebens hinweggerücft, Dich dort oben dafür preisen dürfen, daß Du uns er. wählet hast zum Volke Deiner Ehre, der Du lebest und regierest in Ewigkeit. Amen!

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Geliebte Christen! Gott, der Herr hat die Menschen im Anfange nach seinem Ebenbilde geschaffen, frei von der Sünde, in Heiligkeit und Gerechtigkeit. Da lebten sie im Paradiese, glüdlich und selig in dem Umgange mit Gott, frei von aller Noth, Plage und vom Tode. Diesen Stand der Menschen nennen wir den Stand der Unschuld. Durch den Sündenfall ist aber das Ebenbild Gottes, dazu das Paradies, wie auch die Heiligkeit und Gerechtigkeit der Menschen verloren gegangen. Sie sind böse geworden, wie die Worte sagen: „Das Tichten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf." Die Sünde hat in ihnen geberrscht zum Tode. Diesen zweiten Stand der Menschen nennen wir den Stand der Sünde. Weiter hat sich der gnädige Gott erbarmt, und hat seinen eingebornen Sohn zuerst verheißen, danach gesandt in die Welt, „auf daß Alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Wer nun zu Jesu Christo kommt, der wird von Neuem geboren, empfängt Vergebung der Sünden, wird durch Christum angenommen als ein Kind Gottes und gekrönt mit Gnade und Barmherzigkeit. Ein solcher bekehrt sich mit Fleiß von seinen Sünden, und ringet nach dem Ende des Glaubens, nach der Seelen Seligkeit. Diesen dritten Stand des Menschen, der nun an Christum gläubig geworden ist, nennen wir den Stand der Gnade. Endlich, wer im Glauben, in der Gnade, und durch Geduld in guten Werken beharrt bis ans Ende, der wird selig, der gehet ein zu seines Herrn Freude, in das ewige Leben. Diesen legten Stand des Menschen, der durch Christum überwunden hat, nennen wir den Stand der Herrlich keit. Diese Betrachtung dringt uns natürlich zu der Frage: In welchem Stande bist du nun? Der Stand der Unschuld ist verloren, er kann dein Stand nicht sein. Der Stand der Herrlichkeit ist hier auf Erden nicht zu finden, er kann dein Stand nicht sein. Es bleibt die Frage übrig: Bist du im Stande der Sünde, d. h. ein Knecht der Sünde? oder bist du im Stande der Gnade, d. y. ein Erlöseter Jefu Christi, und ein Knecht Gottes? Die Frage ist überaus wichtig für uns, denn es hängt Seligkeit oder Verdammniß von unserm Stande hier auf Erden ab. Auf die Sündenknechtschaft folgt das ewige Verderben in der Hölle, und auf den Stand der Erlösung und Gnade folgt die ewige Herrlichkeit im Himmel.

Wenn wir uns nun beute nach Anleitung unserer Epistel diese Frage vorlegen wollen, so erfleben wir uns zuvor zur rechten Beherzigung des göttlichen Wortes den Segen Gottes in einem stillen und andächtigen Gebete.

Epistel: Römer 6, 19-23.

Ich muß menschlich davon reden, um der Schwachbeit willen eures Fleisches. Gleichwie ihr eure Glieder begeben habt zum Dienst der Unreinigkeit, und von einer Ungerechtigkeit zu der andern, also begebet nun audy eure Glieder zum Dienst der Gerechtigkeit, daß sie heilig werden. Denn da ihr der Sünde Knedite waret, da waret ihr frei von der Gerechtigkeit. Was hattet ihr nun zu der Zeit für Frucht? Welcher, ihr euch jeßt sdämet, denn das Ende derselben ist der Tod. Nun ihr aber seid von der Sünde frei, und Gottes Knechte geworden, habt ihr eure Frucht, daß ihr beilig werdet, das Ende aber das ewige Leben. Denn der Tod ist der Sünden Sold; aber die Gabe Gottes ist das ewige Leben, in Christo Jesu, unserm Herrn.

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