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die Vergebung der Sünden; an ihm haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, der gerecht ist." Darum läßt er uns durch seine Wächter zurufen: Mache dich auf, mache dich auf, Zion; ziehe deine Stärke an, schmücke dich herrlich, du heilige Stadt Jerusalem. Mache dich auf, werde Licht, denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn gehet auf über dir." Und Johannes bezeugt in seinem ersten Briefe: „Meine Kindlein, solches schreibe ich euch, auf daß ihr nicht fündiget, und ob jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesum Christum, der gerecht ist. Und derselbige ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unsere, sondern auch für der ganzen Welt." :-*

;- Wir haben an ihm einen Hohenpriester, der Mitleið haben kann mit unsrer Schwachheit, einen barmherzigen, treuen Hohenpriester, der auch selbst versucht ist allenthalben, gleichwie wir, doch ohne Sünde. Von dem allmächtigen Vater, von welchem alle Dinge sind, ist er als Mittler hingestellt, uns zu vertreten, für uns zu bitten, mit einem Eide bat Gott ihn eingeseßt zum ewigen Hohenpriester, und hat uns gewiß gemacht, daß wir durch ihn versöhnt, Zugang und Freudigkeit zu Gott haben können.

Aber noch größern Reichthum haben wir in Christo Jesu. Wir haben durch ihn die Kindschaft bei Gott. Sein Wort bezeugt es an allen Drten, daß Gott uns solch eine Liebe erzeigt hat, daß wix seine Kinder heißen sollen. Und nicht das Wort allein, das außer uns geschrieben steht, predigt uns das, sondern auch der Geist Gottes, der in unsre Herzen ausgegossen ist, giebt Zeugniß unserm Geiste, daß wir Gottes Kinder sind. Diesen großen und seligen Gedanken kann kein sündiger Mensch auf einmal fassen, aber wenn er auf der Bahn des Glaubens einhergeht, so dringet zuvörderst eine tiefe, und große Freude in feine Seele, Gott hat ihn in Gnaden angesehen, der Geist bezeugt ihm, daß er Gottes Kind sei, aber er versteht diese Stimme noch nicht; es ist ihm zuerst eine große, dunkle Ahnung, die er noch nicht fassen kann. Fährt er nun fort auf der Glaubensbahn, so wird das Zeugniß des Geistes lauter und deutlicher, bis er endlich unter Schauern der Seligkeit und mit Thränen des Dankes in die großen Worte Jobannis einstimmen kann: „Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder!" Davon schreibt der Apostel Paulus Römer 8, 29 sq. die Worte: „Welche Gott zuvor ver- . sehen hat, die hat er auch verordnet, daß sie gleich sein sollten dem Ebenbilde seines Sohnes, auf daß derselbige der Erstgeborne sei unter vielen Brüdern. Was wollen wir denn hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? welcher auch seines eigenen Sohnes nicht hat verschonet

, sondern hat ihn für uns Alle dahin gegeben, wie sollte er uns mit iým nicht Állles schenken?", Mit der Kindschaft ist uns zugleich das Erbtheil zugesichert, denn

find wir Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi." Das ist der Segen Abraham's, der über die Völker der Erde gekommen ist. Das ist das verheißene, auß Gnaden frei geschenkte Erbe, welches wir jeßt im Glauben ergreifen, daß wir, von allem Uebel erlöset, sein sollen, wo er ist, und mit ihm leben in seiner Herrlichkeit. Dieses Erbtheil ist allen Gläubigen in Christo verschrieben, und sicher bewahrt in den Händen des Almächtigen. Der möge Helfen, daß wir és ergreifen, den Lauf des Glaubens vollenden, und diese selige Hoffnung ererben, zu Lobe seiner herrlichen Gnade! Amen!

Herr Jesu Christe, Du unser Ein und Alles ! in Dir ist uns der Segen Abraham's gekommen, in Dir sind wir dem Vater angenehm gemacht, in Dir ist uns das ewige Leben wiedergebracht. D Herr! so laß uns unverrückt auf Dich blicken, und wirke durch Deinen Geist folche Zuversicht in unseren Herzen, daß wir hinfort Deiner uns getrösten, und in Dir unserer Kindschaft bei Gott gewiß werden mögen. Hilf uns von der Gewalt des Unglaubens und von der eigenen Gerechtigkeit, daß uns Dein heiliges Wort, das Testament der Verheifung, nicht ein Anstoß und Aergerniß werde. Erleuchte unsere Leuchte, und mache unsere Finsterniß Licht, denn Du bist ein Schild Aden, die Dir vertrauen, daß Dein Gnadenglanz unsere einsame Seele erquice. Amen! -

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53.

Am 14. Sonntage nach Trinitatis.

Gott Vater! sieh' den Jammer an,
Den Jammer meiner Sünden,
Weil ich mir selbst nicht helfen kann,
Und laß mich Gnade finden;
Ich bin zu schwach,
Das Ungernachy
Der bösen Lust zu dämpfen;
Erbarme dich und lehre' mich
Durch Deine Kraft zu kämpfen. Amen! –

Geliebte Christen! Der Herr, unser Heiland, rufet uns zu Matthät 7, 13–14: „Gehet ein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der zur Verdammniß abführet

, und ihrer sind Viele, die darauf wandeln. Und die Pforte ist enge, und der Weg ist schmal, der zum Leben führet, und Wenige sind ihrer, die ihn finden."' – Lasset uns den Ernst dieser Worte recht zu Herzen nehmen. Es stehen wahrlich die drei mächs tigen Feinde: Teufel, Welt und Fleisch noch so gewaltig gerüstet um uns, daß wir, wenn wir es recht bedenken, keine Zeit übrig haben, zu vergeblichen Fragen und Wortkriegen, sondern alle Zeit und Kräfte darauf wenden müssen, mit Furcht und Zittern unsre Seligkeit zu schaffen. Mit großem Ernste rufet uns der Herr entgegen, daß nur zwei Pforten und zwei Wege find für die Menschenkinder, die enge Pforte mit dem schmalen Wege, und die weite Pforte mit dem breiten Wege, und nachdem wir Menschen den einen oder den andern Weg einschlagen, wird auch der Ausgang sein, Seligkeit, oder Verdammniß. Mit noch größerem Ernste erinnert er uns daran, daß ihrer Wenige find, die den Weg des Lebens finden, und ihrer Viele, die auf dem breiten Wege der Hölle zuwandern. – O wie kann doch ein Christ noch müßig sein, während die Flamme des Verderbens_ rings um ihn herlodert, und stündlich auch ihn zu ergreifen droht. Wenn es heißt: Es sind Viele, die auf dem breiten Wege wandeln, der zur Verdammniß abführet; sollen wir da umhersehen und fragen, „auf welchem Wege ist dieser und jener?" Sollen wir nicht vor allen Dingen fragen: „Auf welchem Wege bin ich?" Und wenn die Frage in's Reine wäre, dann —; aber wisset, die Frage kommt so bald nicht in's Reine! Der Feind gebet noch umber, und suchet, welchen er verderbe. Die Welt hat ihre Neße noch rings um dich gestellt, und dein eigenes Fleisch und Blut ist noch voll Reizungen und Lockungen zur Sünde. Wenige sind, die den Weg des Lebens finden. Siehe doch das Wort „Wenige!" recht an. Werden diese Wenigen nicht die sein, welche sich Schäße sammeln im Himmel, und still verborgen mit Christo in Gott, zu nichts weiter Zeit haben, als durch Geduld in guten Werken zu trachten nach dem ewigen Leben? Die Zahl weiß der Herr allein, aber nicht Viele," fürwahr nicht Viele, sagt des Herrn Wort, und von denen, die am sichersten sind, werden die Wenigsten darunter sein. Sollten wir des Satans List und Macht nidyt merken? Einen Hauch seines Giftes bläset er darein, und zerrissen ist das Häuflein, von dem man meinte, die Pforten der Hölle sollten es nicht überwältigen. Sollten wir die Schlingen dieser Welt nicht fürchten? Wie Mancher, der wohl entronnen war, hat wieder Freundschaft geschlossen mit ihren Lüsten! Sollten wir des eignen Fleisches Tücke nicht, erkennen? Wie Manche, die fein liefen, sind wieder aufgehalten, und abgefallen, gleich tauben Blüthen, die keine Frucht haben. Wie manchen guten Vorsaß hat es uns zu Schanden gemacht! Ja Wenige, Wenige halten den Weg des Lebens! Dieses Wort des Herrn fordert uns auf zur tiefen Einkehr in das eigene Herz, und eine solche tiefe Einkehr in uns selbst ist uns auch zur Betrachtung der heutigen Epistel nothwendig, darum laßt uns dieselbe und den Segen Gottes erfleben in einem stillen und andächtigen Gebete.

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Epistel: Galater 5, 16-24.

3d sage aber: Wandelt im Geist, so trerdet ihr die Lüste des Fleisches nicht volbringen. Denn das Fleisch gelüftet wider den Geist, und den Geift wider das Fleisch. Dieselbe sind wider einander, daß ihr nicht thut, was ihr wollt. Regieret euch aber der Geist, so seid ihr nicht unter dem Gefeß. Dffenbar find aber die Werke des Fleides, ale da sind Ehebrud, Hureret, Unreinigkeit, Unzucht, Abgötterei, Zauberei, Feindschaft, Hader, Neid, Zorn, Zank, 3wietradt, Rotten, Haß, Mord, Saufen, fressen, und dergleichen, von welchen ich euch habe zuvor gesagt

und sage noch zuvor, daß, die solches thun, werden das Reid Gottes nicht ererben. Die Frucht aber des Geistes tft liebe, Freude, Friebe, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmuth, Reufdheit. Wider solche ist das Geseß nicht. Welche aber Christo angehören, die kreuzigen ihr Fleisch sammt den Lüften und Begierden.

Wir wollen heute nach Anleitung dieser Epistel von dem Wandeln nach dem Fleische reden und was dieselbe von dem Wandeln im Geiste enthält, das zu betrachten und anzuwenden wird sich uns durch Gottes Gnade am fünftigen Sonntage Gelegenheit bieten.

Wenn wir nun von dem Wandeln nach dem Fleische reden wollen, fo fragen wir zuerst nach den inneren Rennzeichen eines folden Wandels.

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Fhr wisset, daß wir durch die Sünde, welche zu allen Menschen hindurchgedrungen ist, allesammt abgewichen, und untüchtig geworden find, auch entfremdet von dem Leben, das aus Gott ist. Erst durch den lebendigen Glauben an Jesum Christum steht der Mensch aus diesem Tode der Sünden wieder auf. Es leben und wandeln also alle die nach dem Fleische, welche nicht durch Christum von Neuem geboren sind. Das Gelüsten des Fleisches findet zwar auch in den Wiedergebornen Statt, und verursacht ihnen oft heftigen Rampf. Ja was die feineren Begierden des sündlichen Fleisches betrifft, als z. B. Eitelkeit, Neid, Trägheit, Ungeduld, Lieblosigkeit und dergleichen, so reißt es auch den Wiedergebornen in viele und manche, tägliche Sünden. „Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist, und den Geist wider das Fleisch, dieselben sind wider einander, daß ihr nicht thut, was ihr wollt." Aber den gröberen Lüsten widerstehet der Wiedergeborne durch den Geist Gottes, und steht überhaupt in täglichem Rampfe wider die Begierden des Fletsches, wie geschrieben steht: „Welche aber Christo angehören, die kreuzigen ihr Fleisch, fammt den Lüsten und Begierden." Ist nun dieses Vermeiden der groben fleischlichen Lüste, dieses fortwährende Kämpfen wider die feineren Begterden desselben, dieses tägliche Kreuzigen des Fleisches, das Kennzeichen der Wiedergebornen; so ist umgekehrt ein Rennzeichen, daß du unwiedergeboren nach dem Fleische lebest, wenn du entweder die groben Lüste des Fleisdhes thust, oder den feineren Begterden desselben ungehindert Raum läsfest, und alfo dein Fleisch fammt den Lüsten und Begierden nicht kreuzigest. Betrachte deßhalb deinen Weg recht sorgfältig, o, Christ! Es findet

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