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Es ist schwer darzustellen, wie groß die Macht des Satans gewesen sei, und welche Freiheit er vor Christi Erscheinung selbft im Himmel gehabt habe. Nur einzelne Winke giebt uns das Wort Gottes. Zuerst der merkwürdige

Bericht in der Geschichte Hiobs, daß der Satan vor dem Herrn fich eingefunden, und Hiob durd Verdächtigung seiner Treue angeklagt habe. Dann die Worte in unsrer Epistel, wo er der „Verkläger unsrer Brüder" genannt wird, oder sie verklagete vor Gott, Tag und Nacht." Endlich die wunderbare Erscheinung, daß dieser freche Feind des Allerhöchsten es wagen durfte, den Sohn des lebendigen Gottes, dessen Herkommen und Macht ihm wohlbekannt war, in Versuchung zu führen, daß er es wagen durfte, den Herrn der Herrlichkeit auf zufordern, er sollte vor ihm, dem Allerverworfensten, niederfallen, und ihn anbeten. Daß aber seine Gewalt auf Erden sehr groß gewesen, und noch sehr groß ist, da, wo Christus noch nicht geglaubt wird, das sieht man aus den alten und neuen Geschichten deutlid und erschrecklich genug; denn man kann wohl sagen, daß keine Greuel, Schanden, Gottlosigkeiten, Frevel und Missethat so groß gedacht werden können, welche nicht in vollem Schwange wären, wo Christus nicht geglaubt wird. Wollte jemand sagen: Warum machte doch Gott diesem Feinde und seinem Reich nicht schon längst ein Ende? so ist uns darauf keine Antwort geoffenbart; nur darf man wohl vermuthen, daß es darum nicht geschehen ist, weil sonst Viele von denen, die noch errettet werden sollten, hätten mit verderben müssen. Denn Gott hat nicht Luft am Verderben der Lebendigen, er wollte nach seinem Ernst und nach seiner Liebe den unverbesserlichen Feind verderben, aber seine Beute, die Menschenkinder, die noch zu retten waren, wollte er erretten. Diesen zwiefachen ewigen Rathschluß auszuführen, war nun kein Anderer im Stande

, als der eingeborne Gottessohn, in welchem es von Anbeginn bes schlossen war, daß er der Schlange selbst den Kopf zertreten, dazu auch ihre Werke zerstören sollte. As nun Jesus Christus sein Reich auf Erden angefangen hatte, da hatte die Stunde des Fürsten der Finsterniß bald geschlagen, er mußte hinunter von seinem Throne, denn seine Macht war gebrochen, die Sünde war versöhnet. Davon stehet im Briefe an die Kolosser 2, 15 geschrieben, daß Christus die Fürstenthümer und Gewaltigen, das sind eben die gefallenen Engel, ausgezogen hat, und hat fie Schau getragen öffentlich, und einen Triumph aus ihnen gemacht durch sich selbst. Er trieb nämlich die Teufel aus durch sein Wort, und ste mußten ihm gehorcher, öffentlich vor aller Augen und Ohren bewies er seinen Sieg über fie. Und das nicht allein; auch seinen Jüngern gab er Macht, und die Teufel mußten ihnen unterthan sein; so daß nun arme, fchwache Menschenkinder diesem stolzen und starken Feinde im Namen Jesu

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det gebteten konnten, und er mußte ihnen gehorchen. Je weiter nun

Jesu Werk auf Erden seiner Vollendung entgegenrückte, pesto näher rückte dieses Feindes Verwerfung. Nidit lange vor seinem Leiden

sprach der Herr die inhaltschweren Worte (Joh. 12, 31): „Jeßt 10 mai grebet das Gericht über die Welt, nun wird der Fürst dieser" Welt Die Mc

ausgestoßen werden.“ Deßgleichen verkündigt er Johannis 16, 11, der

daß der Heilige Geist die Welt strafen, d. t. überführen, überzeugen werde, daß der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Der Sohn Gottes überwand ihn, nicht durch Gewalt, oder Almacht, sondern durch den Gehorsam bis zum Tode. Indem er durch seinen Tod dem Tode die Macht nahm, nahm er auch dem Teufel die Macht'; indem er das Gefängniß gefangen führte, führte er auch den Herrn dieses

Gefängnisses, den Teufel, gefangen. Davon stehet sehr deutlich in Ebråer 2, 14 geschrieben, daß Christus Fleisch und Blut angenom

men habe, „auf daß er durch den Tod die Macht nähme dem, der vention des Codes Gewalt Hatte

, das ist, dem Teufel." As nun der Weg zur Erlösung geöffnet war, daß mit dem Feinde nicht auch zugleich dat hy die Erdenkinder gerichtet und verworfen werden mußten, sondern 292 daß er verderbet und jene errettet werden konnten in Christo; ba X

that Gott seinen Engeln Befehl, und „es erhob sich ein Streit

im Himmel." Nicht umsonst hatte der Feind schon, als Jesus m! noch ein Kind war, ihm nach dem Leben gestanden. Nicht umsonst

war er in den Judas gefahren, daß er ihn verriethe. Er ahnete mit wohl nichts Gutes von diesem erniedrigten Herrscher. Aber fiebe,

da er meinte zu fiegen, als er es dahin gebracht hatte, daß fie den Fürsten des Lebens kreuzigten, da erhob sich sein Verderben.

Es erhob sich ein Streit im Himmel: „Michael (einer von den ifi Erzengeln Gottes)und seine Engel stritten mit dem Drachen,

und der Drace stritte und seine Engel, und stegeten

nicht, auch ward ihre Stätte (d. 5. ihres Bleibens), nicht , mehr gefunden im Himmel. Und es ward ausgeworfen

der große-Drache, die alte Schlange, die da heißt der Teufel und Satanas, der die ganze Welt verführet; und ward geworfen auf die Erde, und seine Engel wurden aud dahin geworfen." Soldie Vorkämpfer haben wir durch Jesum Christum, wie sollten wir uns des Steges nicht freuen? Aber, fragen wir verwundert, auf die Erde geworfen? warum nicht gleich an den Ort, in das ewige Feuer, welches, wie der Herr sagt, ihm und seinen Engeln bereitet ist von Anbeginn? Auf die Erde ist er geworfen, weil er hier noch Macht und Anhang hat in den Kindern des Unglaubens; wenn aber auch auf Erden ihm alle die werden entrissen sein, welche Jesum Christum annehmen und durch ihn zu Gottes Kindern umgeschaffen werden, wenn Christus seine Auserwählten wird gesammelt haben von allen Enden

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der Erde, dam wird er den Feind mit seinem ganzen Anhange auch von der Erde und zur Hölle verstoßen. Auf die Erde ist er mit seinen Engeln geworfen, und sagen die Worte der Weiffagung, „webe denen, die auf Erden wohnen und auf dem Meer, denn der Teufel kommt zu euch hinab, und hat einen großen Zorn, und weiß, daß er wenig Zeit hat." Was soll das Heißen

, wem gilt dies Webe?" Die Macht dieses Feindes, ob er gleich großen Zorn hat, ist auch auf Erden gebrochen. Nicht genug, dag er von Christo und von den Engeln überwunden ist, er wird auch von den Menschen überwunden, welche im lebendigen Glauben Christo anhangen und angeßören. Wir haben schon gehört, und es stebt beim Lukas im 10. Capitel geschrieben, daß Jesus auch seinen Jüngern Macht gab, die Teufel auszutreiben. Die Jünger kamen zu Jesu mit Freuden und sprachen: „Herr, es find uns auch die Teufel unterthan in deinem Namen." Und der Herr antwortete ihnen unter Anderem: „Sebet, ich habe euch Macht gegeben über alle Gewalt des Feindes, und nichts wird euch beschädigen.". Das ist aber uns zur Lehre geschehen und geschrieben, daß wir wiffen sollen, daß der arge Feind keine Macht hat an denen, die des Glaubens an Jesum Christum leben. Hiervon schreibt Johannis 1. Buch Capitel 5, 18: „Wer von Gott geboren ist

, der bewahret fich, und der Arge wird ihn nicht antasten." Denn die des Glaubens an Jesum Christum leben, sind dem Joche des Satans entrffen, und haben von dem Herrn eine Kriegsrüstung, einen Schild, mit welchem fie auslöschen können alle feurige Pfeile des Bösewichts, einen Harnisch, in welchem sie stehen können wider die listigen Anläufe des Teufels. Dazu verkündigt auch unsre Heutige Epistel von denen, die in Christo gekämpft, und bis an's Ende beharret haben, die köstlichen Triumph- und Siegegwortet Sie haben ihn, den Verkläger, überwunden durch des Lammes Blut

, und durch das Wort ihres Zeugnisses, und haben ihr Leben nicht geliebet bis an den Lod." Die Schwachen paben den Starken überwunden durch den Arm des Stärkeren. Durch des Lammes Blut sind sie rein gewaschen von ihren Sünden, und wenn der Fürst dieser Welt kam, fo fand er nichts. an ihnen, gleichwie er an dem Fürsten des Lebens nichts gefunden hatte. Sie haben ihn überwunden durch das Wort ibres Zeugnisses;" denn sie bekannten, daß sie im Herrn, in Christo, Gerechtigkeit hätten und Stärke, daß Christus fie erkauft mit seinem Blute; und daß fie von ihm nicht laffen wollten bis in den Tod. Darum hat denn auch Christus fie bekannt vor dem Vater und seinen Engeln, und keine Gewalt konnte fie aus seiner Hand reißen, noch scheiden von der Liebe Gottes. Ob nun der Feind mag auf Erden sein, und großen Zorn baben, ob er wissen

nag, daß er wenig Zeit hat, ob er umbergeben mag, wie ein brülender Löwe, und suchen, welchen er verschlinge, diese Zuflucht steht Ins Allen offen: Christi Tod im Glauben ergreifen, seinen Namen von Herzen bekennen; diese Mauern Zions wird der arge Feind nicht zerbrechen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Sind aber die Gläubigen in Christo Jesu Bewahrt, daß der Arge sie nicht antasten kann, so hat er desto mehr sein Werk in den Kindern des Únglaubens. Darum sprach der Herr zu den Juden, die ihm widerstanden: „Ihr seid von dem Vater dem Teufel

, und nach eures Vaters Lust wollet ihr thun." Davon sagt auch Johannes (1. Br. 3, 8): „Wer Sünde thut, der ist vom Teufel. Die Sünde ist des Teufels Neß und Gewalt, welche darin gefangen sind, die sind sein; in ihnen hat er sein Werk, fie helfen ihm streiten wider die Kinder Gottes. Durch den Unglauben und die Sünde wird es ihm noch einmal gelingen, sich auf Erden zu erheben über Alles, was Gott oder Gottesdienst heißt, wird sich feßen in den Tempei Gottes, als ein Gott, und vorgeben, er sei Gott. Er wird mit allerlei lügenhaftigen Kräften, mit Zeichen und Wundern, mit kräftigen Irrthümern Viele, so es möglich wäre, auch die Auserwählten verführen. Wenn 'er es aber aufs Höchste gebracht haben wird, dann wird sein Sturz am nächsten sein, dann wird die Scheidung zwischen seinen Kindern und Gottes Kindern rich vollenden. Der Herr wird ihn durch die Erscheinung seiner Zukunft zur Hölle verstoßen. Hieraus zeigt fich uns, daß der

Teufel zwar Macht hat auf Erden, aber eine genau begrenzte Macht. Gleichwie, wenn ein reißendes Thier mit einer starken Kette an einen Felsen gefesselt wäre, und in dem Kreise, so weit seine Rette reicht, Jeden verderben, weiter aber Niemandem schaden könnte; so ist auch dieser Verderber mit starken Ketten der Finsterniß gefesselt. Seine Rette reicht so weit, als die Finsterniß der Sünde reicht, wer Arges thut und Hasset das Licht, der begiebt sich in den Bereich des Satans, und wird von ihm vernichtet; wer aber in dem Lichte Jesu Christi wandelt, den wird er nicht antasten, denn seine Rette hält ihn zurück.

Und du, o Christ, säume nicht, in die Arme des Ueberwinders zu fliehen. Ér hat dem Feinde die Macht entrissen, nur in ihm sind wir frei

. „Sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut.“ Die Worte zeigen auch uns den Siegesweg. „Sie haben ihr Leben nicht geliebt bis in den Tod," das sei auch unsre Kunst zu streiten. Dann werden wir einst voll Dank und Šubel des Sieges einstimmen in die Worte der himmlischen Sieger, die da sprachen: Nun ist das Heil und die Kraft, und das Reich und die Macht unsers Gottes und seines Christus geworden!" Amen!

Sesu, stårte Deine Stinder,
Und madh' aus denen Ueberwinder,
Die Du erkauft mit Deinem Blut.
Schaff in uns ein neues Leben,
Daß wir uns stets zu Dir erheben,
Wenn uns entfallen wil der Muth:
Gieß' aus auf uns den Geist,
Daburch die Liebe fleußt
In die Herzen,
So halten wir
Setreu an Dir
In Tod und Leben für unb für. Amen! -

58.

Am 18. Sonntage nach Trinitatis.

Du Glanz der Herrlichkeit,
licht vom Licht, aus Gott geboren,
Mach' uns allesammt bereit,
Deffne Herzen, Mund und Ohren,
Unser Bitten, Fleh'n und Singen
Rap, Herr Jesu! wohl gelingen. Amen.

Geliebte Christen! Das ist nach dem Wort Gottes ganz gewiß

, daß der Reichthum für die Seele des Menschen eine febr gefährliche Sache ist. Da heißt es an einem Orte: „Die da reich werde. wollen, fallen in Versuchung und Stricke und viel thörichte und schädliche Lüste, welche versenken die Menschen in Verderben und Versammniß." „Wie schwerlich, spricht der Herr, werden die Reichen ins Reich Gottes kommen; es ist leichter, daß ein Cameel durch ein Nadelöhr gebe, denn daß ein Reicher ins Reich Gottes

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