Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

240

Ein fünftes alt geworden,
Ein sechstes war gebacken,
Ein siebentes - plötzlich rührte ich dich an,
Und du wachtest auf!"

245

Gilgamesch sagt zu ihm, zu Ut-napischti, dem Fernen:
„Wie soll ich handeln, Utsnapischti, wohin soll ich gehen,
Da meine Glieder schon gepackt der Raffer?:
In meinem Schlafgemach wohnt der Tod,
Und wo ich hinfliehe, ist er, der Tod!"

250

255

Ut-napischti sagt zu ihm, zu Ur-Schanabi, dem Schiffer:
„Ur-Schanabi, dich soll der Landungsplatz hassen, die

Überfahrtsstelle soll dich nicht mehr mögen;
Wer an ihrem Ufer einhergeht, den beraube ihres Ufers!
Den Menschen, den du herführtest,
Dessen Leib Lumpen bedecken,
Dem Felle genommen haben die Schönheit seines Leibes,
Nimm ihn mit, und dann, Ur-Schanabi, bring ihn zur

Waschstelle,
Daß er seine Lumpen im Wasser so rein wie Schnee wasche!
Er werfe seine Felle ab, daß das Meer sie forttrage!
Schön möge sein Körper erscheinen!
Erneuert werde das Kopftuch auf seinem Haupte,
Mit einem Gewande sei er bekleidet als einem Hemd für

seine Blöße!
Bis er kommt nach seiner Stadt,
Bis er gelangt auf seinen Weg,
Soll das Gewand nicht alt werden, sondern sich stets er

,

neuern!“

260

Da nahm ihn Ur-Schanabi mit und brachte ihn zur

Waschstelle; Seine Lumpen wusch er im Wasser so rein wie Schnee, 1 Es scheint der Tod gemeint zu sein.

265

Er warf ab seine Felle, daß das Meer sie forttrug;
Schön erschien sein Körper.
Erneuert ward das Kopftuch auf seinem Haupte,
Mit einem Gewande ward er bekleidet als einem Hemd

für seine Blöße.
Bis er käme nach seiner Stadt,
Bis er gelänge auf seinen Weg,
Sollte das Gewand nicht alt werden, sondern sich stets

erneuern!

270

Gilgamesch und Ur-Schanabi bestiegen das Schiff,
Das Schiff warfen sie auf die wogende Flut und fuhren

dahin.

275

Seine Frau sagt zu ihm, zu Ut-napischti, dem Fernen:
„Gilgamesch ist gegangen, hat sich abgemüht und gequält:
Mit welcher Gabe von dir wird er in seine Heimat zurücks

kehren?
Und er hat schon erhoben die Stange, Gilgamesch,
Und nähert das Schiff dem Ufer.“

280

Ut-napischti sagt zu ihm, zu Gilgamesch:
„Gilgamesch, du bist gegangen, hast dich abgemüht und
,

gequält: Mit welcher Gabe von mir wirst du in deine Heimat

zurückkehren?
Ich will dir eröffnen eine verborgene Kunde,
Und ein Kraut des Lebens will ich dir sagen:
Selbiges Kraut ist wie Stechdorn an der Hecke:
Sein Dorn kann der Rose gleich die Hand zerstechen.
Wenn jenes Kraut deine Hände erreichen, so es und

du wirst leben!

285

Als Gilgamesch dieses vernahm, ...
Band er schwere Steine an seine Füße;
Die zogen ihn zum Ozean hinab auf den Grund.

290

Er selbst nahm das Kraut, das ihm die Hand zerstach.
Er schnitt ab die schweren Steine von seinen Füßen,
Dann legte er es an seine Seite.

295

Gilgamesch sagt zu ihm, zu Ur-Schanabi, dem Schiffer:
Ur-Schanabi, dieses Kraut ist das verheißene Kraut,
Wodurch ein Mensch seinen sehnlichsten Wunsch erreicht.
Ich will es bringen nach dem umfriedigten Uruk, ich

will es den Leuten zu essen geben
Sein Name ist: „Als Greis wird wieder jung der Mensch'.
Ich selbst will es essen, um zu meiner Jugend zurückzus

kehren.“

300

Nach zwanzig Meilen aßen sie einen Bissen,
Nach dreißig Meilen hielten sie Nachtruhe.
Da sah Gilgamesch eine Grube, deren Wasser kalt war,
Er stieg in sie hinab und badet sich in dem Wasser.
Eine Schlange roch den Duft des Krautes,
Eiligst stieg sie empor und nahm das Kraut.

305

Als er zurückkehrte, sprach er eine Verwünschung aus;
Sogleich setzte Gilgamesch sich nieder und weint,
Über sein Antlitz rinnen seine Tränen.

310

Er spricht und sagt zu Ur-Schanabi, dem Schiffer:
„Für wen, Ur-Schanabi, haben sich abgemüht meine Arme?
Für wen geht dahin das Blut meines Herzens?
Nicht wirkte ich Gutes für mich selbst,
Für den Erdlöwen habe ich Gutes getan"! ....

Ich will weichen;
Auch werde ich das Schiff am Ufer zurücklassen!

Nach zwanzig Meilen aßen sie einen Bissen,

Nach dreißig Meilen hielten sie Nachtruhe: Bedeutung dieses Satzes nicht sicher. 8 Ungnad, Babylonien

1

320

Da gelangten sie hinein nach dem umfriedigten Uruk.

[ocr errors]

Gilgamesch sagt zu ihm, zu Ur-Schanabi, dem Schiffer: „Steig hinauf, Ur-Schanabi, auf der Mauer des umfries

digten Uruk geh einher; Die Grundlage betrachte, die Ziegel schau' an, ob ihre

Ziegel nicht wiederhergestellt sind Undihre Fundamente nichtgelegt haben die sieben Weisen.“ Es folgen noch einige Zeilen, in denen Gilgamesch von neuen Baus plänen zu sprechen scheint. Damit endet die elfte Tafel, und die zwölfte und letzte schließt sich ohne sichtbaren Zusammenhang an. Gilgameschs weitere Taten und Erlebnisse haben, nachdem sein Suchen nach dem ewigen Leben erfolglos war, kein Interesse mehr für den Erzähler: sobald dem Helden durch die in der zwölften Tafel erzählte Totenbeschwörung Kunde von der Unterwelt und dem Leben nach dem Tode gegeben ist, schließt das Epos.

ZWÖLFTE TAFEL

1

Gilgamesch hat den Plan gefaßt, seinen Freund Engidu aus der Unterwelt heraufzubeschwören, und erhält von einer Gottheit Vers haltungsmaßregeln:

„Gilgamesch, vernimm, was ich dir sage!
Wenn zur Unterwelt du willst hinabsteigen,
Zum Heiligtum Irkallas' du willst gelangen,
Darfst du ein reines Hemd nicht anziehen; .
Mit gutem Öl aus der Salbbüchse darfst du dich nicht

salben,
Sonst werden sie? bei seinem Duft sich zu dir scharen.
Den Bogen darfst du nicht auf die Erde setzen,
Sonst werden die vom Bogen Getöteten dich umringen.

15

20

Den Stock darfst du nicht in deine Hand nehmen,

Sonst werden die Totengeister vor dir erzittern. Totengott. Die Toten.

1

2

25

Schuhe darfst du nicht an deine Füße tun,
Lärm zur Erde hin darfst du nicht machen.
Dein Weib, das du liebst, darfst du nicht küssen,
Dein Weib, das du verabscheust, darfst du nicht schlagen.
Dein Kind, das du liebst, darfst du nicht küssen,
Dein Kind, das du verabscheust, darfst du nicht schlagen:
Das Gejammer der Unterwelt wird dich sonst packen.
Die da ruht, die da ruht, die Mutter Ninazus, die da ruht",
Deren reine Hüften mit einem Gewande nicht bedeckt

sind ... Sie wird sonst Engidu versagen, aus der Unterwelt empor

zusteigen."

30

Dem Helden, der mit allen Fasern seines Herzens an des Lebens Freud und Leid hängt, gelingt es nicht, den strengen Vorschriften der Gottheit gerecht zu werden; denn nach einer kleinen Lücke lesen wir:

45

Ein reines Hemd zog er an,
Mit gutem Öl aus der Salbbüchse salbte er sich,
Den Bogen setzte er auf die Erde,
Den Stock nahm er in seine Hand,
Schuhe tat er an seine Füße,
Lärm zur Erde hin machte er,
Sein Weib, das er liebte, küßte er,
Sein Weib, das er verabscheute, schlug er,
Sein Kind, das er liebte, küßte er,
Sein Kind, das er verabscheute, schlug er:
Das Gejammer der Unterwelt packte ihn.

50

Die da ruht, die da ruht, die Mutter Ninazus, die da ruht,
Deren reine Hüften mit einem Gewande nicht bedeckt

sind, ....

55

Sie versagte Engidu, aus der Unterwelt emporzusteigen.

1 Die Totengöttin ist gemeint. 8*

« ͹˹Թõ
 »