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Vom Grunde des Himmels bis zu seiner Höhe wies man

ihnen an ihre feste Zeit. Wie eine Ähre drängen sich des Himmels Sterne allzumal; Wie einem Rinde ist eine Grenze angewiesen den führenden

Göttern? Dort, o Ischtar, erhebe dich zur Herrschaft über sie alle! Innin, du seist die strahlendste unterihnen,,Sternen-Ischtar

seist du geheißen. Ihnen beiden zur Seite ändere sich im Triumph dein er

habner Platz, Im Schutze von Sin und Schamasch wachse dein Glanz! Die Helle deiner leuchtenden Fackel entfache sich mitten

am Himmel; Das Volk soll dich anstaunen, wie dir unter den Göttern

keiner nahekommt."

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Nachdem der Herr der Tochter Sins ein erhabenes Los

gegeben, Eanna, seinen strahlenden Dom, ihr nicht verschlossen, Nachdem König Anu der Innin ein erhabenes Los gegeben, Eanna, seinen strahlenden Dom, ihr als Gabe geschenkt, Bekleidete er ihre Gestalt mit göttlichem Gewande, den

Strahlen des hellen Mondes; Herrlichen Schmuck, göttliche Zier ließ er ihr erstrahlen, Königliches Zepter, eine grimme schonungslose Waffe,

gab er ihr in die Hand, Eine prächtige Tiara, der auf des Mondes Haupt gleichend,

setzte er ihr auf das Haupt: „Göttliche, mein gewaltig Geheiß, die unentscheidbaren

Befehle, alles, was mein, übergebe ich dir; Ebenso wie ich, zeige Enlil, der Herr der Länder, dir uns

wandelbare Güte.“

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Wie das pflügende Rind seinen festen Weg gehen muß, so auch die Sterns götter, die die andern Sterne leiten. 8 Den Sternen.

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4. ISCHTARS FAHRT IN DIE UNTERWELT Der Mythus erzählt, wie Ischtar, die Göttin der Liebe und der in der Natur waltenden Kräfte, in die Unterwelt hinabsteigt und schließlich von der Unterweltsgöttin wieder freigelassen wird. Der hier zugrunde gelegte semitische Text stammt aus dem 7. Jahrhundert v. Chr., doch sind ältere Bruchstücke, vor allem solche einer altsumerischen Rezension erhalten, die aus dem Ausgang des 3. Jahrtausends stammen dürften.

Nach Kurnugea, dem finsteren Lande,
Richtete Ischtar, Nannars? Tochterihren Sinn.
Es richtete Nannars Tochter ihren Sinn
Nach der Behausung der Finsternis, der Wohnung Irs

kallas,
Nach der Behausung, die niemand verläßt, der sie betrat,
Nach dem Wege, dessen Bahn sich nicht wieder wendet,
Nach der Behausung, deren Bewohner des Lichtes ents

behren,
Wo Erde ihre kümmerliche Nahrung, Lehm ihre Speise,
Wo sie das Licht nicht schauen, in Finsternis wohnend;
Bekleidet sind sie wie Vögel mit Flügelkleide;
Über Tür und Riegel ist Staub gebreitet.
Als Ischtar zum Tore von Kurnugea gelangte,
Sprach sie zum Pförtner des Tores die Worte:
„Pförtner, he, öffne dein Tor!
Öffne dein Tor, daß ich eintreten kann!
Öffnest du das Tor nicht, so daß ich nicht eintreten kann,
Zerschlage ich die Tür, zerbreche ich den Riegel,
Zerschlage ich den Pfosten, hebe aus die Türen,
Führe ich die Toten hinauf, daß sie die Lebenden essen;
Daß mehr als Lebendige der Toten es gebe!"

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Der Pförtner tat seinen Mund auf und spricht,

Sagt zur Herrin Ischtar: 1 Unterwelt, das Reich des Irkalla und der Ereschkigal (eigentlich „Land der Nichtheimkehr“). ? Mondgott.

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„Halt ein, Herrin, zerstöre sie nicht!
Ich will gehen, deinen Namen zu künden der Königin

Ereschkigal!"
Hinein ging der Pförtner und sagt zu Ereschkigal:
„Siehe, deine Schwester Ischtar steht da am Tore,
Sie, die da hält die großen Orgien, die aufwühlt die

Fluten vor Ea? dem Herrn.“
Als Ereschkigal dieses vernahm,
Ward gelb ihr Antlitz gleich einer abgehauenen Tamariske,
Gleich einem niedergeschlagenen Rohrbusch ward sie

völlig niedergeschlagen: „Wozu hat ihr Herz sie veranlaßt, wozu hat ihr Sinn sie

getrieben! Siehe, ich trinke Wasser mit den Anunnaki, Statt Speisen esse ich Lehm, statt Bier trinke ich abgestan

denes Wasser! Laß mich weinen über die Männer, die ihre Gattinnen

verlassen mußten, Laß mich weinen über die Frauen, die aus ihrer Gatten

Arm gerissen wurden, Laß mich weinen über das schwache Kindlein, das vor

seiner Zeit dahingerafft ward! Geh, Pförtner, öffne ihr dein Tor! Behandle sie nach den alten Gesetzen!“

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Da ging der Pförtner und öffnete ihr das Tor:
„Tritt ein, Herrin, die Unterwelt möge dir zujubeln,
Der Palast von Kurnugea freue sich deiner!“

In ein erstes Tor führte er sie hinein, öffnete es weit

und nahm fort das große Kopftuch ihres Hauptes. „Warum, Pförtner, nahmst du fort das große Kopftuch

meines Hauptes?" „Tritt ein, Herrin, also sind der Unterweltsherrin Gebote.“ 1 Die Tür. Der Gott des Meeres. 3 Die Geister der Unterwelt.

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In ein zweites Tor führte er sie hinein, öffnete es weit

und nahm fort die Gehänge ihrer Ohren. Warum, Pförtner, nahmst du fort die Gehänge meiner

Ohren?" „Tritt ein, Herrin; also sind der Unterweltsherrin Gebote.“

In ein drittes Tor führte er sie hinein, öffnete es weit

und nahm fort die Ketten ihres Halses. „Warum, Pförtner, nahmst du fort die Ketten meines

Halses?“ „Tritt ein, Herrin; also sind der Unterweltsherrin Gebote.“

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In ein viertes Tor führte er sie hinein, öffnete es weit

und nahm fort die Schmuckstücke ihrer Brust. „Warum, Pförtner, nahmst du fort die Schmuckstücke

meiner Brust?“ ,Tritt ein, Herrin; also sind der Unterweltsherrin Gebote.“

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In ein fünftes Tor führte er sie hinein, öffnete es weit

, und nahm fort den Geburtssteingürtel' ihrer Hüften. Warum, Pförtner, nahmst du fort den Geburtssteingürtel

meiner Hüften?" „Tritt ein, Herrin; also sind der Unterweltsherrin Gebote.“

In ein sechstes Tor führte er sie hinein, öffnete es weit

und nahm fort die Spangen ihrer Hände und Füße. Warum, Pförtner, nahmst du fort die Spangen meiner

Hände und Füße?" „Tritt ein, Herrin; also sind der Unterweltsherrin Gebote."

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In ein siebentes Tor führte er sie hinein, öffnete es weit

und nahm fort das Schamtuch ihres Leibes. Warum, Pförtner, nahmst du fort das Schamtuch

meines Leibes?" „Tritt ein, Herrin; also sind der Unterweltsherrin Gebote.“ 1 Gürtel mit Zaubersteinen.

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Sobald als Ischtar nach Kurnugea hinabgestiegen,
Erblickte Ereschkigal sie und zeigte ihren Mißmut vor ihr.
Ischtar besann sich nicht lange und fuhr auf sie los.
Ereschkigal tat ihren Mund auf und spricht,
Zu ihrem Boten Namtar? sagt sie die Worte:
„Wohlan, Namtar, schließ sie ein in meinem Palaste!
Laß gegen sie los sechzig Krankheiten, Ischtar zu quälen:
Krankheit der Augen gegen ihre Augen,
Krankheit der Arme gegen ihre Arme,
Krankheit der Füße gegen ihre Füße,
Krankheit des Inneren gegen ihr Inneres,
Krankheit des Kopfes gegen ihren Kopf,
Gegen sie allüberall, gegen ihren ganzen Leib!"

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Nachdem die Herrin Ischtar nach Kurnugea hinab

gestiegen, Bespringt der Stier nicht mehr die Kuh, beugt sich der

Esel nicht mehr über die Eselin;
Beugt sich der Mann nicht mehr über das Weib in der

Gasse:
Es schlief der Mann an seiner Stätte,
Es schlief das Weib für sich allein.

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Des Götterboten Papsukkal Blick war gesenkt, sein

Antlitz bekümmert, Mit einem Trauergewande war er bekleidet, mit Lumpen

angetan. Da ging Papsukkal weinend vor Nannar, Vor dem König Ea4 fließen seine Tränen: „Ischtar ist zur Unterwelt hinabgestiegen, aber nicht

wieder emporgekommen! Pestgott. ? Im Himmel herrscht Besorgnis über das durch das Verschwinden der Liebesgöttin verursachte Aufhören jeglichen Liebeslebens. (Papsukkal ist hier vielleicht mit Tamuz, Ischtars Gatten, identisch.) : Mondgott. - Meeresgott. 10 Ungnad, Babylonien

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