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Aus dem dritten Tore führte er sie hinaus und gab ihr

zurück den Geburtssteingürtel ihrer Hüften. Aus dem vierten Tore führte er sie hinaus und gab ihr

zurück die Schmuckstücke ihrer Brust. Aus dem fünften Tore führte er sie hinaus und gab ihr

zurück die Ketten ihres Halses. Aus dem sechsten Tore führte er sie hinaus und gab ihr

zurück die Gehänge ihrer Ohren. Aus dem siebenten Tore führte er sie hinaus und gab ihr

zurück das große Kopftuch ihres Hauptes.

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„Wenn sie dir ihre Freilassung nicht gewährt", so wende

dein Antlitz hierher zurück!
Den Tamuz, ihren Jugendgeliebten,
Wasche mit reinem Wasser, salbe ihn mit gutem Öl,
Mit schimmerndem Gewande bekleide ihn, die Flöte von

Lapislazuli möge er spielen,
Freudenmädchen mögen ihren Zorn beschwichtigen!“

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Als nun Belili ihre Schätze geholt hatte,
Und mit Edelsteinen ihr Schoß gefüllt war,
Hörte sie die Klagetöne ihres Bruders; da warf Belili

ihre Schätze von sich,
Mit den Edelsteinen füllte sie den Boden:
„Mein einziger Bruder, tu' mir keinen Schaden!
In den Tagen des Tamuz spielet auf der Flöte von Lapiss

lazuli, auf dem Ring von Karneol spielet zugleich! Mit ihm spielet, ihr Klagemänner und Klagefrauen, Auf daß die Toten emporsteigen und den Weihrauch

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riechen!“

1 Der Zusammenhang dieses Verses und der folgenden mit den vorhergehenden ist unklar. Tamuz ist der Geliebte der Ischtar-Venus, Belili seine Schwe: ster, die hier mit Ereschkigal identisch zu sein scheint. Möglicherweise sind Vs. 128–132 hinter Vs. 101 einzureihen und gehören dann zur Rede Eas an Asuschu-namir. 2 Zu diesen Versen s. Anmerkung 1 auf S. 147.

5. NERGAL UND ERESCHRIGAL

Der Mythus erzählt, wie der Pestgott Nergal durch Besiegung der Unterweltsgöttin Ereschkigal deren Gatte und Herrscher der Unters welt wurde. Der Text stammt aus dem 14. Jahrhundert.

Als die Götter einst ein Gastmahl veranstalteten, sandten sie zu ihrer Schwester Ereschkigal einen Boten: „Wollten wir auch zu dir hinabsteigen, so kommst du doch nicht zu uns herauf; laß dir deshalb deine Mahlzeit holen.“ Da sandte Ereschkigal ihren Boten Namtar?. Namtar stieg empor zum hohen Himmel und trat in den Saal ein, wo die Götter saßen. Diese erhoben sich und begrüßten Namtar, den Boten ihrer erhabenen Schwester?.

Ereschkigal sprach also: Den Gott, der vor meinem Boten nicht aufstand, den bring' zu mir, damit ich ihn töte." Da ging Namtar, mit den Göttern zu reden. Diese riefen ihn und redeten mit ihm also: „Siehe, den Gott, der vor dir nicht aufstand, nimm mit vor deine Herrin!" Als Namtar sie zählte, fehlte hinten ein Gott. Wo ist der Gott, der vor mir nicht aufstand?" Da geht Namtar fort, um seiner Herrin Bescheid zu bringen.

Ea sprach zu Nergal: „Ich werde dir geben sieben und abers mals sieben mächtige Dämonen, daß sie mit dir gehen: .

.4, Mutabriku, Scharabdu, Rabisu, Tirid, Idibtu, Bennu, Sidanu, Mikit, Bel-ubri, Ummu und Libu; diese vierzehn mögen mit dir gehen!"

Als Nergal zum Tore der Ereschkigal gelangte, spricht er zum Pförtner des Tores: Öffne dein Torl Mache die Bänder los, daß

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i Pestgott. Es folgt eine Lücke, in der erzählt war, wie Nergal dem Boten keine Ehrerbietung erweist und wie Namtar seine Herrin davon in Kenntnis setzt. 3 Ereschkigal fordert in der folgenden Lücke unerbittlich, daß der bes. treffende Gott vor ihr erscheine. Nergal wendet sich deshalb um Rat an den weisen Ea. 4 Von den Namen der (Krankheits-)Dämonen fehlen die drei ersten

ich hineingehen kann! Zu deiner Herrin Ereschkigal bin ich ges sandt.“ Da ging der Pförtner und sagt zu Namtar: „Ein Gott steht am Eingang des Tores. Geh hin, sieh ihn genau an; dann mag er hereinkommen:" Da ging Namtar hinaus. Als er ihn gesehen hatte, ... sagte er zu seiner Herrin: „Meine Herrin, der Gott ist da, der vor einigen Monaten in unbesonnener Weise vor mir nicht aufstand." „Laß ihn eintreten! Sobald er vor mich kommt, will ich ihn töten!“ Da ging Namtar hinaus und sagt zu Nergal: „Tritt ein, mein Herr, in das Haus deiner Schwester?.“

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Da stellte Nergal auf:. am ersten Tore, ... am zweiten,

am dritten, Mutabriku am vierten, Scharabdu am fünften, Rabisu am sechsten, Tirid am siebenten, Idibtu am achten, Bennu am neunten, Sidanu am zehnten, Mikit am elften, Bel-ubri am zwölften, Ummu am dreizehnten, Libu am vierzehnten Tore. Entsetzen richtete er im Hofe an. Namtar schnitt er ab; er gab seinen Leuten Befehl: „Die Tore sollen geöffnet werden! Ich werde jetzt gegen euch anstürmen!“ Inmitten des Hauses ergriff er Ereschkigal. An ihren Haaren zog er sie vom Stuhle herab zum Erdboden, um ihr das Haupt abzuschlagen. „Töte mich nicht, mein Bruder! Laß mich dir ein Wort sagen!“ Da hörte Nergal auf sie, und seine Hände ließen ab. Sie weint und jammert: „Mögest du mein Gatte, ich dein Weib sein! Ich will dich ergreifen lassen die Herrschaft über die weite Unters welt. Die Tafeln der Weisheit will ich in deine Hand legen. Du sollst Herr, ich will Herrin sein!" Da hörte Nergal auf diese ihre Rede, ergriff sie, sie küssend und ihre Tränen abwischend: „Alles, was du von mir begehrt hast seit vergangenen Monden, das sei jetzt erfüllt!* Es folgt eine kleine Lücke.? Die Namen der Dämonen sind nicht erhal

3 Worte Nergals.

ten.

E. SONSTIGE MYTHISCHE STOFFE

1. DER RAUB DER SCHICKSALSTAFELN DURCH

DEN GOTTLICHEN STURMVOGEL ZŮ

Dieser aus Assurbanipals Bibliothek bekannte Mythus ist nur un

vollständig erhalten. Der Anfang fehlt fast ganz. Wir erfahren, wie der Gott Enlil als Herrscher waltet, während der Sturmvogel

Zû ihn beobachtet.

I.

Das Wirken Enlils erblickten seine Augen,
Das Diadem seiner Herrschaft, seine göttliche Kleidung,
Seine machtvollen Schicksalstafeln erblickte Zû,

lickte den Vater der Götter, den Gott Dur-an-ki?: Verlangen nach der Herrschaft faßte er da in seinem

Herzen. Zû erblickte den Vater der Götter, den Gott Dur-anski: Verlangen nach der Herrschaft faßte er da in seinem Herzen:

5

„Ich selbst will die Schicksalstafeln der Götter nehmen, Und die Anordnungen der Götter will ich allzumal mir

aneignen, Meinen Thron will ich vollkommen machen, die Gebote

beherrschen, Will befehligen die Gesamtheit der Igigi® alle!"

10

Nachdem nun sein Herz den Angriff geplant,
Wartete er am Eingang des Heiligtums, das er geschaut,

auf den Anfang des Tages.

15

Als Enlil sich wäscht mit lauterem Wasser,

Vom Throne gestiegen, sein Diadem abgesetzt hatte, · Beiname Enlils. „Band von Himmel und Erde“. ? Zû. 8 Die himmlischen Götter.

Da nahmen Zûs Hände die Schicksalstafeln,
Die göttliche Herrschaft ergriff er .....

20

Zû flog davon, ins Gebirge flüchtete er;
Entsetzen ergoß sich, und Stille trat ein.
Der Vater, ihr Ratgeber, der Gewaltige, Enlil,
Erfüllte den Tempel mit seinem Glanze;
Die Göttinnen wandten sich seinem Befehl zu.

Anu' tat seinen Mund auf und spricht,
Sagt zu den Göttern, seinen Kindern:
„Wer will Zû erschlagen,
Daß er groß mache seinen Namen auf der ganzen Welt?“

25

Den Adad” riefen sie, den Sohn Anus;
Er erhob sich und redet zu ihm.
Den Fürsten Adad riefen sie, den Sohn Anus;
Er erhob sich und redet zu ihm:

30

„Gewaltiger Adad, Furchtbarer, nicht wende sich dein

Ansturm!
Erschlage den Zû mit deiner Waffe!
Dein Name soll groß werden in der Schar der großen

Götter,
Unter den Göttern, deinen Brüdern, sollst du nicht deines-

gleichen haben!

35

Entstehen sollen, gebaut werden heilige Gemächer;
In den vier Weltteilen gründe deine Städte!
Deine Städte sollen Ekur* betreten;
Gewaltig vor den Göttern, mächtig sei dein Name !"

40

Adad antwortete der Rede,

Zu Anu, seinem Vater, sagt er das Wort: 1 Der Himmelsgott Anu scheint die Versammlung zu leiten. Tempel Enlils.

Wettergott.

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