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Im Blute von Mann und Weib
Schlugst du seinen Wohnsitz auf.
Jene Babylonier waren wie Vögel,
Und du warst ihr Häscher:
Mit dem Netz warfst du sie nieder, fastest, packtest du sie,
Held Irra!
Die Stadt verließest du, gingst hinaus;
In der Gestalt eines Hundesi tratest du in den Palast.
Kaum sahen dich die Truppen, da lösten sich ihre Waffen.
Dem Statthalter,dem Rächer Babylons, ergrimmte das Herz;
Wie um Feindesbeute zu erbeuten, sendet er sein Heer,
Dem Anführer des Kriegsvolks gibt er böse Lehre:
In jener Stadt, zu der ich dich sende, o Mensch,
Sollst du niemanden schonen, keinen Menschen fürchten:
Groß und Klein töte allzumal!
Selbst das saugende Kind sollst du nicht übrig lassen;
Den aufgespeicherten Reichtum Babylons sollst du fort:

führen.

Die Truppen des Königs rüsteten sich, zogen in die Stadtein;
Gespannt war der Bogen, gezückt das Schwert.
Das Blut ließest du wie Wasser eines Gewitterregens die

Hauptstraße der Stadt erfüllen,
Das Blut ließest du fließen und den Strom dahinführen.
Der große Herr Marduk" sah es und rief: Wehe!
Sein Herz ward ergriffen,

Einen unlösbaren Fluch sprach er aus .
Es folgt wiederum eine größere Lücke; darauf werden ähnliche
Greueltaten in anderen babylonischen Städten berichtet:

Nippur, die ewige Stadt des Herrn der Länder Enlil, Konnte ein Wirbelsturm nicht so vernichten, wie du es tatst: Des Nachts zerstörtest du ihre Mauer, warfst nieder die

Zinnen.

1 Oder ,,Löwen“. Stadtgott von Babylon. Es läßt sich nicht feststellen, um was für ein historisches Ereignis es sich hier handelt.

In Uruk, der Wohnung Anus und Ischtars,
Der Stadt der Freudenmädchen, Dirnen und Buhlen,
Denen Ischtar den Gatten vorenthielt und dann ihnen hin-

gab,

1

Erhoben Sutäer und Sutäerinnen Wehgeschrei,
Setzten in Aufregung Eanna’, die Liebespriester und Spiel-

leute, Deren Männlichkeit Ischtar zum Schrecken der Menschen

in Weiblichkeit verwandelt hatte .... Einen grimmigen, rücksichtslosen Statthalter setztest du

über sie:
Er drangsalierte sie und überschrittihre göttlichen Gebote.
Da geriet Ischtar in Zorn, grollte gegen Uruk:
Einen Feind bot sie auf, und wie Getreide vor dem Wasser

riß er Uruk hinweg . Der Feind, den du aufgeboten hast, ist nicht geneigt

umzukehren.“

Der große Gott Irra antwortete also:
„Die Stadt Dêr machtest du zur Wüste,

Die Leute darinnen knicktest du wie Rohr.“

Nach einer Lücke und einer Anzahl schlecht erhaltener Zeilen hören wir Ischum von neuen Plänen reden: er will eine Stadt von Grund aus zerstören. Dann heißt es:

Als der Held Irra ihn hörte,
War ihm das Wort, das Ischum zu ihm gesprochen,

angenehm wie feinstes 01,
Und also sprach der Held Irra:
„Das Meerland soll das Meerland, Subartu soll Subartu,

der Assyrer den Assyrer,
Der Elamit den Elamiten,
Der Kassit den Kassiten,
Der Sutäer den Sutäer,

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Der Kutäer den Kutäer,
Der Lullubäer den Lullubäer,
Ein Land das andre, ein Haus das andre, ein Mensch den

andern,
Ein Bruder den andern schonungslos töten!
Darauf soll sich der Akkader erheben,
Sie alle niederstrecken, sie insgesamt zu Boden werfen.“

1

Der Held Irra sagt zu Ischum, der vor ihm einherzieht, das

Wort: „Wohlan, Ischum, das Wort, das du sprachst, führe aus

nach deinem Wunsche!"

Ischum richtete sein Antlitz auf das Gebirge Scharschar,
Die Siebengötter, die Helden ohnegleichen,
Wirbeln hinter ihm her.
Zum Gebirge Scharschar gelangte der Held:
Er erhob seine Hand, packte das Gebirge.
Das Gebirge Scharschar machte er dem Erdboden gleich;
Des Zedernwaldes Stämme brach er ab.

Das Folgende ist so lückenhaft und dunkel, daß es unmöglich ist, den Zusammenhang zu erkennen. Erst gegen Schluß wird der Text besser: Irra verheißt dem, der seinen Ruhm verkündet, Gnade und Schonung vor allen Gefahren der Seuchen. Es heißt:

Also sprach der Held Irra:
Wer diesen Gesang hochhält, in dessen Heiligtum soll

Reichtum sich anhäufen.
Wer ihn aber nicht beachtet, der soll keinen Weihrauch

riechen! Wer meinen Namen verherrlicht, der soll die Weltgegen

den beherrschen, Und wer die Erhabenheit meines Heldentums verkündet,

Soll nicht seinesgleichen haben! 1 Babylonier.

Der Sänger, der laut sein Lied ertönen läßt, wird nicht

im Strafgericht sterben, Dem Könige und den Fürsten möge seine Rede wohlges

fallen!

Der Schreiber, der es lernt, wird dem Feinde entrinnen,

wird geehrt sein im Rate; Im Heiligtum des Volkes, wo man ständig meinen Namen

nennt, Werde ich ihm das Ohr öffnen.

In dem Hause, wo diese Tafel aufbewahrt ist, wird, wenn

Irra auch zürnt,
Und wenn die Siebengötter morden,
Das Schwert des Strafgerichts sich ihm nicht nahen:

Heil ist ihm bestimmt!

Dieser Gesang möge immerdar ertönen und bestehen bis

in Ewigkeit! Die Länder allzumal mögen ihn hören und meine Stärke

preisen, Die Menschen aller Stätten sollen es sehen und meinen

Namen verherrlichen!“

3. AUS DEN NIMURTA-EPEN

In uralten sumerischen Epen wurden besonders die Taten des Gottes Nimurta, des Sohnes Enlils, besungen; indes sind diese Texte, die noch in spätassyrischer Zeit bekannt waren, so fragmentarisch auf uns gekommen, daß eine Übersetzung hier nicht möglich ist. Es seien nur einige merkwürdige Stellen aus einem Gedicht wiedergegeben, das Nimurta als Bestimmer des Schicksals der Steine feiert.

Der Herr trat zum Diorit heran,
Im Gebirge ruft er laut ...
Nimurta, Enlils Sohn, bestimmt ihm sein Geschick:

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„Diorit, der du in meinen Schlachten dich heldenhaft ers

wiesest, Der du wie schwerer Rauch aufstiegst, die Feinde umhül- .

lend, Deinen Arm gegen mich nicht richtetest, dein Haupt nicht

erhobst, Der du in Treulosigkeiten riefst: »Der Herr allein ist

Held«,
Der du sagtest: »Nimurta, Enlils Sohn, wer ist dir

gleich ?« -
Dich soll man entfernen aus dem oberen Lande,
Aus dem Gebirge Makkan soll man dich herbeibringen!
Du zerrissest gewaltiges Erz wie Leder!
Ich bin Herr! Für meinen Heldenarm werde ich dich

herrlich herrichten! Der König, der bis in ferne Zeiten seinen Namen ver

ewigen will,
Der seine Bildsäule für künftige Zeiten errichtet,
Der soll nach Eninnû", dem wonnigen Tempel,
Der wohlbewässerten Stätte, dich bringen, zum Schmucke

dich setzend 3!“

*

4

Der Herr trat zum Alallu-Stein* heran,
Nimurta, Enlils Sohn, bestimmt ihm sein Geschick:
„Alallu-Stein, du Weiser, du Fehdebringer,
Meine Furchtbarkeit fürwahr verbreitest du!
In Feindesland und in der Heimat sollst du gleichermaßen

meinen Namen verkünden!
In deinem Wohle sollst du keine Minderung erleiden,
Eine Verringerung deiner Größe soll unmöglich sein!
Meine Gebote soll man durch dich ausführen!
Im Zusammenstoß der Waffen mache dem Helden, den

du niederwirfst, gewaltig den Garaus! 2 Dero Dirit wurde zu Streitkolben verwendet. 2 Tempel Nimurtas. : Die Bildsäulen der Könige wurden aus Diorit hergestellt. Nicht näher zu bestimmen.

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