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Einer Nessel machte er mich gleich, einer Distel machte

er mich gleich, Einem einsamen Maulbeerbaum am Ufer machte er mich

gleich, Einem Lorbeer auf trocknem Boden machte er mich

gleich, Einer einsamen Tamariske im Südsturm machte er mich

gleich! Der Gewaltige hat wie ein einsames Rohr mich in mir

selbst niedergedrückt!

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Auf dein Wort, ja, auf dein Wort, Weh befällt das Haus

auf dein Wort!!
Das Haus der Stadt Nippur befällt Weh auf dein Wort!
Das Ziegelwerk Ekurs befällt Weh auf dein Wort!
Des Fundamentes weiten Raum befällt Weh auf dein

Wort!
Das Haus Enamtila befällt Weh auf dein Wort!
Das Ziegelwerk Sippars befällt Weh auf dein Wort!
Das Haus Ebarra befällt Weh auf dein Wort!
Das Ziegelwerk Babylons befällt Weh auf dein Wort!
Das Ziegelwerk Esagilas befällt Weh auf dein Wort!
Das Ziegelwerk Borsippas befällt Weh auf dein Wort!
Das Ziegelwerk Ezidas befällt Weh auf dein Wort!
Emachtila befällt Weh auf dein Wort!
Etemenanki befällt Weh auf dein Wort!
Edaranna befällt Weh auf dein Wort!
Auf dein Wort vergeht der Himmel!
Auf Enlils Wort erstarrt die Erde!

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1 „Auf dein Wort“. „Auf deinen Befehl.“ * Vgl. für diese und die ff. Zeilen, S. 208, Z. 37ff. „Haus" hier und im folgenden - ,,Tempel“.

3. KLAGELIEDER AN DIE GÖTTIN ISCHTAR1

a

Ich flehe dich an, Herrin der Herrinnen, Göttin der

Göttinnen,
Ischtar, Königin aller Lande, Lenkerin der Menschen!
Irnini, du bist gebenedeit, größte der Igigi”,
Stark bist du, eine Herrscherin: dein Name ist erhaben!

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Du bist die Erleuchterin von Himmel und Erde, starke

Tochter Sins;
Du leitest die Waffen, setzt den Kampf ins Werk!
Du hältst alle Geheiße, mit Herrscherdiadem geschmückt.
Herrin, herrlich ist deine Größe, über alle Götter ers

haben!

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Du Stern des Kampfgeschreis, die einträchtige Brüder in

Streit bringt,
Die preisgibt Freund und Freundin,
Herrin des Schlachtfeldes, die niederstößt die Berge,
Guschêa, die mit Kampf bedeckt, mit Schrecken bekleis

det ist!

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Du vollziehst Gericht und Entscheidung, die Satzung

von Erde und Himmel, Heiligtümer, Tempel, Göttersitze und Kapellen harren

dein! Wo ist nicht dein Name, wo nicht deine Gebote, Wo sind deine Bildnisse nicht dargestellt, wo deine Heis

ligtümer nicht gegründet? Wo bist du nicht groß, wo nicht erhaben? Anu, Enlil und Ea haben dich erhöht, haben groß ge

macht deine Herrschaft unter den Göttern, Haben dich erhoben unter allen Igigi, haben gewaltig

gemacht deinen Rang! 1 Text a ist eine spätbabylonische, b eine assyrische Abschrift. Die himmlischen Geister.

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Beim Nennen deines Namens vergehen Himmel und Erde,
Die Götter beugen sich, es erstarren die Annunaki'.
Deinen furchtbaren Namen erheben die Menschen:
Du bist groß, bist erhaben!

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Alle Schwarzköpfigen, die wimmelnden Menschen, preis

sen deine Stärke; Das Recht der Menschen richtest du in Gerechtigkeit

und Wahrheit. Du schaust den Unterdrückten und Niedergeschlagenen

an, leitest ihn richtig Tag für Tag.

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Wie lange säumst du noch, Herrin von Himmel und Erde,

Hirtin der umdunkelten Menschen? Wie lange säumst du noch, Herrin des heiligen Eanna”,

des reinen Schlosses? Wie lange säumst du noch, Herrin, deren Füße nicht er:

matten, deren Knie dahineilen? Wie lange säumst du noch, Herrin der Schlacht und

aller Kämpfe? Du Herrlichste, Löwin der Igigi, die niederbeugt die er

zürnten Götter, Du Stärkste aller Herrscher, die Könige am Zügel führt, Die da öffnet den verschlossenen Leib aller Frauen: Erhaben und fest gegründet bist du, starke Ischtar, groß

ist deine Kraft!

Du leuchtende Fackel von Himmel und Erde, du Glanz

aller Lande, Wütend im unwiderstehlichen Angriff, obsiegend im

Kampfe! Feuerbrand, der gegen die Feinde aufleuchtet, der die

Vernichtung der Mächtigen ins Werk setzt, Bleich machende Ischtar, die die Schar sammelt! i Götter der Tiefe (Unterwelt). * Tempel der Ischtar in der Stadt Uruk.

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Göttin der Männer, Ischtar der Frauen, deren Ratschluß

niemand erfährt, Wo du hinblickst, wird der Tote lebendig, erhebt sich

der Kranke, Kommt auf den rechten Weg der Verirrte, indem er dein

Antlitz schaut!

Ich rufe zu dir, elend und jämmerlich, von Schmerz ges

quält, dein Knecht, Sieh mich an, meine Herrin, nimm an mein Flehen, Schau mich in Gnaden an und höre mein Gebet!

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Meine Begnadigung spricht aus, und dein Gemüt möge

sich besänftigen! Die Begnadigung meines elenden Leibes, der voller Ver

wirrung und Unordnung ist, Die Begnadigung meines schmerzgequälten Herzens, das

voller Tränen und Seufzer ist, Die Begnadigung meines elenden Innern, das voller Vers

wirrung und Unordnung ist, Die Begnadigung meines bedrängten Hauses, das sich in

Klagen erschöpft, Die Begnadigung meines Gemütes, das erfüllt von Träs

nen und Seufzern ist. Irnini, Erhabene, grimmiger Leu, möge dein Herz sich

beruhigen!
Wütender Wildstier, möge dein Gemüt sich besänftigen!
Gnädig mögen deine Augen auf mir ruhen;
In deiner strahlenden Erscheinung schau mich gnädig an!
Verjage die böse Verzauberung meines Leibes; dein gläns

des Licht laß mich sehen! Wie lange noch, meine Herrin, sollen meine Widersacher

nach mir trachten Und in Falschheit und Unwahrheit Böses gegen mich

planen?

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Wie lange noch sollen meine Verfolger, meine Nachsteller

gegen mich wüten? Wie lange noch, meine Herrin, soll der Blöde, der Jämis

liche über mich herfallen? .....

Die Schwachen sind stark geworden, ich aber ward

schwach! Ich wanke wie eine Flut, die ein böser Wind aufwühlt, Es fliegt und flattert mein Herz wie ein Vogel des Hims

mels.
Ich klage wie eine Taube bei Tag und Nacht,
Ich bin niedergedrückt und weine jämmerlich,
Von Ach und Weh ist mein Gemüt gequält!

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Was habe ich getan, mein Gott und meine Göttin, ich?
Als ob ich meinen Gott und meine Göttin nicht fürchtete,

so ergeht es mir!

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Zuteil geworden sind mir Schmerz, Krankheit, Unter

gang und Verderben, Zuteil geworden sind mir Drangsal, Abwendung des

göttlichen Antlitzes und Fülle des Zorns, Grimm, Wut, Groll von Göttern und Menschen!

Ich sehe, meine Herrin, finstere Tage, dunkle Monate,

Jahre des Kummers, Ich sehe, meine Herrin, Gericht, Verwirrung und Aufruhr, Aufgerieben hat mich Tod und Not!

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Verkümmert ist meine Kapelle, verkümmert mein Heilig

tum, Über mein Haus, Tür und Fluren hat sich Trauer er

gossen! Meines Gottes Antlitz hat sich anderswohin gewandt, Aufgelöst ist meine Sippe, mein Obdach zerbrochen!

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