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„Dein Los, o Herr, überrage die Götter:
Vernichten und Schaffen gebiet', so gescheh' es!
Auf deinen Befehl vergehe das Kleid jetzt!
Gebiete dann wieder, daß neu es entstehe!"

Da gebot er: und siehe, das Kleid war vergangen!
Und wieder gebot er: und neu es entstand!

Als sahen die Götter die Kraft seines Wortes,
Da jubeln sie huldigend: „Marduk ist König!"

:
Dann verliehen sie Zepter ihm, Thronsessel und Stab,
Auch siegreiche Waffe, die die Feinde zurückstößt.

Wohlan nun, Tiamats Leben vertilge,
Laß tragen die Winde ihr Blut ins Verborgne !"

Als die göttlichen Väter sein Los so gestaltet,
Entsandten sie ihn zum Heile und Segen.

Er schuf einen Bogen, zur Wehr ihn bestimmend,
Einen Pfeil setzt er auf, die Sehne ihm richtend;
Eine Keule erhob er, in die Rechte sie nehmend,
Und band an die Seite sich Bogen und Köcher.

Einen Blitzesstrahl stellte er vor sich nieder,
Seinen Leib anfüllend mit lodernder Flamme. .

Er machte ein Netz, um Tiâmat zu fangen,
Ließ die Winde' es fassen, daß sie nicht ihm entschlüpfe;
Im Süden und Norden, im Osten und Westen
Bringt er nah' ihr das Netz, ein Geschenk Vater Anus.

45

Den Böswinderschuf er, den Orkan und den Sturmwind,

Vierwind und Siebenwind, Wirbelwind, Unheilswind, 1 Die vier Winde müssen ihm das Netz halten. • Es handelt sich um babylonische Sturmnainen, die sich mit unseren Bezeichnungen schwer identifizie: ren lassen.

Ließ los dann die Stürme, die er schuf ihrer sieben;
Sie folgten, Tiamat im Innern zu stören.

50

Den Zyklon nahm der Herr als gewaltige Waffe,
Den Sturmwind bestieg er, den grausen ohn'gleichen,
Schirrt ein Viergespann an, an den Wagen es bindend:
Verderber und Schonungslos, Verheerer und Flügelflink'.

Voll Geifer die Zähne, mit Gift angefüllet,
Verstehn sie zu rasen, des Umreißens kundig,
Entsetzlich im Kampfe und furchtbar im Streite,
Den Weg sie sich bahnen zur Linken und Rechten.

55

Sein Gewand ist Entsetzen und Grauen seine Kleidung:
Sein Haupt ist bedeckt mit furchtbarem Glanze.

60

So macht er sich auf, so schlägt er den Weg ein,
Auf Tiâmat, die rasende, richtend das Antlitz;
Mit den Lippen ein Auge aus Rotpaste haltend,
Ein Kraut in der Hand, den Geifer zu löschen.

Da priesen sie ihn, die Götter, sie priesen ihn,
Es priesen ihn die göttlichen Väter, sie priesen ihn!

65

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Da nahte der Herr sich, nach Tiâmat spähend,
Kingus, ihres Gatten, Pläne ergründend.

4

Doch als er dorthin blickt, verwirrte sein Gang sich,
Überlegung vergaß er, sein Tun wurde wankend!
Als die Götter, die helfend zur Seite ihm standen,

5
Den Helden erblickten, verwirrte ihr Blick sich!

70

· Die Namen der vier Rosse.” Als Amulett. • Marduk. 4 Kingus.

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Doch Tiâmat hielt Stand ihm, den Nacken nicht wendend,
Auf üppiger Lippe ihm Bosheiten bietend:
,,Hast du dich zum Herrscher der Götter erhoben!
Vertauschten denn jene mit dir ihre Plätze?!

75

Da faßte der Herr den Zyklon, seine Waffe,
Nach Tiâmat, der wütenden, warf er sie also:

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Sei wohl jetzt gerüstet, dich hoch erhebend!
Faß Mut in dem Herzen, den Streit zu wagen!
Wie konnten deine Helfer den Vätern nur trotzen?
Wie konntest du wagen, sie grundlos zu hassen?

Warum hast du Kingu zum Gatten erkoren,
Zu allmächtiger Gotteskraft dich zu Unrecht erhebend?
Warum sannst du Böses dem Gottherrscher Anschar,
Den göttlichen Vätern dein Unheil beschließend ?"

85

„Spann an deine Kräfte, bind' fest deine Waffen!
Leg' anl Ich und Du, wir wollen uns messen!“

!

Als diese Worte Tiamat hörte,
Geriet sie ganz außer sich, wurde von Sinnen,
Laut schrie Tiâmat voll wütenden Grimmes,
Gewaltig erzitternd im tiefsten Grunde.

90

Den Zauberspruch spricht sie, Beschwörungen murmelnd,
Die Götter des Kampfes tun an ihre Waffen.

95

Aufeinander sie stürzten, Tiamat und Marduk,
Zum Kampfe sie schritten, sich nähernd zum Streite.
Doch der Herr tat sein Netz auf und fing sie darinnen,

Böswind, seinen Diener, ließ er gegen sie los. 1 In den folgenden sehr unsicheren Worten scheint Tiâmat Marduk und mit ihm die Götter zu verhöhnen. 8 Die himmlischen Götter.

Als den Mund sie nun auftat, um ihn zu verschlingen,
Fuhr Böswind hinein, daß die Lippen nicht schlossen.
Mit den wütenden Winden füllt Marduk den Leib ihr,
Ihr schwand die Besinnung: weit riß sie den Mund auf.

100

Er schoß den Pfeil ab, den Leib ihr zerschlagend,
Ihr Inneres zerfetzend, ihr Herz zerschneidend;
Er bändigte sie, ihr Leben beendend,
Warf hin ihren Leichnam, auf ihn tretend.

105

Nachdem er Tiâmat, den Führer, geschlagen,
Zerbrach ihre Streitmacht, es löst sich die Rotte;
Die Götter, die helfend zur Seite ihr gingen,
Erzitterten, bebten, zurück sich wendend.

Sie suchten zu fliehen, ihr Leben zu retten:
Sie waren gefangen, und Flucht war unmöglich!

110

Da band er sie alle, zerbrach ihre Waffen,
In der Schlinge sie saßen, ins Netz geworfen.
Es dröhnten die Sphären, von Klagen erfüllet;
Im Gefängnis gehalten, empfingen sie Strafe.

115

Auch jene elf Wesen, in Schrecken gehüllet,
Die Teufelsbrut, die ihr zur Seite ging,

,
Die warf er in Fesseln, zerbrach ihre Kräfte,
Trotz all' ihrem Widerstand trat er sie nieder.

120

Und Kingu, der über sie hoch sich erhoben,
Den bändigte er, ihn dem Todesgott weihend,
Nahm die Schicksalstafeln, die ihm nicht gebührten,
Versah sie mit Siegeln, an die Brust sie sich legend.

1

Als er nun die Gegner gebeugt und bezwungen, ,
Die furchtbaren Feinde vollkommen geschlagen,

1 Kingu.

125

Als er Anschar den Sieg über jene erwirket,
Eas Wunsch auch erfüllt hatte Marduk, der Held,
Als er schwer noch gefesselt die gebändigten Götter,
Ging er hin zu Tiamat, die er eben gebändigt.

130

Es trat hin der Herr auf Tiâmats Gebeine,
Mit furchtbarer Keule den Schädel ihr spaltend,
Er schnitt ihr in Stücke die Adern des Blutes,
Ließ tragen den Nordwind ihr Blut ins Verborgene.

1

Als die Väter es sahen, da jauchzten sie freudig;
Geschenke und Gaben sandten sie Marduk.

135

Da ruhte der Herr, ihren Leichnam betrachtend;
Den Klumpen zerteilte er, Klügliches planend:
Einer Muschel gleich in zwei Hälften sie teilend,
Stellt er hin ihre Hälfte, den Himmel zu decken.

140

Er zog eine Schranke, mit Wächtern sie schützend,
Ihr Wasser zu hüten, gab ihnen Befehl er.
Überschreitend den Himmel, besah er die Orte;
Vor den Ozean trat er, die Wohnstätte Eas.

Es maß nun der Herr des Ozeans Bauart,
Escharra errichtet er, jenem entsprechend:
Im Palaste Escharra, den als Himmel er baute,
Schuf er Stätten für Anu, für Enlil und Ea.

145

1 Gemeint sind Anschar, Ea und die übrigen Götter. 2 Die eine Hälfte Tiâmats dient also dem Weltschöpfer als Himmelsdach 8 Es handelt sich wohl um die Erschaffung des Tierkreises; man glaubte, daß oberhalb desselben sich Wasser befinde. • Das feste Weltgebäude im Gegensatz zum Welt

meer.

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