Friedrich Spielhagen und der deutsche Roman der Gegenwart

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Wigand, 1884 - 74 ˹
 

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˹ 15 - Der Humor ist nichts anderes als die auf die Spitze getriebene Objektivität; der Epiker, der nur die Gipfel des Menschlichen sieht, bedarf keiner besonderen Anstrengung, um ruhig, klar und objektiv zu bleiben, der Romandichter jedoch, soll ihn das unendliche Durcheinander nicht verwirren, will er dem Gemeinen gegenüber nicht zum Prediger werden, muß die Besonnenheit so scharf anstacheln, daß ihr alle Dinge nicht bloß als verständlich, sondern als lachenswerth erscheinen, die einen mehr, die...
˹ 27 - Wir wissen jetzt, daß alle Länder gute Menschen tragen, und diese guten Menschen bilden eine einzige große Armee; der Einzelne ist nichts weiter, als ein Soldat in Reih' und Glied. Rechts und links Fühlung zu behalten und im Tact zu marschiren, und wenn zur Attaque commandirt wird, aus voller Brust Hurrah zu schreien und sich mit voller Gewalt auf den Feind zu werfen das ist seine Ehre, denn darin liegt seine Kraft. Als Einzelner ist er nichts als Glied des Ganzen unwiderstehlich; den...
˹ 28 - Reih' und Glied. Rechts und links Fühlung zu behalten und im Tact zu marschiren, und wenn zur Attaque commandirt wird, aus voller Brust Hurrah zu schreien und sich mit voller Gewalt auf den Feind zu werfen das ist seine Ehre, denn darin liegt seine Kraft. Als Einzelner ist er nichts als Glied des Ganzen unwiderstehlich; den Einzelnen streckt eine Kugel in den Staub, aber die Reihe schließt sich über ihm, und die Colonne ist, wie sie war. Sieh , Leo, das ist die Macht der Disciplin, der...
˹ 57 - Waffengänge" bekämpfen einen „seichten Idealismus, welcher die Wirklichkeit bald durch eine blaue Brille, bald in einem Hohlspiegel sieht"; aber sie kommen nur recht schwer los vom Gedanken der erhebenden (und erheblichen) Natursteigerung, wobei die „individuell gefärbte Natur zum Ideal zu verklären
˹ 46 - Kunst- noch Wissenschaftsleben, aber es sieht die Bilder aufgerollt, wie sie ein Gott sehen würde. Es wird nicht in den Kampf hineingezogen, sondern darf ihn von der Höhe aus wie ein Schauspiel erblicken, nicht sein Pathos wird erregt zum Für und Wider, sondern sein Mitgefühl, das alles Menschliche umfaßt. Was den Menschen im Leben beengt und beschränkt, das soll ihm die Kunst abstreifen, so lange er sie genießt, sie soll ihn fühlen lassen, daß es noch ein Höheres gibt, als zur Partei,...
˹ 29 - Was man uns lehrt, was wir erfahren, was wir um uns her sehen, alles scheint zu beweisen, daß es kein Drittes gibt. Und doch ist eine tiefere Verkennung des wahren Verhältnisses nicht denkbar, und doch gibt es nicht nur ein Drittes, sondern es...
˹ 47 - Beispiel geben, der wird weniger auf Breite sehen, als vielmehr auf Präcision, zuviel Nebenwerk ermüdet des Hörers Aufmerksamkeit. Der Roman soll ein Weltbild geben, ein Bild der Zeit, je umfassender, je tiefer, um so besser. Theoretisch ist Spielhagen ein eifriger Vertreter dieser Ansicht, aber in Wirklichkeit sind andere Ziele für ihn lockender. Freilich weiß er sich zu entschuldigen. Er hält es einfach für unmöglich, daß in unsrer vorgeschrittenen Zeit, deren Kultur so unendlich mannigfaltig,...
˹ 45 - Der Roman ist zur Waffe geworden, zum erzählenden Pamphlet, er wendet sich nicht an das ganze Volk, soweit es des Kunstgenusses fähig ist, sondern an eine Partei, in deren Dienst er steht, der Erzähler wetteifert abwechselnd mit dem politischen, dem socialen, dem Kunstschriftsteller, er tritt für den Prediger ein und übernimmt das Amt des Agitators. Es gibt nichts, was dem Roman nicht aufgebürdet wird, er soll Naturkenntnisse verbreiten, er soll ein neues pädagogisches System einschwärzen...
˹ 32 - Wir sollen schaffen und wirken in dem heißen Staub der Alltäglichkeit, rastlos, ruhelos, denn nimmer schläft die Tyrannei. Wir sollen arbeiten und schaffen, daß die Nacht nicht wieder hereinbreche, in welcher es dem Braven unheimlich und nur dem Schlechten heimlich war; die Nacht, durch deren dunkle Schatten so viel romantische Larven und phantastische Gespenster huschten; die Nacht, die so arm war an gesunden Menschen und so reich an problematischen Naturen die lange schmachvolle Nacht,...
˹ 15 - ... um ruhig, klar und objektiv zu bleiben, der Romandichter jedoch, soll ihn das unendliche Durcheinander nicht verwirren, will er dem Gemeinen gegenüber nicht zum Prediger werden, muß die Besonnenheit so scharf anstacheln, daß ihr alle Dinge nicht bloß als verständlich, sondern als lachenswerth erscheinen, die einen mehr, die anderen weniger. Der Humor ist ein farbiger Spiegel, in welchem das Edle bloß liebenswürdig, das Gewaltige bloß kraftvoll, das Grelle bloß dämmernd erscheint, ebenso...

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