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den *). Von allen Seligkeiten war es alein dieje, welche die Sún: ger dem Erlöser zuführte; diese war es, weswegen sie bei ihm be: barrten, weil sie inne wurden, wie sie durch ihn, in seiner Nabe, in seinem vertrauten Umgange immer mehr anfingen gefåttigt zu werden in diesem Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit. Und weiter werden wir wol nicht rühmen können, daß irgend eine Ge: stalt und Schöne an ihnen gewesen wäre, die sein Wohlgefallen hätte auf sich ziehen können; alles andere mußten sie erst von ihm empfangen, und Er konnte sie also nicht lieben um dessentwillen, was sein Eigenes war.

Fragen wir nun, weshalb er diesen Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit, diese Empfänglichkeit für die geistigen Gaben, für das göttliche Heil, das von ihm ausging, an seinen Jüngern liebte: so werden wir doch wohl nicht sagen wollen, eben deswegen, weil er in diesen ersten Anfången schon sah, daß auch alles Uebrige, was Er zur Seligkeit rechnete, sich in ihrem eigenen Gemüth ent: wikkeln würde, wie sie immer mehr auch die Friedfertigen und Sanftmüthigen werden würden, und allmählig sich in ihnen gestalten werde das reine Herz, welches Gott schaut. Nein, so bei der einzelnen Persönlichkeit konnte die Liebe des Erlösers nicht stehen bleiben! nicht um ihretwillen liebte er das an ihnen, was sie was ren und werden konnten, sondern um des großen Werkes willen, zu dem Er gesandt war. Seine kindliche Liebe zu seinem Vater war immer sein Erstes; bas Werk zu volbringen, zu welchem der Bater ihn gesandt hatte, darin fand er seine Seligkeit und Genüge, und nur darauf auch konnte er alles andere beziehen. Wenig wissen wir Einzelnes von dem kleinen Kreise der Jünger, zu wel: chem der Erlöser diese Worte sprach: aber wenn wir die beiden Gestalten herausheben, die uns doch weit genauer als die Uebrigen bekannt sind ihrem eigenthümlichen Wesen nach; wenn er an dem einen Jünger den kråftigen standhaften Muth im Bekenntniß er: kannte, der, wenn er erst würde frei geworden sein von eitler Ver: messenheit, wenn er erst würde erfahren haben, wie diese vor dem Fall kommt, alsdann ein vor Undern kräftiger Tråger seines Worts und Gebots sein, und ohne eine menschliche Gewalt zu scheuen die Angelegenheiten des Heils den Menschen so ans Herz legen würde, daß es ihnen auch wirklich durchs Herz ginge und er sie aufneh: men konnte in die Gemeinschaft des Heils, deren er sich selbst er:

*) Matth. 5, 6.

freute; wenn er in dem andern sah, wie er nichts anders pre: digte als die Liebe, welche das Band der Freundschaft zwischen seinem Herrn und Meister und ihm und den Undern gewesen war, wenn er in ihm voraussah, wie diese wirken würde, nicht als eine weichliche Empfindung, sondern noch aus demselben Gemüth, wel: ches früher von dem Feuereifer verzehret ward, das sich aber nun zur himmlischen Milde geläutert hatte: da sah er in ihnen, wie fie auch nachher genannt wurden, die Säulen seiner Gemeinde, welche in dem nåchsten Menschenalter das ganze Gebäude zusammenhalten würden; und so um dessentwillen, was sie für sein Reich, für das große Wert seines Vaters würden thun können, um deßwillen liebte er sie.

Wohlan, m. g. Fr., dieser Liebe sou nun unsere Liebe unter einander gleich sein! so gebot er seinen Jüngern, sie unter einander sollten sich lieben mit der Liebe, womit Er sie geliebt hatte; das war sein Gebot, und wenn sie das thaten und weil sie das thaten, · waren sie seine Freunde. Wie mancherlei Gestalten der Liebe und Freundschaft, m. th. Fr., finden wir nicht in der menschlichen Ges sellschaft! Manches freilich von dieser Art ist so, daß wir uns gleich davon abwenden müssen; denn wo die Liebe sich nur als eine hef: tige sinnliche Bewegung zeigt, da beschränkt sich das Verlangen des Geistes auf einen engen und niedern Kreis, in dem wir keine Be: friedigung ahnben; aber freilich Bieles erblikken wir auch überall und zu allen Zeiten, was uns groß und edel erscheint, aber was doch nicht ganz das Gepräge an fich trågt von dieser Regel für die Liebe, die der Erldser durch sein Beispiel gegeben hat. Wenn wir nun fragen, ist denn jede andere Liebe als diese leer und nich: tig? so werden wir es nicht wagen wollen gleichsam mit einem Worte einen so großen Theil geistigen Wohlergehens aus dem menschlichen Leben auf Erden gleichsam zu vernichten. Aber wenn wir uns auf der andern Seite fragen, was ist wohl die höchste Vollkommenheit irgend einer Liebe, die es unter den Menschen ge: ben kann: wie leicht werden wir uns zu der Antwort vereinigen, diese höchste Vollkommenheit bestehe freilich für jede Liebe darin, wenn sie sich allmählig ausgebildet und veredelt hat zu dieser Liebe, die der Erlöser gebietet, wenn alles, was sich nicht eben so auf die Mittheilung der Seligkeit bezieht, daraus verschwunden ist. Darin besteht diese Vollkommenheit, wenn das Leben, welches der Siz der Seligkeit ist, und welches wir als die Reben des Wein: stokks von ihm empfangen, auch jede Freundschaft, jede Liebe, jede Berbindung, in der wir mit unsern Brüdern stehen, durchdringt und das eigentliche Wesen derselben ausmacht. Lasset uns nicht erst reden von solcher Liebe und Freundschaft, die auf anmuthigen, aber doch nur äußerlichen Eigenschaften eines Menschen beruhet, und deswegen ihre Befriedigung nur findet in seiner unmittelbaren leiblichen Gegenwart oder in der möglichst lebendigen Erinnerung an dieselbe; auch nicht von solcher Liebe, die nur auf dem Einfluß beruht, den ein Einzelner in dieser oder jener Beziehung auf unser eigenes Wohlbefinden ausüben kann, und worin wir also nicht ein: mal ihn, sondern nur uns selbst lieben: sondern auf jene innigste Liebe und Freundschaft lasset uns sehen, welche sich in einer besons deren Berwandtschaft zwischen unseren eigenen und den geistigen Ei: genschaften des Andern gründet, so daß wir sein Inneres wahrhaft zu schauen und uns in ihn hineinzuleben weit mehr im Stande sind als in irgend einen Andern, sei er auch eben so reichlich aus. gestattet und nicht minder wichtig und gesegnet für die menschliche Gesellschaft, in der er lebt und wirkt, ja vielleicht auch nicht min: der rein und gottgefålig als jener. Was macht also hier den Un: terschied ? warum ziehen uns des Einen geistige Eigenschaften so viel stårker an, weshalb vertiefen wir uns so vorzüglich gern in ihren innern Zusammenhang, warum erfreut uns so viel inniger ihr schönes Zusammenwirken zu einem uns theuren Leben? Wenn nicht deshalb weil sie uns náher stehen in Beziehung auf die uns gemeinschaftlich obliegende fortschreitende Entwikkelung des Heils, welches in Chrifto ift; wenn nicht deshalb weil wir in ihnen die Bittsamkeit der Kraft klarer durchschauen, durch welche auch Un: dere zu dieser Höhe des geistigen Lebens erhoben und auf derselben feft gehalten werden, um sich immer mehr von Auem zu entledigen, was sie von derselben herabziehen könnte, wenn nicht, daß wir dies ses in ihnen finden, der Grund unserer vorzüglichen Liebe und Freundschaft ist: so ist sie, fürchte ich doch nur ein anmuthiges, oder ziemlich gehaltloses Spiel einer feineren und verstekkten Selbst: sucht. Und so, m. g. Fr., haben wir an einander nichts anderes ju lieben, als die geistige Empfänglichkeit für das geistige Leben, welches sich von dem Erldser aus durch die Seinigen immer wei: ter verbreitet. Wie groß auch, m. th. Fr., die Abstufung fei zwi: schen Einem und dem Undern in der Gemeinschaft der Christen, wie reich das Leben des Einen, wie still, wie unscheinbar, wie ver: borgen das des Andern, wie leuchtend der Eine über einen großen Sreis durch die Art, wie ihm vergönnt ist nach dem göttlichen

Rathschluß die Eigenschaften seines Geistes wirksam sein zu lassen; wie ein Underer nur von Wenigen erkannt wird und also auch nur von diesen bedauert werden kann, daß es für ihn keinen größern Schauplaz gegeben, auf dem er håtte wirksam sein können für das Reich Gottes; wie sehr wir selbst in dem Falle sein mögen, von dem andern mehr empfangen zu können, als wir ihm zu geben vermogen: so kann doch unsere Liebe zu ihm, sou sie an jener Bou: kommenheit Theil haben, keine andere sein als die Liebe des Erld: sers zu seinen Jüngern. Als den Gebenden können wir keinen Andern lieben als nur Ihn allein; denn Alles, was uns Andere geben können, um den zur Seligkeit führenden Hunger und Durst, um dessentwillen wir selbst der Gegenstand seiner Liebe sind, zu stillen, das geben sie uns nicht als ihr Eigenes sondern als das Seinige; es wird uns nur eine gesunde, zuträgliche Nahrung des Geistes, insofern wir im Stande sind, alles Undere davon zu son: dern und nur das in uns aufzunehmen und in Saft und Blut zu verwandeln, was wirklich des Erlófers ist und keines Andern. Aber weiter, m. g. Fr., denken wir uns auch diese treue Liebe unter ein: ander immer mehr gereift; denken wir uns auf einer solchen Stufe der christlichen Vollkommenheit, daß wir nichts anderes mehr ach: ten und lieben, als was auf irgend eine Weise die Züge seines Bildes an sich trågt; denken wir uns, daß Er selbst uns eben so wie jene ersten Jünger lieben könne um des Theiles willen, den wir an dem großen Werke nehmen, welches der Vater ihm zu vollbringen gegeben hat: so bleibet doch auch dann diese Liebe immer sein Gebot; wir können doch nie sagen, daß wir sie nun endlich håtten als unser eigenes Gewächs, als unser eigenes, niemandem andern angehöriges Leben. Ach! wenn wir es wagen wollten von dem Weinstokk uns zu sondern, um uns als Senklinge in einen andern Boden zu pflanzen: bald würde sich nicht mehr diese hos here Kraft des geistigen Lebens in uns regen, sondern wir würden wieder ausarten, der wilde Stamm der irdische Mensch würde wie: der hervorsprießen, und die Abkunft von dem edlen Stamm nicht zu erkennen sein an dem vielleicht anmuthig gestalteten, aber nicht mehr fruchtbaren Gewächs. Immer bleibt diese Liebe sein Gebot, und wir können sie nicht anders üben denn als sein Gebot, fie bleibt immer nur so lange dieselbe, als wir auf ihn hinsehen, als wir sie aus seiner Fülle empfangen; nur wenn er es ist, der überall zwischen uns tritt und die, welche die Gegenstände seiner Liebe sind. Dies, m. g. Fr., ist sein einziges Gebot, aber welches håtte er denn wohl noch diesem hinzufügen können? in dieser Liebe ist ja zugleich die Liebe des Sohnes zu seinem Vater mit enthal: ten, weil durch diese auch jede andere Liebe auf das Eine große Werk Gottes, in welchem sich seine Liebe zu uns offenbart, gerichtet ist.

HI. Das also wäre sein Gebot! und nun laßt uns sehen, was Er meint, wenn er sagt, Ihr seid meine Freunde so ihr thut, was ich euch gebiete.

Wenn wir uns den großen Inhalt dieses Wortes, Freund und Freundschaft, vor Augen stellen wollen, so werden wir gewiß zuerst uue darüber einig sein; es ist ein Verhältniß des innigen Mitgefühls. Wer könnte sich rühmen, der Freund eines Andern zu sein, wenn er nicht wußte, was im Innersten seines Geistes und Herzens vorgeht, wenn er nicht alle bedeutenden Bewegungen desselben so theilte, daß sie zugleich die seinigen würden, wenn er sich nicht in seine Vergangenheit zu versezen suchte, von der Gegenwart eben so erregt würde, wie sie jenen bewegt, wenn er nicht dieselbe Zukunft ahndete, worauf jener sich in seinem Streben rich tet. Dies mit einander leben, sich in einander hineinfühlen, ist ge: wiß das Erste, was zur Freundschaft gehört. Aber, m. g. Fr.,. wie konnten wir wohl an den kleinen Kreis denken, zu welchem der Erlöser diese Worte sprach, ohne zugleich an den Einen zu denken, dem sie nicht galten? Auch mit diesem hatte der Erlöser èin inni: ges Mitgefühl; Des Menschen Sohn muß dahin gehen, sagt er, aber wehe dem Menschen, durch den er hingeht! Und in diesem Wehe sprach er das innigste Bedauern aus mit dem verlorenen Schaafe, und keine Rechenschaft, die er vor Gott brachte, kein Ge: danke an das was ihm bevorstand, in den sich nicht auch der Ger danke an diesen Unglükklichen mit eingemischt hätte. Aber unter seine Freunde gehörte er nicht, und konnte er nicht gehören! Dies Mitgefühl war ein anderes; das Mitgefühl der Freundschaft muß Billigung und Anerkennung des guten und gottgefädigen sein, ohne daß wir uns die menschliche Schwachheit verbergen oder sie verkennen. Ist unser Mitgefühl anders gemischt, so gleicht auch unsere Freundschaft nicht mehr der des Erlófers; sie ist dann in engere Schranken eingeschlossen, sie trågt das Zeugniß ihrer unvollkommenheit in sich. Nun wohl, m. g. Fr., konnte wol der Erlójer ein so inniges Mitgefühl mit den Seinigen haben, wäre es wohl möglich gewesen, daß sie es mit ihm haben konnten, außer nur da: durch, daß sie eben dies sein Gebot thaten? Nur durch diesen An

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