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den als die er um sich her sah, obgleich ihin dieselben das erste Licht aufgestekkt hatten, wie viele Ursach hatte er da zu beten für sich und für sie!

Uber, m. g. Fr., wenn wir der Wahrheit ganz treu bleiben wollen, dürfen wir doch bei dieser Ansicht der Sache nicht stehen bleiben. Cornelius selbst erzählt dem Petrus, vier Tage vorher habe er sein zur neunten Stunde gewöhnliches Gebet fortgesezt bis auf dieselbe spåtere Stunde, in der Petrus iezt vor ihn trat *). Das war also ein Gebet, an eine bestimmte Tageszeit gebunden, wie es zu den äußerlichen gottesdienstlichen Uebungen der Juden gehörte, an welche er sich, wie wir hieraus ganz deutlich sehen, be: reits in einem hohen Grade angeschlossen hatte, ein Gebet, an eine gewisse Stunde des Tages gebunden, der Zustand des Gemüthes mochte übrigens sein welcher er wolle, und dieses Gebet hatte er noch, wie er erzählt, in die Långe gezogen auf eine ungewöhnliche Weise. Wie finden wir doch hier so vieles, was uns an die Wars nung des Erlösers erinnert, wie er sie aussprach in der Bergrede in Beziehung auf die Gebete seines Volkes, daß sie nicht sollten beten wie die Heiden und viele Worte machen, indem Gott deren gar nicht bedürfe, sondern alles vorher wisse, woraus denn folgt, daß das Gebet nichts sein solle, was der äußeren Worte bedarf oder durch sie zu seiner Vollkommenheit gelangt, sondern nur eine innere Bewegung des Herzens. Das Gebet auf jene Weise ge: bandhabt als eine äußere Uebung, mehr oder weniger an bestimmte Zeiten gebunden und nicht selten auch an bestimmte Worte, und dann noch über die gewöhnliche Länge hinausgezogen von der Mei: nung aus, daß dieses Wortemachen in dem Gebet, dieses Zeitaus: füllen mit dem Gebet, etwas Gott wohlgefälliges sei : was der Erlöser so als eine Verblendung darstellt, was er als Irrthum be: zeichnet, wovor er warnt, das kann doch nicht der Grund des be: sonderen Wohlgefallens Gottes an diesem Manne gewesen sein. Wollen wir also auch in dieser Beziehung feststehen bei unserer evangelischen Gesinnung, daß wir nåmlich das Gebet nur ansehen als eine innere Angelegenheit des Herzens, so daß es seine Wahr: heit und seinen Werth nicht von der Stunde, nicht von den Wor: ten, nicht von der Långe bekommt, sondern nur dadurch, daß es der natürliche Ausdrukk ist von dem Verlangen des Menschen nach

*) Dies ift der wahre Sinn der Worte V. 30. luthers Uebersezung ist birt

theils selbst unrichtig, theils folgt fie nicht den besten Handschriften.

dem Ewigen: so werden wir sagen müssen, auch seines Gebetes wegen konnte Gott ihm nicht gnädig sein vor Undern.

II. Also dürfen wir davon nicht abgehn, weder die Almosen des Mannes, wie er sie geübt hat, noch sein Gebet, wie er es geübt hat, konnte einen Grund enthalten, weshalb Gott ihn vor: zugsweise dazu ausersah, ihm auf einem so besonderen Wege zur Kenntniß des Evangeliums zu verhelfen; und so hat die Frage nicht wenig Schwierigkeit, die wir uns jezt vorlegen, wie wir uns den Zusammenhang denken sollen, der doch in den Worten jenes Boten Gottes so unverkennbar angeordnet ist, wenn er sagt, dein Gebet ist erhöret, und deiner Almofen ist gedacht wors den vor Gott; so sende nun gen Joppen, und laß dir rufen einen Simon, genannt Petrus.

Werben wir nicht am besten thun, m. a. Fr., wenn wir uns zunächst auch hier wieder festsezen in dem Ausspruch des Apostels, Sie sind aUzumal Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie vor Gott haben sollen? *) Davon war Reiner ausgenom: men unter allen Menschen, die da lebten, ehe die Zeit erfület war und der Sohn Gottes eintrat in diese Welt; Keiner machte davon eine Ausnahme, und keiner also, wenn sie alle des Ruhmes er: mangelten, den sie - vor Gott haben sollten, hatte etwas in sich, was Gott wohlgefålig sein konnte. Und obgleich uns das freilich schon als ein großer Fortschritt, als eine bedeutende Hinwendung zum Besseren in diesem Einzelnen erscheint, daß er in der Nähe dieses wiewol von den Seinigen unterbrúkkten und gering geachteten doch vom Gözendienst freien Volkes sich hatte bis zu einem gewissen Grade wenigstens befreien lassen von seinem alten ihm gleichsam angeborenen oder doch von Jugend auf anerzogenen Irr: thume, statt jenes Wahnes und jener Trugbilder den Gedanken des Einen ewigen Gottes in seine Seele aufgenommen und sich dem entgegenstrekkte, - wiewol uns das als ein großer Fortschritt erscheint: wie empfänglich zeigt sich nicht doch auf der anderen Seite derselbe Mann, wieder zurükkzufallen in die Werthscházung des äußeren, des vergånglichen und nichtigen! denn so war es mit seinem Gebet, so war es mit seinen Ulmosen. Da war also, wenn wir es frei und redlich heraussagen wollen, außer jenem Verlan: gen der menschlichen Seele, außer jener Richtung nach dem Ewi:

– und wo diese nicht ist, da muß auch die lauterste

gen hin,

*) Rom. 3, 13.

Botschaft des Evangeliums verloren fein an der Seele aber außer ihr war nichts an ihm, was da Gott hátte können wohlge: fällig sein und angenehm; außer dieser war nichts an ihm, was nicht bedurft håtte bedeckt zu werden von der göttlichen Vergebung. Woran also der Höchste anknüpfen konnte, das war nur jene all: gemeine Bedingung, ohne die' kein Mensch empfänglich sein kann für die Wahrheit des Heils. Aber was sagte der Erlöser, als er in seine Paterstadt kam, und die Menschen, die ihm die nächsten waren, ihn eben deswegen nicht annahmen, weil sie die nächsten waren; was sagt er zu ihnen, um ihnen auf eine warnende Weise diese Verborgenheit der göttlichen Wege zu entråthseln? Also sprach er zu ihnen *). Es waren viele arme Wittwen zu der Zeit des Elias in Israel, aber der Prophet wurde zu keiner gesandt in je: nen Zeiten des Mangels, als gen Sarepta der Sidonier, also in der Heiden Land; und viele Aussázige waren in Israel zu den Zeiten des Propheten Elisa, aber keiner wurde dadurch gereinigt als allein Naemann aus Syrien, also ein Heide. 218 fie das vernahmen, da ahndeten sie den Sinn seiner Worte, daß er ihnen wollte zu verstehen geben, der Herr suche mit den ersten Strahlen seines neuen Lichtes, wie er es schon mit seinen äußeren Wohltha. ten gethan, mehr die Entfernteren auf, als die ihm håtten nahe sein sollen als das Volk seiner Wahl, und da wurden sie vou Bornes und stießen ihn hinaus aus der Stadt. So müssen wir auch hier sagen, Biele gab es unter den Juden und Heiden, welche dursteten nach der göttlichen Wahrheit, welche ein eben so sehnliches Verlangen hatten nach der Seligkeit und dem Frieden, den die Welt nicht geben kann, viele gab es solche: aber zu keinem wurde Simon Petrus gesandt, als zu diesem Cornelius, dem römischen Hauptmann in Cåsarea.

Was wollen wir also sagen? Die Worte jenes göttlichen Boten scheinen allerdings einen Zusammenhang anzubeuten zwischen dem Gebet und Almosen des Cornelius und der Sendung des Pe: trus; aber es war doch in diesen Uebungen des Cornelius nichts gutes, als nur, baß ihnen eben jenes Berlangen zum Grunde lag, welches die allgemeine Bedingung für alle Menschen ist, wenn sie sollen der göttlichen Erleuchtung fähig werden ; eine Bedinging, die sich bei Vielen eben so finden mußte, wie bei ihm. Also kláren uns diese Worte nicht, warum grade dieser ausgewählt wurde, um vorzugsweise durch Petrus zu hören von Jesus von Nazareth, und mit Quen den Seinen, die er um sich versammelt hatte, von seiner Rede gewaltig ergriffen, früher als Undere theil: haftig zu werden des Geistes und aufgenommen zu werden in die Gemeinschaft der Gläubigen. Sie erklären es uns insofern nicht, als wir behaupten müssen, es gebe überall keinen besondern Grund in irgend einem Menschen, der ihn zu einem Gegenstand göttlicher Wahl und göttlichen Vorzuges machen könnte, sondern nur jenes Eine, was Quen Noth thut, und an das allein die erbarmende göttliche Liebe sich anknüpfen kann.

*) out. 4, 24. 27.

Jene Worte sind also nur eine Ankündigung ohne Grund davon, daß gerade seine Gebete und seine Almosen vor Gott gekommen seien. Wollen wir aber den Grund hievon wissen: Po werden wir doch wieder unsere Zuflucht nehmen müssen zu dem Worte des Apostels Paulus, der auch vertieft in dieses Geheimniß der göttlichen Führung, wie Wenige von seinem Volke eingingen in das Reich Gottes, welches ihnen doch zuerst verkündigt worden war, denen die sich nicht darin finden wollten, halberzúrnt zurief, Mensch, wer bist du, daß du mit Gott rechten willst? Ach und frelich wäre das ein viel tieferes, viel demüthigeres, viel mehr Wahrheit in fich enthaltendes Rechten mit Gott, wenn wer sich in einem solchen Falle der Begünstigung findet, sagte, Herr womit habe ich denn das verdient, was ist denn der Grund dazu? ich kann ihn nicht finden in mir! warum sind so viele Andere zurütk: gesezt gegen mich? Ein viel richtigeres Rechten mit Gott wåre das als das entgegengejezte! So aber fährt der Apostel fort, Mensch, wer bist du, daß du mit Gott rechten willst? hat nicht der Tópfer Macht, aus dem Thon zu machen was er will, eine Gefäß zu Ehren und das andere zu Unehren, und wer vers mag zu rechten mit ihm ? *) Das heißt doch gewiß, daß wir in dem Einzelnen nie den Grund finden können solcher göttlichen Wahl. Wenn aber durch diesen Ausspruch der Apostel den Vor: wiz derjenigen demüthigen wollte, welche mit Gott rechten zu kón: nen meinten, weil sie geneigt waren, sich über andere zu erheben: sollen wir uns nun auch bei diesem Unvermogen allein beruhigen? Bielmehr laßt uns versuchen, unser Auge nicht auf den Einzelnen, weil wir ja an dem nichts finden, sondern auf das Ganze zu rich: ten, ob nicht die Wahrheit die ift. Wenn Gott den Einen zum

*) Nom. 9, 20. 21.

Gefáß der Ehre macht, ihn auserwählt auf solche Weise, wie es dort geschehen ist: lo thut er das nicht um dieses Einen willen, sondern um der Anderen willen.' So hångt dann alles zusammen in Einer göttlichen Führung im Großen: und eine andere Ordnung konnte es ja wol nicht geben in der Verbreitung des Evangeliums, auf deffen Segnungen ja uue kein Recht hatten, Keiner mehr als der Andere; eine andere Regel konnte es nicht geben als diese, der Herr leitete die göttliche Stimme der Verkündigung so, wie dar: aus das meiste und größte entstehen konnte in der Welt, in der der Name seines Sohnes sein soll ein Name, der über alle Namen ift. Und kehren wir zurükk zu den Umständen der damaligen Zeit: wie leicht werden wir dann begreifen, warum unter folchen Um: stånden an einen solchen wie Cornelius der Ruf Gottes erging.

Was war zuerst die Lebre, welche Petrus – der Apostel, der gewöhnlich hervortrat, wo es galt, die neue Gemeine des Herrn zu vertreten vor der Welt, - was war die Lehre, die er sich aus diesem Ereigniß zog? Nun, sagt er, sehe ich, daß Gott die Person nicht ansieht, sondern in allerlei Volk, wer ihn fürchtet und Recht thut, der ist ihm angenehm, nicht etwa als ob er dadurch we: niger ein Sünder wäre, der des Ruhmes ermangelt, den er vor Gott haben soll, aber angenehm ist er ihm - dazu, um ihm seine Wohlthaten zu erzeigen, angenehm ist ihm ein solcher, um ihn zu erleuchten mit dem himmlischen Licht. Wo diese Sehnsucht des Herzens ist nach dem Ewigen, wo dieser Hunger und Durst ist nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, nur daß die verirrte Seele noch nicht weiß, wo es zu finden ist: er mag aus einem Volk sein wie er will, so ist er ein Gegenstand der göttlichen Erbarmung. Und wie nothwendig war dem Petrus diese Erkennt: niß! Denn er sagte zwar, als er in des Cornelius Saus eintrat, Ihr wisset, wie es ein ungewohntes Ding ist einem jüdischen Mann, sich zu einem Fremdling zu thun oder in das Haus eines solchen zu kommen; aber Gott hat mir gezeigt, keinen Menschen gemein oder unrein zu heißen. Das war ihm also schon gezeigt worden; aber wenn nicht zu gleicher Zeit ein solcher Ruf an ihn ergangen wäre, den er nicht ausschlagen konnte, weil er davon das Beste für die Verbreitung des Reiches Gottes erwarten mußte: wer weiß, ob diese Sache doch zu voller Klarheit in seiner Seele gekommen fein würde, ob dies ein Grundsaz würdė geworden sein, nach wel: chem er fortan sein ganzes Leben führte. Und als nun in der fol: genden Zeit der Streit entstand, ob nicht die aus den Heiden doch

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