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und Davidischen, in den Hiobdichtungen und manchen andren Bruchstücken finden, die uns von jenem merkwürdigen Volke der Hebräer erhalten sind. Der Einfluß jener Dichtungen auf die spätere mohammedanische Welt ist ungeheuer; Hafis ist ohne das Hohelied Salomos gar nicht zu denken. Und kaum hat dieser Dichter jemals die eigentümliche poetische Kunst dieser Wechsellieder erreicht, in denen die Zweideutigkeit der Naturvergleiche im Dienste der frischesten Sinnlichkeit und Schönheitsseligkeit so wundervolle Blüten poetischer Anschauungsverbindung treibt.

Dieses Incinsschauen von verschwisterten Naturbildern, von Denkbildern und Naturbildern, auf der andern Seite diese scharfe altjüdische Logik im ethischen Unterscheiden, die wir in den alten Spruchsammlungen finden, wir begegnen dem Allem auch bei Jesus in höchst charakteristischer Art. So sehen wir den ursprünglichen Denker auch im lebendigen Zusammenhang mit seinem Ursprung, und das Gepräge innerer Echtheit und Unverwüstlichkeit seiner Hauptgedanken wurde für die Menschheit ein innerer Segen, der eine notwendige Ergänzung zu dem geistigen Segen noch lange bleiben wird, den wir Germanen unsren näherverwandten Altgriechen nach andrer Richtung verdanken.

Von solcher landschaftlicher Schönheit umgeben, mochte unser Denker und Lehrer wohl auch, in Bildern seiner Umgebung redend, an das Seegestade treten, und wie er vom Senfkorn, das sich zum mächtigen Baume auswächst, geredet hatte, auch davon dichten, wie etwa aus zwei Fischlein, die vor ihm im Wasser plätscherten, soviel Laich wird, daß fünftausend Menschen von den aus Eiern entsprungenen Fischen gespeist werden könnten. Und vom Brote der Himmel, des Aus mochte er sprechen, wie er ja auch gern sagte: „Ich bin das Brot des Lebens" - von dem Brote, von dem Tausende essen können und att werden wie etwa der Eber in Walhall den schmausenden Germanen immer wieder nachwächst oder wie Manna in den Körben sich ergänzte wenn es auch äußerlich nur wenig Brote scheinen. So oder in andrer Gestalt redete er von der Speisung der Fünftausend und Viertausend, wovon im 14. Kapitel des nachmaligen Matthäusbearbeiters ein Wundernachklang uns erhalten ist, der im 15. Kapitel sich wiederholt und dabei eine höchst verräterische Nußanwendung da zeigt, wo vom „Sauerteige der Pharisäer“ gesprochen wird (Kap. 16, 9—12) und auf eine Deutung hingewiesen ist, die sich aus der Geschichte der Fische und Brote ergeben hätte! Wie merkwürdig, daß diese Berichte gerade kurz nach dem großen dreizehnten Gleichniskapitel folgen! Wie selbstverräterisch das alles! Wie sehr überzeugt es uns, daß wir es nur mit einer weiteren Ausbildung der Senfkorn- und Sauers teiggleichnisse zu thun haben im früher erörterten Sinne! Auch im Johannesevangelium folgt die große Rede über das „Brot des Lebens“ fast unmittelbar auf die Erzählung von der Speisung der Tausende und knüpft sogar daran an, indem sie das Mannabild damit verbindet.

Die Umbildung eines alten Mythus scheint hingegen das Wasserwandeln des Jesus und Petrus im 14. Kapitel. Es bietet uns keine neue Idee. Das Gespräch mit Petrus, wo er ihm „des Himmelreichs Schlüssel“ zu geben verspricht, ist schwerlich echt, sondern späte Zutat der bereits wirksamen katholischen Ur-Kirche. Möglich ist aber, daß in der Urhandschrift irgend eine Neckerei oder Abfertigung des Petrus berichtet wurde. Dieser Mann wäre, wenn die legendarischen Berichte der Evangelien einen tatsächlichen Hintergrund haben sollten, augenscheinlich der dümmste und zugleich charakterloseste Schüler des Icsus gewesen. Von den beiden wirklich geistig einigermaßen dem Meister Nahestehenden, Matthäus und Johannes, werden keine Gesprächsanekdoten berichtet; sie spielen in Jesu Reden gar keine Rolle, augenscheinlich weil sie selbst die Urberichterstatter der beiden Hauptgruppen von Jesussprüchen sind, die in die Evangelien eingewebt sind, und weil sie eben deshalb über sich selbst keinerlei Anekdoten aufschrieben. Dagegen ist Petrus oft genug Gegenstand des Spottes seines Lehrers. So hat Petrus Kirchbach, Was lehrte Jesus ? !

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Auch zu

(Matth. 16, 16 ff.) ihm ins Gesicht gesagt, er wäre „Christus, des lebendigen Gottes Sohn“. Hierin lag für Jesus, nach allem, was wir sonst sehen, augenscheinlich ein Mißverständnis, ein Rücfall in Anschauungen, die er überwunden haben wollte, und so mag er wohl spöttischerweise das Wortspiel vom „Kephas“ (Felsen) gebraucht und ihm ironisch gesagt haben, er werde ihm die , Schlüssel". des „Himmelreichs“ geben, weil der Mann ihn so wörtlich versteht, daß er sich die Sache womöglich mit Brettpforten vernagelt denkt. Und weil es so war, „verbot“. er auch den Jüngern in diesem Zusammenhange sogleich, sie sollten niemandem sagen, daß „er selbst der Christus wäre“. Nach dem Markusbericht hat er ihnen sogar drohend anbefohlen, niemandem zu sagen, er wäre, der Messias.

dem samaritanischen Weibe, das (laut Johannes 4, 25) zu ihm spricht, sie wisse, der Messias werde kommen, mit der Anspielung, er, Jesus, sei er am Ende, hat er nicht gesagt: „Ich bins“, sondern wie die griechische Urschrift lehrt, das Gegenteil. Er sagt (V. 26): „Ich bin nur der, der mit dir spricht" ("Eyó εiui ó ladov 001) und eben deshalb ruft sie nachher die Leute zusammen mit den Worten: „Kommt, sehet einen Menschen, der mir alles gejagt hat, ob er nicht doch am Ende Christus ist." Hätte sie Fesus jo verstanden, daß er wirklich sagte, er. sei Christus, so hätte sie ihre Rede nicht in hypothetische Form gekleidet, sondern gejagt: er ist Christus, er hat mir gesagt, er sei Christus.

Diese einfache, sprachlich ungezwungene Überseßung entspricht den Uranschauungen augenscheinlich; es ist absolut nicht einzusehen, warum Jesus den Jüngern verboten hat, zu sagen, er sei. Christus, wenn er selbst es einer ziemlich zweideutigen samaritischen Person doch verriet.' Aber Luther und die Kirche überseßen einfach falsch: sie schalten ein Komma ein, wo bekanntlich in der Urquelle keines stand, da die ältesten Abschriften, nur in griechischen Groß-Buchstaben geschrieben, überhaupt keine Sabzeichen enthalten. Eben daraus entspringt unser wissenschaftliches Recht an einigen Stellen anders abzuteilen, als die späteren Abschriften. Jesus sagt einfach: „Ich bin der, der mit dir redet.“ Und weiter nichts.

Die obige Petrusstelle im Matthäus geht in dieser Gestalt ficher nicht auf die Matthäusurquclle zurück. Mit der Rede, alles, was Petrus binde, solle auch auf Erden gebunden sein, wird ein bei andrer Gelegenheit wiederkehrendes Wort (Matth. 18, 18) auf Petrus allein zurecht gemacht. Bei Markus 8, 29 sagt Jesus selbst kein Wort der Bestätigung auf Petri Behauptung: Du bist Christus, sondern verbietet auf dies Wort hin drohend von ihm zu sprechen. Bei Johannes 1, 41 und 42 sagt Betrus wiederum kein Wort, daß Jesus Christus sei, und Jesus hat nur das Wort für ihn: Du bist Simon, Jonas Sohn, du sollst Rephas heißen, welches der Evangelist mit dem Namen „Fels", d. h. Petrus, erklärt. Natürlich konnte dieser Simon nur den hebräischen Namen Fels, Keïpha haben oder Jesus ihm diesen Spişnamen geben; Matthäus aber gibt ihm ganz naiv den griechischen Namen „Petros“ und läßt Jesus ein Wortspiel mit diesem griechischen Namen machen. Hält man alle diese Varianten und Widersprüche der Überlieferung zusammen, so ist klar, daß die Matthäusworte nicht echt sein können in dieser speziellen Gestalt. Der historische Jesus muß jedenfalls etwas ganz Anderes gesagt haben und wir befinden uns einer Legende gegenüber, welche mißverstandene Urworte künstlich zusammenstellt.

Behntes Kapitel. Jesus ein Gegner der Auferstehungslehre. – Der dritte Tag und die dauernde

Neuerhebung der Menschheit.

Im Weiterlesen begegnen wir im 17. Kapitel (9—12) einem Worte des Jesus über die sogenannte Auferstehung der Toten, das uns zu der Frage führt, wie Jesus sich in dieser Sache ausgesprochen hat.

Das ältere Judentum kannte weder den Gedanken einer Auferstehung der Toten, noch den in Griechenland durch Sokrates aufgebrachten Begriff der sogenannten Unsterblichkeit der Seele. In dem gewaltigen Trauerlied der hinfälligen Menschheit, welches das 14. Kapitel des Buches Hiob ausfüllt, wird jede Möglichkeit der Fortdauer des Menschen nach dem Tode, jeder Gedanken irgend einer „Auferstehung“ geleugnet. Griechischer Volksglaube hatte wenigstens noch die Vorstellung vom Hades; viele altjüdische Denker und Dichter lebten der Überzeugung, die auch von vielen Modernen geteilt wird, daß das persönliche Leben des Menschen auch mit seinem Tode ende. Nur Gott ist ewig, aber nicht der Mensch.

So flagt Hiob: „Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist vol Unruhe 2c. 2. — Wo ist ein Mensch, wenn er tot und umgekommen und dahin ist? Wie ein Wasser ausläuft aus dem See, und wie ein Strom versieget und vertrocknet: so ist ein Mensch, wenn er sich legt, und wird nicht aufwachen, so lange der Himmel bleibet, noch von seinem Schlaf erwecket werden.“ In der großen Abrechnung und Abschäßung aller menschlichen Übel,

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