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Saße angeregt sein. Das jüdische Volk soll sich hier „am dritten Tage wieder erheben“. Der „Menschensohn“ war bei Daniel ja auch ursprünglich das sittliche Bild für das gereinigte Judenreich. Was Hosea von den Juden gesagt hatte und von ihrer Unverwüstlichkeit, das übertrug Jesus auf seine gesteigerte Auffassung des Menschen und des Menschheitsideals. So mochte er zu dem Sake gekommen sein, den wir noch völlig unversehrt und hebräisch klar überseßbar finden. – Die Mythenbildung bemächtigte sich des Saßes und malte, indem sie den Menschensohnsbegriff auf Jesus selbst übertrug, sich die Bilder der Auferstehung am dritten Tage aus, wie wir sie in den Evangelien finden.

Von einer Auferstehung von den Toten spricht weder Hosea noch Jesus. Aber selbst wenn er den Zusaß „von den Toten“ gebraucht hätte, so würde auch das nur heißen: der Mensch, der sein Menschliches verraten hat, ist im hebräischen Sinne ein „Toter“ und von diesem sinnbildlichen, geistigen Tode wird er sich immer wieder, wird die Menschheit sich alsbald“ wieder erheben.

Indem wir einen tiefsinnigen Saß Jesu über die Unverwüstlichkeit des Menschlichen in dem Saße erkennen, finden wir ihn abermals ohne Bezug zu den volkstümlichen, egyptischen Körperauferstehungsbegriffen.

Soviel ist schon aus den Redefragmenten der Synoptiker klar, daß Jesus die gewöhnliche Vorstellung von einer „Auferstehung der Toten“ oder gar des Fleisches“ nicht gekannt hat. Die lehnt er auf das Bestimmteste ab. Wie Gott ihm im „Verborgnen“ war, so wird seinem klaren Sinne auch die Frage nach Auferstehung, wissenschaftlich unlösbar erschienen sein. Darum fertigt er mit dem Wort: „Man wird da nicht freien und sich freien lassen“ ein für alle Mal alle Fragen danach ab. Denn wir könnten ja doch nichts. aufbauen auf eine etwaige Totenerweckung oder gar die Unsterblichkeit. Laßt die Toten ruhen, laßt sie schlafen; Gott ist ein Gott der Toten nicht, sondern der Lebendigen. (Vergl. das LukasGleichnis vom „armen Lazarus und reichen Mann“).

Man muß sich erinnern, daß Jesus nur den „Vater“ kennt, daß er all die späteren dogmatischen Aussagen über Gott, wie der Allmächtige, Alweise, welche eine falsche theologische Metaphysik wagte, nicht kennt. Natürlich würde der Gott, der sozusagen die Welt gemacht hat, auch in andrem Sinne der Gott, der Schöpfer dessen sein, was wir gemeinhin tot nennen. Aber Jesus nennt seinen Gott nicht einmal „Schöpfer“. An der einzigen Stelle, wo das Wort in seinem Munde vorkommt, Matth. 19, 4, citiert er lediglich die mosaische Darstellung. Er meidet sonst all diese Bezeichnungen, mit denen sich die Kirchenlehre später in ein solches Neß von dialektischen Spißfindigkeiten einer wissenschaftlich nicht genügend beschäftigten Logik verstrickt hat.

Augenscheinlich hat Jesus all jene Gefahren meiden wollen, durch zu viele Aussagen über Gott und sein Wesen diesen höchsten Begriff auf menschliche Weise zu kompromittieren. Und ein Ausdruck dieses ablehnenden Verhaltens ist sicher auch der Saß: Gott ist nicht ein Totengott, Gott gehört den Lebenden, einfach weil wir vom Tod und vom Nachher doch nichts wissen und unser Verhältnis zum „Vater“ nicht auf solche unsichere Dinge aufbanen können und, nach dem „Armen Lazarus“-Gleichnis, nicht sollen.

Statt dessen wollen wir das „ewige Leben“ zu erringen suchen

das nicht etwa persönliche Unsterblichkeit, materielle Fortdauer in irgend welchen seelisch-stofflichen Kraftformen ist

im Gegenteil, wir sollen diese „Seele" verlieren, um sie als „ewiges Leben“ wieder zu erhalten. Und in den Johannesreden finden wir dann dieses „ewige Leben“ geradezu als das verwirklichte Gesamtsittenleben, als einen Inhalt, der uns erfüllt, denn immer sagt Jesus: man hat das ewige Leben, man enthält es. (ŠXELV.) Wer da treu ist, enthält das ewige Leben," „in Ewigkeit lebt, wer das Brot des Lebens isset,“ und dieses Brot sind wiederum die Lehren (énuata), ist der Meister selbst als Personifikationsname seiner Gesamtethik mit ihrem Vollkommenheits- und Liebesbegriff.

Es handelt sich, statt einer Verweisung auf die Fortdauer der Seele oder des Leibes, vielmehr um eine Verwirklichung dessen, was ewig ist im lebenden Menschen. *) Wahrheit, höchste Liebe, Erkenntnis der inneren Einheit der Menschheit (als Menschensohn), ja, das ganze Hereinragen des Sittengesekes in seiner geläuterten Gestalt als Dauerndes, d. h. Ewiges in den Wechsel der Erscheinungen, in den ewigen Tod, d. h. Absterben der Erscheinungen das alles sind die Dinge, die wir „ewiges Leben“ nennen samt der Macht des Alls, des Unendlichen in uns. Statt der sehr unficheren eventuellen persönlichen Fortdauer sollen wir schon das, worin wir im Zusammenhange mit einem ewigen (immerdauernden) Charakter des Daseins stehen (neben seinem vergänglichen Charakter), von Grund aus und mit aller Kraft verwirklichen, z. B. die Liebe und die Treuzuversicht, die innere „Macht des Ads“ in uns. Unter dem Lehr-Personifikationsausdrucke der dramatisch bewegten aramäischen Redeform faßt sich das alles sogar in das Wort zusammen: „Ich bin die Auferstehung und das Leben."

Wir sehen also vor allem hier einen vertieften Begriff vom „Leben“ (śwn), vom animalischen Lebendigsein. Gerade dieses stirbt ja täglich hin; mein eigener Körper stirbt ja täglich im Gefeße des Stoffwechsels, dauernd ist in mir nur das täglich erneute, aufcrstehende Wahrheitsgefühl, die Liebe, Treue und all diese inneren Erscheinungen. In ihnen findet Jesus „emiges Leben“, „wahres Leben“, keineswegs aber in einem etwaigen Begriff „Seele“, der als solcher unvergänglich wäre. Auch diese „Seele" werdet ihr verlieren, ja ihr sollt sie verlieren, an das, was in euch ewig ist. Das ist eure „Auferstehung“.

Man muß diese Gedanken ziemlich lange auch unter den ersten Christen richtig verstanden haben, sonst könnten sie nicht im Jo

*) So hatte schon Daniel das Wort verstanden (12, 2), wenn er den Ausdruc, den Fejus braucht (30ë aionios, Überseßung von Chaje Dlam) „ewiges Leben,“ der ewigen Sch mach entgegenseßt. Das Wort „Leben“ ist hier nicht das gewöhnliche physische Dasein, sondern ein Lebensinhalt fittlicher Art, der ewig ist, gegenüber der „Schande der Ewigkeit“. Kirchbach, Was lehrte Jesus?

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hannesevangelium so klar und unzweideutig dastehen und könnte vor allem das Wort „Auferstehung“ nicht fortwährend in so schwankender Bedeutung von allen Evangelisten gebraucht werden. Lukas redet von einer „Auferstehung der Gerechten“, was allerdings auch überseßt werden kann: „Auferstehung des Rechts“,*) wie er oben von den „Söhnen der Auferstehung“ als den „Gottesjöhnen“ spricht man sieht, daß in allen Evangelien eine vollständige Auflösungsarbeit aller alten egyptischen, jüdischen oder sokratischalexandrinischen Auferstehungs- und gar Unsterblichkeitsideen im populären Sinne der Untergrund ist. Und dieser Auflöjer kann kein Andrer als Jesus von Nazareth gewesen sein, denn alles, was wir von Effäern, von Ebioniten, von Sadducäern und andren Sekten wissen, so oft auch Jesus bald von den Einen, bald von den Andren etwas zu entlehnen scheint, ist weit entfernt von der besonderen Färbung der Denkweise, die sich aus dem Zusammenhalten all der höchst originellen, eigentümlichen Worte ergibt, die als Jesusworte ausgegeben werden.

Abermals erkennen wir aber eine merkwürdige innere Einheit der Lehre aus der Art, wie Jesus das ewige Leben" auffaßt im Zusammenhang mit seiner Lehre vom inneren Allreich. Wir dürften glauben, in den Johannisreden sei die Philosophie eines späteren Denkers, etwa niedergelegt, wenn nicht gerade hier immer die klarsten und einfachsten Ergänzungen zu den Jesus - Paradoxieen der Synoptiker stünden und Daniel der ältere Gewährsmann des Bes griffs wäre. Wir kommen noch einmal auf die Lehre des Jesus vom „emigen Leben“ zurück. Sie hat nichts zu tun mit dem Gnostizismus desjenigen, der die Einleitung der Johannesschrift, die Legenden, den historischen Teil erzählt und den Monolog als Schlußrede zusammenstellte.

*) Als Genitiv von ta dizaia, da Jesus auch im Johannes von einer „Uuferstehung des Gerichts“, įvaginois ins XQLoews, redet.

Matthäus 18.

Elftes Kapitel. Die Lehre von den harmonieen. Die Ehelehre, die Ent: sagungslehren. – Die letzten Matthäusgleichniffe.

Wir greifen zurück zum 18. Kapitel des Matthäus. Es berichtet uns in besonderer Weise die weltberühmten Worte des Hesus über die Kinder. Was er eigentlich damit meinte, daß er sagt: „solcher ist das Reich Gottes“, wie Lukas und Matthäus an einer andren Stelle (19, 14) berichten, ist nicht ganz klar. Es werden verschiedene Beziehungen gegeben. „Wenn ihr nicht umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht die Herrschaft der Himmel antreten“ (eiothonte sis = „antreten“). Der Größte in dieser Macht würde der sein, der sich niedrig macht, wie solch ein Kindlein, d. h. auf seinen geistigen Horizont sich stellt. Die eigentliche Beziehung des Jesus dürfte in dem Worte liegen: „Ihre Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines Vaters im All.“ *)

Dieses schöne Bild, richtig verstanden, deutet auf denjenigen Zustand des findlichen Geistes hin, der noch das unbefangene Vertrauen und die unbefangene Ansicht der inneren Einheit des Lebens hat, ja der intuitiven Gesamtheit des Lebens. Das Bild, daß die Engel der Kinder, die man im Himmel denkt, gewissermaßen den Vater im Al selbst sehen, weist auf die Meinung hin, der intuitive Sinn der Kinder sei das, warum gerade in ihnen die Macht des Als lebt, die Al-Konzentration ist. Wir verstehen dann auch alle

*) Die „Engel“ sind auch hier im „Himmel“ (oủpavo), der Vater aber ist im „20“ (lv oúpavois), weil Jesus bei den Engeln bildlich im Sinne des Volksglaubens spricht.

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