Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

von einander Glauben annehmt, aber den Glauben nicht sucht, der von dem Einen ist?" d. h. der im höchsten Begriffe begründet, ist, im Einheitsgrund des Lebens.

Glaubt nicht, daß ich etwa euch vor dem Vater verklagen werde, Moses ist es, der euch verklagt, auf den ihr gehofft habt. Wäret ihr Moses (d. h. seinen Lehren) getreu, so würdet ihr auch mir (d. h. meiner Lehre) getreu sein. Wenn ihr aber dessen Schriften nicht treu seid, wie solltet ihr auf meine bloßen Reden euer Vertrauen seben?!"

Jesus lehnt für seine Lehre auch hier eine Mittlerrolle als etwaiger persönlicher Verkläger beim „Vater" ab. Die Lehren Mose verklagten diejenigen, die sie nicht halten, an sich schon, d. h. es bleibt alles auf dem rein menschlichen Boden, den Jesus auch sonst festhält. Jedenfalls sind hier auch die Zusammenhänge zu suchen, aus denen Paulus später zu seinen Auffassungen gekommen ist, daß Moses und das alte Gesetz die Menschen verklagten, daß die Sünde erst aus dem Gesetz gekommen sei, welches den unbewußten Zustand der Sündenlosigkeit aufgehoben habe. Aber schwerlich hat Paulus Jesus hierin richtig verstanden, er dürfte auch hier erst seine Auffassungen aus Überlieferungen dritter Hand sich gebildet haben.

Wohl aber dürfte das Lukasgleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus schon im alten Matthäus eine weitere Begründung dieser Jesusgedanken gewesen sein. Dieses Gleichnis weist die Idee der Totenauferstehung als eines Grundes für die Begründung der Sittlichkeit zurück und verlangt, daß man vor allem erst einmal das Mosesgesez sittlich verwirklichen sollte, wobei es denn mit entsprechenden Worten schließt wie obige Johannesworte: „Hören sie Moses und die Propheten nicht, so werden sie auch sich nicht überzeugen lassen, selbst wenn einer von den Toten auferstünde". (Luk. 16, 19–31.) Möge nun hier das Gleichnis, das in der Weltliteratur einzig dasteht, seinen Plaß finden zur richtigen Deutung:

Es war einmal ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und Seide und lebte prächtig und jeden Tag in Freuden. Es war aber auch ein Bettler, mit Namen Lazarus, der lagerte vor seinem Haustor voll Schwären in Begier sich zu sättigen vom Abfall von des Reichen Tische, und selbst die Hunde kamen und leckten seine Schwären. Es geschah aber, daß der Bettler starb und daß er von den Engeln niedergelassen ward in Abrahams Schoß. Und auch der Reiche starb und wurde begraben. In der Unterwelt (Scheol) hebt er seine Augen auf, in der Qualen Anfang, da sieht er Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß. Da rief er und sprach: Vater Abraham, erbarme dich mein und sende Lazarus, daß er die Spiße seines Fingers tauche in Wasser und meine Zunge kühle, denn ich verzweifle in dieser Glut. Aber Abraham sprach: Gedenke, Kind, daß du dein Gutes in deinem Leben dir vorwegnahmest und Lazarus desgleichen sein Schlimmes, nun wird er also getröstet, du aber bist in Qual. Und in all diesem ist zwischen uns und euch eine groß gähnende Kluft aufgerichtet, daß die da wollen von hier zu euch hinüberschreiten, es nicht können, und auch von drüben zu uns nicht herübersteigen. Er sprach aber: Ich flehe dich an nun, Vater, daß du ihn zu meines Vaters Hause sendest, denn ich habe fünf Brüder, auf daß es ihnen verbürgt werde, daß nicht auch sie kommen an diesen Ort der Qual. Spricht Abraham: Sie haben Moses und die Propheten, die sollen sie hören! Er aber sprach: Mit Nichten, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen wanderte, so würden sie ihren Sinn wandeln! Er sprach aber zu ihm: „Hören sie Moses und die Propheten nicht, so werden sie auch sich nicht überzeugen lassen, selbst wenn einer von den Toten auferstünde!"

Vierzehntes Kapitel.
Die Abendmahlsauffassung. Fortsetzung der Johannesbetrachtung.

Im 6. Kapitel knüpft das alte Johannesbuch an das alte Gleichnis der Speisung der 5000 an, um eine in platonischen Kunstunterbrechungen ausgeführte Rede nach Dichtungsbruchstücken über die unvergängliche Speise, das Brot des Lebens und den Besitz des ewigen Lebens im Genuß dieses Brotes vorzutragen. Den Schlüssel zum Verständnis dieses zerschlagenen Gedichts gibt Jesus felbst außer Joh. 8, 25, Kap. 6, 63: „Der Geist ist das Lebenschaffende, der Stoff vermag nichts: Die Lehren, die ich euch gegeben habe, das ist Geist und ist Leben.“ Wenn er also in diesem Zusammenhange sagt: „Ich bin das Brot des Lebens“, so ist dieses „Ich“ nichts anderes, als seine Lehren (énuata), *) seine Weltanschauung.

Er vergleicht diese Götterspeise ähnlich wie das Ambrosia der Griechen, wie die Schaubrote im Tempel mit ihrer innewohnenden Symbolik – mit dem Manna der alten Erzählungen. Er feßt sein Brot, d. h. seine Lebensanschauung in Gegensaß zu dieser alten Lehre, die im Bilde des Mannas gedacht ist. Und er geht weiter und sagt:

*) über ởnuara als Überseßung von niş (Lehren, praecepta, Gesenius S. 608 a) dergl. Septuaginta, Sprüche III, 1. An derselben Stelle wird Thora“ im gleichen Sinne gebraucht. Fejus hätte also eben so gut jagen können: „die Thora, die ich euch gegeben, die ist Geist und ist Leben.“

„Ich (die Lehre, Thora) bin das lebendige Brot, das vom Himmel herniedergekommen ist (wie das Manna) und wer von diesem Brote isset, der lebt in Ewigkeit,“ d. h. für das Ewige. Und diese redende Lehre definiert sich durch eine Bildervertauschung wiederum als „Fleisch“, welches dieses Brot sei, als das „Blut“ des Menschensohnes, das Menschheitsblut und Menschheitsfleisch, welches man für das Leben der Welt genießen solle.

Es handelt sich hierbei um Energiebilder. Wir denken unwillkürlich an die Abendmahlsporte. (Vergl. Matth. 26, 26 und Luk. 22, 15 2.)

Dort wird Brot gebrochen und gesagt, dieses Brot sei Jesu „Körper“, während der dargereichte Wein „das Blut seines Bundes“ fei, das Blut oder der Becher, der um vieler willen zur Entlassung von Sünden ausgegossen ist. Das Bild des „Ausgießens“ (čxxurvoMevov) *) ist hier von der auch in Juda zu jener Zeit bekannten Sitte genommen, daß man im israelitischen Brauche zum Passah und Fest der ungesäuerten Brote „Trankopfer“ brachte, ähnlich wie man nach griechischer Weise, ehe man Wein trank, etwas aus: schüttete zur Libation. Reineswegs aber handelt es sich etwa im Munde Jesu um eine Anspielung im Sinne des zukünftigen Blutvergießens, wie Luthers Überseßung dogmatisch vorausseßt. Denn auch dogmatisch würde ja dieses Bild gar nicht stimmen, da Jeju Blut nicht „vergossen“ wurde, sondern er nur gekreuzigt ward, um eben Blutfließen zu vermeiden.

Sondern wie man Wein und Blut verschüttet zur Opferung, so bediente Jesus sich dieses Bildes, daß auch er das Traubenblut hätte ausgießen mögen zur Entlassung der Menschen von Sünden. Ja, vielleicht goß er selbst etwas aus. Denn schon Moses (I. 49, 11) nannte den Wein das Traubenblut, und beim Tranfopfer goß man nach seiner Vorschrift 1/4 Hin Wein aus. Und so sagt Jesus: „Ich werde von jeßt ab nicht mehr von diesem Weinstockserzeugnis trinken bis einst, wo ich es neu trinke mit euch (das heißt durch euch) in der Herrschaft meines Vaters“. Er bezeichnet den Wein als „das Blut meines Bundes", d. h. wo der alte Bund wirkliches Blut ausgoß, genüge ihm der bloße Wein (to aiua uov ins diagnxns), *) und ebendeshalb trinkt er ihn „an jenem Tage" (einst), d. h. immer durch alle andren, die ihn trinken als jenen Bundeswein der Herrschaft des Vaters in uns. Wir finden nämlich im Erodus, den man hier in der Septuaginta nachlesen muß, (II. Mose, Kap. 24, 6–8) berichtet, wie Moses das Opferblut der Stiere zur Hälfte vor dem Altar aus einem fèruge ausgießt, zur andren Hälfte vor dem Volke ausschüttet und sagt: „Siehe, das ist das Blut des Bundes (Idov to aiua ins diaqnxns), den der Herr mit euch über all diese Worte eingeseßt hat.“ Wir sehen, daß Jesus wörtlich auf diese Moseshandlung und ihr Wort anspielt. Jesus sagt, gegenüber dem Bundesblut Mose, das ist das Blut meines Bundes, zum Unterschied von dem wirklichen Blut, das Moses und die Priester ausgossen. Statt Blut hat Jesus Wein zum Symbol der Einheit seines Bundes erhoben. Denn das Weintrankopfer war ja vielfach an Stelle des mosaischen Blutausgießens getreten. Wer hier griechisch den genauen Wortlaut bei Moses und bei Jesus nebeneinander sieht, kann nicht zweifeln, daß Jesus darauf anspielt. Es ist das hebräische Dam Ha-Brith, welches als Heilsopfer zur Bestätigung des Zwölftafelgeseges ausgegossen ward, daher Jesus sagt, es geschähe „zur Befreiung von Sünden", welche das alte Gesek bewirkt durch seine Befolgung.

*) welchen man ausgießt, nicht eine Zukunftsform, sondern Particip. praes.

Die sogenannte Einserung des Abendmahles ist also nichts anderes, als eine Energierede zur Versinnlichung des Trankbundes, den Jesus unter denen errichtete, die Gottesherrschaft in sich als

*) 3. 3. mie 1η μου την εκκλησιαν, 20tatth. 16, 18; υμων η καρδια, Johannes 16, 22; uov to ovoua, Joh. 12, 28. Nach diesem Sprachgebrauch redet also Jesus nicht von seinem Blut, sondern vom Blut seines Bundes, das uov ist als „mein“ vorangestellt.

« ͹˹Թõ
 »