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sondern weil der Vater, (d. h. der Weltgrund), der mich gesandt hat, mir das Gebot gab, was ich reden und sprechen soll. Und ich erfahre, daß sein Gebot (nämlich: die Gesamtlehre) ewiges Leben ist.“ „Was ich nun sage, ich sage es in Gemäßheit dessen, was mir der Urgrund gesagt hat.“ (xaIws.) Abermals lehrt der Wortgebrauch Jesu, daß er sich keineswegs ausgibt als einen, der etwa sozusagen persönlich Unterricht genommen hat bei Gott, sondern in Gemäßheit dessen spricht er, was er an sich auf den höchsten Begriff beziehen muß, denn es ist selbstverständlich Bildrede, daß der Urgrund ihm etwas gesagt hat. Es ist nicht der anthropomorphisch gedachte Gott etwa, sondern der „Vater“, der in ihm ist, wie er (und wir alle) im Vater ist, der Urgrundsbegriff, der ihn zum Reden bestimmt.

Es ist eine Denkweise, welche das „Metaphysische“ nicht zu einem „außen“ macht, welche vielmehr alle Ortsvorstellungen aus der Betrachtung dessen ausschließt, was jenseits unserer Denkgrenze fällt und dafür den Drt wählt, der durch das Wort ,in“ bezeichnet wird.

Man sieht nebenbei, daß zwischen dem Denken im Matthäus und Johannes eine vollständige Einheit besteht. Im Alt-Matthäus (Lukas) ist die „Macht Gottes“ „inwendig“ in uns (évtos óuôv). Im Alt-Johannes ist ebendeshalb auch der „Vater“ in uns und wir sind „in ihm“. Und das sollen wir eben in aller Form begreifen, nicht etwa bloß „glauben“.

Als „ewiges Leben“ wird hier aber geradezu das Alfittengesek (und seine Erfüllung natürlich) selbst bezeichnet und daraus wird uns denn auch die vorher berichtete (Joh. 12, 24, 25) Auffassung klar:

Die Zeit ist gekommen, daß die Menschheit (Menschensohn) gelte. Wahrlich, ich sage euch, wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und starb, so bleibt es für sich allein; wenn es aber starb, trägt es viele Früchte (nämlich viele Weizenkörner). Wer seine Seele liebt, der wird sie verlieren, wer aber seine Seele hasset, wird sie in dieser Welt fürs ewige Leben bewachen“. Die Liebe der eigenen Seele, die Selbstsucht, selbst diejenige, die eben eine Selbstseele denkt, muß sterben; wie aber das Weizenkorn, wenn es sich selbst erst aufgab, sich verlor, zum Halm mit vielen Früchten wird, so bleibt auch die Seele, die sich haßt, sich hergibt, nicht mehr „für sich allein“ (uovov) sondern sie lebt in dieser Welt schon „emiges Leben“ – und zwar, wie wir sahen, in der Erfüllung der Lehre mit ihrer verfeinerten Einsicht dessen, was ewig“, ,, dauernd" ist. Die Menschheit soll dabei gelten, d. h. die einzelne Seele gilt der ganzen Menschheit, die Menschheit ist „verherrlicht“, wenn wir unsre Seele ihr widmen.

Im 13. Kapitel bringt die Fußwaschung die Altrede von der Beispielsdarstellung, die Jesus gibt und weitere Säße zu den schon aus Matthäus bekannten Auffassungen über das wechselseitige Dienen der Guten. Der Wortlaut ergibt, daß sich diese Beispielsdarstellung nicht etwa bloß auf die Fußwaschung bezieht, sondern daß (xafws ływ łnoinoa juiv) wir in „Gemäßheit“ davon überhaupt handeln sollen, wie Jesus an seinen Freunden handelte. Denn Freunde nennt er sie dann auch sonst ausdrücklich in einer längern, wunderbar schönen Spruchfolge. (Ioh. 15, 9—17.) Er feiert darin die allgemeine Menschenliebe als Freundschaft aller Wesen und darin zugleich ihre Freiheit. „Ich nenne euch nicht mehr Sklaven; ich nenne euch aber Freunde.“ Das Wort gilt natürlich, wie alles, was er sagt allgemein menschlich. Das, was wir uns gewöhnt haben bei dem Worte „Jünger“ zu denken oder gar „Aposteln“, hat er nie in den Mund genommen; er spricht nur von seinen Schülern, Freunden und Boten der Lehre. Erst später wurden aus den Boten „Apostel“. So sagt er, um das allgemeine Dienen auch hier zu betonen: „Wer gewaschen ist, der hat es nur nötig, daß man ihm die Füße wasche: sonst ist er ganz rein.“ Weil nämlich nur die Füße durchs Wandern unrein wurden. Aber auch diese ganz Reinen sollen sich zu solchen kleinen Liebesdiensten einander widmen, denn ein Sklave sei nicht größer, als sein Herr und

ein Bote nicht größer, als der ihn ausschickte. Die weiteren Gedankenfragmente bieten nichts neues.

Im selben Kapitel, das die Liebeshandlung der Fußwaschung berichtet, folgt dann (V. 34) das neue Gebot, welches die Zusammenfassung der neuen Jesuslehre ist in Gegenüberstellung des Inbegriffs der alten Ethik. Was in Matthäus mit den Einzelreden „Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde 2c." ausgeführt wird, es findet hier die bereits erörterte Gesamtfassung: „Liebet einander ganz wie ich euch liebte, damit auch ihr einander liebet“.

Der ganze Absag lautet: „Jeßt ist der Menschheitsgeist verherrlicht (oder zur Geltung gelangt) und Gott ist in ihm verherrlicht, und Gott wird ihn an sich selbst verherrlichen und unmittel: bar (geradwegs) wird er ihn verherrlichen. Kinder, erst kurze Zeit bin ich mit euch. (Die Lehre.) Ihr sollt mich suchen (die Lehre) und wie ich zu den Juden sprach, so spreche ich auch jeßt zu euch, wo ich hingehe, da habt ihr nicht Kraft hin zu kommen. Ein neu Gebot gebe ich euch, daß auch ihr einander liebet, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander liebet. Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Schüler seid, wenn ihr Liebe zu einander hegt."

Diese tiefsinnige Spruchfolge sagt also: In der Menschheit verherrlicht sich der Urgrund aller Dinge unmittelbar, an sich, es bedarf keiner sonstigen Geltung; der Mensch übernimmt die Verherrlichung des Daseins in sich selbst; das Göttliche kommt nur im höchsten Menschlichen zur Erscheinung, in der Menschheit selbst, die unmittelbar, ohne religiöse Vermittelungen, das Recht hat auf eigenen Füßen zu stehn. Sie gewinnt dies Recht aber durch die Liebe zu einander in dem natürlichsten und höchsten Sinne der Liebe, die hier gelehrt ist.

Wir sehen, wie das alte Buch in fortwährendem inneren Zusammenhang weiterschreitet. Und indem wir nun vor seinem lekten Teile anlangen, den die Schlußworte von Kap. 13 an Petrus,

Kirchbach, Was lehrte Jesus !!

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Kap. 14 bis zum Schluß von Kap. 16 bilden, soweit es sich um zusammenhängende Reden Jesu handelt, machen wir noch folgende Beobachtungen.

Das alte Buch begann mit der Aufstellung der allgemeinen Denkgrundsäße, die der Bearbeiter Jesum mit Nikodemus und der Samariterin besprechen läßt. Es schreitet dann in verschiedenen Redeformen weiter nach einem ganz bestimmten Plane, der die Definition des „ewigen Lebens“ bringt und den Gottesbegriff in seiner neuen Fassung, wie er sich aus jenen allgemeinen Grundsäßen ergibt, nachdem zugleich der Begriff der Menschheit im Verhältnis dazu erörtert war. Zuleßt gipfelt dieser erste Teil in der Aufstellung des „neuen“ Gebots von der Liebe, als Trumpf und Höhepunkt.

Der zweite Teil, den wir in fast ununterbrochenem Zusammenhange noch besißen, (lap. 13, 14, 15, 16) bringt indessen nichts vollständig Neues, sondern nur eine in der Form gesteigerte Aussprache der Gedanken, die wir bereits kennen. Das Liebesgebot, wie es nun definitiv gefaßt wird, die Aufgabe des Wahrheitssinnes (des Geistes der Wahrheit), die Erkenntnis, daß der „Vater in mir und ich in ihm“, wird hier nach einer ganz besonderen Methode variiert.

Vem die Augen noch nicht aufgegangen sind, dem wollen wir sie nun öffnen und ihm das Geheimnis des alten Johannes ganz entschleiern.

Fünfzehntes Kapitel. Zachweis der poetischen Form der Johannesparoimieen und übschluß der

Johannesbetrachtung.

Eine genaue Betrachtung jener Variationsweise lehrt uns, daß eine Sammlung von lyrisch gesteigerten Spruchdichtungen, Gedankendichtungen vor uns liegt, in denen nicht die Person Jesu spricht, sondern der Spruchdichter Jesus von Nazareth seine Lehre reden läßt.

Schon im ganzen vorangegangenen Buche begegneten wir diesen Bruchstücken folcher lyrischer Spruchdichtungen, die nun in der Tat sich nicht als „Parabeln", sondern als „Paroimieen“ in einem ganz besonderen Sinne erweisen. Wohl bedienen sie sich auch gelegentlich des Gleichnisses, das Wesentliche aber ist, daß dabei irgend ein personifizierter Begriff spricht oder aber auch die Person des Dichters selbst. Luther überseßt das mit „Sprichwort“. (Joh. 16, 25.) Es ist aber nicht das, was wir „Sprichwörter“ nennen, sondern eine der Parabel ähnliche Gedankeneinkleidung, welche sich — wie z. B. in den Salomonischen Dichtungen – der Personifikationsrede von Begriffen selbst bedient und in ganz bestimmten Gegensapreden, bejahendem und verneinendem Gegensaße spricht. Reste folcher Spruchdichtungen, zum Teil aber vollständig im Zusammenhang bewahrte, wird man in den Reden vom „Brot des Lebens“ und vom „Fleisch" vom Manna u. s. w. finden. Vollständig erhaltene sind die durch die Gleichnisse von der Türe des Schafstalles und vom „guten Hirten“ bezeichneten, die sich durchweg der alten Parallel

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