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und Gefeßmäßigkeit des aus, des Daseins soll uns stets begleiten, das ist die Deutung des Wortes „Königsmacht der Himmel“ in uns.

Denn dieses Au denkt Jesus mit seinen besten Zeitgenossen als ein innerlich Göttliches. Die Herrschaft des Unendlichen ist auch die Herrschaft des Gottes, Gottes als des All-Einenden in uns. Er sagt in dem berühmten Weltwunsch der Menschheit, welchen man das „Vater unser“ nennt, nicht: „Vater unser, der du bist im Himmel“, sondern er sagt wörtlich: (Matth. 6. 9) „Vater Unser im All“. (Téteg juõõv, ò šv tois oüqavois Vater unser in den Himmeln.) Dieser Gott ist also nicht außerhalb der Welt gedacht, sondern in denselben „Himmeln“ in derselben Mehrzahl ist er darinnen (ěv), in welcher auch die „Kräfte der Himmel ins Schwanken geraten.“ Mit anderen Worten: Gott ist immanent im Weltganzen, nicht draußen, nicht darüber oder wie sonst findlich-heidnische Vorstellungen ihn denken mögen. So finden wir schon bei Jeremia 23 (23. 24) das völlig pantheistische Bekenntnis: „Ich bin der Gott, der da nahe (dyroswv) ist, und mit nichten ein Gott aus der Ferne. Und wer sich in die tiefste Verborgenheit versteckt, sollte ich ihn nicht schauen? Erfülle ich nicht den Himmel und die Erde?!“ spricht Jahve. Das hebräische „Maleh“ ist völlig das Wort für „erfüllen“, ganz ausfüllen. — Und sollte Jesus Rückschritte gemacht haben gegen Feremia?! Jedenfalls haben wir hier ein Bekenntnis des Jeremia, das völlig mit den Anschauungen eines Goethe und Spinoza gleich ist. „Was wär ein Gott, der nur von außen stieße!“

Und Jesus sagt in einem Worte, das ausdrücklich als ein solches von ihm bezeugt wird: „Niemand hat Gott je gesehen.“ Er sagt damit nichts anderes, als was jede Wissenschaft neurer Zeit sagt und was die mißverstandene altjüdische Mythologie von Jehova, der dem Moses erscheint und andere scheinbare Legenden ein für allemal zerstört.

Wem sollen wir uns anschließen? Der Kirche, dem barbarischen Mittelalter, den Torheiten einer bornierten synagogischen und fatholischen Theologie, den Auslegungen altjüdischen Volksaberglaubens, oder nicht vielmehr den Worten des Jesus selbst? Den Worten des gewaltigen Jeremia?!

Wir sehen in den Evangelien, daß der Ausdruck „die Herrschaft der Himmel“ und „die Herrschaft Gottes“ wiederholt als der Name der Gesamtreligion Jesu erscheint. Ursprünglich hat er seine Verinnerlichung des Begriffs nach Jeremia, wie es scheint, als eine „Geheimlehre“ nur den ihm Näherstehenden auseinandergesept; seinen Schülern sagte er: „Euch ist gegeben, daß ihr das Geheimnis der Macht der Himmel vernehmet“. Aus Lukas 17 aber ergibt sich ein für allemal, daß die „Königsmacht Gottes“ keinen Ort und keine Zeit nach seiner Auffassung hat, daß sie nicht in irgend einer Zukunft liegt, sondern die ewige Gegenwart des menschlichen Innern ist. Das Al, der reale Unendlichkeitsgedanke soll Herrschaft in uns gewinnen, denn dieser Allgedanke ist auch der Vatergedanke, da der „Vater“ „in den Himmeln“ ist, im Al. Wie für Jeremia das höchste Wesen ein „naher“ Gott ist, so ist für Jesus auch die Macht der Himmel, die Macht Gottes „nahe“, denn er brauchte hebräischsyrisch dasselbe Wort wie Jeremia“.*

Wie aber kann und soll diese Herrschaft des Als, des AlEinenden, die Herrschaft Gottes in uns verwirklicht werden? Durch nichts anderes, als durch die Ausübung des höchst gesteigerten Sittengesekes, durch die neue Sittenlehre, welche. Jesus gibt, sofern sie ausgeübt wird, eine Ausübung, welche uns zu Gottesjöhnen macht, in welcher die Seligkeit selbst liegt (Makaria), die Seligkeit, jenes Gefühl, daß das Al und das Göttliche uns durchdringt, innerlich erweitert und mit der Empfindung des Unendlichen, Ewigen und der Welteinheit und Weltfülle erfaßt. Denn das ist Seligkeit.

*) Es ist das Hebräische Dareph (syrisch geschrieben ;o), welches die Septuaginta Jerem. 23. 23, ebenso wie Gen. 47. 29 mit kyyucely überseßt; nyyıxav bei Jesus.

Drittes Kapitel. Betrachtung der Matthäus-Lehrworte. – Der berichtigte Begriff „Gottessohn“

und Jesu Auffassung desselben.

Wir schreiten damit im Evangelium Matthäi zur Betrachtung der sogenannten „Bergpredigt“ (Matth. 5. 6. 7), eine Rede, über welche das Volk sich „entsept“ . haben soll, und wahrlich, es war kein Wunder, daß dem so war, denn sie brachte vielfach neue sittliche Auffassungen unter die damaligen Juden und außerdem einen neuen Begriff, den Begriff der „Gottesjöhne“, welcher dem ungelehrten Judenglauben in der Tat wie eine Gotteslästerung erscheinen mochte. Diese sogenannte Bergpredigt wird nun freilich schwerlich ganz in dem Zusammenhang von Jesus gehalten worden sein, wie sie vorliegt. Sie charakterisiert sich in der griechischen Urschrift, auf ihren grammatischen Zusammenhalt angesehen, vielmehr als eine systematische Sammlung einer Reihe von Hauptaussprüchen Jesu in aramäischer Gnomenform, welche der Bearbeiter des Matthäusevangeliums aus den alten Originalaufzeichnungen des Matthäus *) mit herüber genommen und mit den legendarischen Zusäßen einer besonderen einzelnen Predigt und ihrer Umstände versehen hat. In Wirklichkeit wird der Wanderlehrer und Wanderprediger Jesus diese Teile des Systems seiner Lehre natürlich öfters vorgetragen haben. Auch in verschiedenen Formen, kürzer und länger; verschieden ist es

*) Matthäus schrieb in aramäischer Sprache die Sprüche (des Herrn) auf, es verdolmetschte sie aber ein Feder, so gut er konnte. Eusebius, bez. Þapias. auch verstanden worden, wie der Vergleich mit Lukas ergiebt; Johannes hat diese Zusammenfassung bekanntlich gar nicht. Man hält sich um der Vollständigkeit und inneren Klarheit der Urkunde willen daher an die nach Matthäus überlieferte Fassung.

Hier zuerst tritt uns nun, nicht in legendarischer Fassung, sondern als ethischer Name der Begriff der „Gottessöhne“ entgegen, der eine so große Verwirrung in der Welt angerichtet hat und in barbarischen Zeitläuften soviel Blutvergießen und wüsten Pfaffenstreit erregte.

Denn kaum hat Jesus seine sogenannten „Seligpreisungen“ begonnen, so sagt er auch: „Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Söhne heißen." Und er endet diesen ganzen Teil seiner Sittenlehre: „Bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen, auf daß ihr Söhne seid eures Vaters in den Himmeln“ in dem Sinne, daß ihr „vollkommen sein sollt wie unser himmlischer Vater".

Luther hat diese Stellen überseßt: „sie werden Gottes Minder heißen“. Er hat dies augenscheinlich der falschen dogmatischen Lehre von der besonderen Gottessohnschaft des Jesus selbst zu Liebe unrichtig wiedergegeben. Aber das Wort „Hyoi“ (vioi) kann so wenig im neutestamentarischen wie im klassischen Griechisch jemals soviel wie „Kinder“ heißen. Wo von „Mindern“ die Rede ist im eigentlichen Sinne, da steht das Wort (Traidia oder texva) „Paidia" oder „Tekna“.

Gottes Söhne also heißen die Menschen durch die Erfüllung des höchsten Sittengesebes. Und zwar ist es nicht damit getan, einzelne Gebote zu erfüllen, Nächstenliebe zu üben und dergleichen im einzelnen zu halten, sondern die Gottessohnschaft des Menschen liegt darin, daß er selbst die vollständige Verkörperung, die Einheit des ganzen Sittengesekes wird, daß er der im Fleisch, im organisierten Stoffe verkörperte Inbegriff alles Ethischen werde. Der Mensch soll „vollkommen werden“ wie sein Vater im Himmel, d. h. er soll dem höchsten Edelbegriff nachstreben, er soll sich selbst vergeistigen und veredeln zu einer geistigen Höhe, wo er das Bild einer Gottessohnschaft erfüllt.

In diesem Sinne hat Jesus nicht nur das Bild seiner eigenen Gottessohnschaft, sondern der Gottessohnschaft eines jeden Menschen gebraucht. Eine andre Gottessohnschaft, eine mythologische Ausnahmestellung hat er nie beansprucht für sich. Seine Lehre von der Gottessohnschaft der Menschheit (des Hyios tu Anthropu) wurde sehr bald ein geflügeltes Wort in Juda. Diese Metapher, welche' die Menschen zu Gottessöhnen machte, war, wie es scheint, nicht mehr bekannt, obwohl in den alten Schriften der Ausdruck sehr häufig ist, es war vielen auch neu, das höchste Göttliche, das im Al wirkt, als „Vater“ anzureden, da augenscheinlich Jesaia, der wie die Psalmen den Höchsten wiederholt „Vater“ nennt, nicht populär war. Wie wenig bekannt Jesaia auch später gewesen sein muß, sieht man aus der übrigens sehr seichten „Weisheit Salomos“, die erst nachmals unter dem Einflusse der Lehren Jesu und der Essäer entstanden ist und es als etwas besonders Merkwürdiges hinstellt für gewisse Leute, daß der Gerechte sich rühmt, Gott sei sein „Vater“. (Vergl. Jesaia Kap. 64, 16.)

So wurde es zum geflügelten Wort, dieser Jesus mache fich zu einem „Sohne Gottes“ und man verwechselte diesen Begriff überdies noch mit dem des Christus, des populären Messias.

In diesem Durcheinander von Verwechslungen wird (laut Johannes 10, 31—36) eines Tags Jesus von den Juden mit Steinen geworfen. Er fragt sie: warum steinigt ihr mich? Sie sagen: „um der Gotteslästerung willen, daß du, der du nur ein Mensch bist, dich zu einem Gotte machst.“ Darauf antwortet Jesus klar und verständlich: „Steht denn in eurem Geseße nicht geschrieben: „Ich habe gesagt, ihr seid Götter? Wenn es nun Fene Götter heißt, zu denen das Wort Gottes geschah (und die Schrift kann man doch nicht vernichten), sagt ihr dann zu einem, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat, du lästerst, weil ich sagte: Ich bin ein Sohn Gottes?!"

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