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mit seinem Wirthe, tehrte 1767 nach Frankreich zurüd, lebte dort unter dem Namen Renou einige Jahre auf dem Schlosse Irye, das dem Prinzen Conti gebörte, und zog 1770 wieder nach Paris.

Hier vollendete er seine „Bekenntnisse" und nährte sich höchst fümmerlich vom Noten schreiben. Mit seiner Iberese war er zerfallen; fie batte ibm durd ihre Klatschereien viel Verdruß und viele Nachtbeile bereitet. Immer mebr zog er sich von aller menschlichen Gesellschaft zurüd, von der er fich verachtet und vernachlässigt wähnte, und die schon längst begonnene Misanthropie bildete sich jest vollständig aus.

Endlich erbarmte sich der Marquis Stephan von Girardin über ibn und lud ion ein, auf seinem Landgute Ermenonville bei Paris zu wohnen. Er genoß hier äußerliche Rube und batte jede wünschenswerthe leibliche Pflege; aber obne Frieden mit Gott, wähnte er, von den Menschen vernachlässigt und verfolgt zu werden. Sein innerer Zustand gestaltete sich zu einer eigentümlichen Seelenftörung. Er schrieb in jener Zeit eine lange Selbstrechtfertigung und diese versuchte er auf dem Altar der Notre-DameKirche in Paris niederzulegen. Er hoffte, daß fie auf diesem Wege in die Hände des Königs Ludwig XVI. gelangen würde. Dem Manuscript selbst fügte er noch folgende Zusdrift bei: ,, Depofitum der Borsebung anvertraut. Besdüßer der Unterdrüdten, Gott der Gerechtigkeit und der Wabrbeit, empfange dies Depositum, welches ein unglüdlicher Fremdling auf Deinem Altar niederlegt und Deiner Borsebung anvertraut." Er nennt sich, zur ,,emigen Borsebung" gewendet, „einen Mensden obne Salle und obne Sominte, einen Feind der Ungerechtigkeit, der nie jemanden Unrecht gethan noch thun wollen." Da das Gitter, welches den Altar zu Notre Dame umgibt, ihm nidt gestattete, an diesen selbst beranzutreten, so äußerte er in der ersten Aufwallung darüber: „der Himmel selbst sei mit dem Wert der Ungerechtigkeit der Menschen einverstanden.“

Kurz vor seinem Tode schrieb Rousseau an den Genfer Coindet, mit dem er auf dem vertrautesten Fuße stand, und deutete ihm an, daß er selbst seinem Leben ein Ende maden werde.

Rousseau starb am 2. Juli 1778 im 66sten Lebensjabre, und zwar zu Ermenonville. Ale jener Coindet sich mit der allergrößten Genauigkeit" nad den lebten Augenbliden Rousseau's erfundigte, so erfuhr er: „daß dieser am Morgen seines Sterbetages pollfommen gesund aufstand und dennod äußerte, er werde die Sonne zum leßten Male seben, und daß er vor dem Ausgeben Kaffee tranf, welden er selbst bereitete. Einige Stunden naober fam er wieder nach Hause, und da er nun anfing, entseßliche Schmerzen zu füblen, verbot er bartnädig ibm Hilfe zu bolen und irgend Jemanden etwas davon zu sagen."

Lange Zeit glaubte man, Rousseau babe sic vergiftet; später aber bat Der Soon jenes Marquis Girardin, der ibn zu Ermenonville aufnabm, diese Meinung widerlegt. Sofort nach Rousseau's Tode fand man in seiner Stirn ein rundes Loc. Die Gesichtsmaste, welche man sofort nabm, zeigte auch dieses Loch aufs deutlichste an. Der ältere Girardin, der warme Gönner des Todten, bebauptete, Rousseau babe an einer serösen Apoplerie gelitten, wobei er gefallen sei und ein Loch in die Stirn erhalten habe. Ein fran. zöfischer Arzt aber bat später jene Gesichtsmaske untersucht und bewiesen, daß Das erwähnte loc in der Stirn durch eine Pistolenkugel entstanden sein müsse. Er hat auch die Beschreibung seiner Untersuchung und deren Resultat in einer Pariser medicinischen Zeitschrift veröffentlicht. Soon bald nach Rousseau's Tode redeten seine Feinde und Freunde als von einer gewissen Sache darüber, daß er als Selbst mörder gestorben sei! — Die Leiche wurde zu Ermenonville begraben.

Als in Paris die Revolution ausbrach und damit die Saat, die Rousseau und Voltaire gefäet hatten, ihre schredlichen Früchte trug, wurden beide als Urheber der „Freiheit“ hoch gepriesen. Voltaire war kurz vor Rousseau, am 30. Mai 1778, zu Paris gestorben, aber der betreffende Pfarrer batte Fide geweigert, ihm, den Atheisten, ein christlich Begräbniß zu geben. Die Familie batte deshalb die Leiche außerhalb der Stadt beiseßen lassen. Im Jahre 1790 aber ward sie von den Revolutionøbelden ausgegraben, nach Paris gebracht und im Pantheon beigeseßt!! Am 11. October 1794 geschah dasselbe mit der Leiche Rousseau's, die man neben die Voltaire’s begrub. So mußten die „Freiheit und Gleichheit" wollte es lo die beiden Männer neben ein. ander ,,ruben", die sich im Leben aufs bitterste gebaßt und angefeindet batten.

Später, im Mai 1814, wurde jedoc Rousseau's Leiche nach Ermenon. ville zurüd gebracht. Auf der Rousseau-Insel wurde ihm 1834 eine bronzene Statue errichtet.

Wir schließen unsere kurze Darstellung des Lebens Rousseau's mit fol. gendem Bruchstüd der Einleitung zu seinen ,,Befenntnissen":

„Ich unternehme etwas Beispiellojes, dessen Ausführung feinen Nachabmer haben wird. Ich will meinein Geschlechte einen Menschen in rer ganzen Wahrbeit der Natur zeigen, und dieser Mensch bin ich selbst."

„Ich allein. Ich fühle mein Herz und kenne die Menschen. Ich bin nicht geschaffen wie irgend einer von denen, welche ich gesehen; ich wage es zu glauben, anders beschaffen zu sein, als irgend einer auf der Erde. Bin ich nicht besser als alle, so bin ich wenigstens anders. Ob die Natur gut oder bös daran gethan, die Form zu zerbrechen, in welcher sie mich gebildet, darüber kann man nur urtbeilen, nachdem man mich gelesen hat."

„Möge die Posaune des jüngsten Gerichts erschallen, wann es auch sei; ich werde foin men und mich vor den höchsten Richter, mein Buch in der Hand, stellen. Laut werde ich sagen: siebe, das habe ich gethan, das habe id geDadt, das war ich. Mit derselben Freimütbigfeit babe ich Gutes wie Böses von mir ausgesagt. 300 babe nichts Böses verschwiegen, nichts Gutes zugeseßt, und wenn ich etwa irgend eine unbedeutende Ausschmüdung anbradte, so geschab es nur, um eine Gedächtnißlüde auszufüllen; ich fonnte wohl einmal irrig etwas als wabr annehmen, wenn ich wußte, daß es wirklich wahr sein konnte, — nie etwas, wenn ich wußte, es sei falsch. Ich habe mich ganz so gezeigt, wie ich war, verächtlid und niederträchtig, wenn ich es war; ich babe mein Inneres enthüllt, so wie Du es selbst gesehen hast, ewiges Wesen; versammle um mich die zahllose Menge meiner Mitmenschen; sie mögen meine Bekenntnisse hören, sie mögen seufzen über meine Unwürdigkeit, ste mögen erröthen über meine Elendigkeiten. Möge jeder von ihnen seinerseits zu den Füßen Deines Thrones mit derselben Aufrichtigkeit rein Herz aufdeđen, und dann möge auch nur ein Einziger, wenn er es wagt, zu Dir sprechen: ich war besser als dieser Mensch !"

So vermessen redete Rousseau 1770 acht Jahre später endete er, ver. zweifelnd an Gott und Menschen, als elender Selbst mörder!

(Fortseßung folgt.)

Die Lehrartikel der Augsburgisden Confeffion.

(Vorgetragen im Sculseminar zu Addison, 30., von C. A. T. Selle.)

Artikel 14. Vom Kirchen - Regiment. (Bergleiche S. 50 ff. 196. 311 f. 320 F. 327 ff. - Müller: S. 62 ff. 205 f.

323. 332 f. 340 ff.) Bei dem fünften Artikel, welcber vom Predigtamt bandelt, haben wir geleben, daß das Wort , Predigtamt“ in einem engeren und in einem weiteren Sinne genommen werde. Der fünfte Artikel faßt das Wort im weiteren Sinne, und, wie er selbst sagt, als ,,Evangelium und Sacrament". Er fiebt ab von den Personen, durch welche diese im Schwange geben. 3m vierzehnten Artikel bingegen ist vom Predigtamte insofern die Rede, als es öffentlich und von Gemeinschaft wegen von besonders dazu bestellten Personen, d. i. von Predigern, Pfarrberren oder Pastoren geführt wird. Wollten wir also diesen vierzehnten Artikel nach seinem Inhalt recht deutlich bezeichnen, so könnte dies geschehen durch die Ueberschrift: ,,Bom Pfarramte." Es find hier besonders drei Punfte in's Auge zu fassen:

1. wer alo redtmäßiger Träger des Pfarramtes anzu.

seben ist; 2, welche die Hauptverrichtungen des Pfarramtes find; 3. we8 balb ein ordentlider Beruf zum Pfarramte nos

thig rei.

Ad 1. Dadurch, daß jemand ein Christ und also ein geistlicher Priester ist, ist er noch feineswegs ein rechtmäßiger Träger des Pfarramtes. Wenn St. Paulus 1 Cor. 12, 29. frägt: ,,Sind sie alle Lebrer ?" so wil er offenbar seine Frage mit „Nein" beantwortet haben. Jac. 3, 1. warnt in dieser Beziehung die Christen geradezu, wenn es hier beißt: „lieben Brüder, unterwinde fich nicht Jedermann, Lehrer zu sein; und wisset, daß wir desto mebr Urtheil empfaben werden.“ So sagt St. Paulus Röm. 10, 15.: „Wie sollen sie predigen, so sie nicht gesandt sind ?" und Ebr. 5, 4. heißt es: „Niemand nimmt ihm selbst die Ehre; sondern der auch berufen rei von Gott, gleich wie der Aaron.“ Aus allen diesen Sprüchen ist zu ersehen, daß nur diejenigen rechtmäßige Träger des Pfarramtes sind, die dazu ordentlich berufen worden, und daß Niemand in der Kirchen öffentlich lehren, oder pres digen, oder Sacramente reichen soll, obne ordentlichen Beruf."

Wir unterscheiden einen zweifaden Beruf zum öffentlichen Amt der Kirche: den unmittelbaren und den mittelbaren. Die Propheten und Apostel waren unmittelbar von Gott berufen. Heutzutage beanspruchen die Methodisten und andere Schwärmer, unmittelbar berufen zu sein; denn wenn sie dies auch nicht in jedem einzelnen Falle thun, sondern auch gerne einen mittelbaren Beruf von Gemeinden annehmen: lo pochen sie doch auf ihre unmittelbare Berufung durch den Heiligen Geist, wenn sie nun über die Grenzen ihrer Gemeinden binausgehen und in den Häusern anderer Ge. meinden herumschleichen. Es wäre ja nun nicht geradezu eine absolute Unmöglichkeit, daß ießt noch jemand unmittelbar berufen würde; aber um folchen angeblid unmittelbaren Beruf anzuerfennen, müßten wir doch zweierlei bei den betreffenden Personen finden: 1) durchaus reine Lehre und 2) Beweisung der göttlichen Sendung durch wabrbaftige Zeichen und Wunder. Wollte man betreffo leßteren Punktes etwa darauf weisen, daß Johannes der Täufer doch gewiß unmittelbar berufen gewesen sei, aber keinerlei Wunder werke verrichtet babe, so ist zu bedenken, daß Jobannes solcher Bestätigung seiner göttlichen Sendung nicht bedurfte, indem er längst zuvor klar und deutlich durch die Weissagung als göttlicher Gesandter bezeichnet war, und daß der HErr Christus ibn als solchen bestätigt hat. (Mal. 3, 1. 4. 5. 6. Matth. 11, 10. 14. 17, 12. Marc. 1, 2. Luc. 1, 17.) Wir baben keine fernere unmittelbare Berufung zum Kirchenamte zu erwarten, da Gott feine dahingebende Verbeißung gegeben hat. Auch ist der ganze Ratb Gottes zur Seligkeit uns bereits offenbart, wie ja denn St. Paulus Ap. Gesc. 20, 27. j. B. sagt: ,,Ich babe euch nichts verbalten, daß ich nicht verfündiget hätte alle den Rath Gottes." Darum sind fernere unmittelbare Berufungen durchaus unnöthig; Gott aber tbut nichts Unnöthiges. Jeßt beruft also Gott mittelbar. Zu einem mittelbaren ordentliden Berufe rechnen wir vier Stüde, von denen die ersten beiden durchaus nothwendig zur Gültigkeit des Berufes find, nämlich: A. die Wabi Der betreffenden Gemeinde, - die einstimmig

sein muß; B. die Vocation oder Anzeige der so geschebenen Erwäb.

lung. Ob diese sobriftlich oder mündlich geschieht, ist unwesentlich,

wenngleich die schriftliche Vocation stets zu empfehlen ist;
C. die vorbergebende Prüfung des zu Berufenden

a. nach seiner febre (1 Tim. 3.),
b. nach seiner Tüchtigteit (2 Tim. 2, 15.),
C. nach seinem Wandel (Tit. 1.).

Obwohl diese Prüfung nicht unumgänglich nöthig ist zur Gültigkeit des Berufs, lo fann sie doc nie obne do were Berfündigung unterlassen werden, da Gott sie ausdrüdlich fordert 1 Tim. 3, 10., wenn es hier heißt: ,,Dieselben lasse man zuvor

versuchen; darnach lasse man sie dienen, wenn sie unsträflich sind." D. Die Ordination.

Leßtere ist in Gottes Wort nicht geboten, sondern nur eine löbliche kirchliche Drdnung, von der Apostel Zeit her bestebend, zur firchlichen Restätigung des Berufe. Durch die Ordination erklärt nämlich die Kirche in weiteren Kreisen, z. B. eine Landeskirche oder eine Synode, daß es bei der betreffenden Berufung recht und in göttlicher und firchlicher Drdnung bergegangen sei. Abgeseben davon, daß bei der Drdination über den Berufenen gebetet wird, dient ibm solche kirchliche Bestätigung zu reichem Trost, wenn er später allerlei Anfechtung über die Göttlichkeit seines Berufes erfährt. – Grabau und die romanisirenden sogenannten Lutheraner machen fälschlicher weise die Ordination zu einer göttlichen Ordnung und dazu noch gar das Wesen und die Wirkung der Gnadenmittel von derselben abhängig. So meinen file 3. B., daß fein unordinirter Prediger Leib und Blut Christi im þeiligen Abendmahle austheilen fönne. Sie treten dabei nur in die Fußstapfen der Papisten und Episcopalen und seßen mit ihnen einen eigentlichen Priester stand dem allgemeinen Priesterthum aller Christen gegenüber. Nach pābstischer und episcopaler Lebre wird solcher Stand in ununterbrochener Reihenfolge (Succession) von den Aposteln her durch die Weibe oder Ordination fortgepflanzt und so zugleich den Gliedern dieses Standes gleichsam ein geistliches Fluidum und damit ein unauslöschlicher Charakter mitgetheilt, wodurch sie hoch über gemeine Christen erhoben werden. Im alten Testa. mente war es ja so, daß das Geschlecht Aaron's einen eigenen Priesterstand bildete; aber in der neutestamentlichen Haushaltung des Reiches Gottes sind alle gläubige Christen Priester. 1 Petr. 2, 9.: ,,3hr aber seid das auserwählte Geschlecht, das königlice Priestert bum" 2. Zur Schmach des einigen Mittlers Christi macht man aber schändlicher Weise die Ordi. nirten oder Beschmierten zu Mittlern zwischen Gott und den Menschen. Es ist leicht einzusehen, wie diese Pabstlehre alles Schriftgrundes entbehrt und wie sie gegen die Lehre von der Rechtfertigung, von der Kirche und von der Kraft der Gnadenmittel gröblichst verstößt.

Ad 2. Die Hauptverrichtungen des Pfarramtes bezeichnet unser Artikel als „öffentlich lehren, predigen und Sacramente reichen“. Es ist eine un. ausspredlide Gnade unseres Gottes, daß er ein eigenes öffentliches Amt der Kirche eingejeßt hat und es mit besonderen Personen bestellt, die ,,öffentlich lebren, predigen und Sacramente reichen". Wenn es nicht wegen diejes

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