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öffentlichen Amtes wäre, so würde auch das Predigtamt im weiteren Sinne bald ganz untergeben und des Wortes Gottes gar geschwiegen werden. Merkwürdig ist Dr. Luther's Urtheil über sich selbst in dieser Beziebung, wenn er sagt, daß, falls er nur ein Jahr lang ohne öffentliche Predigt des Wortes Gottes leben sollte, er wohl ärger sein würde, denn fein Heide sei. Wie schredlich ist es da, daß es eine Unzahl römischer sogenannter Bischöfe gegeben hat, die der Hauptverrichtung des Pfarramtes nie oblagen! — Wenn wir nun so die Hauptverrichtungen des Pfarramtes bezeichnen, so zeigen wir damit zugleich an, daß es auch seine Neben verrichtungen habe. Als eine solche Nebenverrichtung des Pfarramtes bezeichnen die Symbole vor allen anderen die Jurisdiction oder Gerichtspflege, wie die Kirche diese ja besonders beim Banne übt und zwar nad Gottes Willen nach der in Matth. 18, 15–17. festgesepten Ordnung, wornach die ganze Gemeinde betreffenden Faus den Bann zu verbängen, der Pfarrer aber ibn öffentlich zu erecutiren bat, wovon freilich romanisirende Lutheraner so wenig als der Pabst etwas wissen wollen, indem sie die Berechtigung und Verpflichtung zur Verhängung des Bannes möglichst den „Geistlichen“ allein zuschieben möchten. Fernere Nebenverrichtungen des Pfarramtes sind: das Wachen des Pfarrers dar. über, daß Nichts in der Gemeinde gegen Gottes Wort und daß Alles in ders selben in christlicher Ordnung geschebe, die Schulaufsicht, das Copuliren, das Führen der Kirchenregister u. Die Pfarrherren haben aber feinerlei widfür. liche Gewalt, wie die Papisten lehren, sondern dürfen nur in soweit Geborsam fordern, ale fie Gottes Wort bringen. Ein Prediger hat als solder nichts zu gebieten, was Gottes Wort nicht gebietet. Grabau lebrt, wenn der Prediger etwas gebiete, das nicht direct gegen Gottes Wort sei, z. B. den Bau eines Schulhauses, so sei die Gemeinde ihm unbedingten Geborsam schuldig, gleichviel, ob ihr derselbe schwer falle oder gar ganz unmöglich sei. Wie elendiglich werden da die Gewissen verwirrt und tyrannifirt! Sich hier auf Ebr. 13, 17. („Gehorchet euren Lehrern und folget ihnen“) berufen, ist ein schändlicher Mißbrauch der Schrift; denn diese Stelle gibt ja selbst an, wie weit der Geborsam gegen die Lebrer geben soll, nämlich so weit ,,fie wachen über eure Seelen". Auch sollen wir uns wohl merfen, daß Gott Seiner Kirche, und folglich auch den Dieneru derselben als solchen, feinerlei andere Macht gegeben hat, fich Gehorsam zu verschaffen, als allein die des Wortes.

Ad 3. fragen wir: Weshalb ist ein ordentlicher Beruf zum Pfarramte nöthig? oder, mit anderen Worten: Warum fann und darf nach Gottes Willen nicht ohne Weiteres jeder gläubige Cbrist, da er doch als solcher ein geistlicher Priester ist, auch das öffentliche Pfarramt verwalten? Die Antwort lautet: Einfach darum, weil ohne besonderen Beruf dazu der aljo Amtirende in die Rechte Anderer eingreift; denn die Solüsselgewalt ist nicht etwa Einzelnen allein, sondern der ganzen Kirche in allen ihren Glies dern gegeben. Hierüber sprechen sich die Schmalkaldischen Artikel (S. 320. Müller S. 333) gar trefflid folgendermaßen aus: ,,Ueber das muß man je bekennen, daß die Shlüssel nicht einem Menschen allein, sondern der ganzen Kirche gehören und gegeben sind, wie denn solches mit bellen und gewissen Ursachen genugsam fann erwiesen werden. Denn, gleichwie die Verbeißung des Evangelii gewiß und obne Mittel der ganzen Kirche zu gehört, also geþören die Schlüssel ohne Mittel der ganzen Kirche, dieweil die Schlüssel nichts anderes find, denn das Amt, dadurch solche Verheißung Jedermann, wer es begehret, wird mitgetheilet, wie es denn im Werk und vor Augen ist, daß die Kirche Macht hat, Kirchendiener zu ordiniren. Und Christus spricht bei diesen Worten: was ihr binden werdet zc., und deutet, wem Er die Schlüssel gegeben, nämlich der Kirchen: Wo zwei oder drei versammelt find in meinem Namen u. Stem Christus gibt das höchste und legte Gericht der Kirche, da Er spridot: Sag's der Kirche." Hierbei ist wohl zu merken, daß Christus nicht spricht: Wo zwei oder drei Ordinirte oder Geweihte versammelt sind, sondern ohne Einschränkung: Wo zwei oder drei versammelt find in meinem Namen (d. i. im Glauben an mich und um mein Wort zu handeln), da bin id mitten unter ihnen. Wo aber Christus ist, da sind ganz gewiß auch alle Güter, Schäße und Rechte der Kirche. Da also auch die öffentliche Ver. maltung des Predigtamtes von Gemeinschafts wegen allen Christen gegeben ist, so darf sich der Einzel ne des Pfarramtes für seine Person nicht allein anmaßen. Er darf dies so wenig, als ein einzelner unter etwa vier Brüdern, denen der Vater ein Haus als Erbtheil zum gemeinsamen Eigenthum hinterlassen hat, dies nach seinem Gutdünfen und ohne Zustimmung seiner Brüder verkaufen oder sonst damit dalten und walten dürfte.

Das Pfarramt, d. i. die öffentliche Ausübung des Predigtamts von Gemeinschafts wegen, wird an einem Orte ausgerichtet, wenn die christliche Gemeinde des Ortes es durch den Beruf einer einzelnen Person überträgt. Db dies nun gleich ein Amt durch Menschen ist, so ist es gleich wohl ein Amt von Gott. Den Galaterbrief beginnt der Apostel mit den Worten: „Paulus, ein Apostel (nicht von Menschen, auch nicht durch Menschen, son. dern durd JEsum Christ, und Gott den Vater, der 3bn auferwedet hat von den Todten)." (Gal. 1, 1.) Indem St. Paulus hier die Unmittelbarkeit feines eigenen Berufes bezeugt, zeigt er zugleich an, daß auch ein Beruf durd Menschen, also ein mittelbarer Beruf, von Gott ist. Andere Stellen, die dasselbe bezeugen, sind z. B. Matth. 18, 19, 20.: ,,Gebet bin und lebret alle Völfer und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Und lebret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siebe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende." Leştere Worte zeigen, daß auch die nachapostolischen, also mittel. bar berufenen Prediger wesentlich dasselbe göttliche Predigtamt haben, als Dad der Apostel war. Ferner: ,,Er bat etliche zu Aposteln geseßt, etliche zu Propheten, etliche zu Hirten und lehrern.“ (Eph. 4, 1. 1 Cor. 12, 28.) So sagt auch 2 Tim. 2, 2. der Apostel zu seinem Schüler: „Was du von mir gehöret hast durch viele Zeugen, das befiehl treuen Menschen, die da tüchtig sind auch Andere zu lehren.“ Auch dies hat ja St. Paulus geschrieben getrieben vom Heiligen Geiste und bat Gott also durch ibn Seinen Willen offenbart, daß Prediger durch Menschen geseßt werden sollen; folglich ist ihr Amt und Beruf von Gott.

Weil nun der HErr, unser Gott, es ist, der zum Amte beruft, so darf auch kein Mensch den Beruf eigenwillig aufheben; nur Gott fann dies thun. Wenn die Methodisten alle Jahre oder zwei Jabre ihre Prediger die Stellen wechseln lassen, oder wenn wenigstens früher ,,Lutheraner" hier in Amerika Prediger auf ein Jahr licenzirten und Gemeinden Prediger auf ein Jahr oder auf irgend eine bestimmte Zeit ,,mietheten", so geschieht oder geschab dies in grober Mißachtung der Lehre heiliger Schrift von dem Beruf zum beilis gen Predigtamte. Gott nimmt aber das Amt einem bistimmten Träger deso selben für einen bestimmten Ort ab durch den Tod, oder durch anbaltende Unfähigkeit zur Verwaltung desselben, oder durch Uebertragung eines wichtigeren Berufs, oder endlid durd rechtmäßige Abreßung wegen falscher Pebre, oder wegen gottlosen Lebenswandele, oder wegen muthwilliger Untreue im Amte. Eine Gemeinde, die ihre Diener am Worte um anderer Ursachen willen abseßt, handelt gottlos; wer dagegen aus unberechtigten Gründen sein Amt aufgibt, etwa aus Kreuzscheu, oder um sich ein angenehmeres Leben zu verschaffen, oder um Geld zu gewinnen 2c., dem gilt das schredliche Wort des HErrn luc. 9, 62.: „Wer seine Hand an den Pflug leget, und siebet zus rüd, der ist nicht geschidt zum Reich Gottes.“

Ein Gemeindeschullebrer verwaltet einen Theil des Pfarramtes, und zwar einen sehr wichtigen, weil auch er von Gemeinschaft wegen das Wort Gottes lebrt. Deshalb geht auch ibn die Bestimmung des vierzehnten Artifele an, daß Niemand obne ordentlichen Beruf öffentlich lehren und predigen soll, sowie auch sein Beruf nur in göttlicher Ordnung erlöschen darf. Nach firchlichem Brauch erhält zwar ein Schullebrer die an und für sich unwesentliche Ordination nicht; aber die zum Beruf nöthigen Stüđe, näm. lid Wahl und Bocation, find bei ihm eben so unerläßlid, als beim Pastor, wie denn auch bei ihm die vorbergehende Prüfung nicht, obie schwer dadurdy zu fündigen, unterbleiben fann. Ueber das Verhältniß des Lehrers zum Pastor sebe man das Referat: „Das Amt des Pastors als Soulaufsehers."

Wie steht es aber endlich um Miffionare in Betreff des Berufes ? Misionare haben von vornherein keinen ordentlichen Beruf zum Predigtamte von der Kirche, und fallen als solche nicht unter den vierzehnten Artikel. Es handelt sich bei ihnen ja, wenn sie unter die Heiden geben, nicht um ein öffentliches Lebren u. „in der Kirche“. Heiden als solche können feinen Beruf zum driftlichen Pfarramte geben. Ebenso wenig fönnen Landesfirchen, Synoden 2. für Andere berufen und wenn sie gleichwohl die von der Heimath scheidenden Missionare bie und da bei deren Abgang ordiniren, so ist dies, mindestens gesagt, durchaus sinnlos. Zunächst hat der Miffionar feinen anderen Beruf als den der Liebe, nach Matth. 7, 12.: „Alles nun, das ihr mollet, daß euch die Leute thun sollen, das thut ihr ihnen.“ Einen eigentlichen Amtsberuf kann ein Missionar erst erhalten, wenn etliche aus den Heiden, denen er predigt, gläubig geworden sind und ihn nun zu ihrem Seelsorger erwählen.

Bon den Kirchentonarten.

(Fortseßung.) Im Allgemeinen beobachteten die Alten bei der Wahl ihrer Auss weidungen ganz dieselben Regeln wie wir; denn sie widhen meistens nach den nächstverwandten Tonarten aus, nämlich nad denjenigen, deren Grundtöne in einem consonirenden Verhältnisse zu dem Grundtone, ibrer Tonika, standen, *) und bernado, wenn es nöthig war, auch nach den Tonarten der Sekunde; bei sehr langen Tonstüden indessen auch wohl nach noch entfernteren Tonarten.

Eine größere Verschiedenheit gibt sich jedoch in den Schlußbildungen der alten Tonarten im Vergleiche zu den unsrigen kund, denn es enthielt nur die jonische, lydische, dorische und äolische Tonart einen Hauptschluß durch den Dreiflang der Oberdominante, die mirolydische und phrygische Tonart aber durch den Dreiflang der Unterdominante. Dem phrygischen Schlusse geht indessen auch bäufig der Dreiflang der Untersekunde (und zwar sowohl als Terzquintenafford als auc in seiner ersten Umfebrung) voraus. Außerdem unterscheidet sich ein pörygischer Tonschluß von allen andern dadurch, daß bei demselben die Terze der Tonita erhöht wird. Ebenso fann auch einem mirolydisden Solusse der Dreiflang seiner Untersekunde vorausgeben.

Manche der älteren Componisten (worunter auch S. Bach) batten übrigens das Princip, auch die dorische und äolische Tonart (und also alle Tonarten) mit einem großen Dreiklange zu schließen. Da es aber unter den Chorälen welche gibt, die anstatt mit dem Dreiflange der Tonifa, mit dem der Dominante, und also ebenfalls (wie unsere balben Schlüsse) mit einem großen Dreiflange endigen, †) so hat man um sich nicht in der Tonart zu irren – besonders seine Aufmerfiam feit auf die Ausweichungen derselben

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*) Zum Beispiel: Der Grundton oder die Tonifa einer jonisden Melodie wäre F. In consonirendem Verhältnisse zu F stehen die Quinte C und die Terze A. Es würde also diese F-jonisde Melodie nad der C-mirolydisden oder auc nad der A-phrygisden Tonart ausweiden. Siebe: „Adein Gott in der Höh sei Ebr.“ Die phrygisde Tonart dagegen findet auf ihrer Oberquinte feine Tonart; sie wendet sich deshalb abwärts jur Unterquinte und Unterterze, also zur äolischen und jonischen Tonart. B.

+) Siehe die dorisde Melodie „Christ unser HErr zum Jordan fam“, die auf der Dberquinte mit dem Dreiflang derselben schließt. Ferner : die dorische Melodie: ,, Durdy Adams Fall“, die mit der Oberquinte anfängt und ídließt und deshalb leicht für eine äolisde gebalten wird.

B.

zu richten, weil diese alsdann das einzige untrügliche Rennzeichen in solchen zweifelhaften Fällen sind. Unterdessen gibt es aber auch Choräle, die ihrer Melodie nach zwei verschiedenen Tonarien angehören können.

3d werde nun die verschiedenen Tonsdlüsse, so wie dieselben in den Werfen der vorigen Jahrhunderte gebräuchlich waren, hier angeben, damit fid der Leser durch die Kenntniß derselben bei den Ausweichungen dieser Tonarten zu orientiren weiß.

Dorische Schlußarten.

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Bei einem lydischen Schlusse, wie der des zweiten Beispieles, wurde von den Alten gewöhnlich b anstatt h genommen, wodurch es aber alsdann ein ver. reßter jonischer Schluß ist.

Miroly difche Soufarten.

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