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In diesem Chorale find, wie im vorbergebenden, fünf Einschnitte, und sechs Tonschlüsse enthalten. Die erste Ausweichung desselben geschieht bei dem zweiten Einschnitte ins Aeolische. Der fritte Einschnitt enthält einen lybilden, und der vierte einen dorischen Halb-Soluß. Die zwei legten Schlüsse sind phrygisd. Der A-Mollatford zu Anfang des fünften Einschnittes gilt als ein freier Anschlag, und bildet demnach keinen verbotenen Querstand zu dem vorbergebenden A-Duraftorde.

Die lydirde Tonart. Die lydische Tonart war von allen Kirchentonarten schon in den frühesten Zeiten immer eine am wenigsten gebräuchliche, und dieselbe eristirt auch jest eigentlich fast nur noch dem Namen nach; doch fömmt sie noch hin und wieder in andern Tonarten als Ausweidung vor. 3br charakteristisches Intervall ist die übermäßige Quarte, denn dadurch unterscheidet ste sich von allen andern Tonarten; außerdem hat dieselbe aber, wie die jonische und mirolydische Tonart, eine große Terze und Serte, und gebört daher in die Klasse der Durtonarten.

Bezüglich ihrer Ausweichungen hat diese Tonart eine naturgemäße Neigung nach dem Jonischen oder dem Aeolischen; außerdem weicht man aber darin auch nach dem Dorischen, Phrygischen, Mirolydischen, und zuweilen auch selbst noch nach dem G-Dorischen oder B-lydischen aus.

Der Charakter der lydischen Tonart wird uns von den Alten als bart geschildert. Dies ist aud wabrldheinlich der Grund, warum feine Choräle mehr von derselben vorhanden sind, denn ihrer Derbyeit wegen konnte sie sich auf keinen Fall zu Gefängen von religiösem Inhalte eignen. Aud geht aus den ältesten in dieser Tunart geschriebenen Werten bervor, daß man don damals ihren vierten Ton h – welcher die Hauptursache ihrer Härte war

da, wo es anging, durch ein b zu erniedrigen suchte, wober es denn fam, daß aus der lydischen Tonart nach und nach eine F-jonische ward.

Weil sich also id werlich noch ein Choral vorfinden dürfte, welcher für diese Sonart als ein zuverlässiges Beispiel angeführt werden tönnte, so erwable id in Ermangelung dessen bierzu das lieb : ...,Cbriftus der ist mein Leben“, bei welchem jedoch einige Intervalle modificirt werden mußten, da die Melodie desselben gewöhnlich in der nach F verseßten jonischen Tonart steht.

Modus lydius.

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Der erste und leßte Soluß dieses Chorales ist lydisch, und seine Ausweichungen gescheben ins Aeolische und Jonische. Sowohl die Melodie als die Harmonie desselben ist ganz der lydischen Tonart gemäß."

(Soluß folgt.)

(Aus dem Süddeutschen Squlboten.)
Bom Nahen zum Fernen.*)

(Bon Pf. A. R. in 6.)
Aus einer S dulconferenz.

Vorbemerkung. Es war das Auffaßthema gestellt worden: „Ges naue Darlegung der Gründe für und wider den Saß: ,vom Nahen zum Fernen! mit Rüdsicht auf den Unterricht in Geschichte und Geographie." Die über dieses Thema eingelaufenen Aufsäße gaben Anlaß zu nachstehenden Bemerkungen.;

*) Die Anwendung des in diesem Artikel Gesagten auf unsere amerikanischen Verbältnisse wird jeder leser leicht selbst maden.

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Der Saß: vom Naben zum Fernen, hat seine Berechtigung; das könnte nur eine naturwidrige Methodit bestreiten wollen; ebenso wie der andere nabe verwandte Saß: vom Bekannten zum Unbekannten. Denn es ist dem Kinde nicht möglich, klare und deutliche Anschauungen und Vorstellungen zu gewinnen und zu bilden von dem Fernen und darum Unbekannten und Fremden, so lange es nicht zum klaren und deutlichen Anschauen und Vors stellen des Naben und im allgemeinen Bekannten angeleitet worden ist und ro die neuen Anschauungen und Vorstellungen des Fremden und Unbekann. ten an das Belannte anknüpfen fann. *)

Allein dieser Grundsaß will recht verstanden und richtig ausgelegt sein, wenn er nicht zu einem ganz mechanischen, ja geistlosen Unterrichtsberfabren führen soll.

Es lautet sehr schön, wenn man unsern Saß auf den geographischen und geschichtlichen Unterricht so anwendet, daß man etwa sagt: wie auf einen Steinwurf im Wasser die Kreise immer größer werden, so erweitere fich allmählich der Menschen Renntniß von der Welt; in allmäblicher stufenweiser Erweiterung lerne darum auch der Sdüler erst die engere Heimat, dann den Kreis, Provinz, das engere Vaterland und dann Deutschland und weiter hinaus die näheren und ferneren fremden Länder fennen.

Das nimmt sich sehr hübsch aus, scheint völlig naturgemäß zu sein, ist es aber durchaus nicht, sondern ist, wie ich sage, ein rein mechanisches Ver. fahren, das in seiner unbedingten Geltung geradezu natur widrig ist.

Ein mechanisches Verfahren nenne ich es; mit Recht und mit treffenden Worten wurde in einem der Auffäße die Frage aufgeworfen: ,,Was ist das Nabe, das Einfache und leichte? Es gibt eine räumliche und zeitliche Näbe, doch gibt es auch eine geistige, intellectuelle Nähe und diese ist die wichtigste." Ein anderer hat aus Bormann's Schulkunde den Saß angeführt: „Nidt immer ist das, was uns der Zeit und dem Raume nach nabe liegt, auch der wirklichen Auffassung und dem inneren Leben des Geistes ein Nabes liegendes. Der Zeit nach liegt dem Rinde der lebte Krieg näber als die Schöpfung der Welt; aber das Bedürfniß, von der letteren etwas zu wissen, liegt ihm viel näher als die Frage nach dem Berlauf jener Begebenheiten der jüngstverflossenen Zeit. Wieder eine andere Stimme läßt fich so bernehmen: „man würde sebr irren, wollte man diesen Grundsaß nur räumlid (oder zeitlich) versteben; es fommt vielmehr auf die Berührungsseiten an, welche der betreffende Gegenstand den Kindern darbietet und wodurch er ihnen alio nabegerüdt ist oder nicht. So ist z. B. den Bremer Kindern New York duro den Handel viel näber gerüdt als Braunschweig. Der Del. berg hat für die Kinder unseres Bolfs mehr Interesse ate die Apenninen.

*) Die moralisde Bedeutung der Sade ist aus nicht zu verkennen: es gilt, das Nädste, Adtäglide, oft Kleine und Unsdeinbare werth zu schäßen ; das Soweifen in die Weite ist oft mit Unzufriedenheit und Ueberbruß am Nädfliegenden und seinen Obliegenheiten und Aufgaben verbunden.

Was in Chile vorgeht, berührt die wenigsten Leute bei uns, aber Sonne, Mond und Sterne sehen sie fast alle Tage. Das interessante Unbekannte spannt mebr als das alltägliche Bekannte. Das Kind wird lieber etwas vom Krokodil hören als vom Frosch; es ist aufmerksamer, wenn von Hannibals Zug über die Alpen geredet, als wenn das Wohnhaus vorgenommen wird.“

30 gebe zu, daß vielleicht das eine und andere der zuleßt genannten Erempel nicht ganz zutreffend find für unsere Frage; aber fte find wenigstens voltommen geeignet, die Unrichtigkeit und das geistlos Mechanische in der uneingeschränkten Anwendung des Sabes: vom Bekannten zum Unbekannten, in's Licht zu stellen. Es ist auch mebrface behauptet worden, das Bea fannte babe für die Kinder mehr 3nteresse als Dinge, die ihnen (räumlid)) ferne liegen, von welchen fie feine Anschauung haben und die sie sich nicht vorstellen fönnen. Das ist nicht wahr. Ich erlaube mir die Vermuthung auszusprechen, daß die Art und Weise, wie nicht selten die Heimatfunde beo trieben und das Bekannte und Alltägliche und Dertliche den Kindern zergliedert wird, denselben sehr langweilig werden kann und ibnen das gerühmte Bekannte bödst uninteressant macht. Und was der Haupteinwand gegen diese einseitige Betonung des Nahen und Bekannten ist man bedenke doch: sobald der Unterricht über die nächste Heimat im Umkreis von 2-3 Stunden binausgeht, bört das Belannte schon auf. Den Bewohnern einer weiten Ebene oder Hochebene ist die Natur der eigentlichen Gebirgøgegenden schon innerhalb der Grenzen des engeren Vaterlandes ein Unbekanntes, so gut als die Anden und Cordilleren und der Himalaja in Amerika und Aften. Für die Kinder, die auf einer rauhen Hochebene wohnen, wo jie nicht einmal einen Berg seben können auf viele Stunden weit, ist die Vorstellung eines Wein. berge nicht leichter, als die eines Palmenwaldes in Centralafrika oder eines Citronenbaines in Jtalien, da sie einen Weinstod, nicht einmal an einer Kamerz, so wenig je geseben haben als eine Palme oder einen Citronenbaum.

Es ist aus eine Uebertreibung des an sich richtigen Saßes: „Vom Naben zum Fernen", und „vom Bekannten zum Unbekannten" - eine Ueber. treibung, die zu Mißgriffen führt oder zu fruchtlosen Unterrichtsbemühungen, wenn man verlangt, zur Veranschaulichung des Fernen und Unbekannten könne und müsse man nur kommen durch Vergleichung mit Bekanntem (derfelben Art). Es wurde z. B. in einem Aufsaße gesagt: ,,Die Begriffe der Heimat find besser zu erfassen, als die eines fremden Landes." Daher rolle man zeigen, um wie viel mal der Montblanc höher sei als die Weibertreu, oder der St. Gotthard als die Achalm. Wenn aber ein Kind weder Weibertreu noch Achalmi jemals gesehen hat? Und wenn, was nüßen solche Verhältnißangaben in naďten Zahlen? Rein gar nicts! Wir bedürfen ihrer aber auch nicht. Man beschreibe, wie solche Berge hoch über die Wolken binausgehen, wie man schon in balber Höhe derselben im Sommer unter sich Wetterwollen mit Bliß und Donner haben fönne, während einem über dem

Haupte die belle Sonne strahlt. Oder weil ja bei Gewittern die Wolfen ust sehr nieder dweben und auc in andern Gegenden bei viel geringerer Höbe Aebnliches zu erleben ist, so beschreibe man, wie auch bei trođener Luft, wenn feine Wolfenstreifen sehr bode am Himmel bingieben, die Spißen solcher Berge doch noch sehr weit über die Wolfen binausragen. Das ist anschaulic; warum sollten die Kinder davon sich nicht eine deutliche Vorstellung machen fönnen, aud obne nur einen mäßig boben Berg ie gesehen zu baben und die ihnen vorgesagte Höhenjahl des Belannten xmal fich zu denken? 30 bin überzeugt, bei leßterem Verfahren werden sie sich erst recht nicht denken.

In richtiger Würdigung dieser und ähnlicher Bedenken gegen die stricte Durchführung des Sabes ,, vom Naben zum Fernen" haben denn aud die meisten Metboditer der leßten Jabrzehnte und die neuesten Lehrpläne der deutschen Länder von einer allmäblichen stufenweisen Erweiterung des geographischen Unterrichtsstoffes in concentrischen Kreisen vom Mittelpunkt aus in die nähere und dann entlegenere Ferne -- Umgang genommen, und ver. einigen den analytischen mit dem synthetischen Unterrichtsgang.

Nachdem ... der synthetische Gang an irgend einer Stelle doch durch. brochen werden soll und muß, so ist die Hauptfrage jest wesentlich bie: jou die Betrachtung der Erdkugel und der rüdwärtssdreitende Gang vom Gan. zen zu den Theilen unmittelbar nach der Heimatfunde eintreten, oder soll die Heimatkunde zunächst sich noch ausweiten zur Vaterlandslunde und erst beim Uebergang zu den außer deutschen Ländern und zu Europa im Au. gemeinen das Erdganze vorgeführt werden? Ich hoffe Sie überzeugen zu können, daß das durchaus feine müßige Streitfrage ist, vielmehr der gute Er. folg des geographischen Unterrichts zu einem nicht unbedeutenden Ibeile von der richtigen Lösung dieser Frage abhängt. Für das richtige Verfahren halte ich nur das erstgenannte, daß man von der Heimatfunde zur Erdkugel über

und von der Betrachtung des Eroganzen zu den I heilen weiter geht. (Die Entwidelung der Gründe später!)

Wenden wir unsere Aufmerksamkeit nun auch noch dem Geschichts Unterricht zu. Auf diesem Boden ist es besonders deutlich, wie verkehrt eine unbedingte Herrschaft des Grundsaßes „vom Naben zum Fernen" sein würde. Man kann hier den Begriff des Naben sowohl räumlich alø zeitlich fassen. Zeitlid gefaßt, müßte man denn von der nächsten, D. b. neuesten Zeit. geschichte ausgeben und rü&wärts oder aufwärts in die ferner liegenden Zeiten des Alterthums steigen. Das wäre aber ein unsinniges Unterrichtsverfahren; so würde alle vernünftige Einsicht in den Verlauf und Zusammenbang der Geschichte für die SĐüler zerstört. Also der Saß „vom Naben zum Fernen“ ist in dieser Fassung — zeitlich nahe —, die durch den Begriff der Geschichte die nächstliegende wäre, völlig unbrauchbar. Auch in Verbindung mit dem andern nächstverwandten Saß vom Bekannten zum Unbefannten" leuchtet seine Unbrauchbarkeit ein; denn wenn auf dem Boden

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