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Charakter zu stählen. (Man fürchte nicht, daß ich der Geschichte zuídreibe, was nur der rechte Religionsunterricht vermag; die Geschichte ist nur ein Hülfømittel, die dienende Mago des Religionsunterrichts.)

Daß aber die Geschichte obigen angegebenen Nußen bat, darüber schreibt Rehr in seinem Buche ,, Die Praris der Volksschule" Folgendes:

Die Geschichte roll das Denken klären. Ursachen und Wir. kungen, Erfabrungen und Thatsachen, Fluch und Segen, Leben und Tod liegen im Buche der Weltgeschichte vor uns aufgeschlagen. - Große Gedan. ten großer Menschen regen zum Nachdenken an, Jdeen erzeugen Ideen. Die Geschichte soll das Gefühl veredeln. Das sittlich Große und fittlich Gute sollen die Kinder berzlich lieben, und das Häßliche gründlich hassen lernen. Das Gefühl für Wahrheit und Recht, die Begeisterung für Hohes und Großes roll durch den Geschichtsunterricht geweckt werden. Das Gefühl aller Gefühle aber ist die Liebe. — Die Geschichte soll den Willen träftigen. Die Gefüble sollen nict bloße Erregungen bleiben, sondern sie sollen die Triebfedern der That werden. An den Vorbildern edler Selbstverleugnung, bingebender Treue, unerschütterlicher Wabrheitsliebe, treuberziger Biederkeit und christlicher Großmuth soll unsere Jugend sich er

Das Auge des frischen Knaben soll in beiliger Entrüstung aufblißen, wenn die Wahrbeit gefälscht und die Unschuld verfolgt wird. Mit einem Worte: unsere Jugend roll an der Geschichte groß wachsen. Die Geschichte soll den (barafter stäblen. Der Mensch soll keine abgegriffene Münze sein, sondern er roll sein bestimmtes Gepräge baben. (Sepräge ist sein Charakter, feine persönliche Willensrichtung. Das ist das Beste der Geschichte, daß der Sdüler an den scharf ausgeprägten Geschichtsgestalten der Menschheit sich mit Begeisterung emporrankt, gleid jenen Hel. dengestalten mit eiserner Consequenz edle Ziele zu erstreben sucht und sich nicht täuschen und wiegen läßt von dem Winte wechselnder Tagesmeinungen. Das ist das Höchste in der Geschichte, daß der Schüler die Kraft bervors ragender Naturen, welche mit fester Hand das Gepräge ganger Zeiten bestimmt haben, in sich überströmen läßt. In unserer Zeit, in welcher die riesige Selbstsucht alle Fugen der fittlichen Gesellschaft zu zersägen drobt, thut mehr denn je eine stramme feste barafterbildung noth.

,,So fou also die Geschichte den ganzen Menschen bilden; nicht eine Kraft allein, sondern alle Kräfte, nicht eine Seite, sondern alle Seiten. Das etbische Moment fou die Hauptiache sein, denn wenn der Geschichteunterricht nicht fittlich erhebend wirft, nidot Ehrfurdt und Treue, nicht Vaterlandsliebe und Charafterstärfe, nicht Muth, nicht Liebe zu Adem, was wahr und was schön und was groß ist, erzeugt, dann ist das Beste verfehlt.“

Bormann schreibt darüber : ,,Die Beispiele von Mutb und Tapferkeit, von Großmuth und Selbstverleugnung, von Vaterlandsliebe und bingebender Treue, die die Geschichte vor Augen führt, läutern die Gesinnung und reizen zur Nacheiferung: die Erempel von Härte, Grausamkeit, Lüde und

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andern bösen Leidenschaften, die sie zur Anschauung bringt, sind geeignet, inneren abideu vor ungezügelter Begierde in der Seele bervorzurufen."

Ebe ich nun zu zeigen versuche, wie dieser Zwed und Nußen erreicht wird, ist es nöthig zu erflären, was ich eigentlich unter Geschichte unters ridt in einer inebrklassigen Elementarschule verstebe.

Wenn ich bisher von Geschichtsunterricht gesprochen habe, so ist damit keineswegs ein Geschichtsunterricht im gewöbnlichen Sinne zu versteben, sondern nur Gedichten aus der Geschichte; jedoch chronologisch geordnet, beginnend mit der Geschichte des jüdischen Bolfes. Diese Geschichte gibt und erst den rechten Standpunit, ja Gesichtspunft, um die Geschichte der ans dern Völfer richtig zu erkennen und zu beurtbeilen; sie ist das eigentliche Fundament der ganzen Weltgeschichte.

Geschichtsunterricht im eigentliden Sinne gebört nicht in die Bolfsschule. Benede sagt: ,,Die Geschichte ist ein Studium für Männer, wenis geridon für Jünglinge und am wenigsten für Kinder. Unter allen Umständen fann die Volksschule Nichts weiter geben, als lebensvolle Charafterbilder, inbaltsreiche Biograpbien, nidt allein für sich dastebend, sondern mit der Geschichte verwebt; nicht nur chronologisch geordnet, sondern auch im Zusammenbang der Geschichte dastebend. Die A u øw a b 1 des Dent- und Wissens. würdigsten muß nach einem geeigneten Plane gescheben. – Ordnung und Zusammenhang ist die Seele des Unterrichte. Nur so ist es möglich, bei der besdrängten Zeit die Hauptsache in bildender Weise zu behandeln. Nidot Bieles, aber Viel. Freilich können durchaus nur die vornehmsten und eine flußreichsten Begebenheiten ausgewählt, nur die denkwürdigsten Menschen hervorgeboben und durch die dabei gegebene Zeitbestimmung vor dem Bergessen gesichert werden. Nur büte man sich vor Ueberladung mit Namen und Jahreszablen. Jedenfalls mutbe man den Sdülern lieber zu wenig, als zu viel zu.

Es ist ein Unfug, wenn Lebrer ihren Schülern oft größere Lasten auflegen, als sie selbst zu tragen im Stande sind. Dies ist das beste Mittel, um ihnen einen Ekel an dem Geschichtsunterricht beizubringen. Doch büte man sich auch vor dem entgegengesepten Extrem, die Kinder zu verweich, lichen und arbeitsscheu zu machen, oder gar von tortem Gedächtnißkram zu ihnen zu sprechen. Es ist bekannt, daß Erwachsene beim besten Willen das in der Jugend hierin Versaumte schwer oper gar nicht nachzubolen vermögen.

Man sebe ferner jede Erzählung in Beziehung zu den allgemeinen Aufgaben des Gedichtsunterrichte. Die erziebliche Wirkung ist gerade bei der Geldichte so nabe liegend; die Geschichte ist oft lebre, aber auch zugleich Zuchtmeister. Sol sie beides werden, so muß man dazu belfen, daß sie lebre und erziehe. Dyne besondere Hülfe des Lebrers ist es zuweilen nicht möglich, daß das Kind die darin liegende Lebre finde, oder das erziehende Moment frine Wirkung ausübe. Hierbei möchte ich noch auf einen Abweg aufmerfsam machen. Es würde eine verfehrte Methode sein, wenn man jene praktis Ichen Zwede des bistorischen Unterrichts dadurch zu erreichen suchte, daß man

die ganze Geschichte in eine Moral von Beispielen verwandelte und durd vielen Wortaufwand oder dellamatorische Schilderungen das von Außen in die jungen Gemüther bringen wollte, was (durch die Geschichte bewirft) aus ibrem Innern kommen muß, und kommen wird, sobald der Sinn dafür in ihnen vorhanden ist. Viel mehr, als lange und breite Nußanwendungen, werden die Ihatsachen, die Handlungsweise, die hervortretenden Charakter. züge wirfen.

Die einfachste und träftigste Darstellung ist oft die wirksamste. Rurze, bündige Hindeutungen; nicht zu häufige, aber am rechten Ort gebrauchte Anregungen, zuweilen ein ernstes, bedeutungsvolles Schweigen nad der Erzählung von etwas Großem oder Schredlichem und Empörentem dies Alles madt oft mebr Einbrud, als die vortrefflichsten Ansprachen und Er. mahnungen.

Sou der Geschichteunterridit seinen Zwed nicht verfehlen, so richte man ibn genau nach dem Standpunkt der Schule ein. Die allgemeine Aufgabe der Volksschule fann feine andere sein, als die Uebermittelung einer gesuiden Bolfsbildung, daber vermeide man alle gelehrten Auseinandersebungen und büte fich, ibn als Wissenschaft zu treiben. Die Geschichte in der Boltedule fod nicht 3 wed, sondern Mittel sein.

Wohl ließe fich noc mande Regel über die rechte Beschaffenbeit des Ges schichtsunterrichts in einer Elementarschule aufstellen und noch manches Vers febrte zurüdweisen; aber je mehr ich darüber nach denke, um so schwerer erdheint es mir, nod mehr im Allgemeinen hierüber festzuseßen. Der Grund dürfte wohl der sein, daß die rechte Beschaffen beit des Geschichtsunterrichte vorzugsweise von den persönlichen Gaben des Lebrers abhängt. Denn bier reicht nicht blos eine Menge historischer Renntnisse aus, es bedarf auch der Gabe, die geschichtlichen Sbatfaden einfach, flar, woblgeordnet, fließend und anschaulich zu erzäblen. Da ich aber damit mid selbst verurtbeilen muß, so will ich lieber Seminarinspector C. Rehr reden lassen. Der schreibt:

„Geschichte kann nicht entwidelt, sondern sie muß erzäblt werden. Gut erzählen zu fönnen ist keine leichte Sade; fie ist von vielen Borbedingungen abhängig, deren Summa fich nur bei den begabtesten, mit gereifter Erfahrung und großem praktischen Geschide ausgestatteten Schulmännern findet. Immerhin ist es nothwendig, den jungen Lehrer auf dasjenige aufmerksam zu machen, worauf es hier hauptsächlich ankommt. Die Geschichtserzählung muß nämlich frei und fließend, klar und deutlich, schlicht und einfach, warm und wahr und vor Allem anschaulich sein. Frei und fließend muß der Vortrag sein. Dies ist die erste Forderung. Wo der Lehrer die Geschichte wegen Mangels an Geschichtsfenntniß oder aus leidiger Bequemlichkeit aus einem Buche ablies't, da fehlt die Frische der Darstellung und mit ihr der Segen des Unterrichts. Freilich erfordert ein gutes Vorerzählen eine sorgfältige, schriftliche Präparation und (mindestens im Anfange) ein tüchtiges Memoriren. Wer dies vergißt, wird dann zum großen Staden der Kinder die Erfahrung machen, daß die Darstellung entweder peinlich stotternd oder trivial troden oder phrasenhaft überladen ist. Denn wo Gedanken fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit fich ein. Der lebrer versündigt sich dann aud an der zweiten Forderung:

Erzähle flar und deutlich! Die Kinder müssen fich bei jedem Wort des Lebrers wirklich den Sinn denken, den das Wort bezeichnet. Der Lebrer darf darum nicht Worte brauchen, die für die Kinder Nichts weiter sind als leere Klänge. Rommen Ausdrüde vor, die das Kind nicht sofort ver. steht, so muß der Lehrer das Seine thun, um sie den Kindern in einfader Weise durd Unknüpfung an Befanntes deutlich zu machen. – Die For. derung der Klarheit bezieht sich aber nicht allein auf die Congruenz (Uebereinstimmung) der Worte und Gedanken, sondern auch auf den richtigen Ac. cent, und besonders auf die logische Sichtung und klare Anordnung des vorhandenen Gedanken materials. Vor allem bedarf der Lebrer einer aus der Natur der betreffenden Geschichte abgeleiteten festen, baarscharfen Disposition. Purzelbaumartiges Ueberschlagen der Gedanken, spießbürger, lide Rannegießerei oder pietistische Salbaderei, taugen nichts für Kinder, deren Denten durch die Geschichte geklärt und deren Geist durch eine praktische Logit gebildet werden soll. Die größte Deutlichkeit war immer die größte Schönbeit“, sagt leffing.

Mit der Deutlichkeit nabe verwandt ist sodann die Einfach beit der Darstellung. Für complicirte Sabconstructionen, verwidelte Verhältnisse, boble Phrasen und gelebrte Auseinandersebungen haben unsere Jungen fein Berständniß. Gewinnung einer findlichen Einsict und einer intensiven Förderung des Schülers ist nur dann möglich, wenn der Lehrer fnapp und rund, frisch und inhaltsvoll, rubig und einfach erzählt, wenn er die Personen reliefartig berportreten läßt, ihre bistorisch bedeutsam gewordenen Aussprüche geldidt einzuflechten weiß und das gebörig marfirt, worauf der bistorische Stempel der Wichtig feit anerkanntermaßen ruht. —

Die Erfabrung, daß es in vielen Schulen weit weniger an gemüthlicher Erregung fehlt als an Rlarbeit der Begriffe, an folgerichtigkeit des Denkeng und der Solidität des erworbenen Wissens, sollte uns darauf hinweisen, daß man das gemüthliche Element nicht forciren, sondern daß man in erster Linie auf Riarbeit und Einfachbeit dringen sollte.

Dies führt uns ungesucht zur vierten Forderung: Stelle die Thatsachen der Geschichte so dar, wie fie sich wirklich zugetragen haben, d. h. treu und wabr. Historische Treue, objective Wabrheit, Fernbaltung alles subjectiv Gefärbten ist eine der höchsten Forderungen, die wir an den Geschichtslehrer zu stellen haben. — Bezugs der bistorischen Treue muß der Lehrer gleich dem Dichter auf einer höheren Warte steben als auf der Zinne der Partei. Es ist hierbei ganz besonders zu betonen, daß die wahrbeitsgetreue Darstellung des Geschebenen die Hauptsache ist, nicht die Alles zerledernde Rritik und nicht der breite moralistrende Sermon über die Geschichte. — Kein Wunder, wenn bei solcher leidigen Kritisirsucht um mit Lichtenberg zu reden Deutschland noch lange das Land bleibt, worin die Jugend die Nase eber rümpfen als pußen lernt.

Die böchste Forderung aber, die wir an den Geschichtelebrer stellen, ist die: Erzähle anschaulich. Ohne Ansdauung bat das Kind für die Ges schichte weder Verständniß noch Interesse. Nur wenn es der Lehrer verstebt, die geschichtlichen Gestalten so plastisch vor die Augen des Schülers hinzu. malen, Begebenbeiten so lebensroll zu erzählen, Zustände lo correct zu zeichs nen, „als wäre man dabei“, nur dann geht die Geschichte in die Kindesseele hinein und hat in ihr Halt und Dauer. Die Anschaulichkeit aber ist eine doppelte, nämlich eine äußere und eine innere. Jene befaßt sich mit den äußeren Thatsachen und Gestalten (mit dem Geschichte Leib), diese mit den geistigen Regungen, den Gemüthsbewegungen, Gesinnungen und Motiven (mit dem Geschichtegeist). Jene erzählt, daß die Tbatsachen gescheben, diese, w ie sie geschehen sind und wie sich die Begebenbeiten entwidelt haben. Die äußere Anschauung darf nicht unterschäßt werden. Bei Schilderungen von Personen ist es zu einer prompten Orientirung immer wünschenswertb, daß - wenn möglich — die äußere Erscheinung derselben u. das Erste sein muß. Erst dann wird der Ort und die Zeit, wo und wann die Person ges lebt hat, näher beschrieben und erst dann wird sie bandelnd eingeführt, so daß das Kind hört, was sie zu Stande gebracht oder was sie zerstört hat, so daß nun das Kind vou Bewunderung auf die Person hinschaut oder sich mit Widerwillen von ihr abwendet. Diese äußerliche Anschaulichkeit wird das durch erreicht, daß der Lehrer den geschichtlichen Stoff durch die lebendigkeit seines Vortrages lo weit wie möglich der unmittelbaren Auffassung des Kindes nabe rüdt."

Nachdem ich nun die Berechtigung und den Nußen des Geschichtsunterrichts nachzuweisen versucht babe, sowie in furzen Zügen dargethan, wie das gestedte Ziel erreicht wird, so bleibt mir nur noch übrig anzugeben, welches etwa die Geschichten aus der Geschichte sind, die in ner Elementarídule vorzugsweise erzählt werden fönnen. (3h übergebe dabei die Ges schichte des jüdischen Volfe.) Meine unmaßgebliche Auswahl ist für einen zweijährigen Cursus berechnet.

Egypter und Phönizier.

Perser und Griechen. Aus der griechischen Geschichte: Lyfurg, Solon, Socrates, Olympische Spiele. Aus der Geschichte der Perser: Perserkriege. Cyrus, Rambyses, Darius, Abasverus, Darius Codomannus.

Alerander der Große. Unterjochung und Zerstörung des perftsden Reichs.

Roms Gründung und Könige. Roms, wachsende Macht.
Nom als Nepublik.
Hannibal. Zerstörung Karthago’s.
Cäsar und Pompejus,

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