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Worin besteht die rechte cristliche Zucht, und wie lernt man sie üben?

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Hermanns Rämpfe. Bölferwanderung.
Augustus (Raiserreic). Nero - Diocletian.

(Repetition.)
Constantin der Große. Julian der Abtrünnige.
Alarich, Attila, Chlodwig, Theodorich
Muhammed.
Karl Martell. Karl der Große.
Heinric I. Dtto I. Ronrad II.
Heinreich IV. und Gregor VII.
Friedric Barbarossa.
Die Kreuzzüge.

(Repetition.) Der Verfall der Kirche. Entdeđungen und Erfindungen (Gutenberg, Columbus.)

Reformation. Der 30jäbrige Krieg. Ludwig XIV.
Die Pariser Bluthochzeit.
Karl XII. und Peter der Große.
Friedrich der Große. Der siebenjährige Krieg.
Nordamerifanische Freibeitsfriege.
Französische Revolution.
Napoleon I. Deutscher Freiheitsfrieg. Erfindungen.
Nordamerikanischer Krieg. Schleswig Holstein.
Deutsch-Französischer Krieg.
(Repetition.)

E. R.

Worin besteht die rechte driftliche Zucht, und wie lernt

man sie üben?

Unter dristlider Zucht versteht man eine&tbeile die Schulzucht im Allgemeinen oder Erziehung durch die Scule, anderntheils im besonderen Sinne die Schuldisciplin. Da nun der Mensch nicht nur für dieses Leben, sondern vornehmlich zum ewigen Leben geschaffen ist, so ist offenbar, daß die rechte christliche Zucht oder Erziehung nicht blos in der Bildung des Vers ftandes, sondern auch in der Bildung des Herzens - nicht in einem bloßen Einwirken auf das Gefühl, sondern auch auf das Erfennen und Wollen bes steben müsse. Die Kinder rollen nicht nur mit den nöthigen Kenntnissen und Fertigkeiten für dieses Leben ausgerüstet, und zur Ordnung, Reinlichkeit, Aufmerksamkeit und guten Sitten angeleitet und gewöhnt werden, sondern vor allen Dingen zu Christo geführt, im Glauben gestärkt und erhalten werben, um das Ziel ihrer himmlischen Berufung, die ewige Siligfeit, zu erlangen. Kurz, unter christlicher Zucht im Allgemeinen ist demnach zu versteben die Thätigfeit und rechte Wirksamkeit eines Pebrers, seine Schüler für dieses und jenes Leben geschidt, und vor allem sie selig zu machen, oder, wie unsere alten Lehrer sagen, sie erziehen, daß fie fromm, geschidt und höflich werden. Die neueren Welt- ,, Verböserer“ belieben sich darüber so auszudrüden: Die Kinder zum Wabren, Guten und Schönen anzuleiten. Dag in dem mir gestellten Thema nicht von der Stulzucht im Álgemeinen, sons dern von der Schulzucht im besonderen Sinne die Rede ist, unterliegt wohl keinem Zweifel. Da ich nun nicht im Stande bin, dieses Thema, selbst in diesem Sinne, gründlich und ausführlich zu beleuchten, so werden meine lieben Collegen sich wohl oder übel begnügen müssen, wenn ich im Allgemeinen darüber ein wenig lalle, oder richtiger – stottere. Ich werde demnad zuerst versuchen, die Frage zu beantworten :

Worin besteht die rechte riftliche 3 u dat? Die rechte christliche Zuct bestett, neben der nöthigen Unterweisung und Belehrung durch den Unterricht, besonders in treuer Aufficit, Ermabnung, Warnung und Strafe von Seiten des Lebrers. Ein wesentlicher Bestandteil der rechten christlichen Zucht ist unstreitig die Unterweisung und Belehrung durd den Unterricht. Der Unterricht selbst ist ein Zudt- oder Erziehungsmittel. Zucht und Unterricht lassen sich nicht trennen, fie geben vereint ihren Weg und ergänzen fich gegenseitig. Durch den Unterricht müssen die geistigen Kräfte gewedt und geübt, durch die Zucht die fündliden Lüfte, Neigungen und Begierden unterdrüdt und getödtet werden. Done treuen Unterricht in der reinen Lehre göttlichen Worts fann von rechter dristlicher Zucht nicht die Rede sein. Die dem Lehrer anvertrauten Schüler sind durch das Bad der beiligen Taufe Eigenthum des HErrn JEsu gewors ten; das in ihnen durch die Wiedergeburt erlangte geistlide Leben muß durch das süße Evangelium genährt, gestärkt und erbalten werden, damit fie so Eigenthum ihres HErrn bleiben und einst selig werden. Weil sie aber auch nach dem alten Adam das erbsündliche Verderben in sich tragen, so müssen sie durch das Gefeß ihr natürliches Verderben, ihr sündliches Thun und lassen erkennen; ibre Erkenntniß und ihr Gewissen muß geschärft werden, daß fie je länger je mehr die Sünde in ihrer Abscheulichkeit und Größe erkennen und vor der damit verbundenen Strafe erschreden. Durch den Religionsunterricht soll das Kind vom Bösen ab und zum Guten angebalo ten, von der Erde, Sünde und Verderben zum Himmelreich geleitet und geführet werden. Auch beim Unterricht anderer Gegenstände, wie Soreiben, Singen, Geograpbie, verbunden mit Naturs und Weltgeschichte, soll der Pebrer dies Ziel im Auge behalten. Es bedarf wohl faum der Erwähnung, daß bei jeglichem Unterricht der Pebrer sein Absehen haben müsse auf die Bildung des Berstandes, Beugung des Willens und Leitung ter Ge. fühle und Empfindungen. Die Erfahrung lebrt aber leider, daß aus der beste Unterricht allein das fündige, schwache, leichtsinnige, oft auch bosbafte Herz nicht zum gewünschten Ziele führt. Um aber dies zu erreichen, ist zu einer rechten dristlichen Zucht vor allen Dingen nöthig eine treue Aufsicht des Lebrers.

Der Lebrer jou Aufsicht führen über seine Schüler, er soll ihr Seelsorger sein, der da wachet über ihre Seelen, und einst Rechenschaft dafür geben muß. Seine Aussicht muß sich über Alle erstređen und darf doch dabei auch den Einzelnen nicht aus dem Auge lassen. Er hat dafür zu sorgen, daß Alle Obristo zugeführt werden, und sie zu pflegen, daß sie ein Eigenthum ibres HErrn JEsu bleiben. Darin sei er so treu, als ob er allein der Sorger und Pfleger der Kinder sei, und nicht Jejus, der gute Hirte; und doch auch so demütbig, daß er immer des Worts ein jedenf bleibe: „Ohne mich könnet ibr nichts thun." Die treue Auflicht soll sich erstreden auf das Thun und lassen der Rinter, auf ihre Neigungen und Leidenschaften, auf die Gefabren, die ihnen droben, auf die Versudungen, denen sie ausgelegt find. Der febrer sou auf die Sdüler Adt baben beim Unterricht, beim Spiel, auf dem Schulwege, und sonst, jo viel wie inöglich, auch außer der Schule. Merkt ein Kind, daß solches geichiebt, so fängt es an, auf fich selbst Acht zu haben, wird be. sonnener und vorsichtiger. Ein Lebrer muß aber auch seine Schüler so beobachten, daß sie es nicht merken, lich unbeobachtet glauben, und sich zeigen, wie sie wirklich sind, damit er die Aeußerung ihres Herzens und die Darstellung ibres eigentliden wahren Charakters wahrnebme. Die rechte Renntniß vom einzelnen Kinde erlangt der Lehrer nur durch treue Aufsicht und Wadsamfeit, durch einen innigen Berkehr mit demselben; und je größer die Berschiedenbeit unter den Kindern ist, desto nöthiger und notwendiger ist es, auf die Kinder Adbt zu haben. Wie leicht fann ein Lebrer obne die nöthige Kenntniß in der rechten christlichen Zucht fehlen! Er verfährt wohl raub und bart gegen ein Semütb), das durch wenige ernste Worte don tief gerührt und bewegt wird, oder er verschwendet milde Worte, reizet und lodet nur, wobin ein Hammer gebört, der Felsen zerschmeißt. Manchmal bält er eine tiefe, innere Betrübniß für Troß, und äußere erbeuchelte Ihránen für Reue und Buße. Wie sehr fehlt es da an rechter Zucht, wo der Stod geschwungen wird, wenn ein liebevoller ernster Blid des Lebrers ausreicht, den Stüler von einem Fehler zurüdzuhalten, zurüdzubringen, oder ibn zu etwas Gutem anzutreiben! Wo ein Blid ausreicht, da spare der Lehrer selbst die Worte, damit sie den Kindern nicht wohlfeil werden. Weil aber leider nur ju oft der Blid des Lebrers den gewünschten Zwed nicht erreicht, so muß er seine Zuflucht zuin Ermahnen und Warnen nehmen, und dies ist das Dritte, worin die rechte christliche Zucht besteht.

Sollen aber die Ermabnungen und Warnungen nicht ohne Erfolg bleiben und als ein leerer Schal zurüdkehren, so müssen fie vor allen Dingen von Herzen kommen. Denn was von Herzen kommt, das geht zu Herzen. Sie müssen aber auch zur rechten Zeit und nicht in Aufregung und im Zorn gestbeben; sie müssen kurz, bündig, woblüberlegt und feine lange Predigt sein. Beweggründe des Eigennußes und Ehrgeizes sind unnüß und schädlich. Die Ermahnungen und Warnungen müssen aber, so viel als möglich, auf die mannigfaltigste Weise eingerichtet werden, damit sie den Kindern nicht vers drüßlich fallen. Die Ermahnungen und Forderungen müssen fest und ents schieden sein. Merken die Schüler, daß der Pebrer nadgiebig und sowanfend ist, daß er wohl drobe, aber die Drohung nicht ausführe, dann fann er ermahnen, warnen, droben, wie er will, es ist doch umsonst. In vielen Fällen ist es besser, unter vier Augen zu ermahnen. Das Kind ist dann gemeiniglich vertraulicher und offener, das Herz zugänglicher, und die Scham vor den Mitschülern wird dadurch gemildert. Es fühlt auch mehr das Väterliche und Liebreiche in den Worten des Lebrers. Beim Ermahnen und Warnen hat ein Lebrer sich sehr zu hüten, einseitig zu bandeln, um nicht nur auf das äußerliche Thun und lassen einzuwirken, und dadurch nur äußerliches, obers flächliches Leben zu erzielen, sondern er muß auch dabin wirfen, daß das Herz fest und bleibend eine Wohnung des Heiligen Geistes werde, der die rechte Kraft gibt zum Wollen und Vollbringen. Zugleid vermeide er ein stürmides, ungeduldiges Drängen und Eilen, weil gar leidt tacurd den Rindern Mutb, Freudigkeit und Lust zum Guten benommen, und Gleichgültigkeit und Widerwille, ja wohl gar Troß oder Heuchelei erzeugt wird. 3a", wird mancher meiner Collegen sagen, das weiß ich alles wobl, habe auch bisher alle meine Ermahnungen und Warnungen in dieser Weise ausgeführt, bin selbst noch einen Schritt weiter gegangen, habe den Kindern Gottes Zorn und Ungnade, zeitliche und ewige Strafen angekündigt, um sie zur Umfebr und zu einer rechtschaffenen Buße zu bewegen; es war aber alles umsonst, die gewünschte Frucht blieb aus.“ Wohlan, so höret weiter. - So wie nun Gott selbst nad vergeblichen Ermahnungen, Warnungen und Drobungen uns oft unsere Sünden an Leib und Seele schmerzlich empfinden läßt, so soll auch der Lebrer, nad vergeblicher Ermahnung und Warnung, die Schüler vom Bösen abzuschreden, als legtes Mittel, das Strafen nicht versäumen; und das ist das Vierte, worin eine rechte christliche Zucht besteht.

Rein Theil der christlichen Schulzucht fordert wobl mehr Weisheit und Vorsicht von Seiten des Lebrers, als das Strafen. Wir stimmen nicht mit denen, welche die Spule zu einer Prügelanstalt machen, aber aud eben so wenig mit denen, welche alle förperliche Züchtigungen verwerfen. Fordert doch das Wort Gottes dazu auf, die Rutbe zu gebrauchen. Salomo bezeugt: ,,Wer seiner Ruthen schonet, der basset seinen Sohn." Und: ,,Tborheit stedet dem Knaben im Herzen, aber die Ruthe der Zucht wird fie ferne von ihm treiben.“ Soll aber das Strafen von heilbringenden Folgen sein, so gedebe es nidt zur Unzeit. Man strafe nie in der ersten Aufregung und im Zorn, besonders nie wäbrend des Religionsunterrichte. Auch strafe man nicht eber, als bis das Kind erkannt hat und in seinem Gewissen überzeugt ist, daß es die Strafe wohl verdient habe. Um öfteres Strafen zu vermeiden, büte sich ein Pehrer vor zu vielen die Schulzucht betreffenden Gesegen; denn wo viele Gejeße sind, ist auch viel Uebertreten derselben. Daß das

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lästige Strafen immer seltener vorkomme, sei der Lehrer immer selbst munter und beschäftige die Kinder binlänglich. Dadurch werden die muntern und leidtsinnigen Kinder gefesselt, daß sie mit ihren Gedanken nicht berums idweifen oder allerband bösen Einfällen nachbängen; die Faulen wer. den radurch ermuntert, ihrer natürlichen Trägbeit nicht Naum zu geben. Auch darf die Strafe das Maß des Verbrechens nicht überschreiten, sondern muß nach dem Grade des Verbrechens abgemessen werden. Die Größe der Sünde ist nicht sowohl nach dem äußerlichen Ausbruc), als vielmehr nad dem bösen Willen der Kinder zu beurtheilen. Daß bei der Wahl der Strafen die Geschlechter, Temperamente, bäusliche Erziehung, Alter der Kinder und Art der Sünden Berüdjichtigung finden müssen, unterliegt wohl feinem Zweifel. In Bezug auf das Strafen bei Mädchen muß das Strafmaß nicht nur ein geringeres, sondern auch die Art und Weise der Ertheilung dess selben eine schonendere und zartere sein, als bei Knaben. Unverzeiblich wäre es somobi bei Knaben als bei Mädden, wenn Zanffudit, Lüge, Widerseblich lidfeit, Diebstahl, versäumte Schulstunden, Grobheit, Nachlässigkeit, Plau. derei und Unaufmerksamkeit auf gleiche Weise bestraft würte. Ein zantfüchtiger und unverträglider Schüler wird eber gebessert werden, wenn er wäbrend der Schulzeit allein geseßt, und wenn möglich auch außer der Shule (durch Autorität des Lehrers) vom Umgange mit andern Kindern fern ges balten wird; ein Lügner, wenn ihn der Pebrer längere Zeit fein Mißtrauen füblen läßt; ein Plauderer, wenn er in der Nähe des Lebrers oder zwischen rubigen und ernsten Kindern seinen Plaß erhält; ein Fauler, wenn er im Beisein des Lebrers nach der Schule seine Lection nachbolen und lernen muß. Ein widerspenstiger trobiger Schüler wird gewiß mit härteren Strafen zu züchtigen sein, und der Stod wird bei solden seine guten Dienste tbun. Nicht obne Nußen wird es sein, wenn ein Lehrer im Allgemeinen Veränderungen der Strafen eintreten läßt, er selbst aber dabei unveränderlich, fest und ents stieden bleibt, und allezeit seinen Ernst und Eifer gegen alles Böse zu erkennen gibt. In Bezug auf alle Arten der Strafen schließe ich mit den Worten eines Lebrers: Die liebe dictire, die Vorsicht regiere und die Würde bollführe dieselben. Nun ist freilich von der Theorie bis zur Praris ein weiter Weg. Man fann Vieles wissen, aber was die Ausführung dess selben betrifft, wird noch Manches zu wünschen übrig bleiben. Ich werde daher mit wenigen Worten noch versuchen zu zeigen :

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Wie lernt man die rechte christliche Zucht üben? Ein Hauptbinderniß, zur rechten Uebung christlicher Zucht zu gelangen, ist der Gedanke, daß man es wohl verstehe, und daß man sich selbst zu viel zutraut. Daber möchte ich zuerst die Warnung des Apostels vorausschiden: „Haltet Euch nicht selbst für flug.“ Diejenigen, welche meinen, sie haben die rechte Zucht schon üben gelernt, die wissen nicht, was sie sagen, und haben ges wiß den rechten Begriff von christlicher Zucht noch nicht gefaßt, noch weniger

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