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Die Lehrartikel der Augsburgischen Confeffion. .

(Borgetragen im Soulseminar zu Addison, 30., von 6. A. I. Selle.)

Artikel 19. Bon der Ursache der Sünden.
(Bergl. S. 211 f. 504 ff. 634 ff. 700. Müller: S. 219 f. 553 ff. 704 ff. 781.)
Der Inbalt dieses Artifele ist kurz folgender:
Die Ursache der Sünde ist

1. nicht Gott, sondern
2. der vertebrie Wille

8. Der Teufels

b. aller Menschen. Ad 1. Es folgt der Artifel von der Ursache der Sünde deshalb auf den vom freien Willen, weil man leicht auf den gotteslästerlichen Gedanken kommen kann, ob nicht etwa die Unfreiheit des menschlichen Willens und seine Untüdtigkeit in göttlichen und geistlichen Dingen, wie sie der 18. Artikel bezeugt, daber tomme, daß Gott den Menschen also erschaffen babe. Wäre dies nun aber so, so wäre ja Gott die Ursache sowohl der Sünde als auch der auf diese gehörenden und folgenden Verdammniß. Um diesem greulichen Frrthum vorzubeugen, wird nun bier gesagt, „daß, wiewohl Gott der Allmächtige die ganze Natur geschaffen bat und erhält, so wirfet doch der vertebrte Wille die Sünde" 2. Wenn es hier beißt, daß Gott die ganze Natur geschaffen habe und erhalte, so you damit nicht sowohl Gott als Schöpfer bekannt, als vielmehr, wie das aus den Worten „wiewohl" und lo" und aus der authentisben Erklärung durch die Apologie hervorgebt, das bezeugt werden, daß Gott nicht eine Ursache der Sünde" sei. Es ist hier also der Gegensaß von Natur und Sünde zu betonen. Die Natur bat ihren Ursprung von Gott, deshalb ist sie an sich gut und beilig; die Sünde aber ist etwas Hinzugekommenes, das nicht zum Wesen der Natur gebört. (S. Art. 2.) So wenig der Schimmel, der sich an das Brod leß

und es ganz verdirbt, zum Brod gehört, so wenig gebört die Sünde zur Natur des Menschen. Von dem heiligen Gott fann ja feine Sünde fommen. Von Ihm heißt es Pf. 5, 5.: ,,Du bist nicht ein Gott, dem gottlos Wesen gefällt.“ Darum auch: „Niemand sage, wenn er versucht wird, daß er von Gott versucht werde. Denn Gott ist nicht ein Versucher zum Bösen. Er versucht Niemand." (Jac. 1, 13.)

Ad 2. Wäbrend die Seligkeit, wie im 18. Artikel gezeigt worden, allein von Gott fommt, kommt die Berdammniß zunädst von dem, der die Sünde in die Welt eingeführt hat: som I eu fel. Hierfür beruft fich der Artifel auf Christi Wort 306. 8, 44.: ,,Derselbige" - nämlich der Teufel – vist in Möri von Anfang. Wenn er die Lügen redet, so redet er von feinem Eigenen." So heißt es aus 1 Job. 3, 8.: ,,Wer Sünde tout, der ist vom Teufel; der Teufel sündiget von Anfang." – Tie zweite Urjade der Sünden ist der Men den verkehrter wille, wie der aller Gottlosen". Hol. 13, 9. sagt Gott: „Israel, du bringest dich in's Unglüď; denn dein Heil stehet allein bei mir“, während die Vernunft es gerne geradezu umfebren möchte.

Hier ist besonders auch in's Auge zu fassen die scheueliche Lebre der Calvinisten von der Gnadenwahl (Prädestinationelebre). Nad derselben foul Gott von Ewigfelt ber den größten Theil der Menschen unbedingt zur Berdammniß bestimmt und erwählt haben. Aus diesem Lebríaß folgt mit Nothwendigkeit, daß Gott die von 3hm zur Berbammniß angeblid erwählten und verordneten Menschen auch zur Ursache der Verdammniß, d. i. zur Sünde erwählt, verordnet und geschaffen babe. Zwar übergeben einige der reformirten Bekenntnisse diese Solußfolgerung ganz, ja einige derselben lebnen fie fogar entschieden ab; indessen desto bestimmter wird fie gezogen und ausgesprochen von den reformirten Dogmatifern, mit Zwingli und Calvin an der Spiße. (S. Populäre Symbolit von Günther, Seite 91 f.) Welche Gotteslästerung! – Der foredliche Irrthum von der Erwählung zur Verdammniß wird auch sonderlich von den älteren reformirten Dogma. tifern so scharf betont, daß sie wohl sagen, wenn ein Mensch aud von Kindbeit auf ein gottseliges Leben geführt babe und sein lektes Wort ein Seufzer zu Gott um Gnade um Christi willen wäre, so müßte noch im leßten Augenblid der Glaube erlöschen und der Mensch verdammt werden, falls er zu den zur Verdammniß Erwählten gehöre, wäbrend dagegen ein zur Seligkeit Erwählter nicht allein sein ganzes versloffenes Leben in allen Sündengreueln zugebracht haben möge, sondern auch sein lebtes Wort ein Fluch oder eine Gotteslästerung sein fönne: Gott gebe ihm dann noch im lebten Momente den Glauben und er werde selig. Freilich widersprechen sich hierbei die Calvinisten selbst, wenn sie, wie es von vielen geschieht, doch auch wieder be haupten, daß ein wirklich gläubiger, befehrter Christ nie mebr abfallen fönne. Nicht auszusagen ist es, welchen entseßlichen Schaden die calvinistische Gnadenwahllehre schon angerichtet hat: wie viele schon wabnsinnig darüber geworden wie viele fich in der Berzweiflung wegen derselben selbst das Leben genommen, – wie viele sie schon in die Hölle gestürzt hat. Damit wir nun vor diesem greulichen Irrthum bewahrt bleiben, müssen wir den Unterschied wohl merken und festhalten zwischen der „Vorsebung“ (bier gleich Vorhersebung) Goties und der Gnadenwahl. Nach der Vorsehung weiß Gott alle Dinge von Ewigkeit ber zuvor, also auch wer selig und wer verdammt wird; in Betreff der Wahl aber gibt es nach der Scbrift nur eine, die auch wirklich eine Gnaden wahl ist: die Wahl zur Seligkeit, und zwar um Christi willen, derer, die an Christum glauben und bis an’s Ende im Glauben verbarren. Unsere Seligkeit steht allerdings allein in Gottes Wahl, die von Ewigkeit getroffen ist, wie es 3. B. Röm. 9, 16. beißt: „So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen" und Eph. 1, 4.: „Wie Er uns denn erwählet hat durch denselbigen (Christum), ebe der Welt Grund gelegt war." Christus ist das Buch des Lebens; wer in dem gesdrieben stebet, der ist ein seliges Kind Gottes. In diesem Buche des Lebens sind aber alle, die an Ihn glauben. „Von diesem (Christo) zeugen alle Propbeten, daß durch Seinen Namen alle, die an 3bn glauben, Bergebung der Sünden empfaben sollen." (Apoft. Gesch. 10, 43.) „Alio bat Gott die Welt geliebet, daß Er Seinen eingebornen Sohn gab, auf daß alle, die an Ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben baben.“ (Joh.3, 16.) „Wer aber beharret bis an's Ende, der wird selig." (Matth. 24, 13.) — Von einer Wahl zur Verdammniß reden, ist eben so widersinnig als gotteslästerlich, ta alle Meniden ja schon von Natur nach der Erbsünde unter dem Urtheil der Berdammniß sind. Daß aber die meisten Mensten unter demselben bleiben, ist ibre eigene Schuld: ,,Israel, du bringest did in's Unglüd." (Hoi. 13, 9.) Gott ruft alle Menschen zur Buße und will sie selig maden. ,,So wabr, als ich lebe, spricht der HErr HErr, ich Þabe feinen Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern daß fich der Gottlose belebre von seinem Wesen, und lebe." (Hof. 33, 11.) „Der HErr ... will nidt, daß jemand verloren werde, sondern daßlich jedermann zur Buße febre." (2 Petr. 3, 9.) – Die Gewißbeit, zur Seligkeit erwählt zu sein, ist Sade des Glaubens, vom Heiligen Geiste im Herzen gewirft. Sie macht den Gläubigen feineswegs sicher, da er weiß, daß nur selig wird, wer bis an's Ende im Glauben bebarret. Die Glaubensfreudigkeit, daß ich erwählet bin, gründet sich auf Gottes Treue, daß er mich, dem Er den HErrn Christum geldenft, dem Er Sein Wort gegeben, in dem er den wabren Glauben ye. wirfet bat, dem Er diesen Glauben auch im Herzen versiegelt, nicht wird versuchen lassen über mein Vermögen, sondern machen, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ich es könne ertragen. (1 Cor. 10, 13.) Christus spricht von Seinen Schafen: „Niemand wird sie Mir aus Meiner Hand reißen.“ (Job. 10, 28.) D, was sind wir Christen für selige Leute, und wie fönnen und sollen wir doch alles in der Welt für Roth halten gegen der überstwänglichen Klarbeit und Herrlichkeit in Christo, unserm HErrn! Wer aber nodo zweifelt, ob er erwählet rei, der soll ja nicht foriden wollen in dem heimlichen verborgenen Willen Gottes, sondern in dem geoffenbarten Willen, und nur darauf reben, daß er in Christo erfunden werde und bleibe.

Artikel 20. Bom Glauben und guten Werken.

(Bergleide S. 212 ff. - Müder: S. 220 ff.)
Dieser Artikel zerfädt in drei Haupttheile. Diese sind:
I. die Einleitung, worin anwegeben wird:

a. die Veranlassung zur Berabfassung dieses Artifels;
b. der Nußen, den unsere betreffende lebre den Widersadern

gebradt bat:
1. fie rübmen ihre unnöthigen Werte nicht mehr so body, wie

por Zeiten;

2. sie haben nun auch vom Glauben reden gelernt;
II, die Abhandlung. Sie enthält folgende Punkte:
a. Gott versöhnen und Gnade erwerben fließt nicht aus unsern

Werken, sondern allein aus dem Glauben;
b. die Nothwendigkeit unserer Pebre vom Glauben;
c. die Beschaffen beit des wahren Glaubens;

d. tie Nothwendigkeit der Werfe;
III. der Schluß: unsere Lehre vom Glauben ist nicht zu schelten,

sondern zu rühmen. Ad 1. a. Die Beranlaffung zur Berabfassung dieses Artifele gibt er an mit den Worten: ,,Den Unsern wird mit Unrecht aufgelegt, daß fie gute Werke verbieten.“ Es ist dies dasselbe Geschrei, was die Papisten noch fort und fort wider uns anstimmen. Weil wir lehren, daß der Glaube allein gerecht mache und daß auch der größte Sünder selig werden kann und gew iß selig wird, wenn er Christum im Glauben ergreift, so sagen die blinden Papisten: Die Lutheraner halten gar nichts von guten Werken. In dass selbe Geschrei stimmen Schwärmer und offenbare Weltmenschen ein.

So bestätigt fich auch hier, und bier ganz besondere, luther's Ausspruch, daß alle Feinde des reinen Wortes seien wie Simson's an den Sowänzen zu. sammengebundene Füchse. — Um die falsche Beschuldigung der Papisten x. abzuweisen, verweist unser Artifel zunädst auf die Schriften der Unsern: „denn ihre Schriften von zehn Geboten und andere beweisen, daß fie von rechten christlichen Ständen und Werten guten nüßlichen Bericht und Ers mabnung gethan baben ." Mögen wir aber nun don über dreibundert Jahre unseren Gegnern gesagt haben: Steđt doch eure Nasen in unsere Bücher und lebt, was wir lebren, ja, schaut in unsere geförderteren Gemeinten, wie da aud Zucht geübt wird: – sie wollen nicht sehen, und fahren fort, fahren muthwillens fort in ihrem Geschrei wider uns. Gerade bei uns wird von den wabrbaft guten Werken gelehrt, während von den Gegnern ,,allermeist in allen Predigten auf findische, unnöthige Werte ... getrieben wird". Nicht allein vor und zu Luther'e Zeit wurde von den Papisten gar wenig gelehrt von solchen Werfen, die Gott geboten bat, desto mehr aber von elenden Menschensaßungen; jondern so steht es bei ihnen und anderen unserer Gegner vielfach, wenn auch nicht ganz in gleichem Maße, jeßt noch.

Ad I. b. Unsere Lebre bat den Widersachern selbst Nußen gebradt; denn 1.: ,,Solde unnöthige Werfe rühmet aud unser Widerpart nun nicht mehr so boc als vorzeiten“, so daß daneben doch jeßt auch etwas von den jebn Geboten Gottes gelehrt wird, was früber nur mebr ausnahmsweise geidab; und 2.: ,,dazu haben sie a u ch gelernet, nun vom Glauben zu reden, davon sie doch in Borzeiten gar nichts geprediget baben; lebren dennoch nun, daß wir nicht allein aus Werfen gerecht werden vor Gott, sondern sepen den Glauben an Christum darzu, sprechen, Glaube und Werk machen uns gerecht vor Gott." Dies ist ja freilich immer noch die schändlichste Verleugnung Chrifti. Wenn aber unsere Bäter in dieser Pebre etwas Besseres leben, als in der früberen der Papisten, so hat dies seinen Grund darin, daß es jeßt dod einem armen Sünder in der römischen Kirche eber möglich ist, selig zu werden, sofern, wenn er nun an allen seinen eigenen Werfen verzweifeln muß, er doch wenigstens gehört hat vom Glauben, und deshalb nun der Heilige Geist Raum gewinnen mag, daß ein solcher Sünder, wenn auch vielleicht erst auf seinem Sterbebette, sich ganz seinem Heilande zuwende und so selig werde. Darum beißt es bier von der betreffenden papistischen Lebre: ,,welche Rede mehr Trostes bringen möge, denn so man allein lebret auf Werke zu pertrauen".

Ad II. a. Hier wird wieder zunächst bezeugt, „Daß uns unsere Werke nicht mögen mit Gott versöhnen und Gnade erwerben, sondern solches geidieht allein durch den Glauben 2c.“ „Wer nun vermeinet, solches durch Werte auszurichten und Gnade zu verdienen, der verachtet Christum, und judet einen eigenen Weg zu Gott wider das Evangelium"; denn es bleibet bei Christi Wort, das er von sich sagt Job. 14, 6.: „Ich bin der Weg, und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, denn durd mich." — Als Schriftbeweis dafür, daß Gott versöhnen und Gnade erwerben allein aus dem Glauben fließt, bringt der Artikel Epb. 2, 8. 9.: „Aus Gnade seid ihr selig worden durch den Glauben; und dasselbige nicht aus eudy, Gottes Gabe ist es ; nidot aus den Werken, auf daß sich nicht jemand rüb me“, und beruft sich dafür dann auch noch auf Augustin.

Ad II. b. Die Nothwendigkeit unserer Lehre vom Glauben führt uns der Artikel vor mit den Worten: „Wiewohl nun diese Lebre bei unversuchten Leuten sebr verachtet wird, so befindet sich doch, daß sie den blöden und eridrodenen Gewissen febr tröstlich und beilsam ist, denn dae Gewissen fann nicht zu Friede und Rube to in men durch Werfe, sondern allein durd den Glauben, fo es bei fid gewißlich schleußt, daß es um Christus willen einen gnädigen Gott babe." Beweis: Röm. 5, 1.: ,, Nun wir denn sind gerecht worden durch den Glauben, so haben wir Friede mit

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