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Gott durch unsern HErrn Jesum Christ“, - und die Erfahrung der armen Gewiffen im Papsttbum, die man auf eigene Werfe getrieben und die dadurch nicht zum Frieden gekommen sind.

Ad II. c. Die Beschaffenbeit des wabren Glaubene. Unsere Widers facher, die Papisten, sagen, der Glaube, den Gottes Wort fordere, sei nur der historische Glaube. Dagegen sagen nun unsere Väter hier: „Es gesdiebt auch Unterricht, daß man bie nicht von solchem Glauben redet, den auch die Teufel und Gottlosen haben, die auch die Historien glauben, daß Obristus gelitten habe und auferstanten sei von den Todten; sondern man redet vom w abren Glauben, der da glaubet, daß wir durch Cbriftum Gnade und Vergebung der Sünde erlangen, und der nun weiß, daß er einen gnädigen Gott durch Christum bat“ ac. Schriftbeweis: Hebr. 11, 1.: ,,Es ist aber der Glaube eine gewisse Z uversicht deß, das man hoffet, und nicht zweifeln an tem, das man nicht fiebet", und Berufung auf Augustin, ,,ber uns auch erinnert, daß wir das Wort,Glauben' in der Schrift versteben sollen, daß es heise zuversicht zu Gott, daß er ung gnädig sei, und beiße nicht allein solche Historien wissen, wie auch die Teufel wissen."

Ad II. d. Die Nothwendigfeit der guten Werfe. Davon sagt unser Artifel, ,,daß gute Werke sollen und müssen gescheben, nicht daß man darauf vertraue, Gnade damit zu verdienen, sondern um Gottes willen, und Gott zu lobe.“ (Siebe Art. 6.) „Der Glaube ergreift allezeit allein Gnade und Vergebung der Sünden.“ Gott fordert die Werke in Seinem Gefeß. Wir unterscheiden nun einen dreifaden Gebrauch des Gesebes: 1. es ist ein Riegel für die Unwiedergebornen, weil sie durch dasselbe äußerlid etlidermaßen im Zaum gebalten werden, indem sie sich fürchten vor der strafenden Gewalt der Obrigkeit 2c. und vor der Hölle. 2. soll das Gefeß dem Menschen zum Spiegel dienen, indem sie daraus sich in ihrem Sündenelende erkennen lernen, ohne welche Erkenntniß sie ja nimmermehr Christum im Evangelio ergreifen fönnen. „Durch das Gesep kommt Erkenntniß der Sünde.“ (Röm. 3, 20.) Dies ist nach dem Sündenfall der rechte Hauptzwed des Gefeßes, also ein Zuchtmeister bis auf Christum zu sein. (Gal. 3, 24.) 3. aber ist das Gefeß auch eine Regel für die Wiedergeborenen, daß sie nach demselben als ihrer Ridhtonur ihr Leben anstellen zu lob und Preis ibres gnädigen Gottes. Mit diesem leßterwähnten Brauch des beiligen Geiepes Gottes baben wir es hier zu thun. Die Wiedergeborenen sind nicht mebr unter dem Gesek (Gal. 5, 18.), d. b. sie sind frei von seinem Zwange und Fluce; aber sie leben im Geseß, d. b. fte richten nach alle ihrem Vermögen ihr Leben nach dem ewigen unabänderlichen Willen Gottes, wie er im Gesets auøgesprochen ist, aus liebe zu Ihm und Ihm zu Ebren. Das Bermögen, gute Werfe thun zu fönnen, baben wir aber auch allein durch den Glauben. ,,Dieweil durch den Glauben der Heilige Geist gegeben wird, so wird aud das Herz geschidt, gute Werte zu thun." Daß das Herz „juvor, dieweil es ohne den Heiligen Geist ist", zu schwach zu guten Werken sei, zeigt sich bei den Philosophen und bei allen Menschen, so außer dem rechten Glauben ohne den Heiligen Geist" sind, die in viele große öffentliche Sünde gefallen.

Ad III. Soluß. Dieser fehrt wieder zurüd zum Ausgangspunkt des Artifele und hebt bervor, daß unsere „lebre vom Glauben nicht zu schele ten" lei, „daß fie gute Werke verbiete, sondern vielmehr zu rühmen, daß fie 1. lebre gute Werfe zu thun und 2. Hülfe anbiete, wie man zu guten Werfen fommen möge." In lekterer Beziehung sollen wir wohl beberzigen Christi Wort Job. 15, 5.: „Ohne mich fönnt ihr nicts thun.“ - Dieweil nun Gott uns Lutheraner vor allen andern Christen durch die reine Lebre gesegnet hat, so sollten wir auch billig die Eifrigsten sein, Ihn durch gute Werke, ia durch unser ganzes Leben zu loben und zu preisen, und ung zwiefach vor Sünden hüten, eingedent des Wortes: „Welchem viel gee geben ist, bei dem wird man viel suchen; und welchem viel befohlen ist, von dem wird man viel fordern." (Luc. 12, 48.)

(Eingesandt.)
Zu Seite 213 (Juli: Nummer).

in der auf mein ,,Eingesandt erfolgten „Entgegnung" wird mit aller Bestimmtheit vorausgeseßt. daß jeder, der den Wortlaut der Zinn'schen Methode eingebend mit meinen an ibr gemachten Ausstellungen vergleicht, finden wird, daß leßtere unbaltbar sind. Diese Vorausseßung ist gewiß eine febr gewagte; denn eine allseitige Uebereinstimmung mit obigem Urtheil ist nicht gut möglich. Es steht doch erfahrungsmäßig fest, daß die Ansichten und Meinungen über ein und dieselbe Arbeit stets sebr verschieden find; warum nicht auch hier? Die „Entgegnung“ selbst wird von verschiedenen Seiten sicherlich verichieden beurtheilt werden, das reße ich voraus; nicht aber, daß jeder aufmerksame und vorurtbeiløfreie Leser mit mir darin übereinstimmt, daß dieselbe die Unbaltbarkeit meiner Ausstellungen durch uns richtige Darstellungen nachzuweisen versucht bat. Unrichtig ist die Bes bauptung, ich bätte mid gegen die Verwendung der Striche beim Rechnen erflärt und Striche selbst als etwas Abstractes bezeichnet. Strice lind Andauungemittel, und zwar fünstliche; aber deshalb gewiß ebenso concret wie natürliche. Sind erstere auch in der Zinn'schen Methode in einzelnen Fällen zur Anwendung gebracht, so ist das Rechnen im Ganzen doch ein ,, abstractes", ein Reconen mit „reinen" Zahlen. Wenn Jemand dies darin nicht findet und die genannte Methode als einen genügenden Anschauungsunterricht an. erkennt, so habe ich dagegen nichts einzuwenden; nur trete ich der Ansicht nicht bei, sondern behaupte nochmals: „die Methode bietet feinen genügenden Ansbauungsunterridt; denn erstens geht sie nicht stets von der concreten Einheit aus, und zweitens bleibt sie durchweg ein Rechnen mit reinen Zahlen.

Ueber die Möglido feit, daß ein von dieser Einheit ausgebendes Rechnen, wenn es auch nur Striche als Anschauungsmittel bat, die Kinder nicht zum Fernen, Schweren und Unbefannten führen, und daß ein Lebrer, der beute Striche gebraudt, nicht auch morgen andere Gegenstände als Anschauungsmittel berangieben, selbst der Weg zum Unbekannten -- wie in ter Zinn'iden Methode wabrscheinlich febr lange -, offen bleiben kann, war ich nie im Zweifel. Wo ich derselben Austrud gegeben haben soll, ist mir deshalb auch nicht bekannt.

Um nochmaligen Mißverständnissen vorzubeugen, will ich durd nach stebenres praktische Beispiel meine Bebauptung näber begründen. Ein Lebrer ist ganz des lobes vol über die Methode seines anschaulichen Rechnens. Auf meinen Wunsch, mich mit derselben auf praftisdem Wege befannt zu maden, hält er eine Rechenstunde, welche damit beginnt, daß die Kinder von 1-20 vorwärts und rüdwärts zählen, dann überspringen und verdoppeln. Nad Beendigung dieser Uebungen fragt er mich: Nun, wie gefällt Dir mein anschauliches Rechnen? Antworte ich ibm: Mein lieber College, ich habe in Deinem Rechnen nichts Anschauliches geseben; so entgegnet er einfach: ,,Dein Vorwurf ist ungerechtfertigt!" Sit er died? 30 meine, nein! Sit er's für dieses Rechnen nicht, so auch für die Zinn'sche Methode nicht, weil sie dasselbe Verfahren beobachtet.

In der nächsten Stunde macht der liebe College den Kindern durdo Striche klar, wie man, um zwei Zahlen (6+7=13), von denen die eine um eine Eins größer ist, zusammenzuzählen, die kleinere verdoppelt und die er. haltene Summe um Eins vermehrt wird. Darauf läßt er mehre Operationen mit „reinen“ Zahlen nach erhaltenem Schema ausführen. Ist jeßt vielleicht das Princip des auf Anschauung gegründeten Rechnens zur Ausführung gebracht? Nein! Wenn auch einerseits das Zwedmäßige des obigen Vers fabrens für die Erkenntniß der Zablenverbältnisse zugestanden werden muß, so ist doch andererseits nicht in Abrede zu stellen, daß dasselbe nur die abs stracte Zahl-Größe als concrete Zabl bie und da mit der Anschauung des Kindes vermittelt, dabei den aritbmetischen Stoff als praftides Rednen nicht entwidelt, auch nicht die Notwendigkeit einer ftrengen Auf einanderfolge des Rechenstoffes geltend macht und darum den Grundfäßen des oben erwähnten Rechnens dadurch keineswegs näber getreten ist. Db nun diese bier ausgesprochenen Grundfäße im Allgemeinen maßs gebend sind, darum handelte es sich in meiner frühern Arbeit gar nicht, sondern lediglich nur darum, daß sie dies der Zinn'schen Methode gegenüber find. Damit bleibt es ja jedem Lebrer überlassen, zu prüfen und das Beste für seine Scule beraus zunehmen. Da finden wir z. B. in der „Entgegnung" einen Grundsaß: ,,Dem Kinde soll von Anfang an ein möglidit deut. licher Zahlenbegriff vermittelt werden“, welder wohl zu beachten und allen Lehrern nicht genug empfohlen werden kann. Die Theorie zeigt uns die Grundbedingung des Rechnens. Jeder weiß nun, worauf es beim ersten Redenunterridt bauptsächlid anfommt. Die Praxis legt die Frage vor: „Wie vermittelt man denn den möglichst deutlichen Zablenbegriff? Welcher Weg ist bier bei einzuschlagen? Womit beginnt der Redenunterricht, um die bier gestellte Aufgabe zu lösen?" Ale Antwort hierauf wird und die von Herrn Zinn dargebotene Methode empfohlen, da dieselbe nach Ansicht des Herrn H. ein genügender Anschauungsunterridet ist. Womit beginnt denn diese den Rechenunterricht? Wie wir gesehen, damit, daß sie die Kinder von 1- 20 vorwärts und rüđwärts zählen läßt. Wil man durch diese Uebung, weil das Kind nur wenig oder gar keinen Zahlenbegriff mit in die Schule bringt, der Kreiß seiner Vors stellungen ein nur enger ist, den Zahlenbegriff vermitteln, den engen Kreis seiner Vorstellungen erweitern? Glaubt man, Beides sei erreicht, wenn die Kenntniß der Zahlen im bezeichneten Zahlenraum erlangt ist, das Kind mehr Namen von Zahlen auswendig kann, als früber, so hat man eine viel zu hobe Meinung von solchen Uebungen. Man erreicht mit ihnen das nicht, was man will. Durch ein zählen im begrenzten Zablenraum, und ist er auch so klein wie hier, erlangt das Kind keinen deutlichen Begriff irgend einer Zabl, weil es weder die Bedeutung der Worte eins, zwei oder zwanzig fennen lernt, noch eine richtige Vorstellung von der Größe dieser Zablen erlangt, noch mit dem Inhalt der Zahlen befannt wird. Es bleibt über das Erlernte vollständig im Unklaren, weil seine Thätigkeit, anstatt eine bewußte, eine rein mechanische ist. Sie ist es eben deshalb, weil die Bes griffe der Kinder vielfach verworren, unvollständig und irrig sind, der Kreis ihrer Borstellungen ein enger ist, und weil man ihnen eine Menge von Zablen vorführt, von denen ihr findlicher Geist sich gar keine richtige Vorstellung maden fann. Wer da meint, dem Kinde einen deutlichen Zahlenbegriff dadurch zu vermitteln, wenn er die Zahlen von 1- 20 mechanisch so lange nadspreden läßt, bis es die Reibe gut aufwendig und ohne Hilfe des Pebrero bersagen tann, der befindet sich auf dem Holzwege. Das Hersagen von ganzen Reihen ist nicht zweđentsprechend. Wäre es dies im Rechnen, dann auch in allen Unterrichtsfächern, und der Lehrer brauchte nur auswendig lernen zu lassen, um den Begriff zu vermitteln; die Wort- und Sacherklärungen fönnten dann überall fortfallen. Solche Schlußfolge will herr 5. felbst nicht; er ist nur der Meinung, im Rechnen sei das Zählen bis zu einer gewiffen Höhe der richtige Weg zur Erreichung des in Rede stebenden Zwede. Der auf Ansdauung gegründete Rechenunterricht, welcher denselben Zwed verfolgt, verwirft aber das Zäblen bis zu einer gewissen Höhe. Er läßt das Kind nicht erst zählen und dann rechnen, sondern zählen und rechnen zugleich. Der Inhalt der Zahl ist Hauptsade, der Name Nebensade. Würden wir z. B. von dem Lehrer, der dem Anfänger in der Botanik heute die Wurzel einer Pflanze, morgen den Stengel, übermorgen die Blätter u. vorzeigt, und diese Merkmale einzeln an verschiedenen Pflanzen vorführt, sagen können, er babe demselben einen deutlichen Begriff von der Pflanze vermittelt? Der Lebrer in der Formlehre, hat er vielleicht den richtigen Begriff eines Körper vermittelt, wenn er nur ein Merkmal, z. B. Fläde, an demselben betrachten läßt und dasselbe Merkmal an verschiedenen Rörpern zeigt? Wäre es nidt richtiger, die verschiedenen Merkmale an dem einen Körper betrachten zu lassen? Wie das Rind hier einen Gegenstand nicht kennen lernt, wenn es nach einem Merkmale verschiedene Dinge anschaut, sondern, wenn es den einen Gegenstand nach seinen versiedenen Merkmalen betrachtet: so lernt es auch die Zahl nicht fennen, wenn es erst verschiedene Namen von Zahlen der Reibe nach bersagen, also erst längere Zeit zäblen und dann rechnen lernt.

Im Anschauungsunterricht besteht die Vermittelung des Zahlenbegriffe einfach darin, daß er eine Zahl erst an concreten Gegenständen ansdauen und dann mit derselben rechnen läßt, das Erkannte auf's praktische Leben zur Anwendung bringt und darauf bält, daß das Kind dasselbe in volle ständigen Säßen laut und deutlich ausspricht. Jede neue Zahl wird mit den ibr vorangegangenen verglichen und gemessen. Bei der Zahl ,,Eing" als dem absoluten Maße, das sich nur selbst zum Maße hat, kann von einem Messen und Vergleichen selbstverständlich feine Rede sein. Der Shüler bat hier nur den abstracten Begriff der Einbeit zu sehen, d. h. an einem Dinge concret zu machen, wodurch sowohl das „benannte“, wie auch das „anges wandte“ Rechnen geübt wird. Leßteres Rechnen muß überall dem reinen Zahlenverhältniß gegenübertreten, um so das praktische Reconen erkennen und behandeln zu lehren. Auf diesem Wege schreitet dog Neď nen lüden108, eine strenge Aufeinanderfolge beobachtend, fort.

Daß diese Grundsäße des anschaulichen Rechnend nicht ganz so unmaßgebend find, wie die „Entgegnung“ in ihrem Anfang behauptet, erfennt fie später in folgendem Saße an: ,,Das Erlernte auf das praktische Leben anzuwenden, soll der Lebrer nicht ganz außer Augen lassen." Hieraus gebt unbedingt hervor, daß Herr H. diese Anwendung nicht für so überflüssig bält, wie Herr Zinn, sondern für etwas Nüßliches anerkennt. Dafür halte ice es ganz besonders, darum stelle ich diese nüßliche Seite des Rechneng der andern: ,,Uebungen in reinen Zablen", als gleich berechtigt gegenüber. Sie ist für mich fein Nebending, welches man nach Belieben in die Ede stellt und zu einer Ertraanregung, wenn der Lebrer fich einmal so ertra dazu angeregt fühlt, ans Tageslicht zieht und bie und da in die Rechenstunde bineins streut. Dabei kommt mir der Lehrer wie eine Hausfrau vor, die an Wochentagen nur Salz in die Suppe ftreut; aber an Sonntagen durd Ertragewürze der Familie etwas zu gute thun will.

Auf den Vorwurf, ich sei gegen Ertraanregungen im Rechnen, made ich mich gefaßt; desbalb will ich demselben hiermit sogleich begegnen. Aufgaben zur Aufmunterung der Kinder sollen gegeben werden, dafür bin ich; Doch die in der „Entgegnung“ getroffene Auswahl halte ich bierfür insofern nicht geeignet, als Erempel, welche nur bie und da als Nebendinge in die Rechenstunde hineingestreut werden, die Kinder aus dem Grunde wenig oder

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