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Uebelständen. Wer weiß, ob nicht einmal rein Nachfolger in gleicher, vielleicht not bittrerer Weise über deine Thätigkeit urtheilen wird! Auch der Mutblosigkeit und dem Ueberdruffe am Berufe sich binzugeben, ist in solchem Fade zum alerwenigsten Sache eines Cbriften. Da wird vielmehr Demutb, Geduld und Treue von uns gefordert. Es treibt zum Gebet, zum ernstlichen und anbaltenden Gebet für den Pebrer und die Kinder. Auf dem Boden Des natürlichen Herzeno wadsen freilich diese Tugenden nicht; daber fragt es sich besonders auch unsern ,, Nichtefönnern" gegenüber : wie stehen wir zu unserem HErrn und Meister, der uns ja in allem ein Vorbild gegeben bat, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußstapfen? Achten wir es nämlich für eine Gnade, daß er ung in einen Kreis von Kindern hineingestellt bat? Halten wir's für reinen Zufall oder für Gottes Fügung, daß wir gerade in dieser Gemeinde, an dieser Schule und an diesen Kindern zu arbeiten berufen find? Es ist eine naheliegende und unumstößliche Wahrheit: je nachdem ich meinen Beruf auffalse, je nachdem erfülle ich ibn aud. Fasse ich ihn vom driftlichen Standpunkt auf, jo ist mir alles daran, auch die „Nichio. könner", sehr wichtig. Und find nicht gerade sie der besonderen Pflege und Aufmerksamkeit von Seiten des Lehrers am meisten bedürftig? Sind sie uns nicht ebenso übergeben und anvertraut, wie die Begabten? Haben wir nicht bäufig an ihnen bereinzubolen, wae leichtsinnige oder nachlässige Eltern zu Hause versäumen? Bedürfen solche armen Nachzügler nicht vor andern der tragenden Liebe und anerkennenden Theilnahme des Lebrers als eines Spornes zu erneuter Anstrengung? Freilich maiten fie's einem manchmal recht schwer, stellen sich den Fortschritten der ganzen Klasse oft plößlich quer in den Weg und lassen manchen Tagesplan des Lebrers an ihren barten Köpfen scheitern. Wir haben z. B. eine lesestunde und freuen uns im Stillen schon, wenn alles ordentlich vorwärts gebt. Da fommt plößlich alles in's Stoden. Es ist die Reibe an einen „Nichtøfönner“ gekommen, der an jedem Wort beruin. stottert und noch nicht einmal alle berausbringen fann. Und doch soll und muß auch er lesen lernen und es bleibt dem Lehrer nichts übrig, als immer und immer wieder an ihn zu fommen und ihm zu belfen, bis er endlich ordentlich mit der Klasse fortkommen, wenn auch nur forthinfen fann. Das find Geduldop roben, die sich in den übrigen Schuldisciplinen wiederbolen, und die dem alten Menschen oftmals gar webe thun, und aber gewiß nur heilsam find. Und wie die Arbeit an Kinderseelen schon mit einem Engelsdienst verglichen wurde, so möchte ich die liebevolle, treue vingebung des Lebrers an die Schwachen in besonderem Sinne so bezeichnen.

Aber billig und mit allem Recht fragen wir uns: 10bnt es ich denn a u do wirklich, wenn wir den Schwachen mehr Zeit und M übe widmen als den Starlen? Oder ist dies nicht vielleicht ein Unrecht gegen die Fähigeren und veranlaßt diese zu Zerstreutheit und Unaufmerksam. keit? Nun, Zeit und Mühe darf uns nicht reuen, wenn wir auch nur einem Kinde, das vielleicht vor lauter Nicløfönnerei den Muth und die Freude für

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die Schule gänzlich verloren batte, weiter geholfen haben. Und manchmal trifft man unter den Nichtsfönnern Kinder, welche nur noch nicht redt angefaßt wurden und denen das rechte Licht noch nicht aufging, die aber bei richtiger und sorgfältiger Behandlung bald aufwachen, vorwärts fommen und am Ende noch die Krüden wegwerfen, um allein vorwärts zu schreiten. Uebrigens wird fein vernünftiger Lebrer die Schwachen so weit als die Stars fen bringen wollen. Es genügt, wenn jene in allen Fädern nur das Noth. wendigste leisten, wenn sie nur immer beim Unterricht mitgenommen werden können und nicht sißen bleiben. — Namentlich gilt dies für die Elementarfoule. Hier muj auch auf das allersch wädiste Kind Rüdficht genommen werden, denn sonst muß dem Kinde gleich von Anfang an alle Lust und Liebe zur Schule verloren geben und die üblen Folgen, welche dies für die übrige Sulzeit des Kindes haben muß, sind leicht zu erratben. Also nur kein Rind ..stben lassen"!

Was aber die Rüdlicht auf die fähigeren Schüler anbetrifft, so gilt es allerdinge, daß der Lebrer einen Mittelweg finde zwisden Bernadlässigung des einen oder des andern Theile. Dazu gehört besonders, daß er in seiner Rüdjichtnabme auf die Schwaden wie auf die Starfen Maß balte, nicht bloß im Ganzen, sondern in jeder Stunde, und daß es mit der Soulzucht gut bestellt sei. Zudem fennen wir ja tas Wort des HErrn: „Wer da bittet, der nimmt, und wer da suchet, der findet“ (Luc. 11, 10.). Endlich dürfte zu beachten sein, welchen Einfluß die Bebandlung der ,,Nidtøfönner" auf den in der Soule vorwaltenden Geist hat. Wie viele Härte und Bitterfeit, ia Ungerechtigkeit, wie mande Ihräne und nod mehr würde in unsern Schulen nicht gebört oder geseben werden, wenn wir gerade für die Schwachen ein bobepriesterlides Herz bätten!

Schließlich sei noch darauf hingewiesen, daß der Lebrer auch für sich felbft einen großen Gewinn aus seinen ,,Nichtsfönnern" gieben fann. Unter der last, die sie für ihn find, wädet selne Kraft. Die besonderen Sowierigkeiten, die ihre Bebandlung mit sich bringt, führen ibn auf beson. dere Wege und besondere Erfahrungen, treiben ihn auch wohl mehr in's Studium der Pädagogik und Methodit binein, zu schweigen von dem inne. ren Gewinn, den jede Uebung in Geduld und Treue uns bringt.

Freilich ist diese Aufgabe nicht in einem Tage gelernt, sondern ist für den Lebrer eine Lebensaufgabe.

II. 3ch will nun versuchen, diejenigen Schüler, welche wir gewöhnlich mit dem Namen ,,Nichtefönner" bezeichnen, unter eine gewisse Ordnung zu bringen, und so beginne ich mit

1. Den moralischen Nichto fönnern. Wir finden unter unsern Shülern immer einzelne, welche äußerst selten zum Bollbringen des Guten auch wirklich bindurchdringen. Die Trägheit, der Leistfinn und die Flüchtig. feit üben ja befanntlich einen sold flimmen Einfluß aus, daß wohl mander eigentlich in die Sünde bineingetrieben wird. Hier muß nun durch Zucht

und Unterricht auf solche Sdüler ganz besonders eingewirft werden; dem leidtfinn muß der Lehrer mit allem Ernste webren, der Bosbeit und der Unart muß er mit aller Kraft und Macht entgegentreten, dem schwachen Willen muß er zur Kraft verhelfen, dem unser Wandelnden muß er beistehen, daß er nad und nach gewisse Tritte thue. Dies geschieht freilich nicht durch fortwäbrendes Tadeln und Rügen; nein, man muß oft auch eine That gelten lassen, troßdem, daß ihr nod mande Mängel und Fehler anbaften.

2. Die unbegabten und ich wach begabten Nichtsfönner. Der liebe Gott hat seine Gaben und Pfunde verschieden ausgetheilt und dem einen viel, dem andern nur wenige verlieben. In einer jeden Schule finden fide Kinder, teren geistige Anlagen nur äußerst schwad sind und die sich bei nabe von feiner Seite anfallen lassen. Soll man darum aber solche Rinder ignoriren? 3d fage nein, und erinnere nur daran, wie in den Anstalten für „sowadsinnige Kinder immer noch an enommen wird, daß die Kinder noch einen Grad von Bildungsfäbigkeit besißen. Ja, wer sdon Gelegenheit baite, dem Unterrichte solcher schwachsinnigen Kinder beizuwohnen, der wird mir beistimmen, wenn id behaupte, daß dieser Unterricht ungleich schwieriger ist und daß zebn Nichtsfönner leichter zu unterrichten sind als nur ein schwachsinniges Kind. Da beißt es eben nicht nachlassen"; und lehrt nicht die Erfahrung, daß auch in diesem Stüđe „Hoffnung nicht zu Schanden werden läßt"?

3. Die törperliche mangelhaft organisirten Rinder. Solcher trifft man beinahe in jeder Schule welche. Bald fehlte am Auge, bald am Obr, bald an der Zunge; das eine Rind stottert, ein anderes näselt, rin drittes spielt. Hier ist es nun Aufgabe dro Pebrers, genau zu erforschen, ob das Uebel ein angeborenes ist, oder ob dasselbe nicht von einer schlimmen Angewöhnung berrührt. Es wäre darum gewiß sebr zu empfehlen, wenn don bei der Sdulaufnabme der Lehrer fich mit den betreffenden Eltern in dieser Beziebung in's Vernehmen repte. Wie viel Mübe, Ausdauer und Geduld von Seiten des Lebrers erfordert wird, bio folche feblerbaften Ano gewöhnungen ausgerottet sind, weiß jeder wohl aus eigener Erfahrung. Wie mandes hätte in dieser Beziehung, wenn auch nicht gänzlich aufgeboben, so doch wenigstens verbessert werden können, denn: „steter Tropfen böhlt den Stein"!

4. Die Nichtetönner in einzelnen Fädern. Relanntlich find diejenigen Lebrer und Süler sebr felten, welche in allen Fächern gleich gut beídlagen find. Hier ist eine auffallende Berschiederbeit der geistigen Kräfte und Fäbigkeiten wahrzunehmen. Das eine Rind bat fein Zahlen-, das andere tein Wortgedächtniß; das eine rechnet gut, liegt und schreibt aber um so schlechter u. f. f. Hier ist nun darauf zu achten, daß alle guten Kräfte und Anlagen in den Scülern auf eine gleichmäßige Art geübt werden, daß namentlich nicht irgend ein Schulfach mit unverbältnißmäßigem Zeitaufwand und besonderer Borliebe betrieben werde. Die Volksschule hat den ganz bestimmten Charakter, daß sie feine Fac., sondern Elementarschule in ganz besonderem Sinne des Wortes ift, in welder jeder Anlage zu ihrem Rechte verbolfen werden solle. Darum müssen wir uns dagegen entschieden verwahren, wenn man in neuerer Zeit alles und jedes in der Volksschule ges lehrt und gelernt haben möchte. Es thut sebr notb, daran zu erinnern, was das Sprüchwort sagt: in omnibus aliquid, in toto nihil! und so weit muß es am Ende mit unserer Volksschule fommen, wenn ihr eigentlicher Charakter als , Elementarschule" nicht gewabrt wird.

5. Periodisde Nichtsfönner. Wer gewöhnt ist, treulich auf fich selber zu achten, der muß die Erfabrung machen, daß er nicht nur in Bezug auf förperliches Befinden, sondern auch im Wissen und Können gar manchem oft plößlichen Wechsel unterworfen ist. Heute fann und etwas ganz klar und verständlich sein, morgen vermögen wir es kaum zu fassen und was uns oft unverlierbar und unvergeßlich schien, dessen fönnen wir uns vielleicht schon nach Monaten nicht mehr erinnern. Dieser Uebelstand tritt auch bei den Kindern 'in febr auffallender Weise zu Tage. Wie mancher Schüler nimmt in irgend welcher Schuldisciplin einen erfreulichen Anlauf und erregt bei uns die freudigste Hoffnung, allein wie bald müssen wir die Erfahrung machen, daß — und gar oft plößlich alles wieder in's Gegentbeil umschlägt! Manchmal mögen förperliche Zu- und Umstände, bäusliche Ber. bältnisse, der Unterrichtegegenstand selbst und andere Dinge mehr einen Ein. fluß ausüben, immer freilich werden wir für solche Stillstände und Rüdgänge die eigentlichen Ursachen nicht erkennen können. Die Erfabrung lebrt, daß in solchen Fällen Strafen wenig Gutes ausrichten, daß es bier vielmehr ein um so gewissenbafteres Arbeiten erfordert, um alles wieder in'o rechte Fabrwasser zu bringen. Und da auch der fleißigste und ordentlichste Sdüler in eine solche schlimme Periode fallen fann, so ist wohl zu rathen, solche Schüler doch ja nicht aus dem Auge zu verlieren! Daß mancher Schüler zum Nidtsfönner werden kann, der es vielleicht am Anfang der Schulzeit nicht gewesen ift, lebrt die Erfahrung. Darum möchten wir es auch hier aussprechen, daß allzu frübe Aufnahme in die Schule nur vom Uebel sein muß. einer Elementarschule arbeitet, der fann alle Tage so recht deutlich erfahren, daß ,,Berstand nicht vor den Jabren fommt".

6. Die blasirten Nidtøfönner. Dieses ist bekanntlich eine solimme Eigenschaft und wir begegnen ibr - namentlich in unserer Zeit gar häufig auch in der Schule. Dem Blasirten ist nichts recht und fann nichts redt werden, Neues fann man ihm nichts bieten, Intereffantes gibt es nidhte oder wenig mehr für ihn.

Indem man nun, wie schon oben angeführt wurde, in neuerer Zeit eifrig bestrebt ist, alen nur möglichen Wissensstoff aud für die Boltedule ,,mundgerecht“ zu machen, müssen auch die Kinder gar manden „unverbauten Brođen“ in sich aufnehmen, so daß ein gründliches Lernen ihnen weder möglidy noch nöthig erscheinen muß. Auf der andern Seite muß aber der

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Unterricht übereilt werden und offenbar ist dadurch der Oberflächlichkeit, der thörichten Einbildung, der Selbstgenügsamkeit Thor und Thür geöffnet. Man hüte sich doch, den Kindern einen Anlaß zur Unpünktlichkeit zu geben, und dies geschiebt, wenn wir 1) nicht elementarisch genug verfahren und wenn wir 2) unsern Unterricht nicht anziehend genug ertheilen. Vor beiden Abwegen schüßt eine gründliche Vorbereitung für den Unterricht und diese bat jeder Lehrer nöthig, denn sie bewahrt vor Mechanismus und lebrt uns immer mehr in die Methodif der einzelnen Souldisciplinen eindringen.

Ja ich behaupte, daß nur ein solider Unterricht eine gute Diøciplin zu Stande bringt, und um diese muß es uns ja um so mehr zu thun sein, als ja gute Sitten je mehr und mehr verschwinden.

Soließlich möchte ich noch darauf hinweisen, was mich veranlaßte, diesen Gegenstand zur Sprade zu bringen. — Unsere Zeit will nur Großes leisten, das Kleine verschwindet ganz und gar im Großen. Auch unsere Schularbeit, deren eigentlichster Charakter nur eine stille Arbeit ist und sein sou, wird vielfach nur nach den großen Resultaten beurtheilt. Jedem lebrer liegt diese Versuchung nabe - namentlich am Tage der Prüfung — sid nur an die Fähigeren zu halten und die Sowächeren mehr zu ignoriren. Dieses Verfahren ist weder vom Eraminator noch vom Lebrer zu billigen, vielmehr jollten immer die Schwädsten, welche ja aud in unmittelbarer Nähe des Pebrero zu placiren sind, den Anfang machen. – ferner lebrt ja die Er. fabrung, wie leidt man auch beim Unterrichten in einen Mechanismus und Solendrian hineingerathen fann, wenn man nicht je und je auf seine Fehler aufmerksam gemacht wird. Auch die Behandlungsweise der Kinder erfordert von Seiten des Lebrers viel, sehr viel, denn es läßt sich nicht alles über einen Leisten iclagen. Wenn ich also mit dem über die „Nichtøtönner“ Gesagten das Nachdenken auf den so wichtigen Gegenstand gelenkt babe, so ist ja der Zwed erreicht, nämlich darauf hinzuwirfen, daß die Zahl der Nichtøtönner je mehr und mehr abnehme. Uns allen aber gelte: „Willst du von zweien Dingen wählen, welches das beste? Nicht ist es das Bequeme!" Was dir am meisten Mübe madt, das ist es!

Altes und Neues.

Inland. Schändlide Verfälsdung des kleinen Ratechismus Luthers. Die hiesige sogenannte lutherische Generalsynobe bat ein „Book of Worship“ herausgegeben, in weldem aud nad einer Ueberschrift der „Kleine Kateqismus Luthers“ enthalten sein soll. Dieser ist aber hier in mehreren wesentlichen Stüden ro sdhändlich verändert worden, daß Luther und alle wahren Lutheraner von soldem Greuel fich mit Absdeu abwenden. Im ersten Hauptstüd ist beim 3ten Gebot in der Erklärung zu Luthers „die Predigt und sein Wort“ aud der „Tag“ (day) hinzugeseßt. Im zweiten Hauptstüd beim dritten Artifel

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