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Drittes Quartalheft.

Abhandlungen.
Fr, Delitzsch. Die Bibel und die Sterne
Klein. Das Sakrament der Wiedergeburt.
M. Stephan. Luther kein Offner - Fragen - Mann

409-416 416--431 432_484

Miscellen.
Zum Königsberger Unionsstreit
„Die Generalsynode der lutherischen Kirche in Preussen“
Die irenische Union

485-488 488-489 489-490

601-608

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609-641

Viertes Quartalheft.

Abhandlungen.
Fr. Delitzsch. Die Schlussvision des Propheten Ezechiel
C. Mora h t. Der Gedanke der christlichen Kirche und die

Dogmatik
J. Tietz. Die Mystik und ihr Verhältniss zur Reformation.

Zweiter Artikel
J. R. Linder. Lebensabriss von Simon Sulzer

Miscellen.
Das Recht der preussischen Union
Die lutherische Abendmahlslehre und Dr. Tholuck
Die Neue Evangel. Kirchenzeitung
Selbst die Evangel. Kirchenzeitung

641-666 666-689

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690-691 691-692 692-693 693

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I. Abhandlungen.

Der 103. Psalm.

Ein exegetischer Versuch

von

Pfarrer Laible in Bayern.

„Sünde und Tod fühlen, und darüber Versöhnung und den Geist, der da lebendig macht, empfangen haben, und also seinen Gottloben und sich im Glauben und Geduld an alle Heiligen Gottes anschliessen, ist die Sache des 103. Psalms.“ Dieses Wort Rieger's lesen wir bei Delitzsch in der Einleitung zu diesem Psalm; und er selbst bemerkt dann zu der Ueberschrift 777, dass dieselbe ohne Zweifel nicht blos auf Muth massung, sondern auf Ueberlieferung beruhe. Denn innere Gründe, welche die Ueberschrift verano lasst hätten, lassen sich nicht ersehen. Aber es sind auch keine inneren Gründe vorhanden, welche uns hinderten, dieses tiessinnige und machtvolle Lied dem greisen Könige David zuzuschreiben.“ 1)

Hiemit ist angegeben, was die gläubige Auslegung dieses Psalms zu Tage gefördert hat; aber auch, was sie noch erstreben lässt, nemlich eine einheitliche Erfassung des Psalms nach seiner charakteristischen Eigenthümlichkeit, welche dessen Ueberschrift als auf ursprünglicher Ueberlieferung beruhend auch durch innere Gründe rechtfertigt. So mag denn ein Versuch solcher Erklärung gemacht werden und vorerst dahingestellt bleiben, ob das Ergebniss die Inhaltsangabe des Syrers rechtfertigt: de frigiditate, quae in David dominata est tempore senectutis; oder Anderer: David gratias hic agit pro remissione peccatorum ex adventu Chrisli redundante 2).

1) Delitzsch, Comment. über den Psalter, Leipz. 1859 — 60. II, S. 73.

2) Michaelis, Uberior, adnotat, in Hagiograph., I, p. 756. Zeitschr. f. luth. Theol. 1869. I.

1

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Der Psalm beginnt mit einer die fünf ersten Verse umfassenden Selbstaufforderung des Sängers, welche einen

oder evhoyíu zum Gegenstande hat. Damit ist er gleich von den Hallelujah- oder Lobpsalmen unterschieden. Es ist hier um menschliche Erwiederung göttlicher berakah zu thun. Das wird denn auch den Inhalt des Psalms bilden; und die nähere Bestimmung der göttlichen berakah wird noch a b zu warten seyn. Zunächst wird dieselbe nach ihrem Urheber benannt. Es ist der Gott der Heilsoffenbarung für Abrahams Samen, der Gott Israels Jehovah. So ist mit dieser berakah auch Offenbarung seines heiligen Namens verbunden, die ihn als Den zu erkennen und zu benennen gibt, als welchen er sich von Anfang geoffenbaret, da er der Gott Israels ward. Es ist eine berakah, durch die er dem Sänger sich als den allein wahren Gott mit der That offenbart, der den Rathschluss seines Heils Willens trotz aller entgegenstehenden feindlichen Gewalten hinausführt, oder — neutestamentlich ausgedrückt der den Argen, den Fürsten dieser Welt, zunichte macht.

Lässt diese Bestimmung göttlicher berakah bereits das Grösste und Höchste göttlicher Heilsoffenbarung ahnen: $0 stimmt biezu auch die Selbstaufforderung des Sängers zur Erwiederung solcher berakah. Er fordert seine Seele, fordert all sein Inneres dazu auf, also auch Das,

zu seiner Seele Leben gehört, was dessen verschiedene edle Organe für Empfinden und Wollen bildet, wie solchergestalt das verborgene Leibesinnere als Sitz der belebenden Seele 1 Reg. 17, 21 erscheint. Die göttliche berakah verbreitet sich hiernach über sein ganzes Daseyn nach Leib und Seele, dass Beides an der Offenbarung des heiligen Namens Jehovah's Theil hat, und Beides zu dankender Er wiederung der göttlichen berakah vom Sänger aufgefordert wird, indem er Beides unter Empfindung der Ueberschwänglichkeit dieser berakah von seinem Ich auch gesondert empfindet.

Der Reichthum dieser berakah wird noch bestimmter angedeutet, wenn der Sänger die Aufforderung an seine Seele erneuert mit der abwehrenden Mahnung: „und vergiss nicht seine gesammten Erweisungen“ oder, nach deren folgender Darlegung gleich vorausgreifend, „seine gesammten Wohlthaten,“ da 37701 an sich eine vox media - ebensowohl auch von Werken gebraucht wird, die der strafenden Vergeltung anheimfallen. In einzelnen Erweisungen Jehovah's besteht also für den Sänger die göttliche berakah und zu deren Erwiederung seitens seiner Seele ge

was

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hört, dass sie nicht deren Gesammtheit vergesse.

Es ist picht etwa so,

dass er seine Seele auffordert, auch nicht eine einzige derselben ausser Acht zu lassen; sondern es soll verhütet werden, dass sie nicht deren Gesammtheit aus der Erinnerung verliere, - eine Mahnung, welche nicht sowohl auf den Empfänger der göttlichen berakah ein eigenthümliches Licht wirft, wie wenn der im Falle wäre, deren gesammte Erweisungen bis auf die letzte zu vergessen, als vielmehr auf die Beschaffenheit der berakah selber. Die Erweisungen, aus welchen sie besteht, sind von der Art, dass sie wohl, so viel ihrer sind, vergessen werden mögen bis auf die letzte derselben, wenn man nicht dazu thut und Acht auf sie hat. Sie werden also nicht in die Augen fallen, sondern unsichtbarer Natur seyn; ja wohl nicht der Gegenwart angehören, sondern der grossen zukünftigen Heilsoffenbarung, so dass sie unter dem wechselnden Eindruck der gegenwärtigen Erlebnisse leicht aus dem Sinn sich verlieren, wenn man nicht Fleiss dazu thut.

Es kommt nun darauf an, ob diese Vermuthung bestätigt wird durch die folgende Aufzählung und Beschreibung der Wohlthaten Jehovah's, welche der Sänger als dessen seiner Seele zu Theil werdende berakah erkennt und benennt. Mit fünf Participialsätzen vollzieht sich die Aufzählung, die auf Jeboval, den Urheber der gemulim, zurückgehend, asyndetisch auf einander folgen, mit grösserem Nachdruck, als wenn sie durch ? verbunden wären; die mit dem Nächstliegenden beginnend zu immer Fernerem fortschreiten, bis sie mit der adlergleichen Verjüngung schliessen.

Das Nächste für des Sängers Empfindung ist, dass der Gott des Heils, wie man Jehovah kurzweg umschreiben kann, seiner Seele Vergebung aller ihrer Sünden, wörtlich Verkebrtheiten, engedeihen lässt. Dies liesse sich wohl von Vergebung verstehen nicht blos der dem täglichen Wandel, auch des Frömmsten, anklebenden Sünden, sondern auch grober und wissentlicher, wie Davids Ehebruch mit Bathseba gewesen, von dem er sich weiter noch zu Mord fortreissen liess.

Allein es ist eben hier für Sünde der charakteristische Ausdruck gi gebraucht, welcher die sich fortziehende verkehrte Richtung zunächst bezeichnet und darum auch von der an den Kindern noch heimzusuchenden Sünde der Väter gesagt ist - Exod. 34, 7; deren Vergebung insgesammt aber, so dass die Seele ibrer allzumal entledigt wird, ist nach der Grundbedeutung von 750 bei Fürst, hebr. Wörterb. II, S. 84. doch wohl erst ein Werk der grossen Heils zu kunft und der mit ihr verbundenen Apokatastasis.

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Daran schliesst sich nun, dass Jebovah Heilung verschafft (mit folgendem 5) allen Leiden seiner Seele; wobei es jedenfalls näher liegt, wann eigentlich von der Seele zu fassen, wie es Deut. 29, 21 von dem durch Strafgerichte heimgesuchten heiligen Lande gebraucht ist, als an leibliche Krankheiten und demgemäss an einen unter mancherlei leiblichen Uebeln Dahin siechenden zu denken. Es sind dann eben die von der Sünde geschlagenen Gewissenswunden gemeint, die aus verkehrten Richtungen entsprungenen Seelenleiden, welche insgesammt auch am grossen Tage der Heilszukunft für den einzelnen Gläubigen ihre vollkommene Heilung finden.

Doch es geht noch weiter: „der von der Grube dein Leben erlöst,“ meine Seele! Dies lässt allerdings an Erlosung vom Tode denken, so dass drohende Todesgefahr vorübergeht, wie Ps. 49, 10. Allein es heisst nicht 1778, wie Job. 5, 20, sondern bga, was losmachen eines bereits von feindlicher Gewalt Gebundenen bedeutet. Und so ist es wohl an dem, dass der Sänger hier auf Wiederkehr des Lebens seiner Seele aus Tod und Grab, auf Erlösung derselben aus des Grabes Gewalt hinaus blickt, welcher es mit Verwesung des Leibes anheimfällt.

Man sollte nun freilich erwarten, dass sich daran sofort die Wiederbekleidung mit der erneuten Leibesbehausung anschliesse. Allein es folgt erst noch eine andere Gnadenerweisung Jehovah's gegen die Seele des Sängers am grossen Tage der Heilszukunft, welche so eigentlich und real gedacht seyn will, als die vorher genannten. Sagt derselbe, welcher als Verfasser unseres Psalms genannt ist, David, vom O78-17 in seiner ihm von Gott verliehenen Herrscherstellung gegenüber der ihn umgebenden Natur, dass ihn Jehovah mit Herrscherwürde und Herrlichkeit gekrönt Ps. 8,6: so hat er von seiner Seele, wenn ihr Leben am grossen Tage der Heils zuk unft aus des Grabes Gewalt befreit wird, noch ganz Anderes und Köstlicheres zu rühmen: der dich mit Gnade und Barmherzigkeit krönet,“ der also macht, dass dich allenthalben, wohin du dich wendest, Hulde und mütterliche Zärtlichkeit (

67) umfängt (UN), Huld und mütterliche Zärtlichkeit des Gottes ihres Heils. dort Etwas, womit der Schöpfer den zu seinem Bilde Geschaffenen gegenüber seiner Umgebung ausgestattet: so hören wir hier von Etwas, womit Er selbst, der Gott des Heils, der aus des Todes Gewalt erlösten Seele begegnet.

Nun erst kommt auch die Rede auf des Leibes Behausung, welche die begnadigte Seele wieder erlangt mit

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