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Auf die Frage, wann und durch wen diese Schrift entstanden sei, gibt die Erzählung 2 Kön. 22, 3 ff. Auskunft. Das Gefeßbuch, das im Jahre 622 durch den Hohenpriester Hilkia im Tempel gefunden und dem König Josia übergeben wurde, ist eben das Deuteronomium (mit Ausschluß der vier ersten und vier leßten Kapitel). Da nämlich erzählt ist, der König habe sich dieses Geseß in Einer Sißung vorlesen lassen, jo fann natürlich nicht der ganze Pentateuch gemeint sein; das Schlußkapitel (28) mit seinen furchtbaren Drohungen erklärt den erschütternden Eindruck, den Josia empfing; von besonderer Beweiskraft ist der Umstand, daß die Centralisation des Jehovacultus in Jerusalem, die das Deuteronomium verlangt, eben erst durch Josia vollzogen wurde. Nun aber ist klar, daß ein Gesekbuch, das der Hohepriester im Tempel findet und durch den König vollziehen läßt, ihn selbst oder einen seiner Freunde und Gesinnungsgenossen zum Verfasser hat. Die Einführung Mose's als des Redenden ist eine Einkleidung, wie Schriftsteller aller Zeiten, namentlich des Alterthums, sich solche vielfach erlaubt haben.

B. Bedeutend complicirter ist die Frage nach dem Ursprung der vier ersten Bücher; doch sind auch hier einzelne Resultate gewonnen, die fast allgemein als richtig anerkannt werden, während in Einem sehr wesentlichen Punkte die Ansichten noch bedeutend auseinandergeben. - Als Ausgangs: punkt dient am besten die doppelt erzählte Berufung Mose's (Er. 3 und 6); an beiden Orten offenbart sich Gott als Jehova, aber an der zweiten Stelle bedient sich der Erzähler drei verschiedener Gottesnamen, die auch in der Luther'ichen lleberseßung auseinandergehalten werden. Gott sprach: ich bin der Herr, ich bin erschienen dem Abraham, Sjaak und Jakob als der Allmächtige, mein Name, Herr , war ihnen nicht geoffenbart. Hebräisch heißt es: Elohim sprach: ich bin Jehova, ich bin erschienen dem Abraham u. s. w. als El Sdaddai. Wir haben also hier einen Schriftsteller vor uns, der im Gebraud der Gottesnamen die religionsgeschichtlichen Perioden wohl unterscheidet und Gewicht darauf legt, daß

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der Name Jehova erst von Mose an in Gebrauch gekommen sei. Der Erzähler von Er. 3 beachtet diesen Unterschied nicht. Blicken wir nun von hier auf die Genesis zurück, so fällt auf, daß eine Reihe von Stücken gleich von der Schöpfungsgeschichte an den Namen Jehova gebraucht, während in einer andern Reihe ausschließlich der Name Elohim vorkommt, wo von Gott in der 3. Person die Rede ist, und der Name El Schaddai, wo Gott vor den Patriarchen sich offenbart. Die erstern Stücke entsprechen der Erzählung Er. 3, die leßtern derjenigen in Er. 6. Somit fällt die Genesis mit den ersten Kapiteln des Erodus in zwei große Gruppen auseinander, die sich durch den Gebrauch der Gottesnamen von einander unterscheiden; man spricht von einer Elohim- und einer Jehovaquelle, von einem elohistifchen und einem jehovistischen Erzähler. Von jedem der Beiden besißen wir eine Schöpfungsgeschichte; das Sechstagewerk mit der Einseßung des Sabbats (Gen. 1 bis 2, 4.) gehört dem Elohisten an, die zweite Schöpfungsgeschichte mit der Erzählung vom Paradies und Sündenfall (Kap. 2 und 3) dem Jehovisten. Solche parallel laufende Absdynitte finden sich in der ganzen Genesis , oft stimmen sie ziemlich überein, oft gehen sie stark auseinander, so finden wir Kap. 4 und 5 zwei verschiedene Reihen frühester Menschengeschlechter und weiter alle jene doppelspurigen Stüde, von denen oben (Seite 30) die Rede war. Selbstverständlich schlossen aber diese zwei Geschichtswerke bei der Berufung Mose's nicht ab, fondern, so weit gekommen, erzählten sie auch die Wirksamkeit Mose's und konnten erst bei der Ansiedelung Israels in Kanaan einen natürlichen Abschluß finden; wir werden also Spuren dieser Werke durch den ganzen Pentateuch bis in das Buch Josua hinein suchen.

C. Die Schrift des lohisten betrachtete man lange Zeit als das älteste Geschichtswerk, das, in der Zeit der ersten Könige durch einen Priester von Jerusalem verfaßt, den Grundstock des Pentateuchs und des Buchs Josua bilde, mit dem später das Werk des Jehovisten und das Deutero

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nomium verbunden worden sei, und nannte sie die „Grunde idrift.“ Allein es zeigte sich bald, daß wir es hier keineswegs mit einem einheitlichen Werk zu thun haben. Es gibt elohistijớe Stüde doppelter Art, die sich unterscheiden wie Schule und Leben, wie Gelehrsamkeit und Poesie; einerseits lange Geschlechtsregister mit künstlicher Chronologie und Angabe der Lebensjahre, Erzählungen, die trođen den Faden fortjpinnen, genaue Angaben über die allmälige Vermehrung der göttlichen Geseke, ermüdend weitläufige Beschreibung der Stiftshütte und der Einrichtung des Gottesdienstes, überall herrscht ein theoretisches Interesse, das die Geschichte vom Standpunkt des Geseßes anschaut; andrerseits gibt es clobistische Stüde von großer Schönheit der Darstellung, (z. B. die Opferung Isaak's und die Geschichte Joseph's), malerisch, lebendig, anschaulich, von wenig Reflexionen unterbrochen, nur von der Lust des Erzählens getragen. Dabei verräth sich hier eine große Vorliebe für Ephraim und Manasse, deßhalb auch für Joseph und Rahel, während in den erstgenannten Stüden Juda und dessen Stammmutter Lea bevorzugt wird. Gestüßt auf diese Verschiedenheiten fing man nun an, bloß die Stücke ersterer Art als „Grunddrift“ und die legtern als die Schrift des „zweiten Elohisten" zu bezeidinen; zugleich bemerkte man, daß diese leştere Schrift überall mit derjenigen des Jehovisten viel enger verwachsen ist als die andere, und gelangte zu der Vermuthung, daß sie, für sich allein bestehend, dem Jehovisten vorgelegen habe und von ihm mit seinem eigenen Erzählungsstoff in eins verarbeitet worden sei. Dieser selbst, der Jehovist, wird mit großer Uebereinstimmung in das 8. Jahrhundert, in die Zeit des Propheten Jesaja verseßt.

Nun aber ist eine Frage, die für das richtige Verständniß der ganzen israelitischen Volks- und Religionsgeschichte die größte Bedeutung hat, noch mitten im Stadium des Streites, nämlich ob jene andern, geseßlich gefärbten elobistischen Stücke wirklich die ältesten Bestandtheile des Pentateuch, wirklich die „Grundichrift“ desselben oder nicht viel

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mehr die allerjüngsten Zuthaten seien. Die Tragweite dieser leßtern Vermuthung ist in der That fehr bedeutend; da nämlich der größte Theil der in Er., Lev. und Num. enthaltenen Gefeßgebung mit einer Reihe von Erzählungen, die auf's engste damit verbunden sind, unbestritten der in Frage stehenden Schrift angehört, so folgt jener Vermuthung eine von der gewöhnlichen sehr verschiedene Auffassung der israelitischen Religionsgeschichte auf dem Fuße; eine Menge von religiösen Gebräuchen und Cultuseinrichtungen, deren Ursprung man sonst in ein sehr hohes Alter, bis zu Mose hinaufführt, fiele alsdann in die erilische und nacherilische Zeit. Die Gründe für diese Ansicht beruhen auf der Vergleichung der fraglichen Gefeßgebung mit derjenigen des Deuteronomiums sowie mit den thatsächlichen Cultusverhält: nissen der vorerilischen Zeit, wie sie uns aus den Büchern Samuel und der Könige entgegentreten. Wir schließen uns dieser Ansicht an und fassen also die Entstehung des Pentateuchs in folgender Weise auf: Jm 8. Jahrhundert verfaßte der Jehovist mit Zugrundelegung eines ältern (aus Ephraim oder Manasse stammenden) Buchs sein Geschichtswerk, das 1 Moj. 2, 4 mit der zweiten Schöpfungsgeschichte begann; geseßgeberischen Inhalt hatte diese Schrift nicht viel, hauptsächlich die kleine Gesekessammlung 2 Mof. 20—23, die wir das „Bundesbuch“ nennen können. Gegen Ende des 7. Jahrhunderts wurde in diese Schrift das Deuteronomium eingeschoben und in der erilischen und nacherilischen Zeit entstund unter Priesterhändeu der größte Theil der in Er., Lev. und Num. enthaltenen Gefeßgebuug mit den damit verbundenen Erzählungen; zu diesen jüngsten Bestandtheilen gсhört auch die erste Schöpfungsgeschichte 1 Moj. 1, die zwar eine Perle des Pentateuchs, doch aber mit ihren vorbildlichen 6 Arbeitstagen und einem Ruhetag die systematisirende und geseßliche Tendenz dieser ganzen priesterlichen Schriftstellerei deutlich genug zur Schau trägt.

Von der großen Mannigfaltigkeit der pentateuchischen Gesek: gebung war schon oben die Rede und die wenigen dort ange:

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führten Beispiele mögen uns noch einmal dienen. Man bemerke, daß dieselben aus drei Gesekessammlungen gewählt sind, nämlich 1) aus dem Bundesbuch, das zur Zeit der ersten Könige entstanden und vom Jehovisten in sein Werk aufgenommen wor: den ist; Erodus 20–23. 2) aus dem Deuteronomium. 3) aus ber umfangreichen, durch Erodus, Levit. und Numeri fich hin: durchziehenden Gefeßgebung, die wir die „priesterliche“ nennen. Drdnen wir nun die angeführten Bestimmungen so, daß die priesterliche Geseßgebung chronologisch nicht an's Ende, sondern an den Anfang oder in die Mitte zu stehen kommt, so erscheint die Religionsgeschichte Israel's als eine Reihe räthselhafter Schwan: fungen, als ein unstetes, unverständliches Auf- und Niederwogen ganz verschiedener Geistesströmungen; seßen wir aber, wie oben erwähnt, das ,,Bundesbuch" voran, das Deuteronomium in die Zeit Josia's und die priesterliche Geseßgebung in die erilische und nacherilische Zeit, so schauen wir in einen einheitlichen, natur: gemäßen Entwidlungsgang hinein. Diese Zeitbestimmung ist um so einleuchtender, als die Bücher Samuel und der Könige und auch noch der im Anfang des Erils lebende Prophet Ezechiel von jener dritten Gesekessammlung offenbar nichts wissen. Dieß Alles wird an seinem Orte genauer beleuchtet werden.

Im Budi Jofua treffen wir die Verfasser des Pentateuchs wieder an: den Jehovisten, den Deuteronomiker und den priesterlichen Schriftsteller. Schon durch den zweiten, namentlich aber durch den dritten ist die Geschichte der Eroberung und Vertheilung des Landes Kanaan und der öffentliche Zustand der Volksreligion in ein ideales Licht gestellt, das den thatsächlichen Verhältnissen, wie sie uns dann im Buch der Richter begegnen, sehr wenig entspricht. Unter Josua's Leitung steht das gejammte Volt der 12 Stämme zu gemeinsamem Handeln vereinigt da und die Eroberung des Landes vollzieht sich in wenigen entscheidenden Schlachten, aber bessere Reste der Ueberlieferung im Buch Josua felbst und im Buch der Richter widersprechen dieser Darstellung in auffallender Weise und geben vielmehr ein Bild von völliger Vereinzelung der Stämme und Stammesbruchtheile, deßhalb auch von sehr langsamem Vordringen Jíraels in Kanaan. Noch auffallendere Widersprüche zeigen fich bezüglich der religiösen Angelegenheiten. Was das Deu

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