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teronomium und die priesterliche Geschichtsdireibung erst anstrebten, wird in der Zeit Josua’s als Wirklichkeit angeschaut; gottesdienstliche Einrichtungen jener spätern Jahrhunderte, die hohe Auszeichnung der Leviten, die noch höhere der eigentlichen Priester, die örtliche Einheit des Gottesdienstes, die Levitenstädte, der ganze hierarchische Pomp einer viel spätern Zeit ist in den Rahmen der Wirksamkeit Jojua's hineingezeichnet, aber zum deutlichen Beweis der Ungeschicht: lichkeit dieses Bildes ist beim Eintritt in das Buch der Richter diese ganze Herrlichkeit auf einmal verídwunden und an ihre Stelle treten so unentwickelte Zustände, daß in ihnen der Mojaismus kaum noc zit erkennen ist. Wir be: finden uns also, wie im Pentateuch, so auch hier noch immer nicht auf festem geschichtlichem Boden; dagegen hat das Buch Josua als Beitrag zur Geographie von Palästina einen großen Werth, weil es in dem Beridyte über die Gebietsvertheilung unter die 12 Stämme ein treues Bild des Landes gibt, wie es zur Zeit des Geschichtschreibers aussah.

Eine zweite Gruppe von Geschicytsbüchern bilden das Buch der Richter, die zwei Bücher Samuel und zwei Bücher der Könige; fie umfassen die Geschidyte 3sraels von der Eroberung Kanaans bis in die Mitte des babylonisden Erils und sind, wenn auch mancherlei unhistorische Stücke enthaltend, doch mit Recht als historische Bücher zu bezeidinen.

Das Buch der Riciter schildert die wilde Zeit, welche der Ansiedelung in Kanaan folgte; in einfadyer alterthümlicher Weise entwirft es ein höchst anschauliches Gemälde von den Kämpfen und dem Volksleben der zwei Jahrhunderte zwischen Jojila und Samuel. Eine einheitlichen Charakter hat zwar das Buch nicht, seine Materialien stammen aus sehr verschiedenen Quellen her, ganz zuverläßige Erzählungen wechseln mit durchaus ungeschichtlichen, aber auch in diesen kommt Geist und Stimmung jenes Zeitalters zu treuem Ausdruck. Auf ganz gesicherten Boden stellt uns

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das Lied der Debora und Vieles aus der Geschichte Gideon's, seines Sohnes Abimelech und Jephta's; dagegen ist Simson wohl als historische Perjon zu betrachten, aber die Darstellung seiner Thaten und Leiden trägt ein durchaus mythisches Gepräge. In dieses verschiedenartige Material brachte ein späterer Ueberarbeiter ein lehrhaftes und erbauliches Element und damit einen gewissen Zusammenhang; er verwendet die Geschidyte zu einer prophetischen Predigt an die Gegenwart, indem er auf die Wohlthat einer geordneten verridyaft hindeutet (öfters: „damals war kein König in Israel, und jeder that, was ihm gut däuchte“) und namentlids zeigt, wie mit der treuen Anhänglichkeit des Volkes an jeinen Gott, seine nationale Stärke und Wohlfahrt, mit dem Abfall aber Knechtschaft und Schmach zusammenhänge. Da cr die alten Erzählungen unverändert gelassen, jo lassen sichy seine Zusäße leicht erkennen. Wie verschiedene Hände am Buch der Richter arbeiteten, zeigt ž. V. die Vergleichung von 1, 19. 3, 1. f. mit Kap. 2., wo dieselbe Thatsache, daß eš mitten in Palästina unbesiegte, kananitische Stämme gab, auf ganz verschiedene Weise erfärt wird.

Die Bücher Samuel erzählen die Vorbereitung und Entstehung des Königthums und die Herrschaft Saul's und David's bis unmittelbar vor des Lefteri Tod. Schon oben (S. 22) war davon die Rede, daß uns hier, wenigstens was die Geschichte Davids anbetrifft, Nachrichten aus sehr gut unterrichteten Kreisen entgegentreten; ob der Erzähler jelbst am Hofe lebte, läßt sid freilid, nicht sagen, aber von den Vorgängen am Hofe besaß er eine sehr genaue Kenntniß und jeßt uns durch seine unparteiische Darstellung in den Stand, den Charakter David's nadı seinen Lidt- und Schattenseiten auf völlig klare Weise zu erkennen. Mit dieser alten Quelle hat der Redaktor andere Nachrichten verbunden, die mit derselben sadylich unvereinbar doc) parallel neben ihr berlaufen und auch in höherm Maße als jene das Gepräge einer theokratisch idealisirenden Tendenz an sich tragen; solche doppelte Berichte kommen schon in der

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Geschichte Samuels und Saul's und noch in der Jugendgeschichte David's vor, worüber am betreffenden Ort die Rede sein wird. In beiden Quellen ist die Erzählung fließend, frisch und anschaulich und von hoher Anmuth und Würde.

Das Buch der Richter und die Bücher Samuel find für die Kenntniß der Religionsgeschichte Israels von entscheidender Wichtigkeit, indem an ihrer schlichten Darstellung der damaligen Cultusverhältnisse an den Tag tritt, wie weit diese von den Vorschriften des Deuteronomiums und gar der Priestergeseßgebung in Erodus bis Numeri entfernt waren; von der örtlichen Einheit des Gottesdienstes, von der so ausführlich beschriebenen Stiftshütte, von den Privilegien der Leviten und aller übrigen Hierarchie ist nirgends eine Spur, nirgends gehen die thatsächlichen Verhältnisse über dasjenige hinaus, was in der einfachsten, ältesten Gesekessammlung, im „Bundesbuch“ (S. 36) als zu Recht bestehend erklärt ist.

Die Bücher der Könige beginnen mit Salomo's Thronbesteigung und David's Tod und reichen bis mitten in das babylonische Eril. Das leßte Ereigniß, welches erzählt wird, ist die Begnadigung des gefangenen Königs Jojachin durch den Chaldäerkönig Evilmerodach und hier: auf deutet auch schon das Gebet, das bei der Einweihung des Tempels Salomo in den Mund gelegt wird. (1 Kön. 8, 50.) Der Standpunkt des Erzählers ist demnach im Eril und fein Zweck ist, eben dieses Schidsal, das schon früher das nördliche Reidy, jeßt auch die südlichen Stämme betroffen hatte, aus der Jahrhunderte langen Verschuldung des Volks und der göttlichen Strafgerechtigkeit zu erklären. In etwas eintöniger Weise unterscheidet er gute und schlechte Könige je nach ihrem Verhalten zum Gefeß, und zwar ist hier nun schon der Maßstab des Deuteronomiums angelegt, wiewohl dasselbe erst am Ende der Königszeit entstund. Durch die gedrückte Stimmung, die überall Schuld und Abfall sieht, unterscheidet sich dieses Werk merklich von den Büchern Samuel, in welchen sich bei allem prophetischen Ernst noch der

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frische, ungebrochene Lebensmuth der früheren Jahrhunderte jpiegelt, während hier überall der tiefe Schmerz der eriliiden Leidenszeit durchklingt. Unter den Quellen, die der Verfasser benüßt hat, lassen sich zwei sehr deutlich unterscheiden. Die eine nennt er selbst oftmals: Chronik der Könige Israel's und Chronik der Könige Juda's, ein Gejdichtswerk, über dessen Ursprung wir nichts Bestimmtes wissen, das aber allem Anschein nach nur eine Aneinander: reibung trockener Angaben war. Den dieser Quelle entnommenen Stoff durchbricht nun überall, wo es sich um die Wirksamkeit der Propheten handelt, eine ganz anders geartete Darstellung, ausführlich, farbenreich, hochpoetisch, fast mehr in der Welt des Wunders als in der Wirklich: keit sich bewegend; den Höhepunkt bildet hier der Prophet Elia. Mit gutem Grunde nimmt man an, daß dem Verjasjer der Königsbücher neben jener ersten Quelle ein Buch vorgelegen habe, welches zum Zwecke der Heranbildung von Prophetenschülern das Wesen eines wahren Propheten, seine Aufgabe, feine Leiden und Freuden in einzelnen Lebensbildern zur Darstellung brachte; man nennt deßhalb diese zweite Quelle den „Prophetenspiegel“.

Eine dritte Gruppe bilden die 2 Bücher der Chronik, das Buch Esra und das Buch Nehemia.

Die Bücher der Chronik enthalten eine Wiederholung der ganzen Geschichte von Adam bis David in Stammregistern, von Davids Tod bis zum Ende des babylonischen Erils in ausführlicher Erzählung. Es ist dabei überall auf das Geseß und den Tempelkultus, namentlich auf dessen musikalische Ausbildung das Hauptgewicht gelegt und es soll nachgewiesen werden, daß der Gottesdienst von David an ganz in derselben Weise abgehalten worden sei, wie im nacherilischen Tempel; es ist deßhalb ein Buch fast ohne historischen Werth. Die Bücher Esra und Nehemia enthalten eigenhändige Aufzeichnungen dieser Männer über ihre Zeit und Wirksamkeit, die dann von einem um's Jahr 300 lebenden Leviten überarbeitet und vervollständigt wurden.

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Die Stammväter der Hebräer.

verschlagen worden war. Diese ganze Völkerwanderung ist 1 Moj. 12—50 nach Sitte des Alterthums in Form einer Familiengeschichte dargestellt.

Ueber die Geschichte Abraham's, Sjaak's, Jakobs und seiner Söhne läßt sich nichts Genaueres sagen, als was in obiger all: gemeiner Skizze gegeben ist; den einzelnen Erzählungen der Genesis historischen Werth beizulegen, verhindert uns der Um: stand, daß sie alle im Dienste gewisser Ideen stehen, die an ihnen zur Anschauung kommen sollen. Neben einem religiösen oder religionsgeschichtlichen Interesse (wovon unten) sind sie alle durch ein sehr bestimmt ausgesprochenes genealogisches Interesse beherrscht. Die in der Patriarchengeschichte hervortretenden Männer sind sämmtlich Stammväter. Die 12 Söhne Jakob's sind die Stammväter der 12 nach ihnen genannten israelitischen Stämme; Jakob ist somit der Stammvater von ganz Jsrael, wie sein Bruder Efau derjenige der Edomiter; beide Völker stammen dem nach von Isaat als ihrem gemeinschaftlichen Vater ab, und noch mehr Bäche haben ihren Ursprung in Abraham, ihm verdanken außer Israel und Edom auch Ismael und Midian (durch Fagar und Ketura) ihr Dasein; neben ihm ist Lot der Stammdater Moab's und Ammon's. Da nun Abraham und Lot in Therah zusammenkommen, der zugleich auch der Stammvater jenes in Haran zurückgebliebenen, durch Bethuel und Laban repräsentirten Stammes ist, so wären Israel, Edom, Ismael, Midian, Moab, Ammon und der Stamm in Haran, d. h. also sieben Völker auf den Einen Therah zurückzuführen. Solch eine Genealogie entspricht nun zwar völlig den Vorstellungen über Völkergeschichte, wie sie im Alterthum, namentlich auch in Israel gäng und gäbe waren. Man schaute die Nationen als Familien, als große Verwandtschaftsverbände an, die rüdwärts, die Jahrhunderte hinauf in immer kleineren Kreisen erschienen, bis sie sich in einem eins zigen Manne als Stammvater zuspißten. Die Geschichte lehrt aber, daß Nationen zum geringsten Theil auf diese Weise ent: stehen; Staatengeschichte und Genealogie sind keineswegs congruente Begriffe. Ein politischer Volfsverband bildet sich zunächst dadurch, daß die Bewohner einer Gegend sich zusammenthun, dann durch ûnterwerfung der Schwächern unter die Stärkern und allmälige Verschmelzung von oft sehr verschiedenartigen Völkerelementen. So bestund jenes Volk, über das David herrschte, nur theilweise aus den Nachkommen Derer, die unter Mose aus Aegypten ausgezogen waren; einen großen Theil bildeten die alten Kananiter und verschiedene Nomadenstämme. Aber auch diejenigen,

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