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DEUTSCHE LITTERATURDENKMALE

DES 18. JAHRHUNDERTS IN NEUDRUCKEN HERAUSGEGEBEN VON BERNHARD SEUFFERT

7 &

FRANKFURTER GELEHRTE

ANZEIGEN

VOM JAHR 1772

Klar en rauh.

183

STUTTGART

G. J. GÖSCHEN'SCHE VERLAGSHANDLUNG.

1883

Druck von Fischer & Wittig in Leipzig.

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Es ist übrigens ein so reicher Schatz, der die höchste Stimmung mit sich führt.' Dieses Goethesche Wort, über eine Schrift von Abraham a Sancta Clara gesprochen (Briefwechsel mit Schiller Nr. 516 der vierten Auflage), kommt mir oft in den Sinn, wo ein auf den ersten Blick buntes litterarisches Allerlei sich bei näherer Betrachtung zu einem einheitlichen und im ganzen erfreulichen Eindruck zusammenschliesst. Auf die Frankfurter gelehrten Anzeigen von 1772 wird es gewiss jeder Leser anwenden, welcher dem vorliegenden Bande seine Aufmerksamkeit schenken mag. Es herrscht darin eine so eigentümliche Mischung von jugendlichem Eifer und männlicher Reifē, von stürmischer Energie und massvoller Ruhe, von Uebermut und Gerechtigkeit, von Leichtigkeit und Gründlichkeit, eine solche Verbindung von Spottlust über das Schlechte und von sachkundiger Versenkung in das Wertvolle, ein solches Talent der Polemik und eine solche Fähigkeit der Anerkennung, dass dieses Journal oder vielmehr dieser eine Jahrgang eines Journals im ganzen Umkreise des deutschen Zeitungswesens nur wenige seinesgleichen haben dürfte.

Eine vollständige Charakteristik gehört in eine Geschichte des deutschen Journalismus, welche für das neunzehnte Jahrhundert einen ungeheueren und vieljährigen Aufwand von Kraft und Arbeit erfordern würde, für das achtzehnte Jahrhundert im Anschluss an das be

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kannte Buch von Robert Prutz aber recht wohl möglich wäre und in absehbarer Zeit hergestellt werden könnte. Nur die eingehende Vergleichung mit anderen Zeitschriften derselben Art, d. h. mit anderen Recensieranstalten, würde die Eigentümlichkeit der gegenwärtigen völlig ins Licht setzen. Davon jedoch soll hier nicht die Rede sein. Unsere Publikation will nur reizen, nicht befriedigen; sie will die Beantwortung der mannigfaltigen Fragen, die sich an das Werk knüpfen, nicht vorwegnehmen, sondern erleichtern; sie will vor allem einen lange vergrabenen Schatz unserer Litteratur jedermann zugänglich machen und das erste öffentliche Auftreten Goethes (das erste öffentliche Auftreten, wenn wir vom Leipziger Liederbuch absehen) wieder in den allgemeinen Gesichtskreis rücken.

Was Goethes Anteil an dem Journal sei, ist die Hauptfrage, die sich aufdrängt. Eben diese Frage wird aber nie mit absoluter Sicherheit beantwortet werden können; und darum ist man nur gewiss, Goethes ganzen Anteil zu besitzen, wenn man den ganzen Jahrgang 1772 der Frankfurter gelehrten Anzeigen besitzt. Die Ausgaben von Goethes sämtlichen Werken können ihn nicht aufnehmen, weil sie Goethes Recensionen nicht so viel fremde und zweifelhafte beimischen dürfen. Es blieb also nur der Weg einer unverstümmelten Reproduktion, um den Freunden Goethes, den geniessenden wie den forschenden, denen jedes Wort Goethes wichtig und jede Aeusserung des jugendlichen Schriftstellers doppelt und dreifach wichtig ist, zu genügen und ihre Wünsche zu erfüllen.

Der deutsche Journalismus des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts war grossenteils von französischen und englischen Mustern abhängig; und diese Abhängig. keit drückte sich vielfach schon in den Titeln aus. Die Zeitschrift, die uns augenblicklich interessiert, bestand von 1736 bis 1790. Am 3. Juli 1736 wurde die Ankündigung ausgegeben und darin das Journal benannt,

wie folgt: 'Franckfurtische gelehrte Zeitungen, darinnen | Die merckwürdigste Neuigkeiten der Gelehrten Welt, / So wohl | In Ansehung der jetzt lebenden Gelehrten, als auch | Aller zur Gelehrsamkeit gehörigen Wissenschafften, | Künsten und Sprachen umständlich berichtet, Und insonderheit Der gegenwärtige Zustand aller in- und ausser Teutschland | blühenden | Hohen Schulen und Gesellschafften, | Mi (so!) unpartheyischer Feder entworffen. Die erste Nummer erschien 'Frey.

' tags den 6 Julii 1736' unter dem Titel: "Franckfurter Gelehrte Zeitung. Am Schlusse des Jahres 1736 ward ein Titelblatt ausgegeben: 'Franckfurtischer | Gelehrter Zeitungen Erstes halbe Jahr; von 1736. Darinnen... entworffen' wie in der Ankündigung. Das Titelblatt des zweiten Jahrganges lautet dann : 'Franckfurtischer Gelehrter Zeitungen, Zweytes Jahr; von 1737.' U. s.w. Für die einzelnen Blätter aber wird die Bezeichnung 'Franckfurter Gelehrte Zeitung' festgehalten. Wie jedoch immer der Titel lauten mag, so erinnert er an das Journal des Scavans und seine deutsche Imitation, die Leipziger Acta Eruditorum. Der erste Verleger und Redacteur war der Notar Samuel Tobias Hocker, hinter welchem als geistiger Urheber des Unternehmens der Senior des Frankfurter Ministerii, Dr. Münden, stand. Hocker übergab das Journal seiner Tochter Anna Maria Gertraud Hockerin, die es seit dem 1. Juli 1743 verlegte, aber am 1. Dezember 1749 ihre Vermählung mit Johann Sebastian Georgen anzeigte, der nun 1749 und 1750 als Verleger zeichnete, aber 1751 wieder seiner Frau Platz machte. Seit 1760 wurde die Zeitung in der Brönnerschen Buchhandlung ausgegeben. Von dem Buchhändler Brönner kaufte sie der fürstlich Waldeckische Hofrat Deinet, der die Witwe des Buchdruckers Eichenberg geheiratet hatte, und setzte sie unter der Firma der Eichenbergischen Erben in verändertem Format sowie mit dem veränderten Titel 'Frankfurter gelehrte Anzeigen' fort: ähnlich waren die Göttingischen

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