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Glaubwürdigkeit erhebt. Im Daniel stehen die Tiere und der Mensch ganz lose neben einander. Es wird nicht einmal erzählt, daß dieser jene getötet habe1. Die Tradition ist eben fragmentarisch, wie auch aus der Notiz über den Kampf der Schutzengel hervorgeht, von dessen Entscheidung wir nichts erfahren. Ebenso wenig hören wir etwas von dem Ursprungsort des Menschen, wir wissen nicht, ob er wie die Tiere aus dem Wasser oder ob er etwa aus dem Himmel kommt, worauf das Fliegen mit den Wolken deutet.

§ 34. Der >>Mensch« im IV Esra.

Gleich Daniel schaut Esra (c. 13) den himmlischen Menschen in einem Gesichte, das sich nicht grade durch Deutlichkeit auszeichnet. Er träumt, wie ein gewaltiger Orkan entsteht und aus dem Herzen des Meeres etwas wie einen Menschen heraufführt. Der Mensch fliegt mit den Wolken des Himmels, und alles erbebt, was er anschaut. Wohin seine Stimme dringt, da zerschmilzt alles, wie Wachs zerfließt, wenn es Feuer spürt. Ein unzählbares Heer versammelt sich, um den Menschen zu bekämpfen, der einen großen Berg losschlägt und auf ihn fliegt. Als der Ansturm der Feinde erfolgt, rührt der bar 'naša keine Hand, kein Schwert, keine Waffe, sondern läßt aus seinem Munde einen feurigen Strom, von seinen Lippen einen flammenden Hauch, von seiner Zunge stürmende Funken ausgehen. All dieses vermischt sich in einander: der feurige Strom, der flammende Hauch und der gewaltige Sturm, und entzündet das herannahende Heer, sodaß im selben Augenblick von den Gegnern nichts weiter zu sehen ist als der Staub der Asche und der Dunst des Rauches. Darnach steigt der Mensch vom Berge hernieder und ruft ein friedliches Heer zu sich. Gestalten vieler Menschen nahen ihm, die einen frohlockend, die anderen traurig; einige sind in Banden, andere führen andere als Opfergaben mit sich.

Weil nun, 80

1. ZIMMERN KAT.3 S. 512 Anm. 4 vermutet es. folgert er weiter (S. 392), die vier Tiere mit dem Zodiakus zusammenhängen, so habe auch »der Mensch« ursprünglich »von einem bestimmten Sternbild am Himmel seinen Ausgang genommen«. Aber ein solches Sternbild kennen wir überdies nicht!

...

Ehe wir zur eigenen Deutung übergehen, müssen wir den Kommentar betrachten, den Esra selbst hinzufügt: Wenn du einen Menschen aus dem Herzen des Meeres hast aufsteigen sehen, das ist derjenige, den der Höchste lange Zeiten hindurch aufspart, durch den er die Schöpfung erlösen will (1325f.). Der Mensch wird hier ausdrücklich als owung bezeichnet, obwohl dies Wort in eine ganz andere Anschauungswelt hineingehört. Wo der Mensch aufgespart wird, ist leider nicht gesagt. Der wird unter den Übriggebliebenen die neue Ordnung schaffen (V. 26) d. h. den neuen Äon regieren. Wenn du gesehen hast, wie aus seinem Munde Sturm und Feuer und Wetter hervorging, wie er kein Schwert noch eine Waffe führte, und doch den Ansturm jenes Heeres . . . vernichtete, das bedeutet: siehe, Tage kommen, wo der Höchste die Erdenbewohner erlösen wird. Da wird gewaltige Erregung über die Erdenbewohner fallen, daß sie Kriege wider einander planen... (V. 27-31). (V. 27-31). Man beachte, daß von diesen Kriegen wider einander vorher im Bilde selbst nicht die Rede war. Dann wird mein Sohn erscheinen, den du als Mann, der emporsteigt, gesehen hast (V. 32). Der Mensch, der vorher owing genannt war, wird hier (V. 32. 37. 52. 149) als Sohn Gottes bezeichnet. Der Sohnestitel ist in der ganzen apokryphen, außerchristlichen Literatur nur im IV Esra sicher nachweisbar. Nehmen wir noch 728f. hinzu, wo von meinem Sohn, dem Christus, die Rede ist, so haben wir für diese eine eschatologische Gestalt vier Titel, die ganz verschiedenen Ursprungs sind: den alttestamentlichen Messias, den apokalyptischen Menschen, den hellenistischen Heiland und den synoptischen Sohn Gottes. Das ist charakteristisch für die Apokalyptik, die grade deshalb so wenig scharf umrissene Gestalten hat, weil sie die vorhandenen Prädikate fast unterschiedslos verwendet und oft von verschiedenen Personen dieselben Aussagen macht.

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Dann wann alle Völker seine (des Menschen) Stimme vernehmen, werden sie alle ihre Länder und wechselseitigen Kriege lassen; so wird sich ein unzählbares Heer an einem Punkte sammeln Er selbst aber wird auf den Gipfel des Zionberges treten. Zion aber wird erscheinen und allen offenbar werden, vollkommen erbaut, wie du gesehen hast, daß ein Berg ohne Menschenhände losgehauen ward (V. 33-36). Der Berg

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Zion spielt schon in der Eschatologie des Alten Testamentes eine große Rolle und ist auch hier nicht unpassend. Aber das Losschlagen des Berges ohne Menschenhände wird niemand von der Erbauung des himmlischen Jerusalems verstehen, der nicht diese Deutung gelesen hat. Die Allegorie und die allegorische Auslegung sind also auch hier inkonzinn. Hätte der Verfasser des Kommentars die Vision selbst gedichtet, so hätte er seine Gedanken in etwas klareren Bildern ausgedrückt, ohne ihnen darum den mysteriösen Charakter zu nehmen. Er hätte z. B. von »>Steinen« reden können, die von einem großen Berge losgeschlagen werden, und hätte z. B. den Bau als ein Auftürmen dieser Steine bezeichnen können. Der uns vorliegende Text aber ist offenbar ohne jede Rücksicht auf die vom Kommentator ausgesprochenen Ideen entstanden. Mit anderen Worten: der Apokalyptiker hat den Stoff der Vision der Überlieferung entlehnt und ihn nach seinem Geschmacke, bald mehr bald minder richtig, gedeutet1. Er aber, mein Sohn, wird den Völkern, die wider ihn gezogen sind, ihre Sünden strafen die sind dem Wetter gleich —; er wird ihre bösen Anschläge und ihre künftigen Qualen vorhalten die sind wie das Feuer dann wird er sie mühelos vernichten durch sein Geheiß das gleicht der Flamme (V.37f.). Die Form dieses Satzes, die wohl dem syrischen Übersetzer zur Last fällt, ist unlogisch. Der Verfasser wollte auch in den beiden ersten Gliedern wie im letzten sagen: die Strafe der Sünden gleicht dem Wetter -die künftigen Qualen gleichen dem Feuer- das mühelose Vernichten gleicht der Flamme, oder noch besser: Dem Wetter gleich, dem Feuer gleich, der Flamme gleich wird er sie strafen, quälen, vernichten. Aber selbst davon abgesehen, paßt die Deutung so schlecht wie nur möglich. Denn wie kann zwischen Feuer und Flamme unterschieden werden? Wie kann jenes die künftige Qual, diese im Unterschied dazu! das mühelose Vernichten symbolisieren? Mögen diese Bilder für sich allein immerhin so verstanden werden können, da, wo sie mit einander vereinigt sind und im selben Atemzuge ausgesprochen werden, dürfen sie nicht in dieser Weise differenziert werden. Der Verfasser dieser gepreßten und verfehlten Auslegung kann

1. Vgl. GUNKEL (bei KAUTZSCH) Pseudepigraphen S. 347.

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nicht zugleich der Maler jener Vision gewesen sein. Er hat vielmehr die Bilder aus der Tradition übernommen und tiftelt an ihnen herum, was sie wohl bedeuten mögen. Die Vision ist alt, der Kommentar ist jung. Wir haben ein Recht, beide scharf von einander zu sondern und auf eigene Faust ein Verständnis des überlieferten, apokalyptischen Stoffes zu versuchen.

Hier erfahren wir, was wir im Daniel so schmerzlich vermißten: Der Ausgangspunkt des Menschen ist das Wasser. Ebenso wie die Tiere steigt er aus dem Meere hervor. Aber was besagt dieser rätselhafte Zug? Es ist interessant zu beobachten, wie der Verfasser des IV Esra sich bemüht, diese Tatsache zu erklären, die für ihn ebenso sonderbar war wie für uns, die er aber nicht beseitigen konnte oder wollte, weil sie durch die Tradition gegeben war. V. 51f. kommt er noch einmal darauf zurück und bittet Gott um Erleuchtung: Herr Gott, zeige mir, weshalb ich den Menschen aus dem Herzen des Meeres habe aufsteigen sehen. Er sprach zu mir: Wie niemand erforschen noch erfahren kann, was in des Meeres Tiefen ist, so kann niemand der Erdenbewohner meinen Sohn schauen noch seine Gefährten, es sei denn zur Stunde seines Tages. Daß diese Deutung nachträglich und künstlich an den Stoff herangebracht ist, bedarf keines Beweises. Wenn der Verfasser wirklich diese Idee im Bilde hätte ausdrücken wollen, so hätte er ja den Menschen können vom Himmel herabkommen lassen, wurde er doch wenigstens nach Henoch als präexistent gedacht; denn des Himmels Tiefen kann auch niemand erforschen noch erfahren. Diese gequälte Deutung bestätigt noch einmal auf das klarste, daß der Zug vom Aufsteigen des Menschen aus dem Meere der Tradition entstammt und schon damals, wie es scheint, nicht mehr ganz verstanden wurde. Der Kommentar fügt nachträglich eine Einzelheit hinzu, von der wir vorher nichts gehört haben: Der bar 'naša ist nicht allein, sondern hat >>Gefährten « bei sich (V. 52), vermutlich das Heer der Engel, die ihn begleiten (GUNKEL). Hier tritt uns wieder das Fragmentarische der Tradition entgegen. So ganz nebenbei erfahren wir eine wichtige Einzelheit.

Bruchstückartig ist aber auch der Charakter der ganzen Vision. Wenn der Mensch im Wirbelwind aus dem Herzen des Meeres emportaucht, so erwarten wir nicht, daß er plötzlich

auf den Wolken des Himmels fliegt, es müßte denn geschildert sein, wie sich die Wolken aufs Meer herabsenken oder wie der Sturm den Menschen in die Luft emporrafft. Unmittelbar daran schließt sich eine Beschreibung, wie vor dem Menschen alle zerschmolzen, die seine Stimme vernahmen, obwohl erst hinterher von dem unzählbaren Heer die Rede ist, das ihn bekämpft. Noch undeutlicher ist, warum er sich einen großen Berg losschlägt und wie er das macht. Diese Dinge sind überdies im Zusammenhang nicht motiviert. Um diese stilistischen Mängel zu erklären, müssen wir annehmen, daß der hier verwertete Stoff bereits eine längere Geschichte erlebt hat und im Lauf der Zeit seine ursprüngliche Anschaulichkeit eingebüßt hat.

Der Mensch wird hier, wie auch GUNKEL betont hat, zum Teil mit Zügen geschildert, die von Jahve entlehnt sind. Wie hier der Mensch, so ist nach Jes. 191 Jahve der Wolkenreiter. Wie sonst vor Jahve, so erbebt hier vor dem Menschen alles, was er anschaut (Ps. 10432), oder zerschmilzt wie Wachs (Mch. 14). Das Sichlosschlagen des Berges erinnert an die eschatologische Spaltung des Ölberges (Zach. 144). Der feurige Strom und der flammende Hauch finden sich im Alten Testamente zwar nicht genau wieder, rufen aber doch die mythische Beschreibung Jahves Jes. 3027ff. ins Gedächtnis zurück. Der gewaltige Sturm endlich und der Kampf gegen das unzählbare Heer von Menschen sind für die Theophanie Jahves am Ende der Tage so typisch, daß eine einzelne Stelle nicht angeführt zu werden braucht.

Diese Züge konnten nur dann von Jahve auf den bar naša übertragen werden, wenn der eschatologische Mensch eine göttliche Gestalt oder ein Engel war. Wir haben gesehen, daß die Engel als Lichtwesen aufgefaßt und dargestellt wurden, und an dem Lichtcharakter des Menschen kann kein Zweifel sein: Vor ihm zerfließt alles wie Wachs, wenn es Feuer spürt; was ihm entgegentritt, wird in den Staub der Asche und den Dunst des Rauches verwandelt vor dem feurigen Strom seines Mundes, dem flammenden Hauch seiner Lippen und den stürmenden Funken seiner Zunge.

Ein solcher Engel, so wird man zunächst glauben, wohnt im Himmel, und es ist daher ganz begreiflich, wenn er die

Forschungen zur Rel. u. Lit. d. A. u. NT. 6.

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