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båltniß des Einzelnen zur Kirche abhängig von seinem Per. Båltniß zu Chrifto 15).

15) Nach der erstern Weise denken wir uns auch im Staatsleben

das Verhältniß des Einzelnen zum Staatsoberhaupte abhängig von seinem Verhältniß zum Staate und nicht umgekehrt das Verhältniß zum Staat abhängig von seinem Verhältniß zum Staatsoberhaupte. Denn offenbar kann der Fürst nicht höher gestellt werden, als wenn wir ihn den Gründer und das immas nente Princip des Staats nennen; wenn wir ihn dagegen als denjeuigen bezeichnen, der sich vor allem nur mit Einzelnen ins Verhältniß gesert und diesen zu dem, einen andern zu jenem unmittelbar bestellt, so hebt er, was man Staat nennen könnte, vielmehr fortwährend auf, während doch der Staat nach ihm selbst das erste und sein vornehmstes. Gut ist. So gewiß er also Gründer des Staates und seine fortlaufende Duelle ist, so nothwendig muß er das Verhältniß des Einzelnen zu ihm selbst abhängig erklären von dem Verhältnisse dels selben zum Staat. Wenn nun gleichwohl Einzelne ihr Vers håltniß zu ihm als das nächste Teßen, so sind das Hofbeamte und Hofleute und was sie darstellen der Hofstaat, aber keine Staatsbeamten und Staatsbürger, und in dem Maaße als die Hofbeamtung hervortritt, ist der Staat zurückgestellt, und wenn fie ein Marimum wird, dieser vernichtet; wobei jedoch nicht übersehen werden darf, daß jenes moment in der Wirklichkeit weder ganz fehlt noch fehlen kann, da der Fürst in seiner Person, mit der Natur des Staatsoberhauptes auch noch die der bloßen Individualitåt vereinigt. In der Kirche fehlt es gleichfalls nicht und wird repräsentirt durch die Gemeinsdhaft der Heiligen bei Christus (unsichtbare, triumphirende Kirche).

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Weun Göschel behauptet 16), wie der Staat in der Monarchie in dem Staatsoberhaupte), so tomme and die Menschheit nur dadurch zur wirklichen Persönlichkeit, daß ihr ein Haupt (Christus) gegeben rei, welches selbst für sich ein Individuum ist; so ist dieser Saß zwar ungleich wahrer, als der Straußische 17), wornady nidyt in einem Individuum, sondern in dem gauzen Menschengeschlechte die Idee des Christus realifirt werde, aber er entspricht doch keineswege dem christlichen Glauben von der Person Cbrifti, von der Menschheit und der Gemeindaft der Glåubigen in ihrem Verhåltniß zu Chriftus. Die Person Christi, wie überhaupt jede Persönlichkeit, beruht auf der Einbeit der bloßen Individualitåt mit einem Gemeinsamen derselben Gat. tung d. b. hier der Gottheit. Wie Christus får fich ist, so ist er zugleich eine von den göttlichen Personen, und wie jes der Mensch får fich ist als bloßes Individuum, so ist er zus gleich ein Glied der Mensábeit, und der båbere Begriff der Persönlichkeit beruht gerade auf dieser Einbeit des Einen mit dem Gemeinsamen, des Individuums mit der Gattung. Man kann deßhalb nicht sagen, die Menschheit komme zur wirklichen Persönlichkeit dadurch, daß ihr als Haupt ges geben ist Shristus, sondern das Individuum kommt zur wirts lichen Persönlichkeit in der Gemeinschaft der Gattung, und indem Christus die Einbeit beider in seine bloße Individualitåt aufgenommen, diese aber als Person in der Gemein: idraft des Vaters und Geistes vollendet bat, ist jene Einheit

16) A. a. D. S. 61. 17) Leben Jesu II. S. 148.

felbst bdher gehoben und so zu sagen wirklicher geworden und eben darum zunächst die Gattung und in ihr zugleich jeder Einzelne erlöst. So ist denn nun auch umgekehrt das Verbåltniß des Einzelnen zu Christus vermittelt durch sein Verhåltniß zur Rirche, und der Erlöste als Individuum wird erlobte Person oder erlöster Geist durch seine Einigung mit der Gattung, d. i. der Kirche Christi. Uber ganz unmöglich kann umgekehrt, eben weil die Gattung nicht die arithme. tische Summe der Individuen, sondern etwas höheres und ursprünglicheres ist, der Einzelne- fein Verhältniß zu Cbristus unmittelbar verwirklichen und mittelst dieser Seßung sein Perhåttniß zur Kirche bestimmen. Der Schrift ist diese Aufs faffung entschieden fremd. Nichts davon zu sagen, daß fie als Anfang der Menschheit nicht ein einzelnes Judividuum seßt, sondern die Einheit von Mann und Weib, ein Paar, so ist der erste Mensch als Gattung, als Person im höhern Sinne ober als Geist gefaßt, wenn die Sünde des ganzen Geldlechts auf ihn zurückgeführt wird; und eben so wird Christus al8 Derjenige bingestellt, in dem die ganze Menidos beit erldot ist, aber keineswegs als der erste Erlöste, so wenig Adam nur der erste Sünder war (welch? leßteres Schleiermader falschlid behauptet) Rom. 5, 12 ff.

Wir verlassen diese fruchtbare Materie, uns begnügend mit den gegebenen Andeutungen. Man sieht, wie tief die zweite Bestimmung des christlichen Supernaturalismus in das Wesen des Glaubens eingreift, indem sie dessen Auffassung auf die febre von Christus selbst und seinem Berhåltuiffe zu der Kirche und zum Einzelnen begründet. Die Grundlage der ersten Bestimmung, die Lehre von der Erbjunde in ihrem Zusammenhange mit der Erlösung, rdließt fich in dem letza tern enge an die der zweiten an, fått aber nicht so sehr in den Mittelpunct des christlichen Glaubend selbst, wie diese. — Die alerandrinisde Religionsphilosophie, welche fast unter: idiedslos Unchristlichet (die beltenis de Weisheit) vorchrift: liches (die jüdische Offenbarung) und Christliches in Eins zusammenfügte und alles, was sich an den christlichen Slaus ben als das graduell bedste anschließen modte, dem christo liden Bewußtsein als eigenthümliche Bestimmungen zusprach, lief dagegen große Gefahr, den von ihr aufgestellten Univers faliémus des christlichen Geistes nicht ohne Verwischung reis nço eigenthümlichen Werens oder doch nicht ohue den Vers zicht auf deffen tieferé Luffassung und Begründung durchführen zu köunen. Der von ihr festgehaltene Gesichtspunct, wenn wir iba vergleichen wollen mit dem Betrieb und der Sonderung der gegenwärtigen Wiffenschaft, fålt theilweife ganz über den Bereich der Theologie hinaus und ist im ents gern Sinue religionsphilosopbisdyer Art, theils gebort er mehr nur der Apologetit an, die von ihm aus auf die fruchtbarfte Weise dargestellt wird. Aber die chriftliche Dogs matit im eugern Sinne laßt fich von ihn aus uidt aufstellen; der augustinische (occidentalische) Supernaturalismus ist es, der tiefer in das Wesen des christlichen Geistes einges drungen und die wahre Willenschaft desselben, die von Jnnen heraus, zuerst auf die Bahn gebracht þat, die nun auch forthin nur auf dieser Srundlage ausgeführt werden kann.

Der Glaube der gewußt wird und in der Wissens rdhaft erscheint, ist dem Augeführten zu Folge der wahre, der geoffenbarte, der kirchliche, und kann kein andes

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rer sein. Nur in dem Maaße, als der gewußte Glaube dies fes ist, ist die Wissenschaft des Glaubens wahr, und umges tebrt in demselben Maaße, als diese von dem wahren, ges offenbarten und kirchlichen Glauben abweicht, ist sie falsch und verwerflich. Von diesen Grundsåßen ausgebend habe id früber behauptet 18), und wiederhole es jeßt: „ber uns vermittelte Glaube hat bloß als solcher kein Recht, fich dem vermittelnden und vermittelten (o. i. dem gewußten) vorans zustellen, so lange er sich in Wahrheit keines großern from: men Grundes rühmen kann, sondern er muß ibm 'nachstehen, weil es mehr heißt, zu wissen, was man glaubt, al8. glauben ohne zu wissen.“ Der fromme Grund des gewußten Glaubens ist eben nichts anderes, als die übers natürliche Wahrheit und Gewißheit des Glaubens, dieß, daß er vor allem Wiffen und unabhångig von aller Wiffens schaft der wahre, geoffenbarte und kirchliche ist. Das Mehr aber, welches wir dem gewußten Glauben vindiciren, ist eben nur dieß, daß er ein gewußter, ein dialectisch entwis delter und in der Allgemeinheit und Nothwendigkeit des Bes griffe erkannter ist. Der unvermittelte Glaube bat, abges reben von den empirischen und subjectiven Momenten, mit welchen er sofern er der Glaube dieses oder jenes Invidis duums ist angethan erscheint, die beiden ihm wesentlichen und iu allen Individuen gleichen Momente der Wahrbeit und Gewißheit nicht in der Einheit der gnostischen oder spes culativen Erkenntniß an fich, sondern fie liegen bei ihm auseinander und sind von einander unterschieden.

શાહ

18) Leben Jesu I. S. 438 A.

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