Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub

wahr umfaßt er den Inhalt des Glaubens, und als ges wiß nimmt er ihn in das Bewußtsein des Geifte $ auf; und obgleid ibm die Wahrheit und Gewißbeit nicht verschie: dene Elemente sind, sondern Momente an einem und demselben Geistesact, so ist doch diese Einigung stets (übris gens bald mehr bald weniger) versobieden von jener Einheit der Erkenntniß, in welcher die Wahrheit und Gewißheit uns terschiedslos in einander aufgegangen sind. Darin allein bes' steht der Vorzug des gewußten Glaubens vor dem bloß bes wußten (vgl. oben S. 388.), übrigens undermittelten; und es darf derfelbe weder in etwas anderem gesucht, noch ohne die Vorausschung des gleichen frominen Grundes zuerkannt werden. Insbesondere wäre es ein grober Irrthum, wenn dem unvermittelten Glauben in der entscheidenden (practis foen) Beziehung auf das Heil des Menschen eine geringere Kraft oder nur überbaupt eine untergeordnetere Bedeutung würde beigelegt werden. Der Glaube, welcher selig macht, ist immer der unvermittelte Glaube; und derjenige, welcher seinen Glauben speculativ zu entwideln weiß, wird nicht darum das Leben erlangen, sondern deßhalb, weil er zuvor geglaubt, ebe er geseben, ehe er erkannt bat. Sob. 20, 29. Die fides salvifica ist eine fchledthin einfache, unmittelbare, göttlich- menschliche Thätigkeit, von der der Apostel sagt: durch die Gnade seid ihr gerettet mittelst des Glaubens; und das (die Rettung) kommt nicht aus euch, Gottes Geschenk ist 18.

Der gewußte Glaube aber ist das Werk des Mens rchen, und obgleich ihm biebei die Erbebung seiner natürlis den Kräfte durd die Gnade zu Statten kommt, so ist doch nichts desto weniger das Wissen des Glaubens etwas natür:

liches. Den feligmachenden Glauben aber beschreiben die Theologen alb die åbernatürliche Kraft, zu Folge welcher der Meusdo fest überzeugt ist von der Wahrheit Dessen, was Gott geoffenbart und durch seine Kirde zu glauben vorges stellt hat. Er ist eine übernatürliche Kraft in zwiefas cher Beziehung: erstens in wie fern sein Inhalt die natür: liche Kraft des Menschen übersteigt und der Mensch durch ibu zur Erkenntniß derjenigen Dinge oder überhaupt zu eis ner solchen Erkenntniß erhoben wird, 'die er aus sich selbst niemals gewinnen könnte (übernatürliche Wahrheit des Slaus bend); zweitens in wie fern der objective Grund der festen Ueberzeugung die unsichtbare und höchste göttliche Wahrheit ist, die jeden Zweifel schlechthin ausschließt (übernatürliche Gewißheit des Glaubens) 19). Wenn wir also mit Anselm und. Sugoʻvon St. Victor gesagt haben, daß es mehr beiße, zu wissen, was man glaubt, als glauben ohne zu wissen, so bezieht std dieses Mehr weder anf das meritum fidei, das bei dem einfältigen Glauben dasselbe ist, wie bei dem der Speculation unterlegten, noch auf den Wahrbeits- und Ues berzeugungegrund des Glaubens, als welche über das Wis: sen hinausliegen und durch deren Ableitung und Erhärtung aus dem menschlichen Wissen das meritum fidei aufgehoben würde, wie Thomas ausdrücklich bemerkt, sondern ist lediga lidh mit Bezug auf die faule Vernunft (negligentia nach Unselm) gewiffer Theologen gesagt, die den Fortschritt zum Wiffen selbst nicht betreten und andere daran verhindern möchten.

!

19) Catech. Roman. P. I. cap. 1. qu. 1.: Sed quoniam

in divinis literis multiplex est fidei significatio, hic de ea loquimur, cujus vi omnino assentimur iis, quae tradita sunt divinitus. Hanc autem ad salutem consequendam esse necessariam, nemo jure dubitabit, praesertim cum scriptum sit: Sine fide impossibile est placere Deo (Hebr. 11, 6.). Cum enim finis, qui ad bealitudinem homini propositus est, altior sit, quam ut humanae mentis acie perspici possit: necesse ei erat, ipsius a Dco cognitionem accipere. Haec vero cognitio nihil aliud est, nisi fides , cujus virtus efficit, ut 'id ratum habeamus, quod a Deo traditum esse sanctissimae matris Ecclesiae auctoritas comprobarit. Nulla enim fidelibus potest accidere dubitatio in iis , quorum Deus auctor est, qui est ipse veritas. Cf. A belly, medulla theolog. P. I. p. 7. ed. nov. Ratis

bon. 1839.

Hiermit haben wir den orthodoren Standpunct in Bes zug auf das Verhältniß von Glauben und Wiffen nach seis nen wesentlichen Momenten dargelegt. Unter den neuesten Bestimmungen dieses Verhåltniffes ist bei weitem am wida: rigsten diejenige, auf welcher die Hegeliche Religionsphilos fopbie rubt und von welcher Strauß die kritische Anwendung auf die evangelische Geschichte in seinem Leben Sefu gemacht hat. Durch jene und durch diese wurde eine Bewegung auf dem Gebiete der Philosophie und Theologie bervorgebracht, deren Verständniß und Beschwichtigung auf dem Wege der Wissenschaft die Hauptaufgabe der gegenwärtigen Zeit ist. Was jeue Philosophie angeht, so ist innerhalb ih. rer selbst ein großer Zwiespalt wahrgenommen und anderers seits auf den Widerspruch aufmerksam gemacht worden, der zwisden ihr und dem Christenthum ftatt findet. Während nun die meisten ihrer Unbånger beides bartnådig läugnen

[ocr errors]

und die (nad der Unsicht der außen Stehenden offenbar vors handene) Kluft nur immer mehr erweitern, find es andere (Gordel, Schaller), die die genannte Wahrnehmung frich nicht verbergen, übrigens aber dieselbe doch mehr' wie ein Mißverståndniß behandeln und darauf ausgeben, die vor: zugsweise so genannte speculative Philosopbie mit sich selbst und dem Christenthume auszufðbuen. Außer dem schon oben über den Ausgangspunct, das Princip und die Christologie dieser Philosophie Ungeführten, können wir an diesem Orte nur in kurzen Umrissen ihr Verhältniß zum Glauben und deffen Wiffeuschaft zur Darstellung bringen. Für den kas tholischen Theologen insbesondere ist von großer Wichtigkeit geworden der fg. Hermesianismus, der troß der competenten påpstlichen Entscheidungen auf das hartnådigste die Recht: gläubigkeit für sich in Anspruch nimmt. Endlich ist der gelebrte und fein gebildete Abbė Bautain schon vor mehreren Fahren mit Ansichten über Glauben und Wissen hervorgetreten, die ihm das Miffallen seines Bischofs zugezogen' und gleichfall6 Verhandlungen mit dem Oberhaupt der Kirche veranlaßt ha: ben. Ueber beide Erscheinungen bei der sich hier darbietenden Gelegenheit unsere Leser zu orientiren, so weit es die Gränzen dieser Abhandlung berstatten, deint uns nicht überflüßig zu renn. Endlich sind wir zu unserer eigenen Vertbeidigung dem Ungenannten (f. oben Anm. 3.) eine Antwort scule dig auf den Vorwurf der Heterodorie in Betreff eines christo: logisden Punctes.

1) Indem die Hegelsche Religionsphilosophie fich nicht beschrånft auf die natürlide (rationale) Religion , d. h. auf das Gemeinschaftliche und Gleiche in allen Religionen,

sondern auch das Eigenthůmlide der christlichen und aller andern Religionen zur Darstellung bringen und begreifen will: so kann fie fide dem Standpuncte des Wissens, den der positive Slaube mit Nothwendigkeit und so zu sagen im Jatereffe seines Dareing fordert, unmöglich entziehen wollen. Der Religionspbilosophie im hergebrachten Sinne als rationaler Theologie wurde nur darum der eigenthümlich philosophische Standpunct im Gegensaße zur dogmatischen Theologie eingeräumt, weil sie nicht deu concreten, eigens thümlichen Inhalt irgend einer positiven Religion oder auch aller, sondern nur Das, was in einer jeden vorausgefekt und das Gleidye in allen ist, zu ihrem Objecte hatte. Wenn aber eine Philosophie die christliche Religion darstellen will, gleidviel ob für sich allein oder im Verhältniß und zugleich mit allen andern: so ist es die unerläßliche Forderung, daß das Princip derselben so wohl für ibre eigene Darstellung, als auch für die Vergleichung mit den übrigen als das böchste sogleich von vorneberein anerkannt werde. Zwar läßt fich in Betreff der positiven Religionen im weitern Sinne, d. b. derjenigen, denen wir den Character als wahrhaft ges offenbarter' nid)t vindiciren, eine rein philosophische Darstels lung denken, indem wir sie als Entwidelungsstufen des relis gidsen (menschlichen) Geistes betrachten; aber die christliche Religion tritt gleich von vorneberein mit dem Anspruche auf, nicht bloß die höchste Stufe derfelben, sondern auch eine ans dere, und zwar die höchste Art aller Religion zu sein: ein Ansprudy, den wir nur mit dem Glauben an fie selbst aufgeben können. Innerhalb des Christenthums ist dieser Standpunct wie für das Leben, so für die Wissenschaft ein

« ͹˹Թõ
 »