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Pohlechthin gegebener; er läßt fich nicht ableiten: d. 5. wes der auf einen andern Grund basiren, als den der übernatürs lichen Gnade und Offenbarung, nodo mit einer andern Ges wißheit ausrüsten, als der des unmittelbaren Glaubens. Nur für den Unglaubigen außerhalb des Christenthums ist dieser Standpunct nicht vorhanden, wie denn and wir in An: febung aller nichtchristlichen Religionen auf ihu perzichten und ihn sogar für unwahr erkennen, indem wir sie lediglich als Entwidelungsstufen des religidsen Geistes betrachten und den Ort aufsuchen, der einer jeden zukommt, und das Maaß der Wabrheit, welches ihrer Stufe eignet. Eingeräumt, aber freilich nicht begriffen, ist diefe unsere Forderung selbst von den Religionsphilosophen der genannten Sdule, wenn sie die cristliche Religion gleid von vorneherein als die böchste Entwidelungsstufe betrachten und alle andern Relie gionen ihr ohne weiteres unterordnen. Der Muhammedaner verfährt nicht anders; desgleichen jeder Anhänger einer posītis ven Religion außerbalb der christlichen, eben in wie fern fie G 1 å ubige find. Wir fragen: was berechtigt zu dieser Entgegenseßung einer gegen alle, zu dieser Bevorzugung einer Religion vor allen übrigen gleich von vorneberein, wenn nicht der Glaube an fie? Und ist eine solche ausschließlide Geltendmadung einer Religion als der badsten unter den vorhandenen nicht nur, sondern unter allen möglidhen auch nur in sich selbst gerechtfertigt, wenn ihr blog die bódoste Stufe des religiösen Geistes zugesprochen wird? Die Entwis delung des religidsen Geistes ist nirgend8 abgeschloffen und darf überall nicht als eine abgeschlossene betrachtet werden. Indem man nun dod dem Christenthum jene Stellung ein:

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råumt, erklärt man sie vielmehr als die absolute Religion, welche gerade darum die bo ci ste ist, weil sie die einzige ift ihrer Art. Die Entwidelung des religiofen Geistes, obgleid 'an fich unendlid, ist dennod nicht im Stande, über fie hinauszukommen, eben weil fie fein Product von ibr, sondern eine andere, eine geoffenbarte ist. So hat man in Wahrheit, ohne sich dessen klar bewußt zu werden, auch auf dem Gebiete der speculativen Philosophie den Gegensatz von Natur und Gnade nicht ganz verläugnen können und hiemit der christlichen Religion den Boden eingeråumt', ohne welchen sie weder ist noch erkannt wird, und welchen sie im Glauben schon überall einnimmt,

Auf der andern Seite ist indeffen doch auch nicht zu låugnen, daß wenn überhaupt eine Philosophie des Christentum $ möglich sein soll und der Philosopbie. ist in der Zbat eben diefes eigen, daß sie P an fopbie ist und fich über allen Spbaren der Erkenntniß festzulegen die Bes stimmung hat -, ihr ein anderes Princip eingeräumt wer. den muß, als das der Dogmatil ift. Sollte nun dieses nicht doch vielleidt gerade darin bestehen, daß fie den Glaus ben als wahr und gewiß vorerst ganz dahingestellt sein läßt oder auch geradezu bezweifelt (dubium positivum) und somit völlig voraussetzungslos an ibn berantritt, wogegen die Dogmatik ihn nicht nur als gegeben, sondern auch als wahr und gewiß zum voraus binzunehmen båtte? Diefen Standpunct aber und diesen Gegensaß zur Dogmatit kons nen wir einer chriftliden Religionsphilosophie schlechters dings nicht zugestehen. Es wäre dieß, wie die Archimedeis sabe Forderung will, ein Ort des mendoliden Geistes

außerbalb deb gottliden (chriftlichen) Geiftes, um diefen zu bewegen, und einen solden gibt es nicht. Gleichwohl ist die gemeine Meinung jeßt wieder mehr als jemals auf diese Unmöglichkeit gestellt - ). Thomas würde gesagt haben: non datur, nisi tollatur fides et meritom fidei (vgl. oben S. 405.). Nur wenn die pantheistische Weltanschauung gleich von vorneberein zum Grunde gelegt und als wahr ans genommen wird, ist jener Standpunct zu rechtfertigen. Denn bier erscheint der Ort des menschlichen Geistes, welden er auch einnebmen möge, immer als in Gott gereßt und mit: bin auch jeder wahrhaft geistige Standpunct innerhalb des christlichen (göttlichen) Geistes selbst aufgebaut. Aber mit dieser Weltanschauung ist die christliche in fortdauerndem und durchgängigem Zwiespalt begriffen: so daß nur die Wahl bleibt, ihr oder dem Glauben zu entsagen. Die pantbeis stische Weltanschauung als Princip der Philosophie ist aus: driglich ein Moment des natürlichen Denkens, cine Ents widelungestufe (und zwar vorgeblich die böchste) des fich felbst regierenden, aus fic felbst wirkenden menschlichen Geis ftes. Dieser natürlide Menschengeist aber feßt sich, nach der febre des Christenthums, niemals felbft identisch mit dem christlichen und göttlichen Geist, no do auch erhebr er fido felbst in dessen Sphäre, um ihn so zu erkennen wie er ist und in dieser Erkenntniß die Rechtfertigung und Veiligung, oder das pelige Leben zu haben: fondern wo und wiefern das lektere der Fall ist dean von dem ersteru ist auf

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20) S. Erdmann, Vorlesungen über Glauben' und Wiffen,

6. 264 f.

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christlichem Standpunct soon gar nicht die Rede -, ift es die Gnade Gottes durch den Slauben an Christus, und sos mit nicht die Entwickelung des menschlichen Geistes aus und durch fich selbst, welche jene Erkenntniß Bervorbringt. Man můßte aus dem chriftlichen Glauben die Lehre von der Sünde und dem Erldser gånzlich wegstreichen, d. h. ihn in seinem Mittelpuncte vernichten, nm ich will nicht sagen die streng pantheistische Weltanschauung denn diese ist zunächst durch den natürlichen Lheismus, welchen das Christenthum überall schon voraussetzt, beseitigt -, sondern nur jene Gemein: schaft des menschlichen Geistes mit dem górtliden, auf wels cher die wahrhafte Erkenutniß Gottes und das selige Leben beruht, als ein reines Product der philosophisden Speculas tion oder selbst der mystisden Contemplation behaupten zu können. Ist also jene Erhebung des Geiftes in die Sphäre des Absoluten, ohne welche die Erkenntniß der christlichen Wahrbeit, felbft nach der Ansicht der Hegelschen Religionss philosophie die sich eben darum auf ihren absoluten Stands punct beruft, nicht möglich, überall von der göttliden Gnade und dem Glauben an Ebristus abhängig: fo ist es auch un. ter allen Umstånden unmöglich, die christliche Wahrheit specus lativ abzuleiten und zu behaupten, daß die, speculative Nelis giongphilosophie, obwohl fie das Princip des Hlaubens ganz dabin gestellt sein läßt, und auf ihr eigenes Princip bauend. vom Nichts ausgeht, denselben Juhalt wie die Dogmatik finde, welche vom Glauben ausgebt. Es wird aber in der That von Seiten der Hegelschen Schule kein anderer Unters schied zwischen christlicher Dogmatik und christlicher Relis gionsphilosophie anerkannt, als der in der Form, und es

ist eben nicht schwer zu begreifen, warum fie diefed thut and in Gemåßheit ihres Principo thun muß. Der Unterschied binfidhrlich des Umfangs, welder bei der Vergleichung von selbst ins Auge fållt und auch sonst besonders bemerklich gemacht wird, ist von untergeordnetem Interesse, außer in fo fern einige gerade die von der Dogmatit wefentlid abs weichende speculative Methode der Religiondphilosophie das mit scheinen "rechtfertigen zu wollen, daß die leştere uidor bloß die christliche, sondern auch alle andern Religionen zu ihrem Gegenstande bat. utlein wenn wir ihr diesen Ums fang auch gar nicht streitig machen wolleu; ro folgt doch daraus nod Teineswege, daß man diese Religionen, die christliche mit begriffen, als verschiedene Entwidlung& ft ufen des religidsen Geistes zu betrachten, und nicht vielmehr die christliche als eine von allen der Urt nach verschiedene zum Princip und Maaßstab alles religiösen Erkennen und les bens, so wie es von den Alerandrinern geschehen ist, zu nebmen hat. Dieses also vorausgerekt, worauf wir sogleich wieder zurůdkommen werden, moge hier eine Darstellung des genannten Unterschiedes einen Plaß finden, welche eb deutlicher als viele andere zeigt, wie so nabe die Hagelsobe Schule ihre Religionsphilosophie der Dogmatik bringes mód: te, obne fich auch nur im entferntesten dem Princip det Glaubens anzuschließen. „Die Dogmatit," sagt Erds maa n 21), ,, indem fie fich darauf beschränkt, den Inhalt der dristlichen Lehre als Entmidlung des christlichen Gottes begriffes zu begreifen, hat diesen, wie er in der dristliden

21) Vorlesungen über Glauben und Wiffen, S. 268 f.

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