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febre vorgefunden wird, aufzunehmen und geht also von einem empirischen Datum aus. Eben so erscheinen auch im Fortgange die einzelnen Lehren wieder als empirische Daten und find als solche aufzunehmen. Diese Form des Gegebens seins muß allerdings in sofern aufgehoben werden, als die speculative Dogmatik, eben weil sie dies ist, ades als ein

Bild der Vernunft 22) zu erkennen hat, und also endlido por gar nichts abrig bleiben darf, als ein bloß empirisch Geges

benes (höchstens als nicht aufgebender Rest der Zufälligkeit); aber der Weg, den sie einfdlågt, wird doch immer der sein, daß fie ausgeht von dem Gegebenen und anlangt bei dem Aber das Gegebensein Erhabenen, daß sie die Wahrbeit als

ein ein Wirkliches vorfindet und nun von diesem Wirklichen die Nothwendigkeit begreift, oder, um in einer jeßt beliebteren form eß auszudrůden, die speculative Dogmatik gebt bon der Geschichte aus und erkennt in ihr die Idee wieder. Da die Religions philosopbie nicht auf den Kreis der eis nen Religion beschränkt ist, so wird sie sich eben deßwegen

(? fiebe oben) ganz anders zu berhalten haben. Ihr ist der · Unfangspunct nicht ein Vorgefundenes, sondern das,

was aus den Wissenschaften, die ihr vorhergingen: Psy: chologie, Rechtsphilosophie u. f. w., resultirte. Diesen Bes griff Gottes, welder ein Resultat ist, das im lauf

22) Ich werde kaum zu erinnern nöthig haben, daß mir diere

Auffassung der Dogmatik, die ich bloß im Augemeinen und
zur Feststellung des Gegensaßes gegen die Religions philosophie
für zureichend halte, nicht darum auch schon in allweg genů:
gend erscheine.
Theol. Quart. Schr. 1839. 38.

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des System 8 erworben warb, biefen betrachtet fie in seiner nothwendigen Entwidlung, und von den verschiedenen Stadien seiner Entwidlung aus fiebt sie sich nun um nach Erscheinungen in der Wirklichkeit, die auf den je verschiede: nen Entwicklungsstufen steben geblieben sind. Ihr wird, denn fie ist fpeculative Theologie, eben so wie der Dogmatit das Resultat sein, daß Positives und Vernünftiges, Wirkliches und Nothwendiges, Geschichte und Idee identisco find, aber sie wird von dem Veraånftigen, Nothwendigen, der Idee, ausgeben, und wird zeigen, daß dieses auch wirklich, Geschichte 2c. ift, während die Dogmatik gerade den umgekehrten Weg einsdlágt. Kurz, bei aller Verwandts fchaft, die als fpeculative Religionswissenschaft die systemas tische Theologie und die Religionsphilosophie haben, wirb der Unterschied der Form zwischen beiden nicht vers fchwinden.“ Diese Exposition wird ins Kurze gefaßt, so ausgesprochen . „Wenn sich die speculative Theologie darauf beschränkt, den Begriff Gottes, wie er in der christlichen Religionslehre gegeben ist, sich entwideln zu lassen, und Alles, was die christliche Lehre enthält, als nothwendige Entwicklung dieses Begriffs darzustellen, so ist sie speculas tive Dogmatik. Wo sie aber nidt vom Gegebenen auss geht, sondern den Begriff Gottes, wie er sich im gans zen System des Wissen & ergeben bat, sich ents wideln läßt, und sich nicht auf den Kreis der christlichen Religion beschränkt, sondern Stufen der nothwendigen Ent: wicklung des Gottesbegriffe aud in den andern Religionen nachweist, da ist sie Religionsphilosophie 13).

23) Erdmann a. a. D. S. 264.

Hiernad reducirt sich der Unterschied zwischen Dogmatil und Religionsphilosophie , auf den allgemeineren zwischen Ers fabrungswissenschaft und Philosophie, empirischem uud spes culativem Erkennen, wenn man diesen im Sinne der P. g. speculativen Philosophie bestimmt. Denn darnach ist der Unterschied nicht am Objecte selbst, sondern lediglich an der Form der Erkenntniß ein wirklicher. Und in der Zhat laßt er fide bom pantheistischen Standpuncte aus auch gar nicht anders bestimmen; und andererseits gibt es keine Philosophie, welde diesen Kanon mit so großem Rechte sich zueignete und innerhalb welcher er fo viel Wahrheit båtte, als gerade jene. Fichte machte zu seiner Zeit denselben Unterschied gels tend und stellte der Philosophie einfachbin die Aufgabe: die Erfahrung zu erklären 24); aber wie viel leerer mußte . eine Erklärung der Erfahrung, welche das Id zum Princip nimmt, ausfallen, gegen diejenige, welche, vom absoluten Geiste in dem Alles ist ausgebend, daß Werden aller Dinge aus Nidte und die Selbstvollendung Gottes in der Welt bes schreibt 25)? Mit richtigem Blide bat Fichte aus jener Ers klärung zugleich das Kriterium für die Beurtheilung der Philosophie entnommen und selbst dahin ausgesprochen:

24) S. Kuhn, Jacobi und die Philosophie seiner Zeit, S. 506 ff. 25) Es ist nicht dieses Ortes nachzuweisen, wie fchon Fichte von

dem reinen 3ch als Princip der Philosophie auf das absolute Ich hingetrieben wurde, wie Schelling dieses weiter führend der Vater der neuesten Philosophie des absoluten geworden ist, welche Hegels Geist auf eigenthümliche Weise zu einem nach allen Seiten bin detailirten System ausgearbeitet hat.

.:Stimmen die Resultate einer Philosophie mit der Erfah. rung nicht überein, so ist fie ficher falsch". 26). Offenbar nun muß, auch die neueste speculative Philosophie, wenn sie den Unterschied zwischen empirisdem und speculativem Ers tenuen lediglich in die Form reßt, diesem Ausspruche fico unterwerfen, nnd insbesondere also auch ihre Religionspbilos sophie mit der Dogmatiť in Uebereinstimmung bringen in allen Resultaten, welche sie aufstellt. Diese Uebereinstims mung wird aber überall bermißt, und zwar nicht bloß in diesem oder jenem Puncte, fondern in den Hauptlehren des Christenthums von der Sünde, Rechtfertigung, Erldsung, dem Gottmenschen und der Trinitåt. Nun wird freilide von ihrer Seite versichert, daß ihre Auffassung den wahren Geift der christlichen Lehre darstelle; dagegen von Seite der Dog: matik dieß geradezu geläugnet und bebauptet, daß jene viel: mehr ganz andere Lehren, als die driftlichen, aufstelle. Wem ist nun zu glauben? oder vielmehr, nach weldem Kriterium ist hier die Entscheidung zu geben? Was Aden scheint, ist wahr, sagt Aristoteles.. Gerade so mithin, wie der Fichtesche Idealismus, der nie zugab im Widerspruche mit der Erfahrung zu sein, nicht durch den Ausspruch dieses oder jenes Realisten widerlegt werden konnte, sondern nur durch das Gesammtbewußtsein Ader, kann auch die Hegels ide Religionsphilosopbie nicht durch das christliche Gottesbewußtsein dieses oder jenes Theologen widerlegt werden,

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26) Philosoph. Journal, herausgegeben von Fidte und Niet:

bammer. 5. Bd. 1.5ft. S. 45.; vgl. meine Schrift, Fas cobt 26. A. A. D.

sondern allein durch das Bewußtsein der Kirche 27). 230 nun. ein tirdlides Bewußtsein nicht vorhanden ist, sons dern neben einander nur mebrere gleid berechtigte indivi: duelle Glaubendmeifen, da ist die Widerlegung in höchfter Instanz, die factische und geschichtliche, nicht möglich; denn eine solche, welche . etwa von Seiten des Staates káme (pas weltliche Verbot) wäre zwar eine factische und ges fchichtliche, zugleich aber auch eine unbefugte und verwerfliche. Daß aber die genannte speculative Religionsphilos sophie dèm kirchlichen Bewußtsein nicht gemaß sei, läßt fich bis jeßt nur behaupten und durch die Vergleichung der beis derseitigen Hauptlehren nachweifen: der eigentliche und wahre Beweis, nåmlich der geschichtliche, würde erst durch einen Ausspruch der Kirche selbst bergestellt werden; dafür aber fehlen zur Zeit die Prámiffen und werden dieselben wohl auch nicht eintreten: nämlid, daß jene philosophische Relis gionslehre da ober bort als chriftliches Glaubensbekenntniß aufgestellt und gegen das kirchliche geltend wird. Ift nun nicht zu läugnen, daß das tirdlide Bewußt fein in lekter Instanz über die Resultate einer christlichen Religion sphilos fopbie mit Recht entscheidet; so ist damit zugleich anerkannt, daß sie durchweg und also aud fchon von vorneherein in eis ner sehr nahen Beziehung zu einander steben müssen. Wels ches ist nun diese Beziehung ? Schelling bat für die Philosophie mit Recht den Saß aufgestellt, daß, wenn sie das Absolute nicht gleich am Anfang reße als schlechthinige Judifferenz des Fdealen und Realen, fie dasselbe als soldes aud am

27) Siehe oben S. 412.

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