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bar: die beutige Philosophie bat keinen Punct, woran dieser Beweis [der Zuverläßigkeit der theologisden Erkenntnißprins cipien und lebren] ohne Schwärmerei, demonstratio, anges knüpft werden könnte 32): so hat die Theologie åberal felbst die Philosophie aufzustellen, und nur in dem Maaße als es ihr gelingt, derselben Anerkennung zu verschaffen, ist fie selbst in der Möglid teit Unspruch auf Unerkenntniß ihrer Lehren zu machen. So wäre also die Theologie und. das Christenthum felbst, für den Wiffenben wenigstens, der fich bei dem „einfältigen Glauben“ der ungelebrten Menge nicht beruhigen taun, all'den Schwankungen und dem Wech: fel der Meinungen Preis gegeben, welche die Philosophie seit Thales erfahren, und dem Christen jener Friede nimmer bes rdicden, den der Herr versprochen hat den Seinigen zu gés ben, der Friede, den die Welt nicht geben kann, der Friede, den die Weisheit dieser Welt am wenigsten gibt.

Uber nicht bloß dieß, daß auf solche Weise zwei gang verschiedene Wiffenschaften in einander laufen und die Philos sopbie ein integrirender Theil der Theologie wird, erscheint rdhon nad logischen und formalen Rücfichten zu urtheilen ganz unzulåßig und als ein an der Philosophie begangenes Unredet; sondern weit mehr noch måffen wir uns im Jas teresse der Theologie und ihres abgesonderten Daseins gegen eine solche Vermisdung erklären. Denn, wenn wir früher erkannt haben, daß die am meisten pbilosopbifobe Disciplin der Theologie, d. b. diejenige, welche in dem großen Kreife

38) Hermes, Studir : Plan der Theologie, ein Unhang der

philosophischen Einleitung, S. 15.

menschlicher Wissenschaft der Philosophie am nächsten liegt, die Apologetit des Christenthums und der Kirche, doch durch ibr supernaturalistisches Princip der Theologie wahrhaft ans gehört; so fällt auch sie (oder die positive Einleitung) nach der Untergrabung ihres Princips durch die philosophische Einleitung in das Gebiet der Philosophie zurúd. Und nicht anders auch die Dogmatit selbst, nachdem ihr unmittelbares Fundament, die positive Einleitung, ihres theologischen Grundes beraubt, eine rein philosophische Disciplin gewors den ist.

Sollte dieses einem so scharfsichtigen Manne,' als Hers mes wirklich war, gåuzlich entgangen sein; sollte ein rd eitriger Theolog und Katholik, als welcher er uns nach der oben (S. 61.) eben deßhalb absichtlich angeführten Leußes rung und nach allem, was wir sonst von ihm wiffen, erscheint, nicht wahrgenommen haben, daß er den Weg der Untergrabung des christlichen und insbesondere des katholischtheologischen Princips wandle? Man muß aber wiffen und bedenken, daß es ihm eine hohe Befriedigung gewährte, ein eigenes System der Philosophie aufgestellt und die Theologie, auf die man philosophischer Seits so gerne boch herabsieht, zum Range einer Wissenschaft, gleich der Philosophie, erboben zu haben. Diese Befriedigung machte ihn vieles, ja alles andere vergessen. Dazu kommt, daß er in der vors berrschenden Meinung, das Christenthum als wahr und den Katholicismus als das wahre Christenthum bewiefen und ges gen jede auch noch so weit getriebene Skepsis ficher gestellt zu haben, den Gedanken gar nicht in fidh zum Nachdenten Theol. Duart. Schr. 1839. 38.

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bringen konnte, ob er nicht vielleidet den Glauben statt er: wiefen vielmehr untergraben babe. In der ihm über alles gebenden Ueberzeugung, daß man, um zu einem feften und fideren Wiffen zu gelangen, vom Zweifel ausgeben müsse, batte er dafür feinen Sinn, aud diese Ueberzeugung zu bes zweifeln und insbesondere zu zweifelu, ob man auch jemals wieder zum Glauben kommen könne, wenn man ihn nicht foon irgendwic 'am Unfang gesegt hat; obgleich auch dieser Zweifel demjenigen båtte aufstoßen sollen, der fich vorgefeßt, an allem zu zweifeln, was nur immer bezweifelt werden tonnte, da es nur zu offenbar ist, wie sehr man eben die res bezweifeln kann. Oder sollte das Falsde nicht bezweifelt werden können? Aber Er konnte es nicht. Håtte Her: mes einen solchen Gedanken jemals gefaßt, so würde er seiner skeptisden Marime selbst widersprechen und mit einemmale aus seiner Rolle gefallen sein, die er folgendermaßen bez fdreibt: ,,Id fing an zu studiren mit dem Vorsake, alles, was id wußre, nur in sofern als mein Wiffen gelten zu laffen, als ich es von nun an selbst finden würde; und feßte, um sicher zu gehen, spåterhin noch hinzu: nidis als gefun. den gelten zu lassen, als was ich nicht läugnen könnte." Hermes gehörte zu denen, welde dem Faß seinen Boden ausschlagen, um es sofort gründlich zu füllen, welche ,,keine andere Ueberzeugung kennen, als die aus Vernunftgründen," nicht bedenkeud', daß sie damit auf einen Regressus in fu: finitum, d. h. zu nidhts kommen; denn wenn sie bei derje: gen Erfenutniß endlich stehen bleiben, welche sie nicht lång: nen können, bei dem nothwendigen Erkennen, oder wie

Hermes fagt, bei dem nothwendigen Halten der theoretisden und dem nothwendigen Annehmen der practischen Vernunft: fo ist das doch nur ein aothwendiger Schein und wo das so Erkannte dennod nicht får Sdein gehalten und nicht als Shein angenommen wird, da geschiebt dieses jedenfalls und anerkanntermaßen ohne Gründe oder durch den Glauben. Also hat doch alle und jede objective Wahrheit überall ein ganz unmittelbares nicht weiter zu begründendes Fundas ment. Dieses Fundament kann nicht tiefer begründet, `0. i. berpiesen werden, und was bewiesen wird, das ist nicht dies fes Fundament, sondern nur sein subjectiver Schein, d. 5. die Reihe der subjectiven Bestimmungen des auf dasselbe reflectirenden Bewußtseins. Und weil nun diese nur als in sich selbst nothwendig erscheinen und so wie fie nachgewiesen werden können nicht über fich felbst hinausweisen, so ist jener Sdein streng genommen nicht einmal ein nothwendis ger Schein der Objectivitåt, sondern ein nothwendiges Scheis nen des Beweises d. h. es ist nothwendig, daß er zu bes . weisen nur peeint, und unmöglich, daß er wirklich beweist.

Es wäre für uns ein leichtes, in Betreff der Hermes fischen Philosophie diesen Beweis zu führen und also zu zeis gen, daß das vorausgereßte Princip derselben bei folgerichtis gem Verfahren zu dem Idealiomus und Nihilismus fübre, und daß es nur durch eine mangelhafte Verfolgung desselben geschehen konnte, wenn die Wahrheit einer Welt außer und, eines Gottes über uus al8 Resultat gefunden wurde. Allein dieß liegt nicht in dem Kreise der gegenwärtigen Aufgabe und wäre auch sonst kein zeitgemäßes Beginnen, da der

Reflerion & ftandpunct, auf welchem fica Hermes durch gångig bewegt, durd alle neuern Bestrebungen in der Phis losophie so voltommen überwunden und als unzulånglid lo ganz allgemein erkannt ist, daß wir mit cinem solchen Bes weise recht eigentlich post festum fámen. Die fpeculas tive Erkenntniß ist durch Schelling und Hegel, wie weit auch beide ihre wahren Gränzen übersprungen haben mögen, als die allein philosophische zur Ueberzeugung der denkenden Zeitgenossen erhoben, und es ist nicht schwer zu begreifen, daß der Reflexionsstandpunct, auf weldem wie bei Hermes Wahrbeit und Gewißheit al& getrennte Momente der Er: kenntniß und beide wiederum im Gegensaße zu der Dbjectis vitåt erfaßt werden, in der speculativen oder pbilosopbilden Erkenntniß negirt und gleich von vorneherein als untergeords nete Stufe der Erkenntniß beseitigt ist 33) (vgl. oben S. 394). Aus diesem Grunde hat die Hermesische Philosophie auch frús ber uirgende Anklang gefunden, außer bei den wenigen Adepten der eigenen Schule und bei diesen wiederum einfach deßhalb, weil sie nidoto befferes fannten und mit ihrem Meister hinter der Zeit zurůdgeblieben sind. Wir finden

33) Aus diesem Gesichtspunct hat u. Kreuzbage den fer:

mesianismus mit vielem Geschick widerlegt in der Schrift: ,,Beurtheilung der Hermesischen Poitorophie mit Beztehung auf das Verhältniß der Philosophie zum Christenthum" Munster, 1838. Wir empfehlen diese Schrift auch denjeniger, welche fich über die Hermesische Philosophie in der Kürze unterrichten wollen, ohne den bretten und weitfchweifigen Gang in der philosophirden Einleitung" nachzugeben.

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