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nämlich bei Hermes selbst, obgleich der Anfang reines felbste fåndigen Nachdenken über die höchsten Gegenstände des mensdyliden 'Geistes und Herzens in die Blutbezeit der Ficteschen Philosophie - in den neunziger Jahren fålt da Rants Stern lange schon zu bleichen begonnen; obgleich seine Berufung zum theologischen Lehramt und damit ein neuer größerer Sporn zur wissenschaftlichen Zbåtigkeit (im Fahr 1807) mit dem Wendepunct der Ficteschen Philosophie und dem überwiegenden Einflusse Sdelings auf das philos fophirende . Zeitalter zusammenfållt; obgleich fein Lod erst · im Anfange dieses Deeenniums erfolgte, als Heget längst fchon die ganze Kraft seines speculativen Talentes entfaltet batte alles dessen ungeachtet nur den Rantischen Kriticies mus, und die Fichtesche Philosophie lediglich in ihren popus låren Darstellungen berücksichtigt: doch gewiß ein schlagen: der Beweis, daß diese Philosophie eine Spåtgeburt ist und diese Philosophen zu spåt gekommen sind. Aber die in den legten Jahren wieder so weit gesteigerte Leidenschaft hat mit einemmale, nachdem der Hermesianismus von Rom aus verworfen- war, von der bis jeßt gånzlich ignorirten Philos fopbie Noriz genommen und sie, wie nicht anders zu erwars ten stand, mit der Wiffenfchaft und Aufklärung selbst gleichfam identificirt: bloß weil Rom sie in ihrer Anwendung auf die Theologie verworfen. Denn alle jene Herolde ihres Rubmes stehen durchaus auf einem andern Standpunct, und würden sie (wie früher wirklich geschehen) nicht einmal der Belåmpfung, geschweige einer Unpreisung werth geachtet haben. So weit gebt Partheisucht, so verlehrt ist die Reis dcasdaft!

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Aber wie man auch von dieser Philosophie an und für sich selbst urtheilen mag: über ihre Anwendung auf die Theologie tann nur eine Stimme sein. Diese ist vorerst über: all untheologisch. Der Beweis ergibt sich unmittelbar aus den obigen allgemeinen Ausführungen; wir ziehen es aber por, Auctoritaten anzuführen. Die Nachweisung wird uns jeder fachverständige Theologe erlassen, daß der altprotestan: tische Standpunct jene Anwendung als den Glauben gefähr: dend und durchaus heterodox noch entschiedener verwirft, als der katholisde. Aber auch auf demjenigen neuprotestantischen Standpunct, der eben noch so viel Positives anerkannt, um selbst als theologisch gelten zu können, hat man niemals anders geurtheilt. Ereffender als Zweften eine früher båufig wiederkehrende Erscheinung in der Protestantischen Theologie geschildert und beurtheilt hat, läßt sich der Hers mesianismus nicht daracterisiren. „Wenn Einige, sagt er 34), die Sade so ansehen, als tonne'man a u$ b1o. Ben Gründen der Erkenntniß beweisen, daß Gott fid offenbart babe und daß diese offenbarung in der Schrift 35) niedergelegt sei, so daß dieser Beweis und die darauf gebaute lebre nicht nur unabhängig vom chriftlichen Glauben wåre, sous dern dieser selbst begründete: lo berkennen sie fos

34) Vorlesungen über die Dogmatik der evangelisch« lutherischen

Kirche. 1. Bd. 3. Aufl. S. 282.

35) Sage: ,, in der Kirche'' damit die Characteristit deu Ser:

mesianismus in nidots verfehle.

wobl die Natur des Glaubens, der auf diese Weise nicht entstehen kann, als auch die Bestimmung der Dogmatik, welde nicht ist, auf dem Wege der Demonstration ein Sea båude von rein theoretischen Lebrsåßen aufzurichten, welches den Glauben allenfalls vertreten könnte 36), sondern diesen nad seinem Zusammenhange wiffenídaftlich darzustellen." Dieser durchaus richtigen Beurtheilung fügt Twesten die histos rische Notiz bei: „Diese Methode, das, was Sade des Glaubens ist und daher einen ganz andern Grund im menschlichen Gemütbe bat, als Sache reiner Erkenntniß auf eine, vermeintlich für sich erweisliche, Theorie opn Offens barung und Inspiration 37) bauen zu wollen, war es, die Lessing in dem Gobelcher Streite bekämpfte, weil eben fie solche Einwürfe, wie die der Wolfenbüttelschen Fragmente 38), hervorrufe und ihnen das Christeuthum preisgebe 39).“ Ich könnte nun noch andere protestantisde Theologen anführen, welde den unmittelbaren und übernatürlichen Glauben als Princip der Theologie verrechten gegenüber von solchen, welche die Philosophie mit der Theologie zu Einem Ganzen verbins den und die Erkenntniß in beiden als stetig in einander flies Bende Momente betrachten, wenn es nöthig wäre, får eine so bekannte und anerkannte Sache viele. Gemåbrømanner aufzurufen. Nur einen möchte ich nicht ganz stillschweigend åbergangen haben, Soleiermacher, dessen Urtheil über das, was dem theologischen Standpuncte überall nothwendig ist, um so bedeutender erscheint, je mehr er die Wissenschaft des Glaubens als solche anerkannt und selbst auf eine so ausgezeichnete Weise gefördert hat. Nach Sdleiermacher 40) ist es der dialectische Character der Sprache und die systes matilde Anordnung, welche der Dogmatik ihre wesentliche wiffenschaftliche Gestaltung geben. Die dogmatischen Såße entspringen, seiner Ansicht zu Folge, nur aus der logisch ges ordneten Reflerion auf die unmittelbaren Aussagen des froms men Selbstbewußtseins (Glaubens), und das dialectische Mos ment des wissenschaftlich dogmatischen Processes ist nur vor der Form zu verstehen. „Denn ein Saß, welcher etwa von der speculativen Zhätigkeit ursprünglich ausgegans gen wäre, er möchte seinem Jabalt nach den unsrigen noch so verwandt sein, wäre doch kein dogmatischer mehr 41).

36) D. h. für Diejenigen, welche sich ein solches System der

Erkenntniß anzueignen wissen, das Glauben an die christs lidbe Wahrheit (aber nicht diere selber) überflüßig machte.

37) Lies , Offenbarung und Kirche.

38) und der Strauß'schen Mythologie und Religionsphilosophie.

39) Man rebe noch westen a. a. D. S. 422 ff.

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, Die evangelische Kirche insbesondere., erklärt Schleiermacher weiterhin , trägt das einmüthige Bewußtsein in fich, daß die ihr eigenthümliche Gestaltung der dogmatischen Såße nicht von irgend einer philofophischen Form oder Schule abhängt oder überhaupt von einem speculativen Jutereffe ausgegans gen ist, sondern nur von dem der Befriedigung des unmits telbaren Selbstbewußtseins allein mittelft der achten und uns verfålschten Stiftung Christi“ 42). Dieses Bewußtsein wohnt der orthodoxen altprotestantischen Kirche in einem solchen Maaße bei, wie es die katholische Kirche' nicht alb wahr anerkennt, indem diese auch die auf der patürlichen Vers nunft und fittlichen Freiheit (die dem fich selbst - überlassenen Menschen jener zu Folge gånzlich fehlen) beruhende Erleants niß Gottes und der göttlichen Dinge anerkennt und in der bdhern Einheit des Glaubens in fich schließt. Daber rührt es, daß die Frage: „ob derfelbe Saß in der Philosophie wahr sein könne und in der christlichen Theologie falsch und umgekehrt“ (vgl. oben S.383.), welche Schleiermacher eine „Wunderliche' nennt, in dem kirchlichen Bewußtsein des Kathos liken einen guten und wohl verständliden Sinn bat, nams lich den, daß in der böhern Einheit der Glaubenserkenntniß die niedere natürliche Vernunfterkenntniß als untergeordnetes Moment eingeschlossen, und nicht fo abgewiesen ist, daß fie entweder als lautere und baare Nichtigkeit gånzlich verwors fen wird (wie von Seiten der Reformatoren gescheben), oder der Glaubenserkennțuiß ewig åußerlid bleibt und in einem bestånbigen Gegensatze zu ihr verharrend, wie Schleiermacher will. Denn, wie Thomas lebrt, die Gnade hebt die Natur nicht auf, sondern diese wird durch jene gehoben. Diese Differenz nun abgerechnet, welche jedenfalls nicht in der beiderseitigen Auffassung der Dogmatik, sondern in der der Apologetik ihre volle Bedeutung hat, können wir der Sdileier: machersden Ansicht vollkommen beitreten: „Unsere dogmaa

40) Glaubenslehre I. S. 165 ff. man vgl. beronders S. 170.

41) A. a. D. S. 115.

42) U. a. 9. S. 117.

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