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tische Theologie, heißt es (a. a. D. S. 117.), wird nicht
eber auf eigenem Grunde und Boden ro sicher stehen, als
die Weltweisheit schon lange auf dem ihrigen, bis die Sons
derung beider Arten von Såten (der dogmatischen und phis
losophischen) so vollständig sein wird, daß z. B. eine ro
wunderliche Frage wie die, ob derselbe Saß in der Philo.
sophie wahr fein koune und in der christlichen Iheologie
falsch und umgekehrt, deßwegen nicht mehr vorkommt, weil
ein Saß, so wie er in der einen ist, in der anderu keinen
Platz finden kann, sondern wie åbnlich er auch klinge, die
Verschiedenheit doch immer vorausgesetzt werden muß.' Von
diesem Ziele aber sind wir noch sehr weit entfernt, so lange
man sich noch für dogmatische Site Mühe gibt um eine
Begründung oder Ableitung nach Urt'der.fpecu:
lativen, oder gar darauf au & geht die Erzeug-
nisse der speculativen Th åtigkeit und die Ergeba
niffe der Betrachtung frommer Gemåt hozu stå na
de in Ein G a 1 ze $ zu berarbeiten 43)."

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43) Hiermit ist zu vergleichen, was Schleiermacher I. S. 88 ff.

in Betreff des uebernatürlichen und Uebervernünftigen des
christlichen Glaubens ausführt, wovon ich nur die Stelle
S. 95. anführen will. „Daber gehört zu dieser Uebervers
nünftigkeit auch, daß eine wahre Aneignung der christlichen
Såße nicht auf wissenschaftliche Weise erfolgen kann, also
ebenfalls außer der Vernunft liegt; sondern sie erfolgt nur,
sofern Jeder selbst hat wollen die Erfahrung machen, wie ia
alles einzelne und eigenthúinliche nur tann durch die an:
chauenwollende Liebe aufgefaßt werden. Im andern Falle,
bemerkt Schleiermacher unmittelbar vorher, ,, mußte man ja

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Wie der Hermesianismus dem Gesagten zu Folge uns theologisdo ift, so ist er insbesondere unkatholisch. Das Bers båltniß des Wissens zum Glauben wird auf dem orthodoxen katholischen Standpunct mefentlid anders erfaßt, als es von ihm ist bestimmt und durchgeführt worden. Es gibt diesem Standpuuct zu Folge keinen andern Weg zur Wahrs beit und Sewißheit des Glaubens zu gelangen, als den der Gnade. Der wissenschaftliche Weg setzt die Guade und das, was durch fie in dem Bewußtsein des Einzelnen und der Kirche an christlicher Wahrheit gerekt ist, im Glauben schon überall voraus; der Glaube aber ist eine übernatürliche Gabe und Kraft Gottes sowohl nach seinem Inhalt (übernatürs liche Wahrheit) als nach seiner Form (übernatürliche Gewiße beit), und ist und bleibt es nicht bloß für den gemeinen Menschen, sondern auch für den Philosophen. Darauf bes rubt auch seine Wirkung, das ewige Leben; so daß, wenn ohne ihn auf irgend eine Weise zu Christus zu gelangen und Antheil an der christlichen Erkenntniß zu gewinnen wåre, das Verdienst des Glaubens aufgeboben, die Wiedergeburt aus dem heiligen Geiste zu nichte gemacht, das Kreuz Christi entkräft und der so erneuerte Mensch nicht nach Gott ges

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auch jeden Menschen, ohne daß ihm irgend etwas begegnet fet, fum Christen unterrichten und demonstriren können.“ Dieß ist nicht möglich, wie wir oben S. 404. angedeutet haben; dieß mußte aber möglich sein und geschehen, wenn der Hermesiants mus wahr wäre. Alsdann wäre aber auch die Gnade und Einwirkung des hl. Geistes überflüßig geworden, wenigstens für die Hermesaner und die es werden wollen durch die Aneignung der philosophischen Eluleitung."

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schaffen, sondern lediglich eine Creatur der Speculation wäre, Hier ist überall feine Ausflucht möglich und man sollte glaus ben auch kein Mißverständniß; die Sache verhält sido ganz einfach fo: entweder ist der Mensch durch den Geist Gottes eingetreten in die Gemeinschaft feines Sohnes vermittelft des Glaubens, oder er steht außerhalb derselben als Ungläubiger. Im erstern Falle låßt fich, was durch Gott gefeßt und jedens falls eine Ibatsa de geworden ist, nicht wieder aufhebea durch den Zweifel, und das Aufgehobene nicht wieder her: stellen durch die theoretische und practische Vernunft, sons dern so gewiß es gereßt ist und fich über den ganzen Mens iden um.. und neufchaffend verbreitet hat, so gewiß kann nur von diesem Princip der Neugeburt ausgegangen', zur Vervollkommnung des Glaubens und der Erkenntniß fort: geschritten werden. Steht aber Jemand überall noch nidt in der Gemeinschaft Ehristi durd den Glauben, so taun ihm dazu auch keine Weisheit dieser Welt verhelfen, oder Chris stus wäre nicht mehr was er ist, unser Erldfer, und das apoftolide Wort: „einen andern Grund Pann Niemand les gen, als welcher gelegt ist, Jesus Christus" i Ror. 3, 11. müßte eine Ausnahme fich gesellen laffen zu Gunsten der ,, philosophischen Einleitung.“ Vernunft und Philosophie haben, innerhalb des katholischen Systems zumal, allerdings auch ibre Recte, eigentbůmliche innere und ursprüngliche Nechte; aber der Glaube und die Theologie - man erlaube uns sie vorläufig jenen gleichzustellen -, weil sie sich ebenfalls auf eine Soopfung aus Nichte, d. h. bier aus Gnaden, auf die geistige Schöpfung der Menschheit gründen, wie jene auf die erste Schöpfung aus Nichts, nåmlid aus freier Liebe, find doch gleichfalls innerer eigenthümlicher und ursprünglis der Urt, und man darf daraus, daß die zweite Schöpfung die erste vora u sfert, nicht dhließen, daß fie in dieser auch allein ihren Srund babe. Wäre diefes, fo würde die Wiedergeburt nur ein Resultat der sich selbst entwidelnden Ratur und keine neue Schöpfung sein. Das aber behauptet kein christlicher Tbeologe. Das Berhåltniß der Vernunft zum Glauben kann auf dem katholischen Standpunct übers haupt gar nicht zweifelhaft sein; es ist eben so leicht zu fass ren, als es einfach von der Kirche ausgesprochen ist. Die Kraft Gott zu erkennen und der höchste Act dieser Erkennts niß an Gott zu glauben denn in den höbern Regionen des Geiftes ist glauben überall mehr als erkennen, weil der Glaube zugleich in der sittlichen Freiheit wurzelt und nicht blos in der Vernunft -, so wie die Kraft der fittliden Freiheit und ihr böchster Act Gott zu lieben, ist nach der Lehre der Kirche auch dem gefallenen Menschen zuständig, und nur jenes credere, sperare diligere aut poenitere, welches den Menschen gottwohlgefällig madt, ist das Werk des aus dem Geiste durd die zuvorkommende Gnade Gottes wiedergeborenen Menschen 44). Da nun jener und dieser Glaube unmittelbar auf einer Kraft aus Gott beruht, indem das Princip der Vernunft nicht weniger ein unmittelbarer

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44) Concil. Trident. sess. VI. can. 3. Si quis dixerit, sine praeveniente Spiritus sancti inspiratione (Rom. 5, 3.) atque ejus adjutorio hominem credere, sperare, diligere aut pocnitere posse sicut oportet, ut ei justificationis gratia conferatur, anathema sit, cf. ibid. can. 4-7.

Strahl des Göttlichén lichtes in und ist, als das Princip des christlichen Geistes durd) die Erleuchtung des Heiligen Geistes unmittelbar gereßt wird: - so ist 88 ebenso anstatt: haft, den Vernunftglauben in seinem Princip und ursprüngs lichen Wesen dem positiven Glauben zum Opfer zu bringen, als es unmöglich ist, diesen auf jenen zu begründen. Denn får’s erste würde damit die gleiche Ursprünglichkeit des pofi: tiven Glaubens aufgehoben - was so wenig angeht, als die Verläugnung der Ursprünglichkeit des Veraunftglau: bens —, und für’s zweite würde der Glaube, welcher dat ewige Leben in fich hat, durch denjenigen verbürgt und bes währt, welcher das felige Leben nicht in fich hat, und somit die Rechtfertigung auf nicht gestellt, d. 5. aufgeboben.

Alen diesen offenbaren und in die Augen springenden Einwendungen scheint der Hermesianismus dadurch zu ent: geben, daß er nach Vollziehung des Beweises: 'daß ein Gott fei nnd daß sich dieser Gott geoffenbart, daß die Offenbarung Gottes im Christenthume niedergelegt und in der katholi: fden Kirche erhalten fei - die einzelnen Lehren des Christens thums nicht aus der Vernunft abzuleiten, sondern in ihrer Positivitåt festzuhalten und darzustellen strebt. Allein abge: fehen von dem mechanischen und völlig geistlosen Wesen die: ser Methode, ist dadurch an der Sache selbst im Wesentlichen nichts geåndert. Man sieht zwar wohl ein, daß die Quelle des positiven Glaubens nicht in der Vernunft fließt, und daß der Inhalt desselben aus ihr nicht abgeleitet werden kann; auch wird dem Glauben eben darum eine von der Vernunft unabhängige objective Wahrheit zuerkannt. Allein zur Auer: kenntniß und zur Gewißheit derfelben zu gelangen, ist doch

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