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kein anderer Weg gegeben als der durch die philosophische und positive Einleitung. „Denn wir kennen jeßt, sagt Hers mes 45), zwei Wege über Wahrheit und Wirklichkeit mit Sicherheit zu entscheiden - das nothwendige Halten der theoretisden und das nothwendige Annehmen der berpflichtenden Vernunft -, und außer diesen beiden gibt es feinen dritten mebr (f. S. 38. a. Ende und die SS. 32. #1. 14.); und . 38. haben wir über die Anwendbarkeit die nothwendigen Halten zu diesen Beweisen bereits ro viel erkannt, als erforderlich ist'einzusehen, daß wir uns der Untersuchung des Christenthums und der beiden Vorfragen zu derselben nicht aus dem Grunde ganz überheben können, weil es kein sicheres, darauf anwendbares Fürwahrhalten oder Fürwahrannehmen gebe: es folge also von selbst, daß wir diese Untersuchung anstellen müssen, und daß wir, wo das eine, d. B. das Halten der theoretischen Vernunft, nicht anwendbar ist oder doch nicht ausreicht, das Annehmen der berpflichtenden Vernunft versuchen müssen, nach einem drita ten aber nicht zu fragen haben. Fäude fide also in der Untersuchung selbst), daß wir mit beiden die Wahrheit des Christenthums pber die Wahrheit einer der bedingenden Vors kenntnisse nicht zur Gewißheit bringen könnten, so wåren wir doch zu der sichern Entscheidung gekommen - selbst, wenn uns die Falichheit eben so ungewiß bleibe -: daß. das Christenthum_kein Gegenstand einer zuverläßigen, und also gewiß nicht einer nothwendigen Annabme für Mensden sei." Ist nun die Gewißheit ein integrirendes Moment der

45) Philof. Einteitung S. 43. A. Ende S. 258.

Wahrheit und ist nach der Lehre der Kirche jene sowohl als diese eine übernatürliche Kraft (1. oben S. 420.); so ist mit dem Zugeständniß der von unserer Vernunft unabhängigen objectiven Wahrheit des Christenthums dem Glauben um so weniger sein unveräußerliches Recht eingeräumt, als auch dieses Zugeständniß nicht von vorneberein und nidt unbe: forånkt gemacht wird, sondern selbst wieder abhängig ges macht ist von dem nothwendigen Halten der theoretischen und dem nothwendigen Unnehmen der practischen Vernunft. Veranschaulichen wir uns zu mehrerer Ueberzeugung von dem Gesagten die Situation des Hermesianismus. Hermes rés flectirt über den positiven Glauben, z. B. über die górtlich geoffenbarte Wahrheit, daß wir durch den Glauben an Chris stus das Heil erlangen. Weil er nun den Glauben als sols chen nur inhaltlich oder materiell faßte und nicht zugleido auch als den immanenten Grund seiner Wabrheit, und weil er ihm von vorneherein weder ursprüngliche Wahrheit noch ursprüngliche Gewißheit beimessen zu dürfen meinte: fo bes feitigte er ihn vor allem nad beiden Seiten durch den (pos fitiven) Zweifel und fragte: ift es aber auch wahr, was der Glaube aussagt, und wenn, wie kann ice mid dessen mit Sicherheit bergewiffern? Der Glaube nun stellt sich zunáchst mit dem Unspruche dar, ein göttlich- geoffenbarter zu sein. Also fragt sich Hermes: gibt es eine göttliche Ofs fenbarung, und wenn es eine solche gibt, wie kann ich mich davon gründlich überzeugen? Offenbar hångt aber dieses wieder davon ab, ob es einen Gott gibt; denn wenn kein Gott, so ist auch keine göttliche Offenbarung. Also fragt sich weiter: ist ein Gott und wie werde ich seines Daseins

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gewiß? Aber auch hiebei kann die Reflerion nicht steben bleiben, sondern wird noch weiter zurúdgewiesen auf die Frage: gibt es überbaupt für den Menschen Wahrheit und wie gewinnt er sichern Besitz von ihr? Dieß ist die Gene: fis des Hermesianismus. Nun kebre man die Reibe dieser Fragen nur um und mache die letzte zur ersten, so hat man die Darstellung desselben, bas Hermelianische System. Nun frage sich aber auch ein jeder selbst, ob bei solchem Verfabren der Glaube nicht mit der lekten Wurzel ausgeriffen und seine übernatürliche Kraft und Wirkung (meritum fidei) veruiditet ist? Hermes definirt den Glauben als einen in uns vorban: denen Zustand der Entschiedenheit (oder der Ueberzeugung) über die Wirklichkeit eines erkannten Etwas, in welchen wir durch ein nothwendiges Halten der theoretischen oder durch ein nothwendiges Annehmen der verpflichtenden Vernunft berseßt werden, und nennt ihn den vernünftigen Glaus ben: nicht etwa im Unterschied von dem positiven, sondern im Gegensaße zu dem Unglauben und Afterglauben (der let: tere ist nach ihm der Köhlerglaube, der nicht auf das noth: weudige Salten und Annehmen zurůdgeführte gemeine Glaus be). Dieser Glaube ist das höchste Ziel aller Philosophie, das einzig w abre Richtscheit des irdischen Menschen, und die aus fchließende Bedingung seiner Erhebung: Uns glaube und Afterglaube hingegen sind gleiche unphilosophisce Berirrung, und beide råden ihr Dasein durdo unausbleibs liche Erniedrigung ihrer Anbånger. Wie wäre das auch ans derø möglich! Denn wie das Menschen Glaube, so ist seine Wirklichkeit, und wie seine Wirklichkeit, so ist reine Sittlich. leit (sein Wollen und Thun). Mit viel umfassendem Blic Theol. Quarr. Schr. 1839. 38.

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und mit gleich religidiom Geiste spricht daber der große Welts apostel: der Glaube aber ist die Wirklichkeit dessen, worauf wir hoffen, und die Bürgschaft der Dinge, welche wir nicht schauen (Hebt. II, 1.)" 46). Wir müssen uns eines Toms mentars zu dieser so vielfach characteristischen Stelle aus Mangel an Raum enthalten; aber es wird nothwendig sein, den aufgestellten Begriff mit dem tbeologischen zu bergleider. Dieß bat Hermes selbst schon versucht 47), ausgebend von der bei den Theologen sehr gebräuchlichen Erklärung von Glauben: Glauben ist Annehmen auf das Auseben eines Undern - Gottes oder eines Meusden." Freilich eine eber. flächliche Begriffsbestimmung, aber auch keineswegs die bei den Theologen gebråuchliche (s. oben S. 420.); übrigeng können wir sie hier dennoch zum Grund legen, wenn wir nur nicht anßer Acht lassen, daß der Glaube ein Annehmen auf die Auctorität eines Undern eben insofern ist, als dieser Andere der Offenbarende felbst Sott oder der mit dem bdhern Geiste zur Erkenntniß dissen, was jener ges offenbart bat, Versehene ist die Kirche. Das ist der wahre Grund jener Begriffsbestimmung, welchen Hermes gånzlich verkennt und sich dafür auf der Oberfläche zufällis ger Reflexionen ergebt. Das Merkmal ,, auf das Unschen eines Andern" soll unrichtig sein und dieß aus dem Sprados gebrauch der Theologen filbft er hellen, wenu fie sagen: Wir glauben einen Gott. Hier entstehe die Frage: auf welfen Ansehen soll denn dieser Glaube gegründet werden? „dodo

46) Philof. Einleitung S. 261. 47) A. a. D. S. 266 f.

nicht auf das Unsehen Gottes ? denn er (der Glaube) ist erst die Entscheidung über das Dasein Gottes. Quch nicht auf das Unseben eines fich bafür verbürgenden Mensdhen? denn welder Mensch verbúrgte denn diesem wieder diefelbe Wabrheit; und wo fand der erste das äußere Ansehen, das dicsen seinen Glauben gründete?So ganz und gar mißkenut Hermes das Wesen des unmittelbaren, ursprünglichen, ůber natürlichen Glaubens! Ihm gilt außer dem nothwens digen Halten und Unnebmeu nichts für unmittelbar gemiß. . und alles andere nur insofern für wahr, als es sich auf jenes Halten gründet. Von der Wiedergeburt aus dem Geiste weiß er nichts, und das Wort, welches der Herr zu Nicos demus gesprochen, kennt er nicht: ,,laß dich's nicht wuus dern, daß id dir sagte: Sbr müffet von neuem (wieder) gebos ren werden. Der Wind webet, wo er will, und du höreft sein Sausen, aber du weißt nicht, von wannen er tommt und wohin er fåbret. Ulso ist ein Seglicher, der aus dem Geiste geboren ist" Joh. 3, 7. 8. vgl. 2 Kor. 5, 17 f. ,,Es ist allerdings wabr, räumt Hermes ein, daß die Ver. nunft wohl oft genöthigt sei å ußered Anreben, nicht nur görtliches, sondern auch wohl menschliches, als einen Grund des Fürwahr. und Fürwirklichannehmens, und folglich als einen Grund des Glaubens zuzulassen; aber als den auss schließenden Grund des Glaubens und so als den Urgrund desselben es angeben, wie jene Erklärung das thut, das heißt allen Glauben um seine innere Haltung und die wichs tigsten Gegenstånde des Glaubens, alo da ist das Dasein Gottes und noch mehrere anbere, eiuem enblosen Zweifel

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