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aufgeboten, alle Streitkräfte Ägyptens, besondere Scharen von den Negern bis in die Gegend oberhalb des heutigen Chartum wurden herangezogen, so daß „viele Zehntausende“ zusammenkamen. 5 Züge wurden zuerst in oder durch die Wüste der Sinaihalbinjel geführt, dann bestieg das Heer große Schiffe und fiel in eine entferntere Gegend ein, deren Name leider dunkel bleibt. Demnach hat dieser Krieg in gewiß weiteren Gebieten als Palästina sich abgespielt, wenngleich man ihn mit den späteren Unternehmungen der 18. Dynastie nicht zu vergleichen braucht. Wichtig ist vor allem für uns, daß die Syrer nach dem erwähnten Siegesbericht damals als Rebellen angesehen und bestraft wurden, indem dieses veer ihre

festen Burgen umwarf, ihre Feigenbäume und Weinstöcke abschnitt, Feuer in ihre Lagerpläße (?) warf, viele Zehntausende von Truppen daraus erschlug und viele Gefangene daraus fortjchleppte", daß also wirklich schon vor der 6. Dynastie ägyptische Könige sich den Anspruch verschafft hatten, als Herren Palästinas und jedenfalls auch nördlicherer Gebiete betrachtet zu werden. So darf man denn verinuten, daß in der Tat

von den mächtigen Königen am Anfang der Abb. 3. Ägyptischer Schwerbewaff- 4. Dynastie, den Erbauern der größten

i. Chr. Pyramiden (ca. 2800 v. Chr.?), einige (Aus einem Grab bei Sint).

Teile Syriens, zum mindesten Palästina, bereits gezwungen wurden, Tribut nach Ägypten zu zahlen, und die Begründung dieser Ansprüche könnte schließlich auch auf noch ältere Zeit zurückgreifen.

Die Periode von 2500–1700 v. Chr. scheint dagegen von allen ägyptischen Eroberungsversuchen in Syrien vollkommen frei gewesen zu sein. Dynastie 7-11 war ja eine Zeit innerer Kämpfe und äußerer Schwäche. Solange die Gaufürsten in unaufhörlichen Fehden einer gegen den anderen um die Grafschaftsgrenzen oder bei wachsendem Erfolg um den Pharaonentitel rangen, konnte an Züge nach Asien nicht gedacht werden. Dagegen sollten wir in der 12. Dynastie, die nach den neueren Annahmen etwa 2000—1800 v. Chr. geherrscht zu haben scheint, erwarten, von einem Wiederaufnehmen der alten Tributansprüche zu hören. Jene Königsfamilie bezeichnete nach späterer ägyptischer Meinung eine goldene Zeit stabiler Regierung und königlicher Macht, und was von Architektur,

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Kunst und Literatur jener Zeit erhalten blieb, bestätigt das. Damals wurde auch ein großer Teil Nubiens zum ersten Male fest der ägyptischen Herrschaft einverleibt. So müssen wir uns denn die Frage vorlegen, warum das mächtige Königshaus sein in Äthiopien erprobtes, durch mancherlei neue Söldnerquellen (vgl. S. 8) verstärktes Heer nicht zur Ausraubung Syriens verwendet hat. Es läßt sich aus dieser friedlichen Politik der Pharaonen mit vollfommener Sicherheit annehmen, daß damals gerade irgend ein festes, einiges Reich ganz Syrien umfaßte, mit dem die Mönige auf dem „Thron des Dsiris“ nicht gerne anbanden. Mancherlei, z. B. die achtungsvolle Erwähnung des Namens und der Residenz eines syrischen

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Abb. 4. Zwei als Söldner in den inneren kämpfen Ägyptens ver

wendete Beduinen.

Königs in der poetischen Schilderung der Abenteuer des ägyptischen Flüchtlings Sinuhet, bestätigt das.

In der 13. Dynastie versinkt Ägypten wieder in die Kämpfe der Gaufürsten, die in Anarchie, Elend und Ohnmacht enden. So kommt es denn, daß die erste Eroberung des Nillandes durch asiatische Herrscher, die sogenannten Hykjos (besser Hykusjos, d. h. „Fremdherrscher“, auch in irreführender Weise „Hirten- [d. h. Asiaten] könige“ genannt), erfolgt. Plößlich (um 1700?) sieht sich das hochmütige Ägypten unter fremder Herrschaft. Der Eindruck scheint

1) Bei der Bewaffnung beachte man die kupferne Streitayt und die (hier wohl absichtlich etwas karikierte) Wurfkeule, die Hauptwaffe der Wüstenstämme.

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ein gewaltiger gewesen zu sein, und das Gefühl der Demütigung hat noch lange nachgehalten. Selbst noch Manetho (im 3. Jahrh. v. Chr.) kann sich in schlecht erfundenen schauerlichen Schilderungen der Wildheit und Grausamkeit jener verruchten Fremden nicht genug thun.

Um 1600 v. Chr. gelingt es den Fürsten von Theben, eine erfolgreiche Empörung zu vollenden und die fremden Herrscher hinauszudrängen. Es scheint, daß der folgende Angriff auf Syrien eine gewisse Verfolgung der Hyfussos in ihre asiatischen Provinzen bedeutete. Es ist zweifellos, daß die fremden Könige ein gutes Stück von Syrien besaßen; wüßten wir sicher, woher sie ursprünglich kamen (aus Nordsyrien ? Nordmesopotamien, d. h. noch früher Armenien ?) so würden wir uns vielleicht ein Bild von dem Gebiet machen können, das die Thebaner als Rechtsnachfolger der Hykussos beanspruchen konnten. Möglicherweise waren aber die Beziehungen zum Stammland längst gelöst, und die Hyfussos in Ägypten von ihrem ursprünglichen Reiche in Asien mehr oder weniger getrennt. Jedenfalls wirkte nun neben gewissen Rechtsansprüchen vieles Andere mit, das neue (18.) Königshaus auf Feldzüge gegen Norden zu drängen. Der lange Kampf hatte die Macht der kleinen Fürsten völlig vernichtet, das Land unter den Thebanern zentralisiert und ein starkes Heer geschaffen, das Beschäftigung und Sold brauchte.? Und so begann mit der mächtigen 18. Dynastie jene merkwürdige, etwa 400 Jahre umspannende Periode, in der das, wie gesagt, unter gewöhnlichen Verhältnissen so ganz friedliche Agypten die Souveränität über etwa zwei Drittel des Landes bis zum Euphrat beanspruchte und troß vieler und oft langer Unterbrechungen auch immer wieder behauptete. 1600-1200 v. Chr. stand also die Südhälfte Syriens unter ägyptischer Oberherrschaft. Bei blos tributpflichtigen Gebieten ist es freilich oft schwer, zu sagen, wann der

1) Siehe über die Frage der Herkunft der Hykussos und über ihr Reich MVAG III, 1898, S. 107 ff. Man hält sie leider noch vielfach gegen das ausdrückliche Zeugnis der Inschriften für Kanaanäer. Was ihr Reich anbetrifft, so ist es höchst merkwürdig, daß kleinere Denkmäler gerade der Hykusjos nach Kreta und nach Bagdad am Tigris verschleppt gefunden worden sind; als Zeugnisse, daß jene Dynastie in Kreta und Babylonien herrschte, darf man sie aber natürlich nicht aufjassen.

2) Ganz aus echten Ägyptern bestand das auch wieder nicht, doch wissen wir wenig über die Entstehung und Organisation der damaligen „Erbfriegerflasse“.

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beanspruchte Besit tatsächlich ist. Dem drückenden Tribut suchten sich natürlich die Vajallen überall jo oft zu entziehen, wie nur möglich. Wenn ein Thron- oder Ministerwechsel in Ägypten eintrat, der Oberherr in firieg oder Finanznot verwickelt war, keine ägyptischen Soldaten in Syrien standen u. s. w., suchten die Vasallen ihre Pflicht, zu zahlen, zu vergessen, und den mahnenden Pharao oder seine Beamten mit Entschuldigungen oder Versprechungen hinzuhalten; waren die Verhältnisse besonders günstig, so verweigerte man auch die Steuern offen und konnte das manchmal lange Jahre ungestraft tun. Das Eintreiben der fälligen Tributzahlung und die Bestrafung wiederspenstiger oder jäumiger Vasallen kostete ja viel Geld, und oft genug fehlten das, die Soldaten, ein passender General u. 1. w. Gewöhnlich zeigten junge Pharaonen, wenn sie gerade, wie das jeder Thronwechsel mit sich brachte, alle Beamtenstellen nach Wunsch beseßt, die Mißliebigen und Verdächtigen entfernt, manches neu organisiert, kurzum ihren Thron konsolidiert hatten, ein jugendliches Verlangen, sich auch einige kriegerische Lorbeeren zu holen, juchten ihre geheiligten Rechte in den auswärtigen Besizungen zur vollen Geltung zu bringen und seşten sich womöglich in höchsteigener Person an die Spiße eines Heeres gegen die nie ganz fehlenden Rebellen. Die Aufrührer oder eher säumigen Zahler mußten dann gewöhnlich zu Kreuze kriechen, und der Tribut floß wieder eine Zeit lang regelmäßig in die Staatskasse. In den vielen Schwierigkeiten, die besonders ein orientalisches Staatswesen hat, in den Harems- und Kanzlei-Intriguen, den Nöten, wie das Geld für Hofhaltung, Beamte und öffentliche Bauten zu beschaffen, erkaltete der kriegerische Eifer des Pharao gewöhnlich in wenigen Jahren, und der uns in den Amarnabriefen entgegentretende Zustand schlich sich ein, daß man die jäumenden Zahler nur mit amtlichen Schreiben bearbeitete, ihren mehr oder weniger geschickten Ausflüchten wiederholte Drohungen mit Militärerekution entgegenseßte, wenn keine Drohung mehr half, andere Vajallen gegen sie aufbot, die auch nicht immer Lust dazu hatten und mehr auf ihre eigenen Interessen als die des Souveräns sahen, und daß schließlich dessen Herrschaft zu einem bloßen Schein heruntersank. So ist es für uns wie gesagt, sehr schwer, zu bestimmen, in welchen Jahren Pharaos Herrschaft tatsächlich, und in welchen sie blos theoretisch war. Mochte aber auch 50 Jahre lang in Ägypten „fein Geld, kein Schweizer" zur Eintreibung der Tribute übrig gewesen sein und kein Kupferstück aus dem sogenannten Besig mehr einlaufen, als

Der alte Orient. V.

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Herr Syriens sah sich der Ägypter stets an und wollte von anderen Königen so angesehen sein. Man vergleiche z. B. die

Tributstaaten des modernen osmanischen Reiches! Aus dieser Un= ficherheit des Besißes versteht man, warum so oft ein König sich rühmt, ein Gebiet erobert und „zum ersten Mal“ fest unterworfen zu haben, das wenige Jahre vorher sein Vorgänger vollständig zur Wüste gemacht, entvölkert und so unterworfen haben will, daß es nie wieder ungehorsam sein werde. Feste Garnisonen in befestigten Städten zu erhalten, war, wie oben gezeigt, auf die Dauer schwer; Geiseln sicherten nicht immer den Gehorsam der Vasallenfürsten genügend. Die jährlichen Tributzahlungen, welche den Vasallenfürsten vom Pharao auferlegt wurden, scheinen andrerseits recht drückend gewesen zu sein, so daß die kleinen, durch ihre eigenen unaufhörlichen Fehden (in die der Oberherrscher selten eingriff) schwer wirtschaftlich belasteten Fürsten gar nicht pünktlich zahlen konnten. Somit war die Unsicherheit des Besißes und das Ausbleiben einiger Posten in den festgeseßten Tributzahlungen chronisch.

Scheinbar der erste Eroberer ägyptisch Syriens ist Amosis (Yáh-mose oder 'Ah-mose) I., doch wird er wohl, wie oben gesagt, als Rechtsnachfolger der Hykussos aufgetreten sein und nur gelegentlich diesem Anspruch mit den Waffen Nachdruck gegeben haben. Leider wissen wir nichts weiter von seinen Resultaten, als daß er in Südpalästina (vor der festen Stadt Scharuhen im Stammgebiet von Simeon) und Phönizien Nämpfe zu bestehen hatte und zahlreiche Kriegsgefangene in die Steinbrüche östlich von Memphis schleppte. Noch weniger ist von seinem Nachfolger Thutmosis (Dhuti-mose) I. bekannt, doch erfahren wir, daß er stolz eine Siegesinschrift (aber keinen Grenzstein!) am (östlichen?) Ufer des Euphrat errichtete. Es ist also anzunehmen, daß der spätere Umfang des ägyptischen Tributärgebietes im Norden (bis Ni, s. unten) besonders auf das durch seine Feldzüge Erreichte sich gründete. Jedenfalls aber wurde dieses Gebiet nicht lange behauptet und in 2–3 Jahrzehnten, die mit Thronwirren in Ägypten ausgefüllt waren, gänzlich vernachlässigt. Sehr volle Nachrichten besigen wir glücklicherweise von Thutmosis III. (Men-chapr-rê', dem Manachbi[r]ia der Amarnatafeln, Misaphris Manethos, seit etwa 1500 v. Chr.), den die Ägypter in ihren

1) Das assyrische Mittel der Verpflanzung wiederholt rebellischer Stämme scheint nicht, oder in sehr geringem Umfang, von den Ägyptern verwendet worden zu sein.

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