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Märchen und historischen Novellen als den größten aller ägyptischen Kriegshelden betrachteten. Er scheint auch diesen Ruhm vollkommen verdient zu haben, denn er war einmal der tätigste Krieger der Pharaonen, indem er mindestens 14 Feldzüge nach Syrien unternahm, dann fand er besonders energischen Widerstand von Seiten der bei seinem tatsächlichen Regierungsantritt allgemein abgefallenen Syrer. Diese brachten eine anscheinend vollständige Allianz der zahllosen Kleinstaaten bis nach dem Mitannigebiet hin (9. u.) zusammen – nur ein Reichlein Südpalästinas und Teile des späteren Philisterlandes scheinen zu den Ägyptern gestanden zu haben – als Führer wurde der Fürst von Nadesch am oberen Drontes gewählt, und ein beträchtliches Heer rückte den Ägyptern bis nach Megiddo am Nischonbach entgegen. Thutmosis III. passierte aber rajch die gefährlichen Pässe des Karmelgebirges und scheint dadurch die Alliierten jo entmutigt zu haben, daß sie ihm in der folgenden Feldschlacht nur schwachen Widerstand leisteten. Das geschlagene Heer flüchtete nach Megiddo hinein, das die Ägypter mit rasch aufgeworfenen Schanzen umgaben. Die Stadt war wohl zur Aufnahine einer so großen Volksmenge nicht mit Vorräten genügend versehen und kapitulierte bald. Die eingeschlossenen Fürsten unterwarfen sich, wurden als Vasallen wieder in ihre Würden eingejezt, und Gesandtschaften verschiedener fremder Fürsten (darunter eine von dem aufstrebenden Königreich Assyrien, vgl. S. 6) beglückwünschten den Pharao in seinem Feldlager zu seinem Erfolg. Der= selbe war aber noch keineswegs vollständig. Drei Städte (Yenua m, Nõges (vielleicht das Nuchaschichi der Amarnatafeln) und Hurenkaru,

- ein nicht erklärlicher Name) leisteten noch lange Widerstand in Mittelsyrien, ebenso die feste Stadt Tunep (im Orontesthal?), der mächtige Fürst von Kadesch empörte sich wieder, in Nordphönizien scharten sich die Anti-Agypter um den Fürsten der Inselstadt Arvad, und so kostete es viele Mühe, alle diese einzelnen Gegner niederzuwerfen. Dieselben wurden, zuerst vermutlich heimlich, später offen, von dem Herrscher von Mitanni unterstüßt, der damals Nordmesopotamien und Nordsyrien besaß. Dieser Staat Mitanni hatte einst weit mehr von Syrien als seinen Besitz betrachtet und darum offen= bar schon Thutmosis I. den Krieg erflärt, als er in die mitannischen, bis nach Palästina reichenden Ansprüche eingriff, so daß er den Krieg bis zum Euphrat tragen mußte (. o.). Thutmosis III. zeigte sich nun dem Konflikt mit einem größeren Staat noch mehr gewachsen als sein Vorgänger, indem er bis über den Euphrat vor

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drang und verschiedene Städte an diesem, darunter das bedeutende Karkemisch, am Endpunkt der wichtigsten Straße vom Orontesfluß nach dem Euphrat und Mesopotamien, Siß eines Fürsten, erstürmte. Seine Grenze bis dahin vorzuschieben, vermochte er freilich nicht, weil das direkt mitannisches Gebiet war; als äußerster Punkt der ägyptischen Herrschaft wurde die starke Stadt Ni oder Niy (wohl nicht weit vom unteren Drontes) festgehalten. Dieses Gebiet sehen wir noch Amenophis (Amenhotep) II., den Sohn Thutmosis III., in einem energischen Feldzug behaupten; der mitannische Nachbar scheint ihn dabei nicht gestört zu haben, und jo konnte Amenophis II. friedlich in die feste Stadt Ni einziehen, wo „Männer und Weiber auf den Mauern standen, ihn begrüßend". Ob unter dem nächsten König, Thutmosis IV., das Ansehen Ägyptens in jenen nördlichen Gegenden auf derselben Höhe stand, ist zu bezweifeln. Eine Verschwägerung Thutmosis IV. mit dem Mitannikönig Artatama scheint eher darauf zu deuten, daß diese beiden Herrscher sich ängstlich gegen einen Dritten zusammenschlossen, der vielleicht schon trennend zivischen ihr Gebiet sich eingeschoben und damit sie in unerwünschter Weise von gegenseitigen Grenzstreitigkeiten befreit hatte. Dieser Dritte war der König der Chetiter, oder Hethiter (Chatte in den Keilschriften, Chetê in den Hieroglyphen), dessen Herrschaft im östlichen Kleinasien, nordipestlich vom mitannischen Gebiet lag. Der „Großkönig von Chetê“ war unter Thutmosis III. den Ägyptern freundlich gesinnt gewesen, wahrscheinlich aus Haß gegen seinen Erbfeind Mitanni, der ihm damals offenbar noch überlegen war. Bald darauf wuchs die Macht der Chetiter, und damit änderte sich ihr Verhältnis zu den Nachbarn. Der „Großkönig von Chet(t)ê" verdrängte allmählich die Mitannier aus Nordsyrien und griff schließ= lich so auch in die angrenzenden ägyptischen Ansprüche ein. So finden wir die politische Lage unter dem König Amenophis (Amenhotep) III., dem Nimmuria (Neb-ma' [t]-rê) der Amarnatafeln, entwickelt. Es ist möglich, daß dieser Herrscher (von etwa 1435 v. Chr. an) in seinen jungen Jahren noch einmal energisch zu Felde zog, um sein ererbtes Gebiet zu behaupten; in den späteren Regierungsjahren, in denen die Amarnabriefe geschrieben sind, mußte der alternde und kränkliche Amenophis schon ziemlich bedenklich den Vajallen durch die

1) Siehe über dieses Volt L. Messerschmidt, Die Hettiter (Der Alte Orient IV, Heft 1). Der Name und damit eine Bestimmung der älteren Siße scheint erhalten in Rata-onien, vielleicht auch in ftatpatuta . h. Kappadocien.

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Finger jehen. Doch bestand noch immer ein Schein der ägyptischen Herrschaft bis Arvad, während unter dem folgenden König, Amenophis IV., alles drunter und drüber ging. Dieser König, der große religiöse Reformator und Sonnenverehrer, brauchte jeden Soldaten im Nillande selbst, um jeinen widerspenstigen Untertanen „die Lehre“, welche er verkündigte, einzuprägen, und so fielen denn die Vajallen besonders im Norden zahlreich ab, das stets unsichere Arvad, die Phönizier überhaupt bis in die Gegend von ByblosGebal, das obere Orontesthal oder Land Amur, und auch im Süden sah es trostlos aus (um 1400 v. Chr.). Wenn wir aus den Amarnatafeln erfahren, daß die Inhaber der palästinäischen Raubschlösser sogar fönigliche Karawanen plünderten und nach dem ägyptischen Hof ziehende Gesandschaften auswärtiger Herrscher ausraubten, so illustriert das die Jämmerlichkeit der ägyptischen Herrschaft genügend. So mußte der treu gebliebene Vajall Rib-addu in Byblos Brief auf Brief an den Hof schicken mit der immer wiederkehrenden Mahnung, der Pharao möge doch endlich seinen starken Arm ausstrecken, einige Schiffe ausrüsten und wenigstens eine kleine Abteilung ägyptischer oder arabischer Soldaten gegen die Rebellen schicken, sonst ginge seine Herrschaft für immer verloren. Etwas anderes als Versprechungen erhielt er darauf Abb. 5. Beduinischer Söldner aus anscheinend nicht. Eher noch schlimmer wird der Leibwache Amenophis IV. es unter den folgenden ephemeren Nachfolgern Amenophis IV. gestanden haben. Die Chetiter, welche unterdessen wohl das einst so mächtige mitannische Reich bis an den Euphrat zurückgedrängt haben werden, machten sich Agyptens Schwäche zu nuße und dehnten ihr Tribut- oder doch Allianzgebiet bis an die Grenzen Palästinas aus. Darum will der lebte König der 18. Dynastie, Har-em-heb(e), im offenen Krieg ihren Anmaßungen entgegengetreten sein, ob mit Erfolg oder auch nur mit Energie, dürfen wir bezweifeln. Erst sein zweiter Nachfolger, Sethos (Setoy) I., scheint energischer eingegriffen zu haben (um 1350 v. Chr.), um die Herrschaft über Südphönizien zu retten. Da dies von mehreren Fürsten des Hinterlandes und

1) Vgl. C. Niebuhr in: Der Alte Orient I, Heft 2, und H. Winckler, Heilinschriften und das alte Testament, 3. Auflage, S. 192 ff.

des Nordens bedrängt wurde, welche einst mit chetitischer Hilfe abgefallen waren, geriet Sethos in Konflikt mit dem Großfönig von Chet(t)ê. Wir wissen, daß die Ägypter einen Kaubzug über den Libanon ins Gebiet des hauptsächlichsten Chetitervajallen- oder Verbündeten, des Fürsten von Radesch, machten; direkte feindliche Berührungen mit dem Beschüßer dieser Stadt, dem Großfönig, werden behauptet, sind aber wahrscheinlich sehr unbedeutend gewejen. Zum eigentlichen Austrag kam der lunge Streit um die Abgrenzung der chetitischen und ägyptischen Interessensphären unter dem nächsten König, Kamses II. Derjelbe schritt mit dem gewöhnlichen Eifer junger, ruhmbegieriger Herrscher ein, sicherte zuerst die Südhälfte Phöniziens in 2 Feldzügen, wobei er die wichtige Stadt Sumur befestigt zu haben scheint, dann griff er wieder jenen Hauptstüßpunkt der Chetiter, Radesch am Orontes, an. Diesmal eilten die Chetiter mit voller Macht ihrem Schüßling zu Hilfe. Ramjes warf einen Angriff der feindlichen Streitwagen (angeblich 2500!) über den Orontes zurück;" Entscheidendes richtete er aber nicht aus. Der Krieg zog sich noch mehrere Jahre hin, zuerst ungünstig für die Ägypter, die wahrscheinlich auf den Lorbeeren jenes „höchsteigenhändigen“ Sieges etwas auszuruhen suchten. Ganz Palästina bis nach Askalon fiel von ihnen ab. Nun raffte sich Kamses auf, unterwarf die Rebellen (den Stämmebund Israel darunter, der wohl noch nicht jein ganzes späteres Gebiet inne hatte) wieder in mehreren Zügen und drang im Norden bis nach Tunep vor; vermutlich hatte er diese Stadt zum Abfall von den Chetitern, die sie noch unter Amenophis IV. annektiert zu haben scheinen, aufgestachelt zur Rache für die Aufhepung seiner palästinäischen Vasallen. Als der lange Krieg durch einen Friedensschluß (dem bald ein Schuß- und Trußbündnis zwischen den bisher feindlichen Großmächten folgte)? beendet wurde, verblieb aber doch nur Phönizien bis etwas nördlich von GebalByblus unter ägyptischer Herrschaft und ein Stückchen Land nördlich von Palästina; ob noch Damaskus, ist nicht sicher. Das Reich,

1) Dabei geriet der König in persönliche Gefahr und mußte selbst zum Bogen greifen, ein welthistorisches Ereignis, das in dem bekannten schwülstigen Epos und in vielen Inschriften und Bildern an den Tempelwänden bis zum Ekel verherrlicht wurde. Man kann daraus schließen, daß, wenn frühere Könige „jelbst“ Beute machten u. 1. w., dies der Leibwache zuzuschreiben ist; die Nähe des Königs genügte für seinen Ruhm.

2) Siehe den Tert dieses Vertrages in den Mitteilungen der vorderasiat. Gejellsch. 1900, No. 5; einen Auszug daraus im Alten Orient IV, Heft 1, S. 6.

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welches sich unter Amenophis IV. Der Kebell Aziru in Nordphönizien und dessen Hinterland gegründet hatte, mußten die Ägypter als „Fürstentum Kode“ anerkennen, gewiß init großem Wiederstreben. Bei dieser festen Abgrenzung des ägyptischen und chetitischen Besißes scheint es lange Zeit geblieben zu sein, wenigstens unter dem folgenden König. Ob freilich immer die Tributgelder regelmäßig einliefen, ist eine andere Frage; z. B. die schon vorher oft unbotmäßige Stadt

Abb. 6. Die rebellische Stadt Dapur an der Nordgrenze von Palä-
stina, von einer chetitischen Besaßung gegen die unter Ramses II.

belagernden Agypter verteidigt. Gezer scheint sich den Groll Pharaos durch Aufstände verdient zu haben. Mit einer Großmacht wie den Chetitern mußten sich die Ägypter aber doch nicht mehr messen, und das gereichte besonders dem durch Einfälle Lycischer 2. Seeräuber und libyscher Stämme bedrängten Me(r)neptah zum Heil; sein Vater Ramjes II., an den, wie S. 3 besprochen, sich bei den Griechen die Sesostrissage mit all

1) Über die Befestigungen vgl. Billerbeck in: Der Alte Orient I, Heft 4, S. 8, 11 2c.

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