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AD. VII, 3

Klagepsalmen mit dialogischer Form.

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........... schmerzlich wimmere ich;

.... sind zahlreich (?), mein Sinn ist schmerzerfüllt. Meine Herrin, erfahre mein Tun, schaffe mir Linderung;

entferne meine Sünde, gewähre mir Verzeihung! Mein Gott, der Beter, spreche ein Gebet zu dir;

meine Göttin, die Fleherin, richte Flehen an dich! Amurru, der Herr des Berges, spreche ein Gebet zu dir;

Aschrat, die Herrin der Steppe, richte Flehen an dich! Ea, der Herr von Eridu, spreche ein Gebet zu dir;

die Mutter des großen Hauses, Damkina, richte Flehen an dich! Marduk, der Herr von Babel, spreche ein Gebet zu dir;

seine Gemahlin, Sarpanit, richte Flehen an dich! Der hohe Bote, Nabu, spreche ein Gebet zu dir;

die Braut, die erstgeborene Tochter Jb's, richte Flehen an dich! Die hehre, die treue, Taschmet, spreche ein Gebet zu dir;

die hehre, die große, die Herrin Nana, richte Flehen an dich! „Treulich blick auf ihn!" mögen sie zu dir sagen;

30 ,,deinen Nacken wende ihm (wieder) zu!" mögen sie zu dir sprechen! „Dein Herz beruhige sich!" mögen sie zu dir sagen;

„dein Sinn besänftige sich!" mögen sie zu dir sprechen! Dein Herz, wie das Herz einer Mutter, die geboren, komme zur Ruhe; wie eine Mutter, die geboren, ein Vater, der gezeugt, komme es zur Ruhe! 35

Speziell bei diesen Klagepsalmen begegnet auch öfter die dialogische Form, wonach bald der Beschwörungspriester, bald der Büßer sprechend auftreten. So in folgendem, wohl an eine männliche Gottheit gerichteten Tert", von dem freilich Anfang und Ende fehlen:

(Priester:) [In Bedrängnis] des Herzens, in schlimmem Weinen,

unter Seufzen fißt er da. Mit schmerzlichen Schreien, Bedrängnis des Herzens,

in schlimmem Weinen, unter schlimmem Seufzen

girrt er wie eine Taube, voller Beschwer bei Tag und Nacht. Zu seinem barmherzigen Gott brült er wie eine Wildkuh,

schmerzliches Seufzen stellt er an. Vor seinem Gott unter Flehen wirft er sich auf das Antliß nieder; weint, heult ohne Aufhören.

(Büßer:) Von meinem Tun will ich sagen, meinem Tun, das (doch) nicht zu sagen ist; 10

mein Reden wil ich erzählen, mein Reden, das (doch) nicht zu erzählen ist. Von meinem Tun will ich sagen, meinein Tun, das (doch) nicht zu sagen ist; [mein Reden will ich erzählen, mein Reden, das (doch) nicht zu erzählen ist.]

Desgleichen in folgendem, nur fragmentarisch erhaltenen –

1 IV R 26 Nr. 8 u. 27 Nr. 3 (Zimmern, Kußps. Nr. 7).

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Klagepsalmen mit dialogischer Form.

AO. VII, 3

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Anfang und Schluß fehlen – Bußgebet an eine Göttin, etwa Belit oder Ischtar 1:

(Büßer:) [Die du liebst?] das fußfällige Gebet der beseelten Geschöpfe,

[ich], dein Knecht, stöhnend schreie ich [zu dir.] Wem eine Sünde anhaftet, dessen Flehen nimmst du an;

blickst du einen Menschen (gnädig) an, so lebt dieser Mensch. Mächtige über alles, Ferrin der Menschen;

5 Barmherzige, gütig sich Zuwendende, die annimmt das Flehen!

(Priester:) Sein Gott und seine Göttin, ob des (?) Zürnens rufen mit ihm dich an;

[deinen Nacken wende] ihm zu, ergreif seine Hand! Außer dir ein Gott, der zurecht bringt, ist ja nicht da.

(Büßer:) Treulich blice mich (gnädig) an, nimm an mein Flehen;

„Wie lange noch ich!" sprich und dein Gemüt besänftige sich! Bis wann, meine Herrin, wird dein Antliß abgewendet sein? Wie eine Taube girre ich, mit Seufzen bin ich gesättigt.

(Priester:) In Weh und Ach stöhnt sein Inneres, in Weinen bricht er aus, Klagerufe stößt er hervor.

15 Endlich in folgendem Texte, bei dem gleichfalls wieder Anfang und Ende fehlen:

(Priester:) Krankheit, Siechtum, Ungemach, Drangsal

haben sich über ihn ergossen, Alagen und Seufzen. Beengung, Beflemmung, Schreden, Zittern

haben ihm seine Wünsche vertrieben und entrissen. „Ich habe gesündigt und bin darum frank“ weint er vor dir:

sein Inneres ist niedergeschlagen, darum bebt (?) er vor dir. Einen Strom (?) von Tränen v ergießt er gleich einem Gewittersturm;

mit seinem Jammern unterdrückt (?) er das Schreien (?) einer Gebärenden (?). Wie ein Heulpriester preßt er Klagerufe hervor;

seine Drangsal beklagt er unter Flehen. Was hat er begangen (?), so daß (Böses) plante mein Herr wider den Knecht? Sein eigener Mund bringe vor, was ich nicht weiß.

(Büßer:) Viel sind meiner Sünden, die ich begangen insgesamt;

25 diesem [Bann?] möge ich entweichen, entrinnen der Not! Viel sind meiner Sünden, die ich begangen insgesamt; [diesem Bann?] möge ich entweichen, entrinnen der Not!

1 IV R 29 Nr. 5 (Zimmern, Bußpi. Nr. 1). ? IV R 54 Nr. 1 (Zimmern, Bußpí. Nr. 8). Bei diesem Texte ist die Periodeneinteilung auch im Original durch Linien nach je zwei Versen an die Hand gegeben.

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UD. VII, 3

Klagepsalmen mit dialogischer Form.

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(Priester:) [Dein Knecht,] der (deinen) Zorn trägt, ist mit Staub bed[eckt]; es haben ihn genommen die Finstergesichtigen, bringen ihn an den Ort

des Ger[icht81.] 30 An der Pforte deines Zorns find [seine] Arme angebunden,

sie zu lösen, dafür Rat zu wissen vermag er nicht. Man spricht zu dir unter Flehen;

ein Schriftstück von Ea möge dein Herz besänftigen! . Ein Gebet von ihm möge droben dich gnädig stimmen.

Seufzer und „Erbarmen! ach daß doch endlich !" möge man zu dir sprechen. Sieh doch an sein schlimmes Ergehen,

so beruhige fich dein Herz und schenke du ihm Gnade! Ergreif seine Hand, löse seine Schuld; laß weichen Fieber (?) und Drangsal von ihm.

40 In der Offnung des Morastes liegt dein Anecht;

laß ihn aufstehen aus deinem Zorn, reiß ihn aus dem Sumpf! [Offne] seine Bande, löse seine Fessel;

mach hell [sein Antlig), befiehl ihn an dem Gott, der ihn schuf. Laß leben deinen Nenecht, auf daß er verehre deine Macht;

deiner Größe möge [er huldigen] vor allen Menschen! Nimm entgegen sein Geschenk, nimm an seine Gabe;

an der Stätte des Heils möge er vor dir wandeln! Mit Reichtum und Überfluß fülle er dein Heiligtum an;

in deinem Hause sei seine Fülle beständig! Mit Öl lasje er deine Verschlüsse wie mit Wassern übergießen;

mit Di in Fülle mache er deine Schwellen triefen! Er lege hin für dich ....... von Zedern,

vorzügliche Wohlgerüche, ....... von Weizen! Blide doch an, o Herr, deinen stöhnenden Knecht;

es wehe dein Odem und eilends sei ihm wieder gnädig! Es werde besänftigt dein schwerer Zorn; locere seine Bande, daß er alsbald aufatme!

Zu ganz eigenartigem Ausdruck kommt diese Klage über den Leidenszustand, worin sich ein Mensch befindet, in einem Gedichte, das nicht sowohl eine direkte Anrufung an die Gottheit um Erlösung aus diesem Zustande enthält, sondern 'worin vielinehr ein Mensch, anscheinend ein Greis in hohem Lebensalter, ausschließlich eine Schilderung seiner Not gibt, untermischt mit philosophierenden Betrachtungen über das menschliche Leben mit seinen Enttäuschungen und die Inferiorität des Menschengeschlechts gegenüber den Göttern. Nur am Schlusse des Ganzen scheint in zwei leider noch nicht sicher zu deutenden Zeilen mit wenigen Worten auf eine glücklichere Zeit, vielleicht in einem jenseitigen Leben, hingedeutet zu sein. Daß übrigens dieser Tert nicht etwa erst das Erzeugnis eines Dichters

1 Die Überseßung dieser beiden Zeilen ist sehr unsicher.

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Slagelied eines Weitweisen.

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aus der Zeit Assurbanipal's ist, in dessen Bibliothek er uns aufbewahrt worden ist, dürfte schon der Umstand nahe legen, daß er nach dem beigefügten Bibliotheksvermerk einen Teil einer größeren Serie mit ähnlichen Texten bildete, und ferner, daß in eben dieser Bibliothek sich auch bereits eine Art von philologischem Kommentar zu diesem Gedichte vorgefunden hat, der die darin vorkommenden selteneren Wörter durch entsprechende gebräuchlichere erklärt. Auch, daß in Sippar ein Duplikat zu diesem Terte aus Ninive zum Vorschein gekommen ist, dürfte lehren, daß es sich dabei nicht etwa um eine individuelle Leistung eines assyrischen Priesters der späteren Zeit handelt, sondern daß auch dieser Text zu der aus der älteren Zeit stammenden babylonischen Literatur gehört.

Der Tert selbst lautet 1: Ich gelangte zu (langem) Leben, über das (Lebens)ziel ging es hinaus. Wo ich mich auch hinwende, da steht es schlimm, ja schlimm;

meine Drangsal nimmt überhand, mein Wohlergehen erblide ich nicht. Rief ich zu meinem Gott, so gewährte er mir nicht sein Antliß, flehte ich zu meiner Göttin, so erhob sich ihr Haupt nicht.

5 Der Wahrsager deutete nicht durch Wahrsagung die Zukunft,

durch eine Spende stellte der Seher mein Recht nicht her. Ging ich den Totenbeschwörer an, so ließ er mich nichts vernehmen,

der Zauberer löste nicht durch ein Zaubermittel meinen Bann. Was für verkehrte Dinge in der Welt!

10 Blickte ich hinter mich. Tu verfolgte mich Mühsal. Als ob ich eine Spende meinem Gott nicht dargebracht hätte,

oder bei der Mahlzeit meine Göttin nicht angerufen worden wäre,

mein Antliß nicht niedergeschlagen, mein Fußfall nicht sichtbar gewesen wäre; (wie einer) in dessen Munde stockten Gebet und Flehen,

(bei dem) der Gottes-Tag aufhörte, der Festtag ausfiel; der nachlässig war, auf (ihren) 2 Ausspruch (?) nicht achtete,

(Gottes) Furcht und Verehrung seine Leute nicht lehrte; der seinen Gott nicht anrief, von dessen Speise aß,

seine Göttin verließ, ein Schriftstück (?) ihr nicht brachte; der den, der geehrt war, seinen Herrn vergaß,

den Namen seines mächtigen Gottes geringschäßig aussprach — so erschien ich. Ich selbst aber dachte nur an Gebet und Flehen,

Gebet war meine Regel, Opfer meine Drdnung.
Der Tag der Gottes-Verehrung war meine Herzenslust,

der Tag der Nachfolge der Göttin war (mir) Gewinn und Reichtum. Dem König zu huldigen, das war meine Freude,

auch ihm zu spielen, das war mir genehm.

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1 IV R 60*; V R 47 (Zimmern, Keilinschr. u. 4.T.3 385; vgl. auch Delişsch, Bab. u. Bib. III, 54). ? . h. der Götter.

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Klagelied eines Weltweisen.

Ich lehrte mein Land auf den Namen Gottes zu achten,

den Namen der Göttin zu ehren, unterwies ich meine Leute. 30 Die Verehrung des Königs machte ich riesen(?)gleich,

auch in der Ehrfurcht vor dem Palaste unterwies ich das Volk. Wüßte ich doch, daß vor Gott solches wohlgefällig ist! Was aber einem selbst gut erscheint, das ist bei Gott schlecht;

was nach jemandes Sinn verächtlich ist, das ist bei seinem Gotte gut. 35 Wer verstünde den Rat der Götter im Himmel,

den Plan eines Gottes, voll von Dunkelheit (?), wer ergründete ihn! Wie verstünden den Weg eines Gottes die blöden Menschen! Der am Abend noch lebte, war am Morgen tot,

plößlich ward er betrübt, eilends ward er zerschlagen; im Augenblic singt und spielt er noch,

im Nu heult er wie ein Klagemann. Tag und Nacht ändert sich ihr 1 Sinn. Hungern sie, so gleichen sie einer Leiche,

sind sie satt, so wollen sie ihrem Gotte gleichkommen. Gehts ihnen gut, so reden sie vom Aufsteigen zum Himmel, sind sie vol Schmerzen, jo sprechen sie vom Hinabfahren zur Hölle.

(Fehlt ein größeres Stück 3) Zum Gefängnis ist mir das Haus geworden. In die Fessel meines Fleisches sind meine Arme gelegt, in meine eigenen Bande sind meine Füße geworfen.

(fehlt eine Zeile) Mit einer Peitsche hat er mich geschlagen, voll von ....,

mit seinem Stabe hat er mich durchbohrt, der Stich war gewaltig. 20 Den ganzen Tag verfolgt der Verfolger mich,

inmitten der Nacht läßt er nicht mich aufatmen einen Augenblick. Durch Zerreißen (?) sind gesprengt meine Gelenke,

meine Gliedmaßen sind aufgelöst, sind ......... In meinem Kote wälzte (?) ich mich wie ein Stier,

war begossen wie ein Schaf mit meinem Unrat. Meine Fiebererscheinungen sind dem Zauberer unklar geblieben (?);

auch hat meine Vorzeichen der Wahrsager dunkel gelassen. Nicht hat der Beschwörer meinen Krankheitszustand gut behandelt;

auch gab einen Endpunkt für mein Siechtum der Wahrsager nicht an. 10 Nicht half mir mein Gott, faßte mich nicht bei der Hand,

nicht erbarmte sich meiner meine Göttin, ging mir nicht zur Seite. Geöffnet war (schon) der Sarg, man machte sich an meine Beiseßung (?),

ohne schon tot zu sein, ward die Wehklage um mich vollführt.

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1 Nämlich der Menschen. 2 Einige Zeilen der Lücke können aus dem Kommentar zu diesem Texte, sowie aus einem Konstantinopeler Duplikat (S. 37) ergänzt werden. Dieselben enthalten bereits eine Schilderung des Leidenszustandes des Sprechenden, eingeleitet durch die Worte: „Ein böjer Totengeist ist aus seinem Loche hervorgekommen“.

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