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Der Alte Orient.

Gemeinverständliche Darstellungen

herausgegeben von der

Qorderasiatischen Gesellschaft.

7. Jahrgang, Heft 3.

Wegen der vielfach erweiterten Neudrucke empfiehlt es sich, fortab nach Jahrgang, Þeft und Seitenzahl zu zitieren und eine zweite oder weitere Auflage mit hochstehender Ziffer anzudeuten, also z. B.: AD. IV, 22 S. ... Alter Drient, 4. Jahrg., 2. Heft, 2. Aufl. Seite .

Unter den zahlreichen und mannigfaltigen literarischen Erzeugnissen, die uns durch die Wiederentdeckung des babylonischen Altertums bekannt geworden sind, können die Hymnen und Gebete an die Götter aus verschiedenen Gründen ein besonderes Interesse beanspruchen. So hat sich die Forschung, nachdem zunächst die Infchriften historischen Inhalts in der Hauptsache entziffert waren, in der Tat schon frühzeitig mit Vorliebe gerade auch der Hymnenund Gebetsliteratur der Babylonier und Assyrer zugewandt. Auch haben die Forscher schon von Anfang an auf die nach Form und Inhalt frappanten Anklänge der babylonischen Hymnen an die alttestamentlichen Psalmen hingewiesen.

Freilich hat man dabei bis auf den heutigen Tag, troß alles instinktiven Herausfühlens solcher „Anklänge“, nicht präzis festzustellen unternommen, worin nun wirklich im einzelnen die nahe Verwandtschaft zwischen der babylonischen und hebräischen Psalmenliteratur besteht, und welches auf der andern Seite die charakteristischen Unterschiede sind, die troß alledem zwischen den beiden Psalmenliteraturen in starkem Maße vorhanden sind. Ebensowenig ist man sich bis jeßt darüber klar geworden, wie ein historischer Zusammenhang einen solchen überhaupt einmal zugegeben - zwischen der babylonischen und hebräischen Psalmenliteratur im einzelnen nun zu denfen ist.

Auch über die babylonischen Hymnen und Gebete an und für fich, abgesehen von diesem Seitenblicke auf das Alte Testament, hat sich bis jeßt noch kein feststehendes, allgemein angenommenes Urteil gebildet. Bald wurden und werden sie nach der ethischen wie nach der ästhetischen Seite hin stark überschäßt, bald nach beiden Seiten hin ungerecht niedrig eingeschäßt. Ein Hauptfehler wurde und wird vielfach bei der Beurteilung der babylonischen Hymnenliteratur dadurch begangen, daß man diese Hymnen und Gebete losgelöst von dem Zusammenhange, worin sie uns entgegentreten, oder von der

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Alter und literarischer Charakter der babyl. þymnen. 40. VII, 3

Situation, der sie entstammen, für sich isoliert betrachtet und so sich den Weg zum wirklichen Verständnis ihres ursprünglichen Sinnes von vornherein versperrt.

Es fann nun freilich nicht die Aufgabe dieser kurzen Darstellung sein, die Frage nach dem Sinn und Charakter der babylonischen Hymnen- und Gebetsliteratur, wie auch nach ihrem Verhältnis zu den alttestamentlichen Psalmen, eingehender zu behandeln. Vielmehr sollen im folgenden, soweit es der beschränkte Kaum zuläßt, vor allem reichliche Proben dieses Zweiges der babylonischen Literatur vorgelegt werden, um es dem Leser zu ermöglichen, einen unmittelbaren Eindruck von dieser Literaturgattung zu gewinnen. Immerhin mußte hier zu Eingang wenigstens auf das Vorhandensein der verschiedenen hier in Betracht kommenden noch ungelösten Probleme nachdrücklich hingewiesen werden.

Auch muß an dieser Stelle zum Verständnis der Sache in Kürze noch auf folgendes aufmerksam gemacht werden. Bei der uns bis jegt vorliegenden babylonisch-assyrischen Hymnen- und Gebetsliteratur kann von einer allmählichen geschichtlichen Entwickelung, die wir bei ihr verfolgen könnten, faum die Rede sein. Die Hymnen und Gebete an die Götter werden vom dritten Jahrtausend v. Chr. bis zu den leßten Zeiten, da noch babylonische Literatur aufgezeichnet wurde, d. h. bis kurz vor Beginn unserer christlichen Ära, fast unverändert weiter tradiert. So stellen sich z. B. Hymnen und Litaneien an den Mondgott Sin, an den Gott Tammus, die wir aus dem zweiten Jahrhundert v. Chr. besißen, als direkte Duplifate dar nicht etwa nur zu Teyten aus der Bibliothek Assurbanipal's (siebentes Jahrhundert v. Chr.), sondern sogar auch zu solchen aus der Zeit Hammurabi's (Ende des dritten Jahrtausends v. Chr.). Nun ist aber doch nicht anzunehmen, daß sich die babylonische Religion innerhalb dieser zwei Jahrtausende nicht start verändert und weiter entwickelt hätte; vielmehr haben wir anderweitige direkte Zeugnisse, die beweisen, daß solche Weiterentwicklung, wie ja auch selbstverständlich, in der Tat stattgefunden hat. Die uns vorliegenden Hymnen und Gebete gewähren darum im allgemeinen nicht sowohl einen Einblick in das Wesen der babylonischen Religion der späteren Zeit, als vielmehr einen solchen in die religiöse Gedankenwelt der altbabylonischen Zeit. Höchstens eine Anzahl von Gebeten, denen wir in Königsinschriften der späteren Zeit begegnen, oder einige in der großen Masse der aus alter Zeit weiter überlieferten religiösen Literatur ziemlich vereinzelt auftretende Hymnen jüngeren Datums

AD. VII, 3

Die metrische Form der babyl. Hymnen.

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zeigen Spuren der Fortentwidlung der Religion, die unterdessen auch auf babylonisch-assyrischem Boden stattgefunden hat.

Damit hängt nun auch zusammen, daß die Hauptmasse der babylonischen Hymnen und Gebete in der Regel einen noch recht typisch-konventionellen Charakter trägt und wenig individuelle Züge aufweist. Schon aus diesem Grunde dürfen die babylonischen Hymnen nicht so unbesehens mit den alttestamentlichen Palmen verglichen werden, da diese, wenigstens in ihrer jeßigen Form, zumeist ja erst aus sehr später Zeit stammen und darum auch alle Züge des religiösen Individualismus tragen; höchstens die ältere, noch weniger individuell gestaltete Form, die auch für die Hebräische Psalmenliteratur als einmal vorhanden vorauszuseßen sein wird, würde als Objekt zur direkten Vergleichung mit der babylonischen Psalmenliteratur in Betracht kommen können.

Ein weiterer Punkt endlich, auf den im folgenden besondere Rücksicht genommen ist, betrifft die äußere Form der mitgeteilten Textproben. Die Babylonier haben es uns glücklicherweise durch die Art und Weise, wie sie die poetischen Terte auf den Originaltafeln schreiben, verhältnismäßig ziemlich leicht gemacht, die metrische Form ihrer dichterischen Erzeugnisse wenigstens in ihren wesentlichen Zügen festzustellen, während man diese in manchen anderen Literaturen, z. B. der hebräischen, vielfach erst auf schwierigem, indirektem Wege ausfindig machen muß. Denn speziell die Hymnen und Gebete

entsprechendes gilt aber auch von der epischen Poesie der Babylonier — werden auf den Tontafeln durchweg so geschrieben, daß jeder Vers stets eine besondere Zeile einnimmt, was allein schon ein wichtiges Hilfsmittel für die Erkenntnis der poetischen Form bedeutet. Dazu kommt aber weiter, daß auch, wenigstens bei den Hymnen und Gebeten, die Halbverse vielfach schon für das bloße Auge in der Schreibung hervortreten, indem nämlich die je zweiten Halbverse ebenso mit ihren genau unter einander stehenden Anfängen eine besondere Kolumne bilden, wie die ersten Halbverse. In vereinzelten Fällen wird dies Verfahren sogar noch auf die Viertelsverse und damit bei den fast durchweg vierhebigen Versen zugleich auf die einzelnen Versfüße ausgedehnt. Außerdem werden in vielen Fällen durch Linien, die nach je zwei Versen gezogen sind, diese auch schon äußerlich zu einem Verspaare, einer Periode zusammengefaßt1. Von derartigen Fällen aus, wo durch solche und ähnliche

1 Gerade in den unten mitgeteilten Texten hat die Einteilung in Berioden und Strophen im allgemeinen keinen Anhalt an der Schreibung des

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