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Beschwörungszeremonien.

AD. VI, 4

Teile?) des Opfertieres werden auf einem Holzstoß (?) verbrannt, Honig, Butter wird hingestreut, Wein ausgegossen und wiederum eine Beschwörungsformel rezitiert.

Nun folgt eine große Lücke; wo der Tert wieder einsekt, sehen wir den König selbst handelnd auftreten. In anderen Fällen scheint der Kranke meist passiv bei der Beschwörungszeremonie sich zu verhalten und der Priester die ganze Handlung selber vorzunehmen. In dem Ritual für die Entsühnung des Königs ist aber diesem selbst eine bedeutende Rolle vorbehalten. So soll er bei gewissen Zeremonien selber bestimmte Gebete sprechen. Vor dem Herzen des Opfertieres soll er die Formel sprechen: „Es werde dargebracht ein Gebet des Heils -- -- --". Darnach soll er auf einen glänzenden Schemel (?) treten und also sprechen:

Es werde zerbrochen die Tafel meiner Sünden, -- - meiner Bosheiten, es werde gehemmt - - - meiner Torheiten und - - -, der • böse Leumund ---, wie Silber möge mein Leumund (rein sein?]

Darnach soll er in ein bestimmtes Gefäß Rauschtrank gießen und also sprechen:

Ich möge leben im Haus (?) — -. — im Munde der Leute — --.

Dann soll er wieder in ein Gefäß eine Flüssigkeit gießen und dabei sprechen:

Es möge - - - es mögen abgerissen werden meine Bosheiten und - -- ich möge rein sein und vor Samas leben!

Darauf soll sich der König mit Wasser waschen und ein reines Gewand anziehen. Der Beschwörer begibt sich wieder zu dem Tor hinaus, ein Schaf wird im Tor des Palastes geopfert, mit seinem Blut werden die Schwellen und Pfosten rechts und links vom Tor des Palastes bestrichen.

Dann folgt eine Handlung auf freiem Felde. Der Beschwörer soll daselbst ein „Waschhaus" errichten für die großen Götter Ea, Samas, Marduk -- --, die Standarte (?) des Königs foll dabei aufgestellt werden. Das unmittelbar folgende ist nicht ganz verständlich – ein Haus für weitere Götter soll errichtet, 14 (?) Waschbecken sollen bereit gestellt, 3 Opferzurüstungen veranstaltet, den lektgenannten Göttern 3 Schafe geopfert werden. (Es fehlen etwa 4 Zeilen). Nunmehr sollen für alle großen Götter — 23 werden mit Namen genannt – Räucherbecken mit Zypresse aufgestellt, ein Weinopfer gespendet und für jede Gottheit eine eigene, mit den Anfangsworten zitierte Beschwörungsformel hergesagt werden

Nunmehr folgen neue Opferzurüstungen, 6 die zur Rechten,

AD. VII, 4

Beschwörungszeremonien, ihre Bedeutung.

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6 die zur Linken eines ,,Baldaching“, dessen Bedeutung noch unklar ist, veranstaltet werden und noch mehrere andere, 7 Behälter werden aufgestellt mit Honig, DI, Butter, Wein - - -, Wasser angefüllt und andere Zurüstungen sind vorgeschrieben. Wenn nun

diese Zurüstungen bereit gestellt sind, soll der Beschwörer den Sonnen: aufgang abwarten. Sobald die Sonne aufgegangen ist, soll sich

der König im Wasser waschen, ein reines Opfergewand anziehen und sich ins Waschhaus seßen. Der Beschwörer soll nun vor dem König, alle Räucherbecken anzünden, Dornen auflegen, die Lammopfer insgesamt opfern, die bestimmten 3 Fleischstücke der Gottheit darbringen, eines davon mit Feinmehl und Zypresse bestreuen, Rauschtrank, Milch, Wein für Ea, Samas, Marduk (penden, einen Mehlhaufen hinschütten, Besprengungen vornehmen, eine Totenspende den Anunnaki spenden usw. - Die wenigen Restzeilen sind leider verstümmelt.

Es ist selbstverständlich, daß jede Vorschrift dieses Rituals, jedes Gerät und jede Nüance von besonderer Bedeutung war, irgend einen Sinn hatte, auch wenn wir ihn nicht in jedem Falle, oder auch nur in den wenigsten Fällen heute schon verstehen. Das ganze Ritual ist aufgebaut auf dem Bestreben, die überirdischen Gewalten in sinnenfällige Beziehung zur heiligen Handlung zu bringen und so muß in jedem Glied dieser langen Kette irgend eine geheimnisvolle Anspielung gesucht werden, die den Sinn und die Berechtigung seiner Anwendung erweist. Glüdlicherweise haben wir zwei Texte, die das unmittelbar beweisen, indem sie die einzelnen im Ritual zur Verwendung kommenden Geräte usw. in Beziehung zu bestimmten Gottheiten bringen, also wie ein Kommentar zu den Ritualvorschriften selbst betrachtet werden können und zwar beziehen fich diese – leider wie so viele gerade der wichtigsten Terte nur unvollkommen erhalten – sowohl auf das Ritual des Wahrsagers, wie auf das des Beschwörers 1, besonders der legtere scheint aus

chließlich diesem erläuternden Zwecke gedient zu haben, während der erstere den Beschluß des Textes bildet, der die Entstehung der Wahrsagekunst, die persönlichen Voraussegungen für ihre Ausübung schildert.

Wenn es z. B. in dem lekteren Text heißt:

Zypresse Gott Adad, - - - Spezerei Gott Ninib, Räucherbecken Gott Jb, Facel Gott Gibil (Feuergott!), Gips Sturmsonnengott, Asphalt Flußgott, Chulduppu Gott Kuschu, Lebendes Schaf Gott Gi

1) Zimmern, Beiträge, S. 120 und 124.

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Mittel der Beschwörung: Zahlen.

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usw., jo gibt das die Erklärung dafür, warum in dem Kitual die einzelnen Gegenstände Verwendung finden: weil die mit ihnen in Beziehung stehenden Götter durch sie mit in die Entjühnungshandlung hereingezogen werden, weil die von ihnen symbolisierten und vertretenen göttlichen Kräfte dadurch den Zwecken des Beschwörungspriesters dienstbar gemacht werden. Direft als Gottheiten werden einzelne dieser Gegenstände wie Honig, Chulduppu und Bilder aus Gips und Asphalt in dem S. 23 paraphrasierten Tert erwähnt, sie werden in den Toren des Hauses aufgestellt, „um jegliches Böse zu vertreiben“.

Die Mehrzahl der im Ritual für die Entsühnung des Königs verwendeten Gegenstände kehrt fast bei allen anderen Beschwörungsritualen wieder, so vor allem der ganze Opferapparat: das Schlachtopfer, dessen 3 stets der Gottheit zukommenden Fleischstücke, das Räucherbecken mit Zypresse, Ceder und Mehl. Die Brote, Wein, Rauschtrank, Honig, Butter, Milch, Öl, Feinöl, Datteln, Salz; das Waschbecken, bestimmte Gefäße, die Fackel, die „lebenden Schafe“, die „starfen Kupfer“, die „Felle von großen Stieren“, das dunkle Kleid des Beschwörers, das reine Gewand des Entsühnten u. a. m. Bedeutungsvoll, weil im System der Weltenlehre begründet, und dazu berufen, die Wirksamkeit der Geseke im großen Weltenraum auch für die Entsühnungshandlung zu gewinnen, sind die Zahlen: 7 Altäre, 7 Räucherbecken, 7 Lammopfer, 7 Fackeln usw. entjprechen der Siebenzahl der Planeten, 3 Altäre, 3 Räucherbecken, 3 Lammopfer sollen wohl ursprünglich die große Trias Anu, Bel, Ea, die die 3 Räume des Weltalls verkörpern, dann aber die Gegenwart der drei Hauptgottheiten des Beschwörungsrituals Ea, Samas und Marduk versinnbildlichen. Bei den Broten spielt – wie bei den Schaubroten des Alten Testaments – die Zwölfzahl die Hauptrolle, entweder werden 1 x 12 Brote aufgelegt entsprechend der Zwölfzahl der Mondwechsel im Laufe des Sonnenjahres bezw. der Zwölfteilung des Tierkreises, oder aber 3 x 12 = 36, den 36 Defanen entsprechend.

Besondere Hervorhebung verdient der babylonische technische Ausdruck für die Entsühnung, der eigentlich „abwischen" bedeutet, der auch in die alttestamentliche Terminologie übergegangen ist. Für das babylonische Beschwörungsritual darf sicher die zu Grunde liegende finnliche Bedeutung festgehalten werden. Das beweist schon das eine, daß der Ausdruck nicht nur bei Personen, sondern auch bei leblosen Gegenständen, wie bei einem Haus, gebraucht wird. AO. VII, 4

Wasser. Ol.

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Er enthält die Andeutung einer symbolischen Handlung, die besagen joll, daß das, was den Menschen, oder die Sache verunreinigt hat, weggenommen wird. Das oben mitgeteilte Ritual schreibt zudem noch vor, daß das Weggenommene, die Unreinheit, zum Tore hinausgetragen werden soll. .

Von allen symbolischen Vornahmen beim Beschwörungsritual ist aber die wichtigste und wirfjamste die Waschung des Kranken und Besessenen mit „reinem Wasser“. Die ganze Serie, auf deren erster Tafel neben anderen das oben mitgeteilte Entsühnungsritual für den König steht, handelt vom „Waschhaus“, dem „Haus der Abwaschung". Man wird sich erinnern, daß oben von einer Zeremonie die Rede war, die auf freiem Felde in und vor einem Wajchhaus sich abspielte, daß der König sich wiederholten Waschungen unterziehen mußte. Auch sonst spielt das „reine Wasser" in den Ritualvorschriften eine große Rolle. Die symbolische Bedeutung ist ohne weiteres klar, es handelt sich um eine Reinigungszeremonie. Die Anwendung von Wasser hat aber eine tiefere religiöje, auf die Lehre sich stüßende Begründung. Wie schon von den anderen Indentarstücken des Rituals gejagt wurde, daß sie die Mitwirkung einer göttlichen Araft bei der Beschwörungshandlung bezwecken und versinnbildlichen, so ist es auch bei dem Wasser und hier in ganz besonderem Maße, weil das Wasser das Element und der Repräsentant des eigentlichen und 'fräftigsten Helfers bei aller Dämonenbeschwörung, des Gottes Ea, ist. So wird neben gewöhnlichem Wasser, oder dem Wasser der Flüsse Euphrat und Tigris, die als heilig galten, speziell auch das Wasser von Eridu, dem Kultort Eas, oder Wasser von der Mündung der zwei Ströme (an der Eridu liegt), im Ritual vorgeschrieben.

Neben dem Wasser spielt bei den Dämonenbeschwörungen auch das Öl eine wesentliche Rolle. Es hat sogar eine besondere Priesterklasse gegeben, der die Salbung bezw. Einreibung mit Öl zur besonderen Aufgabe gemacht war. Daß das Ölritual sehr komplizierter Natur war, geht schon aus der Mannigfaltigkeit der verwendeten Ölforten hervor. Neben dem Öl überhaupt, das als „rein“, „hell“,, „glänzend“ bezeichnet wird, werden unterschieden Feinöl, Dlivenöl, Palmenöl, und viele andere, namentlich nach Baumarten differenzierte Öle, die heute noch nicht alle genau bestimmt werden können.

In dem Sühneritual für den König ist eine symbolische Handlung nicht vorgesehen, die in anderen Vorschriften einen breiten Raum einnimmt, die Herstellung und Verwendung von Bildern.

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Verwendung von Bildern

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Dieser Seite des Beschwörungsrituals liegt die Vikariatsidee zugrunde und zwar in verschiedener Form: einmal sollen Götterbilder die Gegenwart und Wirksamkeit wohlwollender göttlicher Kräfte sinnenfällig dartun, jodann aber – und das ist der häufigere Fall vertreten die Bilder die Objekte der Beschwörung, die Dämonen, und werden benußt, um an diesen in effigie das Urteil zu vollziehen, oder aber, es werden Bilder von dem Kranken oder kranken Körperteilen angefertigt, an denen symbolische Handlungen vorgenommen werden. . Von der Herstellung und Weihung von Götterbildern, die im Beschwörungsritual Verwendung finden sollen, handelt eine Reihe von rituellen Vorschriften, die in ihrer ganzen Struktur, den technischen Ausdrücken sehr nahe sich mit den eigentlichen Beschwörungsritualterten berühren, aber doch viel Besonderes an sich haben.

In dem ersten dieser Texte, dessen Anfang fehlt, ist offenbar die Herstellung des Götterbildes (des Samos?) jchon vorausgeseßt und es handelt sich nunmehr um seine feierliche Weihung. Allerhand Opferzurüstung wird veranstaltet, ganz ähnlich wie bei dem Ritual für den König, Beschwörungsformeln werden rezitiert. Dann heißt es: Im Hause der Priester, wo das Götterbild hergestellt worden ist, soll neben der Opferzurüstung heiliges Wasser (Euphratwasser), gesprengt werden für Ea, Marduk und „selbigen Gott" (Samas?), 3 Räucherbecken mit Zypresjen hingestellt, Sejamwein gespendet, selbigem Götterbild „Mundwaschung“, „Mundöffnung“ (Zeremonie speziell bei Einweihung von Götterbildern gebräuchlich) angetan, Räucherbecken, Fackeln an ihn herangebracht werden. Im Weihwasserbecken soll man ihn abwaschen und dann also zu ihm sprechen:

Von dieser Stunde an solst du vor Ea, deinen Vater, gehen, dein Herz sei fröhlich, dein Sinn sei freudig, Ea, dein Vater, sei angesichts deiner voll Jauchzens!

Dreimal joll der Beschwörer so sprechen und niederfallen und die Hände des Gottes ergreifen, ein Schaf ihn jehen lassen (?), eine bestimmte Beschwörungsformel auf dem ganzen Weg von dem Haus des Priesters bis zum Flusse vor dem Gotte her unter Fadelbeleuchtung hersagen. Am Flusse wird unter Opfervorrichtungen die Reinigung des Götterbildes vollzogen. Für eine große Zahl von Göttern

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1) Zimmern, Beiträge,, S. 138 ff.

2) Offenbar in der Rolle als Fürsprecher für den franken Menschen, wie Marduk (vgl. S. 30).

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