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Danklied nach Errettung aus Not.

AD. VII, 3

Mein ganzes Land rief: „Wie ist er übel zugerichtet!"
Da solches mein Feind hörte, erglänzte sein Angesicht;

meiner Feindin (?) verfündete man es, ihr (?) Sinn ward heiter.
Ich weiß (aber) eine Zeit für meine gesamte Familie,
wo inmitten der Manen ihre Göttlichkeit geehrt sein wird'.

Es ist nun bemerkenswert, daß in der Sammlung, in die dieses Gedicht in der Bibliothek Assurbanipal’s eingeordnet war, unmittelbar ein Lied folgt, das ein Danklied darstellt eines aus solcher Not, wie sie unser Text geschildert hatte, von der Gottheit Geretteten. Allerdings besißen wir bisher den Text dieses Dankliedes selbst noch nicht, sondern , einstweilen nur den oben erwähnten sprachlichen Kommentar dazu, der immer nur einzelne Zeilen aus dem Gedichte herausgreift. Es wäre umsomehr erwünscht, wenn auch dieses Danklied selbst einmal vollständig zum Vorschein käme, als wir gerade von solchen Danfliedern für göttliche Errettung aus dem Leiden, die ja in den alttestamentlichen Psalmen reichlich vertreten sind, in der babylonisch-assyrischen Literatur bisher so gut wie keine Beispiele haben. Immerhin läßt sich auch schon aus jenem Kommentar der Inhalt dieses Dankliedes bis zu einem gewissen Grade erkennen. Es beginnt: Schwer lastet seine? Þand, nicht vermag ich sie zu ertragen. Als Helfer erscheint nun Bel von Nippur, später dann Marduk. Von Bel heißt es: Er sprach: „Wie lange noch er, der so sehr beschwert ist"! Dann weiter in einzelnen Zeilen u. a.: Meine Sünden ließ er vom Winde forttragen 4. Meine Ohren, die verstopft waren, verriegelt waren wie bei einem Tauben:

deren Sausen nahm er weg, öffnete mein Gehör.
Er heilte meine Brust, die wie eine Flöte pfiff.
Er reicht dar meine Speise, bringt herbei Getränk.
Meinem Nacken, der schlaff war, nach tief unten gebeugt war,

hat er ........ wie eine Zeder aufgerichtet. Einem an Araft Vollendeten machte er meine Gestalt gleich.

1 Die Überseßung der beiden leßten Zeilen ist sehr unsicher. 2 Nämlich des heimsuchenden Gottes oder bösen Dämons. 3 Der technische Ausdruck für die göttliche Erlösung. 4 Ähnlich heißt es in einem anderen Klageliede: „Meine Seufzer mögen die sieben Winde forttragen. - Ich möge meine Schlechtigkeit abstreifen, der Vogel sie zum Himmel hinauftragen; meine Trübsal nehme der Fisch fort, entführe der Strom!"

AD. VII, 3

Flagelied an Bel bei Landesnot.

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Er wischte ab meinen Rost, machte mich glänzend wie Rotgold.
Meine trübe Leibesgestalt wurde hell.
Beim göttlichen Strom, woselbst das Gericht der Menschen gehalten wird,

wurde mir das (Sklaven)mal abgewischt, die (Sklaven)kette abgenommen. In den Kachen des Löwen, der mich verschlingen wollte, hat Marduk Gebiß gelegt.

Ähnliche Klagetöne, wie wir sie im bisherigen bei den Leiden eines einzelnen vernommen haben, finden sich nun auch in Klageliedern, die sich auf eine Notlage des gesamten Landes, veranlaßt durch feindliche Invasion, beziehen. . So in der bereits oben S. 7 F. mitgeteilten Klage Nebukadnezar's I., so z. B. auch in einem Klagelied an Bel’, das in seinem ersten Teile die unwiderstehliche Admacht des Schöpfergottes Bel besingt, der über seine Kreatur verfügen kann wie es ihm beliebt, und dann fortfährt: O Herr des Landes, Bel, unerschütterlicher, wie lange will sich dein Herz

nicht beruhigen? Vater Bel, deine Augen, die da blicken, wie lange wollen sie sich nicht

beruhigen? Der du dein Haupt mit einem Tuch verhülst, wie lange?

Der du deinen Naden in deinen Schoß legst, wie lange? Der. du dein Herz wie eine Tonne zudeckst, wie lange ?

Gewaltiger, der du deine Finger in deine Ohren steckst, wie lange? O Vater Bel! Sie? sind überwältigt, sind vernichtet. D Herr des Landes! Das Mutterschaf stößt sein Lamm von sich, die

Ziege ihr Zidklein. Wie lange noch wird in deiner treuen Stadt die Mutter, die es geboren,

ihr Kind von sich stoßen? Das Weib des Helden die junge Tochter, ihr Rind, von sich stoßen?

(Die Gattin) ihren Satten von sich stoßen? [ Vater Bel! Himmel und Erde sind niedergeworfen, Licht ist nicht vorhanden.

D Herr des Landes! Die Sonne geht über dem Lande glänzend nicht auf. TO Vater] Bel! Der Mond geht über dem Lande leuchtend nicht auf.

Sonne und Mond gehen über dem Lande glänzend nicht auf.
O Vater Bel! Da du nach innen riefft, die Leute innen tötetest du;

Herr des Landes! Da du nach außen riefft, die Leute außen tötetest du; da du in die Täler riefst, mit Blut wurden sie angefüllt;

in das Innere des Landes riefst, zu Trümmerhügel machtest du es. (Es folgt zum Schlusse eine lange litanei, in der eine große Anzahl von Göttern angerufen wird, durch ihre Fürbitte das erzürnte Herz Bel's zu be

sänftigen.)

2 D. h. die

1 Reisner, Hymn. 130 ff. (Messerschmidt, Dissert.). Menschen, bezw. die Kreatur im allgemeinen.

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Schlußbemerkung.

AO. VII, 3

Stellen die im vorstehenden mitgeteilten Proben von babylonischen Hymnen und Gebeten auch nur einen kleinen Ausschnitt dar aus der großen Anzahl von Terten dieser Art, die uns gegenwärtig schon zur Verfügung stehen, so ermöglichen sie hoffentlich doch einen guten Einblick in diesen Zweig der babylonischen religiösen Literatur, der vor manchen anderen auf das besondere Interesse auch weiterer Kreise rechnen kann.

Zur Literatur.

Weitere Proben von babylonischen Hymnen und Gebeten findet man am bequemsten zugänglich gemacht bei Jastrow, Religion Babyloniens und Affyriens I, 393 ff., wobei freilich die gebotenen deutschen Übersegungen, je nach dem verschiedenen Charakter der früheren Bearbeitungen der betreffenden Texte, wie fie dem Verfasser zur Verfügung standen, ihrem Werte nach sehr ungleich sind. Ein Mangel bei diesen von Jastrow mitgeteilten reichhaltigen Proben ist ferner, daß hier die rhythmische Gliederung der Hymnen, auf deren Hervorkehrung oben besonderer Wert gelegt wurde, so gut wie gar nicht zum Ausdruck kommt. – Vgl. ferner u. a.. Hehn, Hymnen und Gebete an Mardut (in Beiträge zur Assyriologie V, 3); Böllenrücher, Gebete und Hymnen an Nergal (Leipziger semitistische Studien I, 6).

Die in diesem Hefte gebotenen Überseßungen stellen zugleich eine verbesserte Neuausgabe dar der von mir vor nunmehr zwanzig Jahren in meiner Schrift „Babylonische Bußpsalmen“, Leipzig, Hinrichs 1885, gelieferten Übers seßungen, indem die meisten der in jener Schrift behandelten Psalmen auch in diejem Hefte, und zwar in verbesserter Gestalt, Aufnahme gefunden haben.

Dämonenbeschwörung

bei den

Babyloniern und Affyrern

Eine Skizze

von

Dr. Otto Weber

Leipzig
J. E. Hinrichs'sche Buchhandlung

Der Alte Orient.

Gemeinverständliche Darstellungen

herausgegeben von der Qorderafíatischen Befellschaft.

7. Jahrgang, Heft 4.

Wegen der vielfach erweiterten Neudrude empfiehlt es sich, fortab nach Jahrgang, Seft und Seitenzahl zu zitieren, ed. noch mit hochstehender Biffer die Auflage andeutend, also: AD. V, 2 S. . . bez. AD. IV, 44 S. . .

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