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Ursachen der Besessenheit

AD. VII, 4.

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versöhnen konnten, war ja doch jeder angewiesen, ob hoch oder nieder.

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Benna, und fragine Göttin beleid isen singer,

Der Möglichkeiten, den Zorn des Schußgottes auf sich zu ziehen, ihn dadurch zu vertreiben, so daß der Dämon offenen Zugang finden und mit Krankheit des Leibes und des Gemütes den ,, Besessenen“ schlagen konnte, waren ja so viele, daß es der Betroffene wohl oft selbst nicht sagen konnte, worin er gefehlt hatte. Die zweite Tafel der Schurpu-Serie beginnt mit der Aufzählung von allen möglichen Ursachen, die einen Menschen, der „krank, elend, bekümmert, betrübt" ist, und bei dem Beschwörer Hilfe sucht, wohl in seine jammervolle Lage gebracht haben mögen. Der Beschwörer wendet sich im Beisein des Kranken an die „großen Götter“, die „Herren der Erlösung“, und fragt":

Hat er seinen Gott beleidigt, seine Göttin beleidigt? þat er statt Ja Nein, statt Nein Ja gesagt? þat er auf ... ... mit dem Finger gedeutet? ...... Unheil ausgesprochen?? ... ... seine Göttin verachtet? ...... Böses gesprochen? ...... Unlauteres gesprochen? ... Ungerechtes ersinnen lassen? ...... Bestechung (?) einen Richter annehmen lassen? Ist er ...... die zerfallen, aufgetreten? Hat er ...... beim Aussprechen dazujeßend? ...... eine Schwache zu unterdrüden? ... ... aus ihrer (fem.) Stadt vertrieben? Hat er Vater und Sohn entzweit? Sohn und Vater entzweit? Mutter und Tochter entzweit? Tochter und Mutter entzweit? Schwieger und Schnur entzweit? Schnur und Schwieger entzweit? einen Bruder mit seinem Bruder entzweit? Hat er einen Freund mit seinem Freund entzweit? Einen Genosien mit seinem Genossen entzweit? einen Gefangenen nicht freigelassen, einen Gebundenen nicht gelöst ? einen Eingekerkerten das Tageslicht nicht erblicken lassen? zu einem Häscher gesagt: „Nimm ihn gefangen“, zu einem Büttel 3: „Binde ihn“? Jste Gewalttat gegen den Ahnherrn, Haß gegen den älteren Bruder? Hat er Vater und Mutter verachtet, die ältere Schwester beleidigt? Im kleinen gegeben, im großen verweigert? ...... Falsche Wage gebraucht. ..... Falsches Geld genommen, rechtes Geld nicht genommen? Einen rechtmäßigen Sohn enterbt, einen unrechtmäßigen Sohn eingeseßt? Falsche Grenze gezogen, rechte Grenze nicht ziehen lassen? Grenze, Mark und Gebiet verrüdt? Seines Nächsten Haus betreten? Seines Nächsten Weib sich genaht? Seines Nächsten Blut vergossen? Seines Nächsten Kleid geraubt? ...... Gegen einen Vorgejeften sich erhoben? War er mit dem Munde aufrichtig, im Herzen falsch? War in seinem Munde Ja, in seinem Herzen Nein? usw. usw. Nach weiteren Fragen ruft der Priester:

Gelöst werde, wodurch er auch immer gebannt ist! und damit beginnt wieder eine lange Aufzählung von Möglichkeiten, durch die er sich den Bann zugezogen haben kann, so z. B.:

1) Nach Zimmern, Beiträge S. 3 ff.
3) Wörtlich „Binder“.

2) Zwei Zeilen fehlen.

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In der Aufeinreichen, die

Ausführlichkeit, mänten.

Ob er durch die Gestalt von Vater und Mutter gebannt, durch die Gestalt von älterem Bruder oder älterer Schwester gebannt war, ...... ob er Zerstörung angerichtet, Frevel an seiner Stadt begangen, ein Gerede über seine Stadt ausgesprengt, den Ruf seiner Stadt schlecht gemacht, ob er einem Gebannten entgegen gegangen, ein Gebannter ihm entgegen gegangen, ob er in eines Gebannten Bette geschlafen, auf eines Gebannten Stuhl gesessen, aus eines Gebannten Schüssel gegessen, aus eines Gebannten Becher getrunken.

Man sieht, es gab der Möglichkeiten die Fülle, die einem Ahnungslosen den Zorn der Götter zuziehen konnten. Es war gar nicht nötig, ein besonders ichweres Verbrechen auf sich zu laden, das geringste Versehen, der kleinste Verstoß gegen geschriebene und ungeschriebene göttliche und menschliche Geseke konnte hinreichen, die überaus empfindliche Gottheit zu kränken. In der Aufzählung fällt vor allem auf die Ausführlichkeit, mit der Vergehen an den Gliedern der eigenen Familie namhaft gemacht werden. Das entspricht dem stark ausgeprägten, patriarchalischen Bewußtsein, das den ehemals nomadischen Völfern durchaus erhalten geblieben ist. Die tiefere religiöse Bedeutung liegt darin, daß jede Verleßung der Familienbande eine Impietät gegen den Schußgott der Familie, den „Hausgott“, in sich schloß. Dieselbe religiöse Anschauung tritt auch zu= tage, wenn unter den Verfehlungen die genannt werden, die gegen Ordnung, Frieden und Ehre der Stadt sich wenden und diese der Gefahr ausseßen, daß ihr göttlicher Schußherr aus ihren Mauern weicht, bis der Frevel gesühnt ist. Von besonderem Interesse ist ferner die Erwähnung, daß jede auch noch so zufällige Berührung mit einem „Gebannten“ oder mit den gleichfalls dem Bann verfallenen Gebrauchsgegenständen eines Gebannten dieselbe Wirkung hatte, wie eine persönliche sittliche Verfehlung, daß sie genügte, den Betreffenden selber zu bannen. Die ganze dritte Tafel der gleichen Beschwörungsserie Schurpu ist der Aufzählung von verschiedenen Arten des Bannes gewidmet, die der Beschwörungspriester zu lösen berufen ist. Auch diese Liste ist als ein Katalog von Vergehungen aufzufassen, deren Sühnung nur durch Beschwörung erfolgen kann. Der „Bann" ist der Zustand des Menschen, der der Gottheit verfallen ist. Der Gebannte ist Tabu, d. h. er ist ausichließliches Eigentum der Gottheit, vollkommen losgelöst aus allem irdischen Zusammenhang. Wo ein solcher Zusammenhang hergestellt wird, äußert sich unmittelbar die furchtbare Wirkung, so daß alles, was mit einem Gebannten, sei es Mensch, Tier oder Sache in Berührung kommt, jelber dem Banne verfällt. Die Lösung des Bannes war eine der Hauptaufgaben des Beschwörungspriesters. . .

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Die Dämonen.

UD. VII, 4

: Die Zahl der Dämonen, deren Wirkungen den Menschen bedrohen, ist überaus groß. Sie werden wohl meist als göttliche Wesen bezeichnet, und ihre Macht ist groß, wenn sie sich austoben dürfen, ohne Widerstand zu finden, aber doch wieder beschränkt durch die Mittel, die die großen Götter den Priestern zu ihrer Befämpfung an die Hand gegeben haben. Gelegentlich aber schrecken sie nicht einmal vor den Göttern selber zurück, wie die „Sieben“, die den Mond bedrängen, bis ihm die Sonne zu Hilfe kommt. Gewisse Grundzüge des Wesens sind allen mehr oder weniger gemeinsam. Als Bringer alles Unheils entstammen sie der Unterweltsregion, dem Totenreich, sind Herolde des Bestgottes Ura, Beauftragte Namtars, des Boten der Unterwelt, und der Ereschfigal, der großen Unterweltsgöttin. Wenn sie gegen die Menschen anrüden, vermag nichts sie aufzuhalten. Meine Mauer, kein Zaun ist ihnet. zu hoch. Wenn die Türen verschlossen sind, schlüpfen sie wie Schlangen durch Rißen und Spalten. Vor allem haben sie es auf die Zerstörung des Familienlebens abgesehen. Wenn den Himmlischen Eintracht und Friede unter den Menschen ein wohlgefälliger Anblick ist, so gibt es für sie kein widerlicheres Schauspiel, und sie ruhen nicht, bis Mann und Frau, Vater und Sohn, Freund und Genosse widereinander in Streit liegen.

. Hier sollen nun die wichtigsten Gestalten dieses Götterreiches vorgeführt und ihrem Wesen nach an der Hand der Terte geschildert werden.

Da ist zuerst der Utuffu, der im Gefolge einer ganzen Reihe von Genossen erscheint und vielfach als Verkörperung der dämonischen Kraft überhaupt aufgefaßt worden ist. Er ist zunächst ein Totengeist-, ebenso wie im ganz speziellen Sinn sein Genosse Etimmu, dessen Name direkt der „Weggenommene" bedeutet. Hier kommt eine tiefliegende religiöse Vorstellung zum Ausdruck: jede Seele, der aus irgend einem Grunde der Eintritt ins Totenreich verwehrt worden ist, muß über die Erde wandern, bis der Hinderungsgrund aufgehoben ist. Solche Fälle treten ein, wenn es die : 1) Diese Beschwörung von Totengeistern hat gar nichts mit der Totenbeschwörung zu tun. Die spezielle Totenbefragung ist Zitierung bestimmter abgeschiedener Seelen aus der Unterwelt, in der Hoffnung, von ihnen Aufschlüsse irgendwelcher Art zu erlangen. Vgl. z. B. die Beschwörung des Totengeistes (ebenfalls als Utukku bezeichnet) Eabanis für Gilgamesch mit Hilfe Ea's am Schluß des Epos und das biblische Beispiel der Beschwörung des Totengeistes Samuels durch die Beschwörerin von Endor auf Veranlassung Sauls (1. Sam. 28).

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Angehörigen verjäuinen, den Toten zu bestatten; wenn sie ihm die ichuldigen Totenopfer nicht dargebracht haben, waren die Geister durch Hunger und Durst gezwungen, auf der Erde sich Nahrung zu suchen, wo immer sie sie finden. Die babylonische Spekulation hat eine ganze Reihe von Spezialfällen unterschieden, die die Ruhelosigkeit des Toten bedingen. So war ein Toter, der im Graben liegt, ein Königssohn, der in der Wüste tot liegen bleibt, solange vom Zugang zum Ort der Toten ausgeschlossen, als dieser illegale Zustand, der Mangel einer rite vollzogenen Bestattung andauerte. Oft waren es aber auch Fälle, in denen die Nachkommen, die gefeßlich verbunden waren, die Pflichten an den Verstorbenen zu erfüllen, unschuldig waren, so wenn jemand eines gewaltsamen Todes gestorben, z. B. durch Hunger oder Durst in der Gefangenschaft, oder durchs Schwert gefallen war. Oder wenn jemand starb, ohne übernommenen Pflichten vollständig gerecht geworden zu sein?, Frauen, die während der Geburt oder während der Zeit des Stillens starben, geweihte Tempelfrauen, die an einer Krankheit, heiratsfähige Fünglinge, die vor der Hochzeit starben, sie alle waren ausgeschlossen vom Zugang zum Totenreich, von der Totenruhe. So lange dieser Zustand aber dauerte, mußten sie über die weite Erde schweifen, solange waren sie die gefürchteten Widersacher vor allem derer, mit denen sie auf Erden irgend welche Beziehungen unterhalten hatten, insonderheit aber derer, die ihre verwandtschaftlichen Beziehungen verpflichtet hätten, alles zu beobachten, was dem Toten im Grabe seine Ruhe sichern konnte.

Eine strenge Scheide zwischen dem bösen Uttuku und dem böjen Efimmu ist nicht möglich, wie überhaupt die Eigenschaften und Wirfungen der einzelnen Dämonen vielfach ineinander greifen. Zusammen mit dem „böfen Alu“ sind sie ihrer natürlichen Wirkung nach als Sturmdämonen aufgefaßt und in der Gestalt von wutIchnaubenden Stieren gedacht. Während der Lieblingshinterhalt der beiden ersteren ihrer Natur entsprechend Friedhöfe, Grüfte und die Wüste sind, verbirgt sich der Alu in der Dunkelheit von Höhlen und Klüften, in Ruinen und verlassenen Gebäuden, er schlendert des Nachts durch die Straßen „wie ein Hund“. Des Nachts schleicht er sich gern in die Kammern, den Müden den Schlaf zu rauben. Von der Gestalt, in der er den Menschen erscheint, wird ein ab

! 1) Hier war es wohl möglich, daß die Nachkommen für ihn eintraten und dadurch seine Lösung bewirften.

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Die Dämonen.

AO. VII, 4

ichreckendes Bild entworfen, er hat weder Mund, Lippen noch Ohren; er gilt als das Erzeugnis der Dämonin Lilith oder ArdatLili (1. unten) mit einem Menschen, daher jein halb menschliches, halb teuflisches Aussehen.

Der böse Gallu“ schlendert wie der Alu des Nachts durch die Straßen; er ist geschlechtslos, weder Mann noch Weib. Sein Name ist offenbar sprichwörtlich geworden für alle Menschen, die wir etwa als „böje Teufel" bezeichnen. Wenigstens gebraucht König Senacherib dieses Epitheton den von ihm so sehr gehaßten Babyloniern gegenüber.

An vierter Stelle steht in diesen eine strenge Reihenfolge bei Aufzählung der Dämonen einhaltenden Texten der „böse Gott", d. i. natürlich der feindliche Widerpart des jedem Menichen zur Seite stehenden wohlwollenden Schußgottes. Jeder Mensch hat also auch ein ihm feindliches Prinzip unter den göttlichen Mächten zu fürchten. Nähere Angaben über sein Wesen und die Art seiner Betätigung fehlen in den Terten.

Weitere Gestalten der Dämonenwelt sind der Rabisu, der „Kauerer“ und „Aufpasser“, der stiergestaltete Schedu, der ebenfalls ein den Menschen günstig gesinntes Gegenstück hat, und dann die Fieberdämonin Labartu, die in dem ständigen Gefolge des Utukku erscheint, der aber auch eine eigene Reihe von Beschwörungsterten gewidmet ist. Sie ist eine Tochter Anus, und gilt als Ausländerin, als Elamiterin, Sutaerin, wohnt in Berggegenden, im Schilfdickicht, ihr Ausjehen ist grausenerregend, wohin jie kommt, richtet sie Verwüstung an. Zielscheiben ihrer Angriffe sind aber vor allem die kleinen Kinder und ihre Mütter. Gegen sie sind namentlich die Amulette und Talismane gerichtet, die mit einer Formel beschrieben sind und von den Kindern am Hals getragen wurden.

Labasu und Ach chazu, die mit der Labartu eine Trias bilden, sind gleichfalls Fieberdämonen. Eine weitere Trias bilden die stets zusammengehenden Lilu, Lilitu und Ardat Lili, d. i. der männliche Lilu, die weibliche Lilitu und das Mädchen, Buhle oder Gehilfin des Lilu (=Windsbraut). Es sind Sturmdämonen, wie die meisten ihrer Genossen. Möglicherweise aber hat sich später hier infolge einer falschen Volksethymologie mit diesen Gestalten die Vorstellung von Nachtgespenstern verknüpft. .

Die bisher genannten Dämonen werden in den großen Serien von Beichwörungstexten, namentlich in der den Utukfi gewidmeten, fast stets zusammen und in ganz stereotyper Reihenfolge genannt, offen

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