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8 Sonneu. Mond an den Wendepunkten. VoUmondu. Schwarzmond. AD. VIII, 1

Die Sonne ist während des einmaligen Umlaufs des Mondes (Monat) nicht stehen geblieben, sondern hat ihren Weg mit ungefähr 1/2 der Mondgeschwindigkeit fortgesetzt. Wenn der Mond sie wieder einholt, also wieder in ihr verschwindet, um zum zweiten Male seinen Lauf zu vollführen, so ist sie also um 1/1, ihrer Laufbahn weitergerückt. Das Zusammentreffen findet also an einer etwas höher, mehr nach dem Norden zu gelegenen Stelle des Himmels statt.

Wenn sich das zum sechsten Male wiederholt, so steht die Sonne auf dem höchsten Punkt ihrer Laufbahn, also am nördlichsten; der Mond bei ihrem Zusammentreffen also ebenda, als Vollmond ihr gegenüber d. h. dort, wo sie bei der Wintersonnenwende stand, also am südlichsten oder tiefsten, wie sie jeßt dort steht, wo der Vollmond damals stand.

Das ist die Sommersonnenwende. Von nun an wiederholt sich dasselbe Schauspiel, nur daß die Sonne dabei wieder tiefer am Himmel herabsteigt, wieder sechsmal bis zur Wintersonnenwende.

Der Mond hat dabei zwölfmal dieselben Erscheinungen gezeigt: er ist aus dem ihn unsichtbar machenden Lichte der Sonne herausgetreten, hat zugenommen bis zu seiner vollen Beleuchtung und dann wieder abgenommen. Die Erscheinung ist so, als ob ein schwarzer Schatten oder eine schwarze Scheibe sich vor die helle des Mondes schiebt oder sich von ihr entfernt. Dieser Vorgang fällt zusammen mit der Entfernung oder Annäherung an die Sonne; je näher an dieser, um so mehr ist er verfinstert. Wenn man eine allgemeine symbolische Einkleidung für den Vorgang wählt, so kann also entweder in naiver Anschauung davon gesprochen werden, daß zwei Monde, ein heller und ein schwarzer, sich aneinander vorbeischieben. Dann entsteht der Mythus vom bösen oder schwarzen Bruder, der den roten oder lichten tötet. Eine astronomisch schon etwas klarer blickende Anschauung weiß aber, daß das Licht wie die Verdunkelung von der Sonne ausgeht. Allgemeiner, „wissenschaftlicher“ gesprochen, ist dann der schwarze Bruder dieselbe göttliche Macht oder Kraft, welche auch in der Sonne wirkt, D. h. der Schwarzmond ist die Sonne, oder die Sonne ist der böje Bruder, welcher den lichten Mond tötet.

Diese Auffassung löst die Vorstellung schon von dem rein förperlich Geschauten ab und faßt den Vorgang in einem vergeistigten Zusammenhange, indem sie das Spiel von göttlichen Ge

AD. VIII, 1

Fixsterne und Wandelsterne. Der Tierkreis.

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walten – oder wie wir sagen würden: Naturkräften – als die eigentliche Ursache ansieht. Die Heimat der Astronomie mit ihrem tief durchdachten astronomischen Systeme sieht in den Sternen mehr als bloße Körper und sie unterscheidet sehr wohl zwischen Materie und Geist. Der babylonischen Religion ist nicht der Mond oder sonst ein Gestirn die Gottheit, sondern nur eine der materiellen Offenbarungsformen der Gottheit 1.

Der Grundgedanke aller babylonischen Lehre ist der von der Entsprechung der Erscheinungen des Himmelsalls. Der Kreislauf der Sonne wird als eine Parallelericheinung von dem des Mondes aufgefaßt, was er ja — für die äußere Betrachtung - auch ist, da der Lauf beider durch dieselben Teile des Himmels führt, also scheinbar auf demselben Wege folgt. Die Sonne legt also denselben Weg in einem Jahre zurück, wie der Mond in einem Monat. Dieser Weg wird – wie der des Mondes und der übrigen Planeten – bestimmt durch die festen Punkte, die der Himmel bietet: die Fixsterne.

Durch ihre Beobachtung und durch das Vorbeigehen eben der wandelnden Gestirne an ihnen erkennt man deren Vorrücken und vermag den Weg zu verfolgen, den sie nehmen. Indem die Sonne von einer dieser unverrückbaren Sterngruppen zur andern weitergeht, bedeckt sie sie, oder wie der Ausdruck lautet: sie steht darin. Diese Firsterngruppe ist dann – ebenso wie der Mond bei seinem Zujammentreffen mit der Sonne – unsichtbar d. h. sie befindet sich bei Tage, zugleich mit der Sonne, über dem Horizont. Indem sie in ihrem Kreislaufe zwölfmal vom Monde eingeholt wird, findet das Zusammentreffen jedesmal an einem andern Punkte statt, und fie hat bis zum nächsten immer ein Zwölftel des ganzen Kreises zurückgelegt. Dadurch, also durch den Lauf der beiden wird dieser Kreis in 12 Teile zerlegt, von denen die Sonne je einen in einem Monat . h. bis zum nächsten Zusammentreffen mit dem Monde, durchläuft. Jeder der zwölf Teile wird in der altorientalischen Anschauung durch Zusammenfassung der darin stehenden Firsterne als ein einheitliches Ganzes angesehen und die betreffenden Sterne werden als die sogenannten Bilder des Tierkreises bezeichnet.

Woher die Vorstellung stammt, welche den betreffenden Gruppen die zwölf Namen gegeben hat, und die einzelnen Vorstellungen wie

1) AO. III, 2/32 S. 20—24.

2) ebenda S. 28 ff.

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Die Sonne als Unterweltsmacht. Die astrale Normalstellung. UD. VIII, 1

Zwillinge, Stier, Widder usw., mit ihnen verbunden hat, wissen wir nicht. Innerhalb der Dauer der altorientalischen Kultur sind sie stets da, die ganze Einrichtung geht in viel ältere Zeiten zurück als unsre Geschichtskenntnis (jeit etwa 3000 v. Chr.) reicht 1. Für eine Betrachtung des Mythus und seiner Erscheinungen, soweit sie astral sind, und für sein Verständnis innerhalb dieser Entwicklungsstufe und innerhalb aller geschichtlichen Überlieferung kommt die Frage nicht in Betracht, wie diese Vorstellungen entstanden sind und inwieweit sich etwa Reste einer naiveren und ursprünglichen Vorstellungswelt darin erhalten haben. Soweit unsre Kenntnis reicht, ist der Tierkreis da und der orientalische Mythus sieht ihn als so feststehenden Begriff an wie wir die Elemente oder die Aategorien des Denkens.

Die Sonne macht jeden Stern, an den sie herantritt oder der in sie hineintritt, unsichtbar. Sie ist die schwarze Macht, welche dem Monde den Tod bringt. Deshalb erscheint sie astral richtig als die Unterweltsmacht – sehr gegen unjer Gefühl, das sie als Tages- oder Oberweltsgestirn in Anspruch nehmen würde, und als jolches gilt sie der babylonischen Anschauung? Da der Mond in seiner vollen Gestalt ihr gegenübersteht, so ist er in dieser, also als Vollmond, Oberweltsgestirn. Wenn also der Sonne als der ihr eigentlich gebührende Punkt im Weltall die Unterwelt zukommt, so dem Monde die Oberwelt. Im Tagesumlauf ist also die Mitternachtsstellung einer Vollmondsnacht diejenige, wo jedes Gestirn an seinem Plaße steht und im besondern ist es die Vollmondnacht der Wintersonnenwende, wo Mond und Sonne jeder an ihrem Punkte stehen: die Sonne am tiefsten Punkte ihres Himmelslaufes, der Mond am höchsten, der Mond fulminierend, die Sonne ihm gegenüber in der „Unterwelt“. Das umgekehrte Verhältnis findet bei der Sommersonnenwende statt. Da steht der Mond im eigentlichen Bereiche der Sonne und diese in dem seinen.

Mond und Sonne sind Gegensäke. Zur Zeit wo der eine herricht, ist der andre ohnmächtig. Steht der Mond – immer als Vollmond – am höchsten, so steht die Sonne am tiefsten Punkte des gemeinschaftlichen Kreises, in der Wintersonnenwende und umgekehrt. Da es aber die Licht- oder Oberweltsgottheit ist, auch astronomisch der Mittags- oder Kulminationspunkt eines Gestirnes der maßgebende ist, so ist der Zeitpunkt, an welchem er herrscht,

1) AD. II, 2/32 S. 32.

2) ebenda S. 35.

AD. VIII,1 Nacht- und Tagesbogen wie 5 : 7 in der Sommersonnenwende. 11

der des Vollmondes der Sommersonnenwende. Die Stellung, welche der Sternhimmel dann einnimmt, ist die astrale Normalstellung Bei dieser Stellung sind in der Höhe von Babylon fünf Tierfreiszeichen über dem Horizonte (also bei Nacht) sichtbar, sieben unter ihm, oder wie man astronomisch sagt: Nacht- und Tagesbogen? verhalten sich wie 5:7. Bei uns ist der Unterschied viel größer und nimmt nach Norden hin immer mehr zu. Das ist der Grund, für die Einteilung des Jahres 3 in 5+7 – nicht 6+6 — Monate und eine entsprechende des Tierkreises. Sie erklärt sich also nur aus der babylonischen geographischen Breite und kann nur in einer solchen entstanden sein. In der Zahlensymbolik ist deshalb die dem Monde* eigentümliche die 5, die der Sonne eignende die 7, wobei aber stets zu berücksichtigen ist, daß das nur von der Normalstellung gilt und daß jedes Gestirn und jede göttliche Macht durch jeine Stellung seine Wirkung ausübt, also in ihr Gegenteil verfehrt wird: die Sonne wird Oberweltmacht (also „Mond“) und der Mond Unterweltmacht (ichwarz = „Sonne“) in ihrem Umlaufe. Für gewöhnlich aber, wenn nicht als einheitliche Gestalt, erscheinen die Licht- oder Oberweltsgottheiten als fünf, die feindlichen als sieben.

Denselben Weg wie der Mond legt die Sonne scheinbar zurück, indem sie in einem Jahre durch die zwölf Zeichen des Tierkreises läuft. Diese werden in die drei Reiche von Luft (Anu), Erde (Bel) und Wasser (Ea) geteilt, wobei unter Vorausseßung der Zwillingsrechnung das Wasserreich die Zeichen von Wassermann bis Stier umfaßt. Während die Sonne in diesen steht, im Winter, ist sie am wenigsten fräftig, die Natur ist tot und es herrscht der Regen. Der Aufenthalt der Sonne in der „Wassergegend“ entspricht also dem des Mondes in der Sonne, beide gelten als tot und werden erst durch das Verlassen, sei es der Sonne, sei es „Wassers“,

1) Ein Mondjahr müßte also mit der Sommer-, nicht mit der Wintersonnenwende beginnen.

2) Die Anzahl der Grade, welche den nicht sichtbaren Tierkreiszeichen entspricht, durchläuft die Sonne bei Tage (ist entsprechend lange sichtbar, also 7 x 2 Stunden), die den nicht sichtbaren entsprechende (5 x 2 Stunden) bei Nacht.

3) Bei Hammurabi und in volkstümlicher Rechnung auch bei uns, AD. IV, 44 S. 38, Anm. 2.

4) Aljo umgekehrt als AD. II, 2/32 S. 17 gezeigt – man beachte das obige! Die Siebenteilung ist dem Monde (Woche) aufgezwängt.

5) AD. III, 2/32 S. 30.

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Sonne, Mond und Planeten in der Unterwelt.

AD. VIII, 1

zu neuem Leben erweckt. Also der Mond wird durch die Sonne bedroht, aber auch aus ihr neu geboren, die Sonne durch das Wasser. Indem beide ineinander übergehen, kann in einem gegebenen Falle das auch vertauscht werden. Wenn z. B. in einem Mythus das goldene Wasser erscheint, in welches der Held untertaucht, um wieder daraus hervorzugehen, oder wenn die „Wasser der Unterwelt“ überhaupt golden sind, so ist Sonne (= Gold) = Unterwelt und Wasser (= Unterwelt) vereint.

Schließlich gilt dasselbe von den übrigen Planeten, die ebenfalls durch die Sonne hindurchgehen und dadurch ihren ,Tod" finden, in der „Unterwelt“ weilen d. h. unsichtbar sind.

Die astrologische Lehre findet überall die gleichen Kräfte wirfjam, es ist der Gegensaß von Licht und Finsternis, Ober- und Unterwelt, Leben und Tod, Mond und Sonne, der überall, also auch in allen einzelnen Teilen des Himmels genau so wie im ganzen Weltall sich wieder zeigt. So auch in den einzelnen Tierkreisreichen, wie in den einzelnen Ländern der Erde. Jedes stellt für sich ein Ganzes dar, in dem die beiden herrschenden Mächte wieder vertreten sind. So sind die Zwillinge (Kastor und Pollur), ,,Sin und Nergal“ d. i. Mond und Sonne (oder Schwarzer Mond) und ebenso in den Tierkreiszeichen des Gottes von Babylon, dem Stiere, die beiden Hauptgruppen die Hyaden und Plejaden = Mond und Sonne ?

Von diesen sind die Plejaden die eine Gruppe von 7, die Hyaden eine von 5 Sternen, beide enthalten also die beiden Zahlen von Sonne und Mond. Wenn die Sonne in den Plejaden steht und der Mond bei ihr, also unsichtbar ist, so wird er wieder sichtbar, wenn er bis zu den Hyaden vorgerückt ist. Deshalb erscheinen diese in der babylonischen Astronomie als Mondstation, während umgekehrt die Plejaden der Sonne eignen. Diese ist also in den Plejaden in ihrem eigensten Gebiete, in ihrem Hause“, der Mond in den Plejaden in dem seinen. Da das Siebengestirn der Plejaden astrologisch dasselbe ist wie die Sonne, so ist damit die Erklärung von den „Sieben Bösen" gegeben, welche in der babylonischen Mythologie eine so große Rolle spielen und als die Unterweltsmacht erscheinen, welche Tod und Verderben bringt, wie die Sonne den in sie eintretenden Gestirnen, obenan dem Monde. Die Siebengottheit oder die Vertreter der Siebenzahl find also immer

1) AD. III, 2/32 S. 40-42.

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