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AD. VIII, 1

Zwillinge. Hyaden und Plejaden. Zyklen.

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die Unterwelt- oder Todesgottheit, während umgekehrt die Fünfzahl der Hyaden die Licht- oder Oberwelt darstellen, die durch ihr Eintreten in den Bereich der Sieben den Untergang finden. Deshalb sind es mit Vorliebe, wenn nicht eine, fünf Gestalten, welche der Mythus in die Unterwelt, das Gefängnis 1 usw. kommen läßt. Die Fünf ist = Mond = Licht; die Sieben = Tod = Unterwelt. Was in die Plejaden eintritt, verfällt der Sonnenmacht oder Unter: welt, ist tot. Die Sonnenbahn hat vier Hauptpunkte: die der beiden Sonnenwenden und der beiden Tagesgleichen, die den vier Himmelsrichtungen entsprechen. In der angenommenen Normalstellung (S. 10 f.) entsprechen sie ebenso den vier Mondphasen. Diese vier Punkte sind durch das gegenseitige Verhältnis von Äquator und Sonnenbahn (Ekliptik) gegeben und stehen nicht fest, sondern verschieben sich (infolge der Bewegung der Erdachse) und zwar in 72 Jahren um einen Grad, in ungefähr 2200 Jahren um ein Tierkreiszeichen, und durchwandern somit den ganzen Tierkreis in etwa 26 000 Jahren und zwar entgegengejeßt dem Laufe der Planeten, aljo von Ost nach West. Diese Präzession” der Tagesgleichen und damit des Neujahres machte Kalenderreformen nötig und mußte von selbst zur Unterscheidung von Zeitaltern führen, welche bei der Eigenart des astrologischen und kosmologischen Denkens des alten Drients eine gewaltige Bedeutung für die gesamte Welt- und Geschichtsauffassung haben mußten. Die Auffassung, welche alle Dinge als Entsprechungen, in ihrer gegenseitigen Bedingtheit, betrachtete und jede Entwidlung als Kreislauf ansah, der eine Entsprechung im Kleineren wie im Größeren hatte, mußte als Ergänzung zum Mond- und Sonnenumlauf größere Kreisläufe oder Zeiträume annehmen, innerhalb deren die verschiedenen Unregelmäßigkeiten der einzelnen natürlichen Gestirnumläufe sich ausgleichen. Das sind Zyklen oder Weltenjahre, wie das sogenannte Siriusjahr von 1460 Sonnenjahren einen darstellt, oder der babylonische Saros von 600 Jahren usw., je nach dem befolgten Systeme. In der Hauptsache handelt es sich dabei immer um den Ausgleich – zunächst des Mond- und Sonnenjahres, dann der übrigen Planeten, und endlich auch des Fixsternhimmels in seinem Verhältnis eben zu den Planeten (wie beim Siriusjahr um Sirius und Sonne).

Ganz ebenso wie das gegenseitige Verhältnis von Äquator und Ekliptik (die Neigung der Erdbahnebene zu dieser), so ist

1) AD. III, 2/32 S. 45.
2) AD. JII, 2/32 S. 32.

. 3) ebenda S. 33. 39. 53.

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auch das der übrigen Planeten Schwankungen unterworfen, was zu der gleichen Erscheinung für ihren Umlauf führt. Am deutlichsten tritt das wieder beim Mond hervor, der in jeder Beziehung am leichtesten zu beobachten ist. Seine Bahnebene ist wie die der Erde zur Ekliptik geneigt und seine Bahn durchschneidet daher ebenso wie bei der Erde die Ekliptik an zwei Punkten, die also für die Mondbahn dasselbe sind wie die Tagesgleichenpunkte für die Bahn der Sonne (8. h. Erde). Auch diese Punkte stehen nicht fest, sondern rücken genau wie die Tagesgleichenpunkte durch die ganze Elliptik herum. Das geschieht in ungefähr 19 Jahren, so daß also innerhalb dieser Zeit ein Ausgleich des Mond- und Sonnenjahres stattfindet, insofern der Neumond wieder auf denselben Punkt und damit denselben Tag des Sonnenjahres fällt. Dieser 19jährige Ausgleich ist der Grundsaß des sogenannten Zyklus Metons, der seine Bezeichnung von dem Manne hat, der ihn in Athen einführte. Denn im Gebrauch war er schon im ältesten Babylonien.

Der Schnittpunkt der Mondbahn mit der Ekliptik bei zunehmendem Monde wird von der mittelalterlichen Astronomie als Drachenfopf, der des abnehmenden als Drachenschwanz bezeichnet und diese Bezeichnung wird gelegentlich jeßt noch angewandt. Ihr Ursprung ist natürlich mythologischer Natur und weist sofort auf die Vorstellung hin, wonach bei Mondfinsternissen ein Ungeheuer den Mond verschlingt. Die Astrologie gibt weitere Aufschlüsse, denn sie kennt dieselbe Vorstellung auch für die übrigen Planetenbahnen und in astrologischen Karten, welche für die Stellung des Horoskops eingerichtet sind, wird für jede der Planetenbahnen auch eine verstellbare Schlange angebracht, welche als Durchmesser die Bahn ihres Planeten durchschneidet, so daß also füopf und Schwanz auf die beiden Schnittpunkte fallen. Daraus folgt also, daß jeder Planet den Kampf mit dem Drachen zu bestehen hat, der Kreislauf eines jeden ist eben das Spiegelbild von dem der andern.

Mond, Sonne und die fünf Planeten sind die eigentlichen Verfünder des göttlichen Willens oder der Weltordnung, ihre Bahn ist das himmlische Spiegelbild des Erdreichs in unsrer Welt. Die Vorstellung von den sieben Alimas unsrer Erde, welche bis ins Mittelalter hinein durch die Araber die Geographie beherrscht hat, zeigt deutlich, daß sie von den sieben Stufen des Tierfreijes 1 d. h.

1) AD. III, 2/32 S. 37.

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Die sieben Stufen der Ekliptik.

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den Umlaufsstufen der sieben Wandelgestirne hergenommen ist. Denn in praktischen Erfahrungen war sie nicht begründet und konnte sie nicht begründet sein. Der Tierkreis ist das eigentliche Beobachtungsgebiet der astrologischen Himmelslehre und von seinen Erscheinungen leitet daher die Wissenschaft des alten Orients ihre Lehren vor allem ab. Nach dem Grundjaße der Harmonie oder Entsprechung muß alles der unmittelbaren Beobachtung nicht Zugängliche doch die Erscheinungsformen zeigen oder gezeigt haben, wie sie dort vorgezeichnet sind im „Buche des Himmels".

Die Erde mit ihren sieben Klimas und der Tierkreis mit seinen sieben Stufen sind also Spiegelbilder und sie werden dargestellt in den siebenstufigen Zikurrat oder Stufentürmen der babylonischen Tempel, die also eine Vorstellung von dem „Berge der Länder“, d. i. dem irdischen und himmlischen Erdreiche (Tierkreis) geben sollen. Es sind Pyramiden, in denen man in sieben, um den Kern herumführenden und wohl spiralenförmig verlaufenden „Stufen“ his zur Spiße hinaufgehen konnte, wo der Gott auf seinem Throne sißend zu denken ist, wie bie oberste Gottheit, Anu oder EI, d. i. „Gott“ im Nordhimmel oder Luftreich d. h. dem über dem Tierkreis gelegenen, also an dessen höchste Stufe stoßenden Teile des Himmels, dem Lufthimmel", auf ihrem Throne fißt.

Die Vorstellung von diesen sieben Stufen, die, sich verengend, nach oben führen, ist ohne weiteres verständlich und durch die verschiedene Umlaufszeit der sieben Wandelgestirne gegeben; die unterste gehört deshalb Saturn, der die längste Umlaufszeit hat (30 Jahre), die folgenden in sich verengernden Kreisen: Juppiter (ungefähr 12 Jahre), Mars, Sonne (d. h. Erde), Venus, Merkur und Mond. Dem Monde gehört die höchste, und ist also die vollkommenste Erscheinung des Gestirnhimmels. Seine Erscheinungsformen zeigen am deutlichsten das Wejen aller Umlaufseinzelheiten.

Unsre Erde und ihr Himmel sind die sichtbare, jeßige Welt. Diese ist geworden und entwickelt sich weiter. Sie ist als geworden nicht von Ewigkeit her und wird in ihrer Erscheinungsform nicht bis in Ewigkeit bestehen. Wie die sieben Kreise nach oben führen, so muß auch ihre Entwicklung in gleichem Laufe sie größerer Volkommenheit entgegenführen, denn der Entwicklungsgang, den sie durchmacht, muß ebenfalls ein Abbild der Entwicklung alles Seienden darstellen. Unsre jevige Welt ist also das Erzeugnis eines

1) UD. II, 23° S. 26. 38 Anm.

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Weltentwickelung. Weltzeitalter.

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solchen Entwicklungsgangs, der aus der Ewigkeit in die Unendlichkeit, aus deren Nichts zur Vollkommenheit führt, das Wesen dieser Welt wird bestimmt durch den Standpunkt, den sie auf diesem Wege einnimmt, wie das Verdienst eines frommen Pilgers, der einen Stufenturm ersteigt, durch die Gnade der Gottheit gegeben ist, welchem die erstiegene Stufe gehört. Sie ist in mehreren Stufen entstanden und wird auch noch mehrere durchlaufen, ehe sie auf dem Gipfel anlangt; sie steht also gewissermaßen auf einer der nach dem Muster des Tierkreises erschlossenen sieben Stufen des großen Weltenraumes, oder sie ist eine der verschiedenen Welten, welche je auf einer dieser Stufen sich entwickeln. Denn jede höhere Stufe bedeutet auch eine Umgestaltung, bis die höchste Volkommenheit, die der Gottheit, erreicht wird.

Was vom Raume, gilt auch von der Zeit. Das Durchlaufen einer Stufe durch eines der Gestirne ist das Zeitmaß, und dadurch wird eben die Zeit gebildet - als Ausfluß göttlichen Wirkens. So viele Welten, so viele Weltzeitalter, die natürlich in ihrer Art als „Entsprechungen“ der an den Gestirnen beobachtbaren Zeiten vorauszuseßen sein würden. So viele von diesen großen Weltzeitaltern der Entwicklung des großen Aus verstrichen sind, so viele hat auch unsre Welt bereits zurückgelegt in dem Kreislauf ihres eigenen Bestehens, so daß das Spiegelbild vollkommen wird: da, wo unsre Welt in ihrer augenblicklichen Entwicklung steht, also in ihrer zeitlichen innerhalb ihres eigenen Bestehens, auf der entsprechenden Stufe steht sie auch im ganzen großen Kosmos.

Bekannt ist die Lehre von den vier Weltzeitaltern, welche das Griechentum durch Hesiod übernommen hat und die dann in der klassischen Überlieferung eine ebensolche Rolle spielt (Ovids Metamorphosen) wie in der apokalyptischen der Bibel (Daniel). Danach hat unsre Erde drei Zeitalter durchlebt, „ießt wird das vierte durchlebt“. Nach der Lehre von der Entsprechung muß man annehmen, daß dann noch drei weitere folgen müßten, wenn die Lehre von der Siebenteilung zu Grunde gelegt ist. Ebensogut kann

1) Sie brauchen, als Ergebnis der wissenschaftlichen Berechnung, nicht dasselbe zu sein wie die astronomischen Zeitalter (die je einem Tierkreiszeichen entsprechen), welche wir tatsächlich in der altorientalischen Geschichte feststellen können (AD. III, 2/32 S. 32, 33). Inwieweit beides durch einander bedingt ist, kann hierbei dahingestellt bleiben und steht auch nicht fest. Innerhalb der Grundvorstellung sind auch wohl sehr verschiedene Berechnungsweisen, d. h. Auslegungen der Grundvorstellung anzunehmen.

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aber eine andre Ausspinnung des Systems mit ihrer Zahl der Himmel rechnen, von denen besonders die Neunzahl? oder auch die Zwölf? oder endlich die Fünf, d. h. die der Planeten ohne Mond und Sonne s, in Betracht kommen. Zwischen Fünf und Sieben muß die altorientalische Lehre schwanken, je nachdem sie die Mondoder Sonnenlehre zugrunde legt (S. 11, Anm. 4). Es scheint, als ob die Mondlehre, welche die altbabylonische Anschauung vertritt,

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vorauszuseßen ist, denn Hesiod scheint das zu erwartende fünfte Zeitalter als das lekte anzusehen und bei der Zugrundelegung des Pentagramms der fünf Planeten ergibt sich die Reihenfolge der Zeitalter, so wie sie nach den Metallen bezeichnet werden. Denn diese Reihenfolge ist: das goldene des Chronos-Saturn, das silberne, erzene, das jebige4, welches als das eiserne gekennzeichnet wird. „Möchte ich nicht das fünfte Geschlecht erleben der Menschheit“. Wenn in der Reihenfolge des Pentagramms mit Saturn begonnen

1) Edda, Roser, AD. 111, 2/32 S. 38 Anm.

2) Die Etrusker kennen zwölf Zeitalter (den 12 Tierkreiszeichen entsprechend), die aber wohl nicht diese Zeitalter oder Äonen unserer Welt sind, sondern Unterabteilungen eines dieser Äonen. Hier find ihre Vorstellungen im einzelnen noch nicht ganz klar.

3) AD. III, 2/32 S. 38.

4) Hesiod, Werke und Tage S. 109 ff. – Das Eisen spielt wohl in der älteren Anschauung keine Rolle und ist deshalb spätere Ausführung der Vorstellung.

Alter Drient. VIII, 1.

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