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Weltídyöpfung in mythologischer Darstellungsform. AD. VIII, 1

wird – 8. h. mit der untersten Stufe der ältesten Welt —, so ergibt sich: 1. Saturn = Sonne = Gold; 2. Mars = Mond = Silber; 3. Venus = Bronze; 4. Juppiter. Sein Metall steht nicht fest – wenigstens nicht nach babylonischer Anschauung, aber tatsächlich ist er (Marduk) der Regent und Demiurg der jebigen Welt und des Zeitalters der Herrschaft Babylons und seiner Lehre.

Hierzu stimmt dann genau die im babylonischen Schöpfungsepos niedergelegte Lehre von der Entstehung der Welten. Denn dieses schildert die Entstehung unserer Welt in vier Stufen, deren vierte die von Marduk-Juppiter beherrschte ist.

Es sind kosmische Vorgänge, welche das Weltschöpfungsepos schildert und zwar aus der Anschauung der altorientalischen Welt heraus mit astraler Auffassung und in mythologischer Darstellungsform. Als Epos macht es von dem Mittel dieser Dichtgattung Gebrauch, die handelnden Gestalten in heroischer Auffassung auftreten zu lassen d. h. sie wie Heldengestalten oder vermenschlichte Götter sich zu denken. Dem gegenüber steht der reine Mythus, welcher die Götter als Götter auffaßt und schildert und ihr Walten und Handeln nicht ins Menschliche überseßt. Dieser Mythus wird daher im Babylonischen, wo die Götter vor allem astral sind, auch die astrale Auffassung betonen und stets erkennen lassen.

Es gibt noch eine andre Form der Behandlung kosmischer Vorgänge: das Lehrgedicht. Auch diese, rein abstrakte oder „wissenschaftliche Behandlungsweise des Stoffes und der Frage vom Ursprung der Welt hat ihre Ausbildung erhalten und ist uns in einem Beispiele erhalten. Wir besißen den Anfang einer poetischen 1 Darstellung der Entstehung des Weltalls, das auf jede verkörperte Darstellung der kosmischen Begriffe und vor allem auf jedes Eingreifen von als Personen gedachten göttlichen Gestalten verzichtet, sondern völlig im Tone eines Lehrgedichtes, wie es die altgriechische Naturphilosophie hervorgebracht haben könnte, oder wie es in Rom von Lucrez vorliegt, die Entstehung der Welt aus natürlichen Vorgängen heraus schildert und dabei die einzelnen kosmischen Begriffe, die verschiedenen Teile oder „Reiche“ des Weltenraumes rein begrifflich auffaßt ohne alle mythische Personifizierung in Göttergestalten. Während in der Mythologie es heißt: es entstand Anu, Bel, Ea, es werden geschaffen (erzeugt von den göttlichen Eltern) AD. VIII, 1

1) Die Poesie scheint überall die ursprüngliche Darstellungsform zu sein. Auch kom und Griechenland haben das Lehrgedicht vor der belehrenden Proja.

Weltschöpfung im Lehrgedicht.

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Sin, Schamarsch, Sstar, heißt es hier: es entstanden Eridu und Babel (vom Standpunkte der Lehre von Babylon aus) als Anfang der Welt d. h. als erste Grundlage gedacht, welche dann zur jeßigen Erde ausgestaltet wird. Nur Marduf, der Gott von Babylon, erscheint als einziger Schöpfer d. h. Ausgestalter der Welt, aber als seine Welt „entstanden“ ist. Die verschiedenen Weltteile werden dabei mit den Namen ihrer Kultstätten in Babylonien bezeichnet — jeder Tempel stellt den Teil der Welt dar, welcher seinem Gotte gehört: Das heilige Haus, das Götterhaus 1, war an heiliger Stätte nicht

geschaffen,
Rohr nicht gesproßt, Baum nicht gewachsen.
Ziegel nicht gelegt, Unterbau? nicht gebaut,

Haus nicht gemacht, Ansiedlung nicht erbaut,
5 Ansiedlung nicht gemacht, Zusammenleben nicht ermöglicht,

Nippur : nicht geschaffen, Ekur nicht gebaut,
Urut* nicht geschaffen, E-anna nicht gebaut,
der Ozean“ nicht geschaffen, Eridu nicht gebaut;

des heiligen Hauses, des Götterhauses Stätte nicht geschaffen. 10 Die Länder allesamt waren Meer,

der Boden (?) der Injel war Wasserfluß:
da wurde Eridu geschaffen, Sagila 6 erbaut,
Sagila, welches inmitten des Ozeans Ungal-dul-azag? bewohnt,

Babel wurde geschaffen, Sagila vollendet; 15 die Anunnaki 8 zugleich erschaffen,

die heilige Stadt, ihren Freudensiß, benannten sie Hehr.
Marduk fügte ein Rohrgeflecht auf dem Wasser zusammen,

1) Im Weltall eben die Welt als Siß und Betätigung der Götter; dann ein Begriff wie „Olymp“.

2) Die babylonischen Paläste und Tempel stehen auf einer künstlichen Ers höhung. Der Weltbau, das „Götterhaus“, ist das Vorbild für einen jeden solchen Bau, der einen Mikrokosmos vorstellen soll.

3) Nippur, die Stadt Bels des „Herrn der Länder“, steht also hier für das „Erdreich" – am Himmel (Tierkreis) wie auf der Erde. Ekur ist der Name des Tempels von Nippur, er soll das irdische Erdreich im besonderen vertreten, während Nippur mehr das himmlische ist.

4) Uruk und E-anna, die Stadt und der Tempel mit dem Aulte der Istar und des Anu, als Vertreter des Luftreichs im gleichen Sinne wie Nippur des Erdreichs.

5) Das „Wasserreich“; Eridu, die Stadt Eas.

6) Name des Tempels von Babylon: die aus der Wassertiefe (als Berg) sich erhebende Erde.

7) „König der heiligen Wohnung“, Beiname Marduks.

8) Die „Götter“ des oberen Weltteiles (Nordhimmel), hier deutlich rein begrifflich für diesen geseßt. 9) als Gerüst für eine „Ausschüttung“, einen „Damm“, der aus RohrDas Schöpfungsepos von Babylon.

AO. VIII, 1

Erde machte er, schüttete sie auf das Rohrgeflecht.

Damit er den Göttern einen Siß der Behaglichkeit verschaffe, 20 Menschen schuf er.

Aruru Menschengeschlecht mit ihm erschuf;
Tiere des Feldes, lebendige, im Felde erschuf er,
den Tigris und Euphrat schuf er, machte er auf Erden,

ihre Namen nannte er wohl. 25 Gras (?), Halnie der Wiesen, Rohr und Schlingpflanzen schuf er,

das Grün des Feldes schuf er,
die Länder, Wiesen und das Schilf;
die Wildkuh, ihr Junges, das Kalb, das Schaf, sein Junges, das

Lamm der Hürde,
Fruchtbaumpflanzungen und Haine,
30 Ziegenbock und Gazellenbock (?) ...... ten es.

Der Herr Marduk schüttete am Rande des Meeres eine Rampe auf,
[eine Schichtung] von Rohr und Erdmasse (?) machte er,
ein ............ ließ er entstehen,

[Rohr schu]f er, Baum schuf er,
35 ............ auf Erden schuf er.

Ziegel strich er, eine Ansiedlung baute er,
eine Ansiedlung baute er, Zusammenleben ermöglichte er.
Nippur machte er, baute Ekur,
Uruk machte er, baute E-anna.

Soweit ist nur erhalten. Hier ist auf jede mythologische Einfleidung verzichtet, nur Marduk erscheint als ,,Demiurg“, als ichaffender Gott, insofern er der entstandenen Welt ihre Gestalt und Ordnung verleiht. Das ist aber nichts als die babylonische Wendung vom schaffenden Gotte überhaupt. Es ist nicht der Stadtgott von Babylon, der aus der übrigen Götterschar auserwählt wird, um die Welt zu regieren, sondern es ist Marduk als Inbegriff aller Gottheit überhaupt. Es ist nur Mangel an sprachlicher. Durchbildung des Ausdrucks oder — absichtliches Verfallen in die allgemein verständliche Ausdrucksweise, welche hier nicht einen abstraften Gottesbegriff einsekt.

Das Gegenstück hierzu bildet das Schöpfungsepos von Babylon, welches in sieben Gesängen oder auf sieben Tafeln in epischer Form die Entstehung der Welt mythologisch ausgestaltet, also als das Treiben und Kämpfen einer Götterschar darstellt, deren jeder eine kosmische Kraft oder einen Teil des Weltalls darstellt. Die einzelnen Tafeln sind aus zahlreichen Bruchstücken zusammengesekt, die aus den Abschriften aus der Bibliothek Assurbanipals herrühren lagen und Erde ausgeschüttet wird. Einen solchen stellt der Tierkreis über dem „Dzean“ am Himmel, das Erdreich auf Erden dar; AD. III, 2/32 S. 27. Man vgl. die Entstehung der Tiberinjel in der römisdien Legende.

AD. VIII, 1

Die Weltschöpfungslegende bei Berossus.

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und sich ausnahmslos im Britischen Museum zu London befinden. Es war der um die Anfänge der Erforschung der Londoner Sammlungen hoch verdiente G. Smith, der auf sie sowie auf die meisten Stücke der epischen und mythischen Dichtung der Babylonier die Aufmerksamkeit gelenft hat. Sie sind jüngst neu und soweit bis jeßt wieder aufgefunden, vollständig von dem Beamten des Britischen Museum L. W. King herausgegeben und erklärt worden.

Wir können aus einem Bruchstücke des sogenannten GilgameschEpos feststellen, daß es im wesentlichen seine Gestalt bereits in der Zeit der „ersten Dynastie? von Babylon“ erhalten hatte und können das gleiche ohne weiteres auch für das Schöpfungsepos annehmen. Die Entstehung muß also bereits wesentlich früher fallen — sie kann auch schon der Zeit „Sargons von Agade“ angehören. Auf jeden Fall bringt sie die Vorstellung von Babylon als dein „Nabel", d. h. als Hauptstadt und Mittelpunkt der Welt, zum Ausdruck und jeßt damit also eine entsprechende Bedeutung der Stadt Marduks in weltlicher wie geistiger Herrschaft voraus.

Es finden sich noch manche Lücken im Terte, welche das Verständnis des Zusammenhanges erschweren. Die Schöpfungslegende, welcher der für den Seleukidenkönig Antiochos III. schreibende Priester Berossus in feinem Werke über die Geschichte Babylons gefolgt ist, scheint mancherlei geboten zu haben, was in unseren sieben Tafeln nicht steht. Nach dem erhaltenen Auszuge zu urteilen, ist man geneigt zu vermuten, daß er einer weniger in epischen Einzelheiten und mehr nach der Form des Lehrgedichtes neigenden, wenn auch mythologisch gehaltenen Darstellung gefolgt sei. Es heißt in dem Auszug, der uns dann bei Eusebius erhalten ist:

„Er (Berosjus) jagt, es habe eine Zeit gegeben, wo alles Finsternis und Wasser war und damals hätten wunderbar und eigentümlich geartete und aussehende Lebewesen eristiert: Menschen mit zwei auch vier Flügeln und zwei Köpfen, mit einem Körper aber zwei Möpfen, einem männlichen und weiblichen und zweigeschlechtig, männlich und weiblich?. Ebenso andere Menschen, die einen mit Ziegenschenkeln und Hörnern, andere mit Pferdefüßen, wieder andere mit dem vinterteile von Pferden und dem Vorderteile von Menschen, also centaurenartig anzusehen. Auch Stiere mit Menschenköpfen und Hunde mit vier Leibern, die hinten in einen Fischschwanz ausgingen und Pferde mit Hundeköpfen. Ferner Menschen und andere Tiere mit Möpfen und Leibern von Pferden und Fischichwänzen und andere Lebewesen 22

1) AO. VI, 1 S. 20.

2) Vgl. Platos Entstehung der Geschlechter durch Trennung doppelgeid lechtiger Wesen, die nach der Wiedervereinigung (Liebe) streben.

3) Vgl. die Pangestalten (Seóirim).

Der Uranfang der Dinge im babylonischen Epos.

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mit verschiedenartigen Tiergestalten. Außerdem auch Fische und Kriechtiere und Schlangen und andere wunderbare Lebewesen mit untereinander vertauschten Gestalten. Von diesen seien Abbildungen im Heiligtum Belsi vorhanden. Über sie alle habe ein Weib geherrscht init Namen Dmorka, was auf chaldäisch tamat heiße und „Meer" bedeute und den gleichen Zahlenwert habe wie Selene (Mond).

Als alles so beschaffen war, jei Bel gekommen und habe das Weib in der Mitte gespalten und aus ihrer einen Hälfte die Erde, aus der andern den Himmel gemacht, die in ihr lebenden Tiere aber beseitigt ......

Als aber Bel das Land unbewohnt und unfruchtbar sah, habe er einen der Götter befohlen, ihm den Kopf abzuschlagen, mit dem herausfließenden Blute die Erde zu mischen und Menschen und Tiere zu bilden, welche dermöchten die Luft zu ertragen. Bel habe aber auch die Gestirne, sowie Sonne, Mond und die fünf Planeten gebildet".

Eigentümlich ist diesem Berichte die Schilderung der Urwesen, welche in der noch nicht in Erde und Himmel geschiedenen Vorwelt, die einen chaotischen Charakter trägt, leben. Sie entsprechen den elf Ungeheuern, welche im Schöpfungsepos Tiamat als Hilfstruppen hat, aber sie werden dort nur namentlich aufgeführt und Berossus scheint ihrer mehr gekannt zu haben. Auch sind dort manche genannt (jo Skorpionmenschen), die hier nicht erwähnt werden. Nach seiner Angabe folgt er den – als Wandgemälde zu deutenden — Darstellungen in Sagila, dem Marduftempel.

Im übrigen besteht kein Widerspruch zwischen den beiden Darstellungen, in der Hauptsache ist Berossus, was zu andern Angaben bei ihm stimmt, den gleichen oder den inhaltlich sehr ähnlichen Urfunden gefolgt, wie sie auch uns vorliegen.

Das Schöpfungsepos beginnt mit dem Uranfang der Dinge:
Als droben nicht bestand der Himmel,
drunten die Erde noch nicht war;
als Apsu und zugleich ihr mitwaltender Sohn,

Mummu (und) Tiamat, die Erzeugerin von ihnen allen,
5 ihre Wasser in eins vermischten;

als Rohrstand noch nicht vereint, Rohr noch nicht gewachsen,
als der Götter entsprossen noch keiner,
als sie noch nicht waren, ihre Tätigkeit noch nicht ausübten,

da entstanden die Götter inmitten ....
10 Luchmu und Lachamu gingen hervor ......

Groß werden die Zeiträume ..
Anschar und Kischar werden geschaffen außer ihrem ......

Lang dehnten sich die Zeiten, es ...... 14 Anu, ihr Sohn, ......

1) Dem Marduktempel (Sagila, AD. V, 4 S. 19).
2) Verunstaltet aus umm u-ch ubur, worüber s. unten S. 26 Anm. 3.

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