Ҿ˹˹ѧ
PDF
ePub
[merged small][merged small][merged small][ocr errors]

die Urformen alles weltlichen Seins und aller menschlichen Vor-
stellung bilden: die erste räumliche und zeitliche Eristenz. Das
ist kein Zufall und solche Worte sind nicht aus dem naiven Volks-
bewußtsein heraus geboren, sondern sie sind aus der einheitlichen
Lehre des Drients heraus, bewußt und „wissenschaftlich" geschaffen
worden, wie die neueren wissenschaftlichen Ausdrücke. Wenn man
sich dazu erinnert, daß das Evangelium Johannes an den Anfang
alles Seins den Logos segt (man erinnere sich an Göthes Faust!),
so hat man die nötigen Ideenverbindungen, an denen man sich das
Wesen der tiefgründigen Spekulation veranschaulichen kann, die hier
der Wifjende in eine Form gebracht hat, die etwa einen Katechis-
mus babylonischer Weltlehre vorstellen soll. Wie es am Schlusse,
des Epos heißt:

Sie sollen begriffen werden, der Dberpontifer jou sie auslegen,
der weise Gelehrte Toll fie im Zusammenhange überdenken,
es soll sie überliefern der Vater, sie den Sohn lehren,
dem þirten und Hirtenknechte das Ohr öffnen.

Aus den drei ersten entstehen zwei weitere „Generationen" Lache und Lachos, Kifjar und Afsar. Diese sind Parallelerscheinungen zu denen der beiden folgenden „Welten" oder Entwidlungsstufen. Mit Tiamat-Apsu (oder Mummu, der an deren Stelle getreten) zusammen stellen sie eine Dreiheit und drei Reiche jener Urwelt dar, die natürlich in jener das sind, was die drei Reiche in der unsern: Wasser-, Erd- (Kishor und Anshor) und Luftreich (Luchmu und Lachamu).

Die nächste Dreiheit: Anu, Fil (En-lil) und Aos (Eaführen auf befanntes Gebiet, es sind Gestalten, die im Pantheon und Kulte Babyloniens Leben haben und aus dem Bereiche der philofophischen Spekulation in das Gebiet der allgemeinen Vorstellung überleiten. Sie stellen zunächst eine neue Welt dar, die sich aus jener Urwelt entwickelt hat, und zwar diejenige, welche die Vorstufe unserer eigenen bildet. Man denkt sie sich mit moderner Anschauung am besten als die Welt des Firsternhimmels, welche wieder genau so eingeteilt ist wie unsere eigene Welt: das Wasserreich (Ea Südhimmel), das Erdreich (Enlil-Illil = Tierkreis) und das Luftreich (Anu Nordhimmel).

1) Ein oberster Lehrer, eine Art Papst, ist der berufene Wahrer und Ausleger alles Wissens. Die Lehrer („Professoren“) erklären und überliefern diese Lehre. Der „Vater“ als Vorsteher der Familie bringt das für Federmann nötige d. h. den „Katechismus“ – seinen Angehörigen, den Kindern und dem „Gesinde" bei.

AD. VIII,

1

Der Weltbildner Marduk und die vierte Stufe.

25

Jede der neuen Entwicklungen geht von unten aus, von dem Wasserreiche. Wie Muminu als Sohn von Apsu und Tiamat, so wird auch der „Schöpfer“ der legten, unserer Welt, d. h. eben unsere Welt aus dem Wasserreiche der Anu-Enlil-Ea-Welt geboren.

Diese besteht zunächst nur aus den drei Reichen, noch herrschen in ihr keine anderen Kräfte, kein Leben, fein „Zusammenleben“, die Götter haben noch keinen festen Wohnsiß und feine „Behaglichkeit", niemand ist da, der ihnen dient und nicht „regelt" das, was ist, d. h. bestimmt Ort und Zeit. Alles das wird erst durch den Demiurg, den Weltbildner Marduf, den Sohn Eas, eingerichtet.

Die Welt, die dieser damit schafft, stellt die vierte Entwicklungsstufe dar; Apsu-Tiamat bilden die erste, Mummu mit den beiden andern die zweite, die Anu-Welt die dritte. Die Parallele der Weltzeitalter ist also genau gegeben.

Jede dieser Welten hat die nächste Entwidlungsstufe erreicht, indem sie einen Kreislauf zurücklegte, der sie in der Spirale höher führt. Jede neue Welt ist ein Universum (ein Kreislauf)! Damit vollzieht sie also im Großen, was die Wandelgestirne im Kleinen. Wie diese, besonders die Sonne, in ihrem Laufe durch den Tierkreis durch das Wasserreich hindurch müssen, um von dort zu neuem Leben, neu zu erstehen, so entsteht auch jede neue Welt als eine Neugeburt der alten aus dem betreffenden Wafferreiche. Das Eintauchen in diese ist ein Kampf mit ihr, der ihr feindlichen Macht, aus deren Besiegung und Tod sie neue Rraft gewinnt. Das den Mond und die sonstigen Gestirne bedrohende Ungeheuer ist ein „Drache“. Darum erscheinen die Gottheiten der Wassertiefe, welche von der Gottheit der neuen Welt — oder des neuen Kreislaufes der Wandelgestirne besiegt werden, als Drachen oder Schlangen, und zwar wenn wie Apju und Tiamat bereits geschlechtlich getrennt, als männlich (Drache, der obere Teil der betreffenden Entwidlungsstufe) und weibliche (Schlange). Sie drohen der höheren Entwick= lungsstufe, die auf ihrem Kreislaufe wieder in ihren Bereich kommt, ein Ende zu bereiten, sie ,,empören sich gegen die neuen Götter, ihre Kinder, die jeßt herrschen" und werden von deren jungen Sohne besiegt, der aus ihren Leichen eine neue Welt schafft

. So besiegt die Wintersonne die Wassertiefe, um aus ihr zu neuem Siegeslaufe emporzusteigen, so besiegt der neue Mond die schwarze Macht, welche den alten getötet“ hatte, indem er mit seiner Sichel deren Leib spaltet und ebenfalls zu seinem Laufe emporsteigt, um

26

Der Kampf des Urchaos gegen die neue Weltordnung.

AD. VIII, 1

dasselbe Schicksal zu haben wie sein Vorgänger: stets erwächst ein neues Leben aus dem Tode des alten.

Nach dem Entstehen der dritten Welt schilderte das pos, das hier verstümmelt ist, wie die Gottheiten des Urchaos die Verdrängung aus der Herrschaft bitter empfinden und diese wieder zu beseitigen planen.

Apsu ruft seinen Sohn 1:
„komm, hin zu Tiamat

wollen wir gehen.
Sie gingen, vor Tiamat blieben sie stehen.
Sie berieten betreffs der Götter ihrer Kinder.
Apju begann und redete,
zur reinen heiligen Tiamat sprach er:
,,ES [plagt mich] ihr Verhalten gegen mich,
bei Tage habe ich keine Ruhe, bei Nacht kann ich nicht schlafen.
Ich will sie vernichten, will sie zersprengen,
Wehklagen soll entstehen, damit wir Ruhe haben.

Tiamat geht auf seine Pläne ein und Mummu gibt klugen Rat, wie man es anzufangen habe, um Zwietracht zwischen den Göttern der höheren Welt zu jäen. Gerührt füßt Apsu seinen talentvollen Sprößling. Wie der Rat ausgeführt wird, ist wegen des lückenhaften Textes nicht klar? Ea, der Herr der Tiefe und Weisheit, — der ja den rebellischen Mächten am nächsten steht und wesensverwandt ist, bemerkt das Geschehene und scheint zunächst mit Anu zu beraten und diejem zu erzählen, was geschehen ist:

Götter (unsere?] Erzeuger haben sich gewaffnet, an der Seite von Tiamat ziehen sie zum Kampfe, wüten, schmieden Pläne, ruhen nicht bei Tag und Nacht, erheben Stampi, toben in Kampfbegier, scharen sich zusammen, rüsten sich zum Kampf. Die Mutter Chuburo, die alles schuf, hat ihnen gegeben unwiderstehliche Waffen, geboren Riesenschlangen. Spiß sind sie an Zähnen, scharf an Klauen, mit Gift wie mit Blut hat sie ihren Leib gefüllt. Wütende Ungeheuer hat sie mit Furchtbarkeit bekleidet, mit Schreden verjah sie ste, macht sie Göttern gleich. Wer sie sieht, muß nieder- fallend sich hinwerfen (?),

1) Sein sukalu wird Mummu hier genannt, das ist die dem Vater gleichartige Emanation, in der dieser in der neuen Welt weiterwirkt, und der zugleich als sein Bote gilt, der vom Vater gesandt wird, um seinen Willen zu vollziehen. So Marduk von Ea, vom Monde die neue Mondsichel Nuški usw.

2) Apsu und Mummu sind im Folgenden „gefangen“ von Tiamat. Vielleicht gehörte das zu dem Plane, der die Götter irre führen sollte.

3) d. i. Tiamat, ummu chubur Omorka bei Berossus.

AD. VIII, 1

Das þeer der Wassertiefe.

27

ihr Leib joll aufrecht ichreiten (?), nicht soll sich jenken ihre Brust.
Sie stellte hin den baschmu, die wütende Schlange, und den lachamu,
den Riesen- umu, die wütenden Hunde und den Skorpionmenschen,
die heßenden umu, den Fischmenschen und den Widder,
die schonungslose Waffen trugen, den Kampf nicht fürchten,
wuchtig im Angriff, unwiderstehlich.
Insgesamt elf machte sie so.
Unter den Göttern, ihrem Erstgeborenen, welche sie gemacht (zu

ihrem Heere ?],
hat sie erhöht Kingu, unter ihnen ihn zum Herrn gemacht,
als Führer der Truppe, als Leiter der Schar,
zu ergreifen die Waffen, auszuziehen zum Stampfe.
Des Streites Oberleitung vertraute sie ihm an, seşte ihn hin im

Herrscherkleide (?). ,,Ausgerufen habe ich dich, in der Schar der Götter dich zum Herrn

gemacht, die Herrschaft über alle Götter dir übertragen. Du sollst der Herr sein, du mein einziger Gatte. Preisen soll man deinen Namen über alle (Götter).“ Sie gab ihm die Schicksalstafeln 3, heftete sie an seine Brust: „Du, dein Geheiß werde nicht umgestoßen, feststehen jou dein Befehl." Als nun Mingu erhöht war, die Obergottheit empfangen hatte, bestimmten sie die Loje (Rollen) unter den Göttern, ihren Kindern 4.

Tiamat hat neue, ihrem Wesen als Drache oder Schlange verwandte Ungeheuer „geboren“ und will mit diesen die Welt erobern und beherrschen. Den „Erstgeborenen“ davon, Kingu ist er ein Zwölfter oder der an erster Stelle genannte basch mu? zum ,, obersten Gott“ und Gemahl erforen. Er soll also das sein, was Anu in der von ihr bekämpften Welt ist. In den Einzelheiten tritt wieder die Beobachtung des Parallelismus der Göttererscheinungen, d. h. der Weltteile hervor. Tiamat hatte die übrigen Götter Welten — mit ihrem „Erstgeborenen“ Mummu gezeugt, jeßt erwählt sie wieder den „Erstgeborenen“ zum Gatten. Es ist ein häufig im Mythus wiederkehrendes Motiv, das des Incestes der Mutter mit dem Erstgeborenen (meist von Zwölf). Die elf Ungeheuer sollen natürlich vor allem Gestalten darstellen, wie sie die „Wassertiefe" des Himmels zeigt, aljo der Südhimmel, aber dabei ist die Parallele zu den Tierkreisbildern deutlich feststellbar. Denn von diesen

1) Auf allen Vieren gehen.

2) Ein Text hat das Femininum, ein anderer den Plural; das erste ist wohl das richtige: Mingu ist der Erstgeborene der Elf.

3) Des Hohenpriesters, durch welchen die „Geschice“ der Welt bestimmt werden, das Abzeichen der Herrschaft; Urim und Tummim.

4) Die übrigen erhalten jeder seinen Wirkungsfreis.

28

Die Ungeheuer der Wassertiefe und der Tierkreis. UD. VIII, 1

werden auch meist elf aufgeführt, da eins ja stets von der Sonne bedeckt ist (diesem müßte vgl. oben vielleicht Kingu entsprechen). Es entsprechen sich: baschmu - Stier,

wütende punde - Jungfrau, Wage, wütende Schlange? Zwillinge, Skorpionmensch - Skorpion, lachamu – frebs,

heßende umus4 – Schüße, Steinbock, Riesen-umu Löwe,

Fischmensch Fische,

Widder Widder. Die Einzelheiten der Symbolik und Entsprechung sind noch nicht überall klar, das Zusammentreffen in einzelnen Punkten ist dagegen auffällig. In der Hauptsache wird der gleichzeitige Aufund Untergang der Bilder des Südhimmels den Grund für die ,, Entsprechung" abgeben.

Die Darstellungsweise der babylonischen Epen läßt nicht immer die Zusammenhänge klar erkennen. Sie seßt die allgemeine Kenntnis des Stoffes voraus und behandelt wichtige Übergänge kurz, Einzelheiten dafür umso breiter. Das bisherige bildet den Inhalt der ersten Tafel. Zu Beginn der zweiten scheint Tiamat wirklich Apsu mit Hilfe ihrer neuen Helfer beseitigt zu haben, denn dieser verrät jekt Ea den wahren Zusammenhang der Dinge: [Es vernahm] Ea

diese Dinge,
er war [schwer betrübt), saß in Trübsal.
[Die Tage ver]gingen, da legte sich seine Unruhe,
[hin zu] Anschar, seinem Vater, ging er [des Weges).

Er erzählt nun diesem in epischer Breite mit genau denselben Worten, wie es in der ersten Tafel berichtet worden ist, den Hergang und das Treiben der Tiamat. Anschar fordert ihn auf, die Empörer zu bekämpfen und niederzuwerfen und Ea macht sich auf den Weg. Beim Anblick der furchtbaren Gestalten aber macht er fehrt. Darauf ergeht die gleiche Aufforderung an Anu: „Anschar zu seinem Sohne sprach das Wort:

би starker Kämpfer,
dessen träfte groß, dessen Angriff unwiderstehlich.

1) Nach Zwillingsrechnung würde dieses der „Erstgeborene“, also Ktingu, sein. Ningu als „Gatte" der Tiamat, ist der „Drache“ am Nordhimmel, also die Schlange. Die Zwillinge sind das Zeichen des Mondes, über das Verhältnis des Drachen zum Monde 1. oben S. 14! Mingu ist das sumerische Wort für „Land“; Sin, der Mondgott, ist der „Begründer“ der Länder und Städte.

2) Offenbar der „Rieje" Orion.
3) Zwei Bilder: der große und kleine þund (Sirius).
4) Ebenfalls zwei!

« ͹˹Թõ
 »