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UD. VIII, 1

Der Nibirupunkt.

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jeder Tag seinen Abschnitt. Man vergleiche die Worte der Bibel über den Zweck der Gestirne: „zu bestimmen Vorzeichen, Zeiten und Jahre".

„Er errichtete den Standort des Nibiru, um zu kennzeichnen ihren Damit feiner fehlgehe, keiner irre,

[Itnoten, feßte er fest den Standort des Bel und Ea außer ihm."

Der Nibiru ist der Höhepunkt: im Weltall ist das der Nordpol, in der Ekliptik der Sommerwendepunkt. Dieser gehört naturgemäß Anu als „obersten Gott“. Er ist der Anoten, in dem alles zusammenläuft, wie er der Schnittpunkt des Gradneßes ist. Eine Bezeichnung scheint „Nabel" gewesen zu sein (das Band oder der Knotenpunkt, der das neue Leben mit dem alten verknüpft), die Griechen und Araber sprachen vom „Nabel der Erde“, als dem dem Anupunkte entsprechenden der Erde. Jedes Nationalheiligtum beansprucht das zu sein. So Delphi, so Jerusalem, im Islam Baghdad. Neben diesem wird der feste Punkt der beiden anderen großen Gottheiten festgesept: für Bel auf dem Tierkreise, für Ea in seinem Himmel.

,,Den Mond ließ er aufleuchten, damit er die Nacht erleuchte,
er bestimmte ihn als Nachtkörper, um die Tage zu bezeichnen:
,,,, monatsweise, unaufhörlich, aus der (dunklen) Mondscheibe 1 fomm

heraus,
am Beginn des Monats, aufleuchten im Lande,
strahle mit den Hörnern, zu bestimmen sechs Tage;
am siebenten Tage hälfte die Scheibe,
am 14. sollst du erreichen die Hälfte (des Laufes) aUmonatlich 2.
Wenn Schamasch am Grunde des Himmels 3 dich [fieht),
......, leuchte hinter ihm.
Am 21. dem Wege der Sonne nähere dich 4."""

Von hier an ist der Text verstümmelt, es wird von der Einfeßung der übrigen großen Gestirne, also Sonne und Venus und dann der Planeten die Rede gewesen sein. Vom Ende der Tafel sind einige Zeilen erhalten, welche davon sprechen, daß der Bogen, den Marduk im Kampfe geführt, unter die Sterne oder an den Himmel versekt werde. Das gleiche wird man auch von anderen

1) Der neue Mond löst sich scheinbar von der verdunkelten Scheibe (dem gestorbenen alten Monde) los. 2) Vollmond.

3) Die Sonne beim Untergange. 4) Bis zum Vollmonde entfernt sich der Mond von der Sonne, von da an nähert er sich ihr, bis er in ihrem Lichte verschwindet (Neumond), steht dem zur gleichen Zeit aufgehenden Vollmonde gegenüber, beide „sehen“ sich von ins Gesicht.

Alter Drient. VIII, 1.

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Verherrlichung Marduks.

AO. VIII, 1

Waffen anzunehmen haben. „Bogenstern“ und „Lanzenstern" sind die Namen des großen und kleinen Sirius.

Von der sechsten Tafel ist noch weniger erhalten. Es scheint von der Erschaffung des Menschen die Rede gewesen zu sein, was in der Weise, wie es bei Berossus geschieht, begründet gewesen zu jein scheint: die Erde war den Göttern zu leer und öde:

„Als Marduk das Wort der Götter vernahm,
war er bereitwillig, ersann Aunstvolles.
Sprechend zu Ea redete er,
was er bei sich erdacht, gab er ihm kund:
[Mein] Blut will ich nehmen, Bein will ich bilden,
ich will hinstellen den Menschen, der Mensch soll ...

Ich will machen den Menschen, welcher wohnt ......

Der Rest der Tafel ist noch nicht aufgefunden, von der siebenten und legten ist etwas mehr erhalten. Sie enthielt eine Aufzählung von Marduks „Namen“ oder „Eigenschaften“, welche ihm von den Göttern als Weltherrn beigelegt wurden. Darin tritt die Grundidee der babylonischen Gottvorstellung deutlich zutage: je nach der Stellung, die ein Gestirn einnimmt, nach der Wirksamkeit, die eine Gottheit ausübt, führen sie einen andern Namen und erscheinen damit als andre Persönlichkeit. So steht hinter der Vielheit der Göttererscheinungen doch der Gottheitsbegriff. Marduk ist der Gott der Götter, aber er hat viele Offenbarungsformen oder Wirkjamkeiten. So werden ihm hier deren fünfzig beigelegt, für jede Woche des Jahres (Mondjahr von 350x4 Tagen) eine andre. Die legten sind:

„, Nibiru sei sein Name der in der Mitte steht.
der Sterne, des Himmels Pfade joll er festhalten? (bewachen),
wie Schafe weiden die Götter alle,
gefesselt halten Tiamat, im Gewahrsam sie einsperren und festhalten,

Weil er die Erde machte und die Feste? geschaffen,
hat „Herr der Länder“ seinen Namen genannt Vater Bel3.
Die Namen, womit die Götter ihn nannten alle,
hörte Ea, freute sich:
,,,Der dem seine Väter ruhmvoll machten die Namen,
er wie ich, Ea sei sein Name.
Den Knoten meiner Linien soll er tragen."".
Mit dem Namen „Fünfzig“, die großen Götter
nannten sie seine fünfzig Namen, machten groß sein Wirken."

1) Ais Nordpol.

2) Tierkreis. 3) Der ursprünglich Herr der Länder (der Tierkreis) ist. 4) d. h. er soll am Punkte sißen, wo alle die Linien zusammenlaufen, NO. VIII, 1

Der Weltenkampf und der Jahreskampf der Sonne.

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Ea ist der Ausgangspunkt jeder Entwicklung, Marduk ist der Sohn, die neue Daseinsform Ga's, wie der neue Mond eine solche des alten. Im Kreislauf kehrt er zu ihm zurück und hat dann fünfzig Daseinsformen durchgemacht. Ea ist wie dann Marduk das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende jeder Entwicklung, der Schluß- und Anfangspunkt des Kreislaufs. Das Schriftzeichen für den Gott Ea ist das Zahlenzeichen für Eins, welches zugleich das der höheren Einheit des babylonischen Seyagesimalsystemes ist, der 60.

Der Weltenkampf, der hier geschildert wird, hat seine Muster vom Jahreskampfe der Sonne entnommen. Diese führt im Winter den Kampf mit der Wassertiefe, deren Namen Tiamat trägt, und besiegt sie im Frühjahr. Das Gegenstück dazu wäre der Kampf mit dem Feuer, der Durchgang durch das Feuerreich, das am entgegengejeßten Punkte der Welt liegt, dort, wo die feurigen Schwärme der Sternschnuppen, welche jeßt, im August, in der Zeit des Zwillings- und Stierzeitalters, um die Sonnenwende, fielen, das „Herabfallen“ des himmlischen Feuers zeigen. Berossus sagt, daß die Welt einmal im Wasser untergegangen sei und daß ihr nächster Untergang im Feuer stattfinden werde. Das sind Entwidlungsperioden der fertigen Welt, der von Marduk eingerichteten, die aber wieder sich als Parallelerscheinungen zeigen. Die Sintflut ist diese Zerstörung oder Verheerung unsrer Welt durch das Wasser, die der Bedrohung des alten Weltalls durch Tiamat entspricht. Auch aus ihr geht sie zu neuem Leben hervor, um dem Feuerbrand entgegenzutreten. Dieser spielt in den Mythologien ebenfalls seine Rolle, das germanische Ragnarök ist der Weltenbrand, der am Gegenpunkte der Sintflut stattfindet.

Dem Kampfe mit Tiamat müßte als Kampf der werdenden Welt auch ein Kampf mit dem Feuerdrachen, also mit Kingu, entsprechen. Die Fälle, wo dieser in der Mythologie und im Epos ausgeführt worden ist, wird jeder unschwer wiederkennen.

Denselben Kampf führen alle Wandelgestirne, vor allem der Mond, auf. Der Mythus vom Frühjahrsmond, der von den „ bösen Sieben“ bedroht wird, ist uns ebenfalls babylonisch erhalten 1. welche das Reich Eas abgrenzen und einteilen; man denke an das Bild des Poles, in dem sich die Linien des Gradneßes schneiden. Abstrakt ausgedrückt: er soll alle meine Befugnisse ausüben. 1) AD. III, 2/32 S. 65.

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Der Mythus vom Frühjahrsmond.

AD. VIII, 1

Die „bösen Sieben" sind die Plejaden, derjenige Teil des Stiers, welcher der Sonne „entspricht“ (S. 12). Deshalb haben diese Schamaich, den Sonnengott, als Bundesgenossen in dem Rampfe gegen den obersten der drei Regenten des Himmelsdammes. Auch in diesem Kampf mit der Sieben oder der Unterweltsmacht – die auch als Drache oder Schlange mit sieben Köpfen erscheinen fönnte! – ist Marduk der Helfer. Als Frühjahrsgott ist er die wiederaufsteigende Sonne, wie er der sich wieder aus der dunkeln Mondscheibe loslösende Mond ist. Dieser erscheint als Sichel, und mit dem Sichelschwerte wird der Drachentämpfer meist im Kampfe mit dem Ungeheuer dargestellt: die Sichel hat den Leib der finstern Macht gespalten, sie hebt sich von der dunkeln Mondscheibe ab.

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